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a) Aufnahmen von Strukturen, Texturen, Fakturen, in bezug aus ihr Verhalten gegenüber dem Licht (Absorption, Reflexion, Spiegelung, Streuung usw.).
v) Aufnahmen in bisher nicht üblicher Art: seltene Sichten, schräg, aufwärts, abwärts, Verzerrungen, Schattenwirkungen, Tonkantraste, Vergrößerungen, Mikroaufnahmen.
c) Aufnahmen mit neuartigen Linsensystemen, Konkav- und Konvex- Spiegeln, Stereoaufnahmen auf einer Platte usw.
Me Grenzen der Photographie sind nicht abzusehen. Hier ^ist alles
Wenn man nun statt eines undurchsichtigen Objektes ein durchsichtiges däet durchscheinendes wählt: Kristall, Glas, Flüssigkeiten, Schleier, Netze, Siebe usw., so erhält man statt harter Silhouettenwirkungen — Abstufungen der Helligkeitswerte. Und wenn man diese Werte bzw. die Objekte nach bestimmten Grundsätzen kombiniert, wird das Ergebnis, je nach Konzentration und Hebung, klarer und reichhaltiger.
Die Arbeitsregeln sind allerdings nur in den Umrissen zu fassen, da man es hier mit einem bisher unbekannten Gestaltungsgebiet, mit einer vollkommen neuen Seite der optischen Gestaltungsarbeit, zugleich mit der Umwertung der bisherigen photographischen Arbeit zu tun hat. Wesent- ß* ist: Eine nie versagende Gefühlssicherheit gegenüber den Erscheinungen des Lichtes, — seiner Aktivität in der Helle, seiner Passivität Im Dunkel, — seiner feinsten Strahlenverteilung bis zum vollkommenen Ausgleich der kleinsten und größten Spannungswerte.
Es besteht keine Vergleichsmöglichkeit mit dem Material anderer Sestaltungsgebiete. Die Gesetze der Organisation entstehen hier aus der praktischen Arbeit: im Zusammentreffen des menschlichen Organismus mit dem neu gefundenen Stoff.
Bisherige Erfahrungen lehren, daß feinste Hebergänge hier von hoher , Intensität sein können, und daß gar zu starke Weiß-Schwarz-Kontraste die Wirkung schwächen.
Eine geringe Menge Weiß ist fähig, durch ihre Aktivität große Flächen von tiefftem Schwarz leuchtend im Gleichgewicht zu halten, wobei es weniger auf die Formbildung als auf Menge, Richtung und Lage- beziehungen oder einzelne Lichterscheinungen ankommt.
Es ist noch zu bemerken, daß die kameralosen Aufnahmen als Negative von einer wundervollen Weichheit der ineinanderfließenden Grau- werte sind, dagegen die Positive, — die auch von Papiernegativen her- gestellt werden können, — härtere, oft fahle Grauwerte ergeben. Ihre ganz sonderbare Art wird erst nach und nach zur Wirkung kommen.
Die Photogrammversuche sind für Laien wie für Photographen von grundlegender Bedeutung. Sie geben reichere und wichtigere Lehren über den Sinn des photographischen Verfahrens als die meist wenig bewußt, oft mechanisch hergestellten Kamera-Aufnahmen. Die Organisation der Lichtwirkung erfolgt hier souverän, so wie sie dem Hersteller richtig erscheint, unabhängig von den Gebundenheiten und Zufälligkeiten der Gegenstände.
Die lichtempfindliche Schicht — Platte ober Papier — ist eine tabula rasa, ein unbeschriebenes Blatt, worauf man mit Licht so notieren kann, wie der Maler mit seinen Werkzeugen: Pinsel und Pigment, auf seiner Leinwand souverän arbeitet.
Wer einmal bei der Herstellung von kameralosen Photogrammen den Sinn des Lichtschreibens erobert hat, der wird auch am sinnfälligsten mit der Kamera arbeiten können.
2. Kamera-Aufnahmen.
Der photographische Apparat hat uns überraschende Möglichkeiten geliefert, mit deren Auswertung wir eben erst beginnen.
