Ausgabe 
15.5.1928
 
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2>ie Nacht vergeht, die erste Röte verkündet den neuen Tag. Wieder ruft der Muezzin zum Gebet, jubelnd verklingt der Ruf von der Ein- Ji Allahs. Alle liegen am Boden, und laut betet man die vorgefchrie- Len Suren des Korans.

Stunden vergehen, wir reiten südwärts, reiten dorthin, wo die Zünen immer einsamer werden und die Luft glüht. Mit uns reitet eine Karawane, 24 Tiere. Nachts kriechen wir in unser Zelt am Lagerplatz, ßioch eindrucksvoller ist hier das Schweigen der Wüste um uns ge­worden. Stumm hockt der Wächter bei den Tieren. Dann reiten wir wieder schweigend dahin, manchmal nur ertönt die schimpfende Stimme Kerwan-Baschi, des Führers der Karawane ... Unsere ständigen Begleiter sind der Tod und unsere Schatten.

So verbringen diese Nomaden ihr Leben. Ich danke dem Geschick, dH ich nur ein Gast des Landes bin.

Hassan betet viel, alle beten viel! Der Glaube gibt Kraft.

Was sind die wissenschaftlichen Theorien des zivilisierten Europas. Was ist der Rationalismus? Der Geist dieser Menschen wird immer wieder aufschweben zu Gottz zu dem großen Unbekannten, der alles lenkt und regiert und dem Erdball, dem Weltall Leben und Bewegung gibt. Das ist mir hier Gewißheit geworden.

Wie ernährt sich der Mensch am besten?

Bon Prof. Dr. A. Pütter, Heidelberg.

Eine Zeit, die alte Traditionen auf allen Gebieten mehr und mehr verliert, die sich fast rühmt, keine Institution deshalb anzuerkennen, weil sie auf fester Uebcrlieferung ruht, muß auch in bezug auf die Notwendigkeit, die Güte, ja die Nützlichkeit unserer Ernährungsgewohn- heitcn zweifelhaft werden und dementsprechend die Frage nach der zweckmäßigsten Form der Ernährung zur Erörterung stellen. Vielerlei, teils recht seltsame Menschen, machen es sich heute zur Aufgabe, Ant­worten aus diese Frage zu finden und mit der Bekennerfreude von Aposteln ihre Lehren zu verbreiten. Die verschiedenen Richtungen dieser Ernährungslehren schildern würde bedeuten, ein Buch zu schreiben, in dem über viel abstruse Theorie zu berichten wäre und daneben über mach gutes Rezept, manche brauchbare praktische Anweisung.

Ein nicht geringer Teil dieser Ernährungslehren sindverkappte Reli­gionen" und als solche einer einfachen naturwissenschaftlichen Kritik nur bedingt zugänglich. Ihnen allen aber ist gemeinsam, daß jede eine ganz bestimmte Art der Ernährung als die beste, ja vielfach als die allein menschenwürdige feiert, was schon darin zum Ausdruck kommt, daß der Begriff derReinheit" der Nahrung oft in einem wertendem Sinne angewendet wird, wie ihn die Naturwissenschaft und Medizin aus methodischen Gründen gar nicht anwenden kann.

Wenn wir Kritik an den althergebrachten Ernährungsgewohn­heiten üben wollen, und nicht minder an der modernen Veränderung, die sie in den letzten Menschenaltern erfahren haben, so wird die Vor­bedingung dazu fein, daß wir über die räumlich und zeitlich so eng be­grenzte Erfahrung des Alltags hinaus zunächst einmal feststellen, wie Menschen sich ernähren und ernährt haben, die krästig und gesund sind ober gewesen sind und die nur ihren Naturtrieben, nicht mehr oder minder grauer Theorie folgen.

Es gibt Tiere, die auf ein einziges Nahrungsmittel an­gewiesen sind. Der Borkenkäfer kann nur von der Borke leben, der Seidenspinner nur von den Blättern des Maulbeerbaumes. Versucht man ihn mit Schwarzwurzelblättern zu ernähren, so gelingt das nur schwer, mit anderen Blättern überhaupt nicht. Unter den Säugetieren gibt es keine Arten mit so engem Nahrungsspielraum. Wenn wir Fleischfresser und Pflanzenfresser unterscheiden, so steht jedem dieser Tiere eine ganze Anzahl von Nahrungsmitteln zur Verfügung, verschiedene Beutetiere, verschiedene Pflanzen ober Pflanzenteile. Daneben haben wir gerade unter deg Säugetieren die Gruppe der Allesfresser, Tiere mit ganz be­sonders großem Nahrungsspielraum, die je nach den gegebenen Be­dingungen, bald ausschließlich von tierischer oder pflanzlicher Kost leben können, meist aber von gemischter Kost leben.

