Ausgabe 
16.6.1928
 
Einzelbild herunterladen

I, n ch rr

r- en en it- en en !'

io« >es rch len ts zu ba- ing be- Den on< als ört. mb itte -: ine- vas ten, teilt ren ater An- tben bei- faß

)Utz> ein eine ichte, Be. impf Ising wir tzend bahn Otter -khof bet >untt neigt nein» richt, bem

rzog- s ist ) aus -zeit, tmen. chlen. nein, t als sehen uchen aus- sichen ber. ! Da ihm

; ihM ieben. >il er itatur rannt sieht einen kann selbst ib der t van iedichi ;chau-

nnt, eichen ch als f daß

Lourdes, die Stabt der Wunder.

Von Paul Blum.

Auf einem hohen freistehenden Felsrücken tagt das Schloß von Lourdes in den stahlblauen Himmel, mit feinen zerbröckelnden Umfas- KMsmauern und bem malerisch verfallenen Donjon aus bem 14. Jahr- Lnbert. Ringsum ducken sich die Häuschen der Ville Grise, der modern- Ln Altstadt, Schutz suchend vor der immer höher brandenden Flut der Me Blanche, der schönen neuen weißen Stadt mit ihren Klöstern, Spi- Llern, Herbergen und Kaufhäusern, überthront von der marmornen, Blärmigen Basilika, der unbestrittenen Königin dieses Tales. Die ndung derGrauen Stabt" geht auf die Römer zurück, die an dieser Rette ein Kastell erbauten, dieweiße" ist neueren Ursprungs: sie ver- tantt ihr Entstehen einem kleinen Hirtenmädchen, dem vor bald sieben , ^zehnten der nahen Grotte Massabielle die Mutter Gottes erschien.

Die Grotte Massabielle ist weniger hoch, tief und geheimnisvoll als hle Phantasie sie träumte. Auch lauscht man vergebens auf das Riefeln teis wundertätigen Wäfferleins, bas einst auf einen Zanberfchlag bem flirren Felsen entquoll. Es ist unhörbar und unsichtbar. Röhren nehmen B gleich bei seinem Ursprung auf und leiten es in die Badehäuser und Brunnen. Die Gottesmutter aber, die holde Wunder wirkte, steht mar- moroeis, mit blauer Schärpe, so wie sie einst der Hirtin Bernadette koubirous erschien, in einer natürlichen ovalen Rische des Gesteins, Io hoch, daß sie den Blick zum Aufschauen zwingt, und um ihr Haupt Wht ein Strahlenkranz mit den Worten, die damals die verzückte Hirtin vernahm:Je suis limmaculee Conception!" Zwei riesige Kerzen hallen unter der Nische flammende Wacht, zahllose andere Fackeln von frommen Händen stets erneut, erhellen die Grotte Tag und Nacht, füllen le mit lauwarmem Dust und wächsernem Schnee und schwärzen Wände und Decken, an denen Hunderte aufgehängter Krücken, Weihgeschenke Veheilter, von der Wunderkraft der heiligen Quelle Zeugnis geben, lausende durchwandeln Tag für Tag die Grotte, küssen den Fels an et;er bestimmten Stelle unterhalb des Bildes, reiben Medaillen, Kreuz- Jen, Kettchen daran, um sie durch die Berührung mit dem heiligen estein zu weihen. Vor dem Gitter aber, das nur durch einen engen Durchlaß Ein- und Ausgang gewährt, knien Betende im Staube, ge« Kulten Hauptes, die Arme in Kreuzform ausgebreitet, Rosenkränze in ' Üen Händen, Gebete murmelnd. An der Grotte flieht breit, klar, berg» 8, ber Gave vorbei. Sein Plätschern klingt, eine leise eintönige nne, in den Chor der Verzückten.

*

Vor den Badehäusern flauen sich Hunderte von Bahren und Roll­wägelchen. Die Kranken, die Lahmen, die Krüppel warten auf das feilungbringenbe Bad. Ein freiwilliger Samariterdienst, meist aus pen- nonierten hohen Beamten und Militärs, zum Teil Trägern der tönenb- ften Namen des französischen Hochadels bestehend, besorgt die Beförde­rung ber Leidenden aus den Spitälern in die Bäder und auch wohl wieder zurück; denn die Fälle, daß Bahren und Wägelchen nach bem Bade Überflüssig geworden sind, gehören nicht eben zu den alltäglichen Ereignissen. Arn späten Nachmittag, wenn die Badezeit vorüber ist, dürfen auch Gesunde die Baderäume betreten. Man sieht darin kleine, durch Borhänge getrennte Zellen mit wannenartigen Steinbehältern, in denen trübes, schmutziggraues Wasser steht. Die Ergiebigkeit der Üuelle ist begrenzt, auch gestattet der große Andrang kein öfteres Wechseln des Wassers, das nur zweimal den Tag erneuert wird ... «Mais ca na aucune importance", versichert die Führerin,Cest de l'eau miraculeuse". Und offenbar unter dem Bann dieser Worte über» oinbet eine Gruppe schlichtgekleideter Frauen und Männer ihre Hem­mungen und einer nach dem anderen bückt sich, um Hände und Ge- ßcht in bem wundertätigen Wasser zu netzen.