Diese im photographischen Verfahren ruhenden latenten Heber» raschungen des Optischen wurden uns sehr oft durch Zufallsleistungen ton Amateuren, durch objektive „nichtkünstlerische" Aufnahmen von Naturwissenschaftlern, Ethnographen usw. zugänglich. Durch sie haben wir viel gelernt über das Spezifische, Einzigartige des photographischen Lersahrens, über die Mittel, die uns die Photographie in die Hand gibt.
In der Erweiterung des Sehbildes ist selbst das heutige, unvoll- tommene Objektiv schon nicht mehr an die engen Grenzen unseres Auges gebunden. Kein manuelles Gestaltungsmittel (Bleistift, Pinsel usw.) vermag ähnlich gesehene Ausschnitte aus der Welt sestzuhalten. Ebenso unmöglich ist es dem handwerklichen Gestaltungsmittel, bzw. dein Auge, eine Bewegung in ihrem Kern zu fixieren. Auch die Verzerrungsmöglich- feiten des Objektivs — die sog. Fehlaufnahmen — (Hntersicht, Obersicht, Cchvägsicht) sind keineswegs nur negativ zu werten, sondern sie geben eine unvoreingenommene Optik, die unsere an Asfoziationsgesetze gebundenen Augen nicht leisten.
Und von dem andern Gesichtspunkt: die Feinheit der Grauwirkungen »gibt eine sublimierte Wirkung, deren Differenzierung den höchstgesteigerten Farbenklängen gleichwertig sein kann.
Mit der Nennung dieser Gebiete sind bei weitem nicht die Grenzen her Möglichkeiten gegeben. Obwohl die Photographie schon über hundert Lahre alt ist, Hai der Entwicklungsgang es doch in den letzten Jahren erlaubt, über das Spezifische hinaus die Gestaltungskonsequenzen zu Wen. Erst in den letzten Jahren ist unser Sehen reif geworden für die Erfassung dieser Zusammenhänge.
Wenn mir — auf Grund dieser vorläufig fragmentarischen Erkennt- »ifse — ein Programm der praktischen Arbeit anbeuten wollen, müssen * uns zu allererst an das Spezifisch-Photographische halten.
In der photographischen Materie liegt unendlich viel verborgen. Um richtige Fingerspitzengefühl für die Eigengefetzmäßigkeit ihrer Mittel ju bekommen, muß man praktische Versuche durchführen.
Unter anderem
Firnelicht.
Von Conrad Ferdinand Meyer.
Wie pocht das Herz mir in der Brust Trotz meiner jungen Wanderlust, Wann, heimgewendet, ich erschaut Die Schneegebirge, süß umblaut, Das große stille Leuchten!
Ich atmet’ eilig, wie aus Raub, Der Märkte Dunst, der Städte Staub. Ich sah den Kampf. Was sagest du, Mein reines Fimelicht, dazu,
Du großes stilles Leuchten?
Nie prahlt ich mit der Heimat noch Und liebe sie von Herzen doch! In meinem Wesen und Gedicht Allüberall ist Firnelicht,
Das große stille Leuchten!
Was kann ich für die Heimat tun, Bevor ich geh im Grabe ruhn? Was geb ich, das dem Tod entflieht? Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Sieb, Ein kleines stilles Leuchten!
Der Gefangene im Kaukasus.
Von Graf Leo N. Tolstoi.
(Fortsetzung.)
Einst flieg Shilin den Berg hinab, um nachzusehen, wo der Alte lebt. Er gelangt auf einen Steig unb sieht einen Garten mit einer steinernen Mauer; im Garten stehen Kirschbäume unb ein Häuschen mit einem flachen Dach. Wie er nähertritt, sieht er aus Stroh geflochtene Bienenstöcke — fummenb fliegen bie Bienen. Der Alte steht auf den Knien und ist um einen Bienenstock beschäftigt. Hm genauer zu sehen, hebt Shilin ein wenig ben Kops, wobei er mit seinem Fußklotz Geräusch macht. Der Sitte wendet sich, greift hastig aus dem Gürtet bie Pistole unb knallt auf Shilin tos, ber kaum Zeit finbet, hinter ber Mauer sich zu ducken.
Der Alte führte Klage bei Abdul, Abdul ruft Shilin, lacht und fragt: „Weshalb gingst du zum Alten?"