Zu welcher Gruppe gehört der Mensch? Die nächsten Verwandten des Menschen, die menschenähnlichen Affen, leben wie die Affen über­haupt von Früchten, d. h. von Obst und Nüssen als Hauptnahrung, da­neben werden Vogeleier, auch junge Nestvögel, Insekten und Jnfekten- mrven verspeist. Sie verzehren also eine gemischte K o st. Eine recht ähnliche Beschreibung können wir von der Nahrung der primitivsten iiaturvölker geben, die, wie die Zwerge des Kongourwaldes, keinen Feld­bau treiben. Auch sie verzehren Früchte und Insektenlarven, daneben aber noch stärkehaltige Wurzeln als Pflanzenkost und vor allem noch vielerlei tierische Nahrung: Eier, Vögel, Schlangen und die jagbaren "Wtiere bis hin zu den Affen.

v'iir die große Masse der Tropenbewohner bilden Kokosnuß und ^oanane zusammen mit verschiedenen Wurzeln oder Knollen (Cassia, «ankoi, Taro, Pam usw.) die Hauptnahrung. Inwieweit hierzu tierische ;la.9.run9 tritt, ist teils eine Frage des Umfanges der Viehhaltung Whuer, Schweine und anderes Kleinvieh ober auch Rinder), teils eine «tage des Erfolges der Jagd.

Äeim wir uns nun überlegen, wie wohl der Mensch in seinen pri- muwsien Anfängen gelebt hat, als er weder Pflanzenbau noch Vieh- r ,un9 kannte, noch mit Werkzeugen jagte, d. h. als er noch Sumin« Sn« n,?r' kommen wir auf die Nahrung der Affen. Von diesem ® will 9smischten Kost weichen auch die heutigen Verhältnisse nur (ErJm Ausnahmefälle sind insofern besonders lehrreich, als sie gleich

"?rungsexperimenten die Weite des Nahrungsspielraums zeigen. Sie Siabra 6?m>Dld,e Experimente an Bedeutung, da sie lehren, bei welcher

^ung Menschen viele Generationen lang gesund leben können.

vordw «pa rar a15 äußersten Fall die Ernährung der Eskimos im Grönland und auf den angrenzenden Inseln im Norden Pflmun*' me, haben keinerlei Verbindungen mit Völkern, die ihnen 6 >a)e Nahrung zubringen könnten, ihr eigenes Land liefert kaum

Vegetabilien, jo leben sie fast rein von tierischer Nahrung. Was sie an pflanzlicher Nahrung gelegentlich im Sommer bekommen, beschränkt sich aus den sauren Inhalt des Renntiermagens, ein durch den eigenen Speichel fermentiertes Gericht aus Engelwurzstengel und die Wurzeln einer Knöterichart. Nur in den milderen Gegenden von Süd- westgrönland tritt noch weitere Pflanzennahrung hinzu, aber hier nur als Beikost. Das Fleisch von Wal und Walroß, Seehund, Renntier und Moschusochsen, von Wildgans und Wildente und außerdem Fische bilden ihre Kost,' die meist roh verzehrt wird. Dabei sind sie ungeheuer leistungsfähig, und Krankheit der Nieren ober Blutgefäße, wie sie viel­fach auf übermäßigen Fleischgenuß zurückgeführt werden, sind bei ihnen keineswegs häufiger, als bei anderen Völkern.

Fast rein von tierischer Nahrung leben noch heute viele Viehbesitzer und Hirten im Innern von Argentinien und Patagonien, obgleich die Besserung der Verkehrsverhültnisse ihnen jetzt Brotgetreide leichter zu­gänglich macht. Darwin beschreibt, wie vor jetzt etwa 100 Jahren diese Menschen oft monatelang nichts anderes genossen als Fleisch, das nicht wie bei den Eskimos roh, sondern gebraten ober gekocht verzehrt wurde. Er machte dabei die Beobachtung, daß diese Rinderhirten nur festes Fleisch aßen, z. B. das sehr gute aber fettarme Fleisch des Präriehasen ablehnten. Lehrreich ist seine Bemerkung, daß er selbst sich recht schnell an diese Ernährung gewöhnt habe. Der amerikanische Reisende S t e f a n ss o n, der fünf Jahre mit Eskimos gelebt hat, betont gleich­falls die Notwendigkeit des Fettes bei rein tierischer Ernährung. Mit magerem Renntierfleisch in beliebiger Menge können die Eskimos ver­hungern, während eine Zugabe von Seehundtran die Nahrung voll­wertig macht. Auch dieser Forscher hat sich an die rein tierische Kost rasch gewohnt.