In den Gassen und Gäßchen, die zur Grotte führen, blüht ber Profit.

der Umgebung ber Heiligtümer reiht sich Geschäft an Geschäft. An- Rtstarten, bank ber gegenseitigen Unterbietung billiger als sonstwo in Frankreich, Rosenkränze, Halsketten, Mebaillen, Statuetten, Heiligen- mlder, Flaschen und Becher zum Schöpfen des Wunderwassers, Kuchen, Pastillen und Bonbons, mit dem heiligen Naß bereitet ober damit ge= lullt, werben hier in sehr geschäftstüchtiger Art feilgeboten. Und es be= r kühri komisch und peinlich zugleich, die Heilige von Lourdes, an bereit Mioser Herzenseinfalt auch Zolas kritischer Geist nicht zweifelte, zur Schutzpatronin des Kommerzes erniedrigt zu sehen. Als ob verwandt- Mstliche Beziehungen zur Begnadeten eine Gewähr für die Qualität wr Waren böten, rühmt sich ein Ladenbesitzer, der Sohn des Bruders «er Bernadette zu fein, ein anderer nennt sich ihren Schwesterfohn, e,n Dritter macht den Genius loci zu feinem stillen Kompagnon, indem ?F ®<f fein Schild die Worte fetzt:Wohnhaus der Bernadette Sou- # t 1 Unb Aufschriften in allen europäischen Sprachen locken zum S'' ?as Täfelchen:Man spricht deutsch!" funkelt von Neuheit. Es ist ' «b lange her, daß man wieder deutsch spricht. Aber immerhin, «m Anfang zu praktischer Völkerversöhnung, zu wirklich sehr rrottqdjer ...

finden zur Zeit der großenPelerinage National", das im «W Sromme aus ganz Frankreich und allen Ländern der katholi- in ber kleinen Pyrenäenstadt versammelt, zwei große Pro- V,,J'en statt. Am Nachmittag wandelt zwischen dem dichtgedrängten hj ?Mnspcilier ber Kranken die Prozesfign du Saint Sacrement über ttirfkn & Esplanade vor der Basilika, in der Mitte unter dem goldge- virb .. ?°idachin die heilige Monstranz, die jedem Kranken hingereicht leiht»« 6ei .i>eren Anblick und Berührung sich zuweilen die Wunder- taufpnS»- t.erei9nen. Bei Einbruch der Dunkelheit schreitet eine viel- btt'fflrA» *9e Menge, Männer und Frauen, Kinder und Greise, von 8enh au.5 über die majestätischen Rampen der Basilika, Fackeln tra- nnb einen Marienhymnus singend, zieht als endlose feurige

Schlange über den Riesenplatz und sammelt sich dann zu begeistert« Huldigung, ein singendes, brausendes, leuchtendes Meer, vor dem Te«- pel der Gottesmutter. Zwei Stunden lang ertönt' in allen Sprachen taf traditionelle Preislied der Allheilenden und jede ber zahllosen Strophe» klingt in ein mehrfach wiederholtes und moduliertes Ave Maria aus, das die Tausende durch Rasse, Nation, Stand und Charakter Getrennt« in einträchtigem Jubel zum nächtlichen Himmel emporsenden. Und üb« dem wogenden Flammenmeer strahlt die Basilika in festlicher Beleuch­tung, die die Konturen der Fenster, Türme und Türmchen aufglänze» macht, gegenüber prangt das von farbigen Lichtern umrahmte Stand­bild derGekrönten Maria" und vom--Gipfel des 3er verkündet ein. flammendes Kreuz der inbrünstigen Menge ein tröstlichesIn hoc signo vinces" in diesem Zeichen wirst du siegen!

*

Die magische Atmosphäre dieser Stadt des Leidens und des Wunders tötet die Skepsis und erstickt den Spott. 3n vielen stärkt, in manchen weckt sie den Glauben, in allen, die einer menschlichen Regung fähig sind, das Erbarmen. Diese furchtbare Ansammlung menschlichen Elends, diese Hunderte von Kranken in ihrer tragischen Hilflosigkeit, diese blassen und fiebrigen, gedunsenen ober ausgehöhlten Gesichter, diese verkrümm­ten Glieder, geschwollenen Körper, Arme und Beine, verdrehte Hälse, gläserne Augen, aus denen man weiß nicht recht Ergebung, Gläu­bigkeit ober stumpfe Verzweiflung spricht, diese namenlos erschütternde Heerschau menschlichen Jammers, die Im Wunder ihre letzte Zuflucht Kt, all das wühlt auf, erweicht auch bas härteste Gemüt, macht die jen feucht und schnürt die Kehlen zu.