„Ich hatte nichts Böses im Sinn; wollte nur sehen, wie er lebt."
Heber diese Antwort ärgert sich der Sitte, er zischt, brummt, steckt seine Hauer heraus unb broht Shilin mit ben Hänben.
Zwar begriff Shilin nicht alles, aber es ward ihm klar, daß der Alte geboten habe, bie Russen zu töten.
Shilin forschte bei Abdul:
„Was ist das für ein alter Mann?"
Darauf antwortete Abbut:
„Ein gewichtiger Mann! was für ein Mann! Viele Russen hat er getötet. Unb reich war er. Er besaß brei Frauen unb acht Söhne. Alle wohnten zusammen. Da kamen Russen, zerstörten ben Aul unb töteten ihm sieden Söhne. Ein Sohn ergab sich ben Russen. Der Alte ging zu ben Russen unb übergab sich selbst. Drei Monate lebte er bei ihnen, fand seinen Sohn, tötete ihn und flüchtete. Seit dieser Zeit zog er nicht mehr in ben Krieg, er pilgerte nach Mekka unb betete. Darum hat er einen Turban. Wer in Mekka war, heißt Habschi unb trägt einen Turban. Er liebt nicht beine Brüder; dich zu töten, hat er besohlen; ich aber kann dich nicht töten — ich habe für dich Geld bezahlt; auch habe ich dich lieb gewonnen, Iwan; ich würde dich gar nicht von hier lassen, wenn ich nicht mein Wort gegeben hätte." Er lachte und radebrecht russisch: „Du, Iwan, gut; Abdul gut."
IV.
Wieder war ein Monat vergangen. Am Tage geht Shilin im Dorfe umher oder seine geschickten Hände verrichten allerlei Hantierungen. Wie aber die Nacht kommt und es im Aul ruhig wird, gräbt er bei sich im Verschlage. Durch bie Steine zu bringen, hielt schwer; emsig arbeitete er mit ber Feile unb grub unterhalb der Wand ein Loch, grabe groß genug zum Durchkriechen. Daß ich nur orbentlich Hmschau halte, denkt er, um bie Richtung nicht zu verfehlen. 1
Da benutzt er eine Zeit, als Abdul fortgefahren mar; nach bem Mittagessen begab er sich hinter ben Aul auf ben Berg, um auszuspähen. Abbul hatte jeboch,'ehe er sich auf ben Weg machte, bem Nogaier befohlen, bie Gefangenen nicht aus ben Augen zu lassen. Der Bursche läuft Shilin nach unb ruft:
„Gehe nicht! Der Herr hat's nicht erlaubt. Gleich rufe ich das Volk" Shilin wußte ihn zu bereden.
„Ich gehe ja nicht weit," sagte er, „nur auf jenen Berg. Komm mit mir. Im Block laufe ich dir nicht fort. Komm. Morgen will ich dir eine Armbrust unb Pfeile machen."
Der Bursche begleitete ihn auf den Berg. Mit dem Kloß an den Beinen zu gehen, ist für Shilin sehr schwer; mühsam schleppt er sich. Oben angekommen, setzt er sich hin und schaut sich nach allen Seiten um. Gegen Süden senkt sich ber Boden, dort weidet eine Pferdeherde unb im Tal liegt ein Aul. Ein anberer Berg strebt steil auf; hinter demselben, ihn überragend, schaut noch ein Berg. Wald dunkelt in den Schluchten. Berge unb Berge — höher unb höher erheben sie sich — und der Schnee oben glitzt wie Zucker. Unb höher als alle bie weißen Berge steht eine Kuppe mächtig da. Ebensolche Berge — im Osten, im Westen. Nebel wallt in den Schluchten, in denen vereinzelte Aule liegen. Das alles ist Tatarengebiet. Shilin blickt nach der russischen Seite: unter ihm, weitab, ein Flüßchen, ein Dorf, .Gärten ringsum; am Flüßchen, gleich kleinen Puppen, sitzen Weiber unb spülen. Dahinter steht ein niebriger Berg, ben zwei mit Walb beftanbene Berge überragen; zwischen den Bergen zieht sich ein matter Schimmer wie ferner Rauch. Shilin er-