Das Gegenstück, d. h. eine reine Pflanzennahrung, ist für ganze Völker nicht aufzeigbar. Daß der einzelne viele Jahre lang rein vege­tarisch leben tonn, ist sicher. Der Nachweis, daß eine solche Ernährung auch bei strenger Rohkost möglich ist, würde keinen in Erstaunen ver­setzen, der sich einmal den Umfang des Nahrungsspielraums beim Men­schen klar gemacht hat.

Ueberroiegenb, ja fast rein vegetarisch leben die Hindus, die Javanen und andere. In China und Japan tritt zwar das Fleisch als Volks­nahrungsmittel ganz zurück, doch werden Fische, Muscheln undTre­pang" (eine Seewalze oder Holothurie) als tierische Nahrung in ziem­licher Menge verwendet.

Wenn danach der Mensch zu den Arten mit sehr weitem Nahrungs- fpielraum, zu denAllesfressern" gehört, so ist es eine andere Frage, os ob jedem Menschen möglich ist, sich mit jeder Kostart abzufinden, die überhaupt für Menschen bekömmlich ist. Diese Frage wird noch wieder zu teilen fein in die Frage, ob es möglich ist, jedes Brust­kind beim Abfetzen an eine beliebige Kost zu gewöhnen, oder die, ob jeder Erwachsene sich an jede veränderte Kost gewöhnen kann. Das letztere ist sicher nicht der Fall. Ja, man wird weiter fragen, ob eine Ernährung die einer Rasse ansteht, die in einem Klima günstig ist, auch für jede andere Rasse, für jedes andere Klima möglich ist.

Daß die Menschen, die auf dem Boden unserer Heimat saßen, im Laufe der Jahrtausende ganz gewaltige Veränderungen ihrer Er­nährung durchgemacht haben, ist sicher. Als das Eis den größten Teil der Norddeutschen Tiefebene und der Mittelgebirge bedeckte, die Glet­scher weit ins Vorland der Alpen vorstießen, lebten auf dem Rest deut­schen Bodens und nicht minder in Frankreich Menschen, deren Er­nährung jener der Eskimos entsprach. Sie jagten Renn-, Mammut- und Wildrino, pflanzliche Nahrung fehlte ihnen. Als die römische Welt in die erste Berührung mit Germanen kam, spielte der Ackerbau noch eine sehr geringe Rolle. Jagd und Viehzucht lieferten immer noch den über­wiegenden Teil der Nahrung. Mit Zunahme der Bevölkerungsdichte und Ausbreitung des Ackerbaues wurde bas Fleisch immer mehr die Herren­nahrung, während das Landvolk von Pflanzenkost und Molkereipro- bulten lebte und dabei stark und gesund war.

Die Generation, die die Befreiungskämpfe durchgekämpft hat, ver­brauchte im Jahre 13 bis 14 Kilogramm Fleisch pro Kopf der Be­völkerung, wir verbrauchten im Jahre 1913 52,3 Kilogramm, 1925 47 Kilogramm pro Kopf, und dabei glauben manche, wir verzehrten nicht genug Fleisch, obgleich unser Verbrauch (von 1925) so groß ist, wie er 1913 in England war.

Sollen mir auf die Frage antworten: Wie ernährt sich der Mensch am besten? so könnten wir sagen: mit gemischter Kost wir müssen aber vor allem betonen, daß es eine bestimmtebeste" Art der Er­nährung überhaupt nicht gibt.

Viele Wege führen nach Rom, viele Arten der Ernährung sind ge­eignet, den Menschen gesund und leistungsfähig zu erhalten. Die Wege, die Fleischapoftel oder Spinatapostel weisen, sind Sackgassen, vor allem geistige Sackgassen, da sie dem Menschen Scheuklappen anlegen, die ihn die Weite seines Nahrungsspielraums nicht mehr sehen lassen und ihn so dazu bringen, seine Gedanken in einer Weise um die Lebens­mittel kreisen zu lassen,, daß darüber die Lebenszwecke leicht in Ver­gessenheit geraten.

Die Trsysenjagd.

Von Adam K a r r i 11 o n.

(Schluß.

Wer Hai nur das Käsegesicht mitgehen heißen?" fragte ein magerer Wilddieb, undwer hat diesem Bärenkerl aus Baumwollbiber, den ein fauchender Gänserich über den ganzen Marktplatz vor sich herjagen kann, eine Flinte in die Hand gegeben?"

Einen Heuwagen voll Federvieh über sich und nichts zu treffen!"...

Wenn er nur wenigstens einen ßuftfprung riskiert hätte! Mit den Händen hätte er ein halbes Dutzend Trappen herunterlangen können!"

Da solle einer sagen, daß Tiere keinen Verstand hätten. Wie wären sie sonst imstande gewesen, sich von der großen Gesellschaft den Dümmsten herauszusuchen, um ungefährdet über ihn wegzusegeln." So gingen die Redensarten zu Ebenichs Verdruß herüber und hinüber.