Lourdes, Schule des allheilenden Erbarmens und der Menschlichkeit, Schule der Hoffnung und der Zuversicht, des Traumes und der Ekstase! Solange es Menschen geben wirb, bie leiden und schmachten, solche, ole unter der Last des Daseins keuchend zum Himmel aufblicken, und solche, die ewig vom Glück gemieden, sich doch ewig nach ihm sehnen, wirst du das Ziel Tausender und Abertausender bleiben, und deine strahlende Grotte derLeuchtturm der Illusion, sinnfälliger Triumph des Un» möglichen über die unerbittliche Realität ...

Dielegen.

Erzählung von Gottfried Keller.

(Fortsetzung.)

Dieser Vorschlag erhielt den Beifall der Seldwyker, und so lieh Kün- golt, wohl zufrieden, ihren Dietegen nicht mehr von der Hand, sondern hielt ihn fest beisich. Das Pärchen nahm sich in der Tat höchst anmutig aus; auch das Mädchen trug einen üppigen Kranz auf dem Köpfchen und war in Grün und Rot gekleidet. Deshalb gingen sie wie ein Bild aus alter Märchenzeit vor dem fröhlichen Volke her, als dieses endlich beim glühenden Abendrot berghinunter heimwärts zog. Bald jedoch trennte sich ber Forstmeister von bem Zuge unb ging mit den Kindern seitwärts nach feinem Forsthause, welches unweit ber Stabt im Walde lag. Ein dunkler Baumgang führte zu dem Haufe, in welchem die stille Frau des Försters faß und mit Erstaunen die Kinder eintreten sah. So­gleich sammelte sich auch das Gesinde, und während die Frau den müden Kindern zu essen gab, erzählte der Mann das Abenteuer mit dem Knaben. Der war aber jetzt gänzlich erschöpft, auch fror es ihn in seiner allzuleichten Tracht; daher wurde herumgefragt, wer den Ankömmling für die erste Nacht in seinem Bette aufnehmen wolle? Tiber die Knechte, sowie die Magd wichen scheu zurück und hüteten sich, ein Kind zu be­rühren, das soeben am Galgen gehangen hatte. Da rief Küngolt eifrig: Er soll in meinem Bettchen schlafen, es ist groß genug für uns beide!" Als hierüber alles lachte, sagte die Forstmeisterin freundlich:Das soll er, mein Kind!" Und den Jungen liebevoll betrachtend, setzte sie hinzu: Gleich als der arme Schelm hereintrat, befiel mich eine sonderbare Ahnung, als ob ein guter Engel erschiene, der uns noch zum Heil ge­reichen würde. Soviel ist sicher nach meinem Gefühle: Unheil wird er uns nicht bringen!"

Damit führte sie die Kinder in das Kämmerchen neben ber großen Stube und beförderte sie zu Bette. Dietegen, welcher kaum mehr sah und hörte, was um ihn vorging, machte die gewohnten Bewegungen, um sich zu entkleiden; da er aber sozusagen schon im Hemd war, so machten feine schlaftrunkenen vergeblichen Versuche einen fo komischen Eindruck auf das Mädchen, welches inzwischen schon unter die Decke geschlüpft war, daß es vor Vergnügen laut auflachte und rief:Q seht mir den Hemdlemann! Er will sich immer ausziehen und hat doch weder Wäms- chen noch Stiefelchen an!" Auch die Mutter mußte lächeln und sagte: Geh in Gottes Namen nur in deinem Armesünderhemdchen zu Bett, du lieber Schelm! Es ist ja ganz neu und dazu von guter Leinwand! Wahr­lich, die bösen Leute zu Ruechenstein betreiben ihre Greuel wenigstens mit einem gewissen Aufwand!"

Damit deckte sie die Kinder behaglich zu und konnte sich nicht ent­halten, beide zu küssen, fo daß nun Dietegen herrlicher aufgehoben war, als er es sich am Morgen ober je in feinem Leben geträumt hätte. Aber feine Augen waren schon geschlossen und feine Seele in tiefem Schlafe. Nun hat er aber gar nicht gebetet! sagte Küngolt halblaut und be­kümmert, worauf die Mutter erwiderte:So bete du auch für ihn, mein Kindchen!" und in die Stube zurückging. In der Tat sprach das Mädchen nun zwei Vaterunser, eines für sich und eines für feinen Schlas- tameraben, worauf es still wurde im dunklen Kämmerlein.

Geraume Zeit nach Mitternacht erwachte Dietegen, weil nun erst ihn sein Hals zu schmerzen begann von dem unfreundlichen Strick. Das Gemach mar ganz hell vom Mondschein, abet er konnte sich durchaus nicht entsinnen, wo er mar und mas aus ihm geworden fei. Nur das erkannte er, daß es ihm, vom Halsweh abgesehen, unendlich wohl er­gehe. Das Fenster stand offen, ein Brunnen klang lieblich herein, die silberne Nacht webte flüsternd in den Waldbäumen, über welchen der Mond schwebte: alles dies schien ihm unbegreiflich und wunderbar, da er noch nie den Wald, weder bei Tag noch bei Nacht, gesehen hatte. Er fchaute, er horchte, endlich richtete er sich auf und sah neben sich