Ausgabe 
15.5.1928
 
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Sonne

der Körper der

er nn

cirkttag gewesen.

ist zurückgeblieben.

Den ungefähr 800 Kilometer langen Weg von Tripolis bis zur fruchtbaren Oase Audjilla, teils am Meer entlang, legten wir im Auto in bequem drei Tagen zurück. Wir waren guten Muts, trotz schmerzen­der Sonne und der singerdicken Staubschicht, die aus uns lagerte. Bernte, mein Freund, der italienische Maler, der eine deutsche Mutter hat, und unser Führer Hassan, der Berber, der die ganze stolze Ruhe seines Stammes in seinem Aeutzeren zur Schau trug. Der windige Levantiner dagegen, der, weiß der Teufel wie, in diese Oase verschlagen sein mochte,

Drei Mädchen blutjunge Töchter der Beduinen, lassen sich bei einem Juden ein Geldstück wechseln. Sie tragen Goldschmuck am Hals. Ich muh ihren feinen Körperbau bewundern.

lleberbauvt die Frauen! Ich lernte sie in den nachsolgenoen Mo­naten kennen. Wohl nirgends ist die Rassereinheit so bewahrt wor- h>n bei den Frauen der Wüste, denn nirgends wird der Rasse- kn inkt io üeschärft wie hier. Unter den Palmen der Oasen lebt eine Tradition die nie sterben wird, Hatz wird gezüchtet auf alles grcmbe

Do sind die Berberinnen. Ihr Stamm pricht merkwürdige Dialekte, die bis' beute noch unerforscht sind. Man wird selten «ne Berberin In den Küstenstädten antreffen, während die Manner schon aus Rot daselbst Arbeit annehmen. Sie kehren aber immer zu ihren Frauen und Mädchen zurück heiraten nur Etammesangehörige. Die jungen Mädchen und Frauen sind schön, ihre Gestalt ist eine wunderschöne Pirip bat weiche ebenmäßige Formen. Die Augen spiegeln Phaniasi - fülle' Verträumtheit und eine riesige Portion Aberglauben wider chr chals ist behängt mit Amuletten, und alles was geschieht, ist ihnen e Unaufhaltsames Fatum. Sie hassen jede andere Frau, besonders d.e Beduininnen und Araberinnen. . .

mmvnders sind die Frauen der Veduinenstamme, die ja die eigent­lichen Nomaden sind. Männer und Frauen sind gleichfalls schone Men- chen besonders reizvoll die Frauen. Während die Manner barensta , sind 'die Frauen, vor allem die jungen Mädchen von emer Feinhch der Gliedmaßen, von einem Ebenmaß, das entzücken wuß. Ihr bron zenes Gellcht erinnert an kaukasische Völker, der Temt >st herrlich, da ist keine Kosmetik notwendig. Die H?arsulle hangt locker und >n Zopf Ihr Wesen ist eine Mischung von Trotz, Gute und Sanftheit

Die Sonne ist zum Zenit aufgestiegen, der Markt hat (ein Cnö erreicht. Mau dankt Allah in und vor der Moschee kniend nut ,eu samem Wiegen des Körpers und Hand an Stirn und Herz legend, f die'aut abgewickelten Geschäfte. Auch wir haben unsere Kamele er standen, beabsichtigen in der Frühe des nächsten Tages zu reis , 3 DQiÄe des Mittags verschlafen wir in der Karawanserei hinter unseren Moskitonetzen. Der Markttag bat viel Leben "( das Wüsten nasthaus gebracht. Der Nachmittag vergeht in einer Wechselfolge der wihor 5RueAxin tuft vom QJlincitett ZUM QJcbct.

'"©er Tag will Abschied nehmen. Die kurze Tropendammerung ba!b in die^ Nacht über. Der Himmelsdom entflammt seine Lichter, südliche Sternenwelt, seierlich schweigens spannt sich wunderbm ki. r über unsere Köpfe. Die zunehmende Mondsichel ern felnep^'w lckikkcken ickwebt durch den Weltenraum. Die Silhouetten der h y Palmen zeichnen sich ab. Nacht der Wüste.Nacht voll endlichkeit, die du unsagbar wohltust und Kühlung spendest, E s sch den heißen, müden Gliedern, voller Geheimnisse bist vu.

Wir fehlendem durch die Gassen der Oasen, sehen die bolM w stalten der Wüstensöhne würdevoll dahinschrelten, Horen eine st Musik aus einem Lager schallen, wir folgen den ~?,nen, | l) jen, chen tanzen. Die fchlanken, braunen Körper wiegen sich m einem M den Rbvtbmus. es ist, als ob ihre Füße am Boden feststunden.

tiOif)eute inmitten der Sandwüste weih ich, daß das Wort das Wuch­tige^ Unendliche nicht auszudrücken vermag, diese Welt des Nichts diest Wüsten des Schweigens, wo von einem glanzlosen Himmel herab die

ihre Strahlen wirft, daß die Luft zittert, der Sand brennt und nvrper der Menschen ausgedörrt wird. . . .

»fh dort leben die Nomaden mit ihren Kameln und Ziegenherden, die auf schmalen Landstrichen nur kläglich Nahrung finden Bedürfnis­losigkeit ist bei Mensch und Tier vorne angestellt. Ich habe mich oft gefragt, wenn das Blut mir in den Schläfen durch den Brands der unbarmherzigen Sonne zu pochen begann, alles m mir nach einem Schatten lechzte: woher nehmen diese Menschen utc K-ast, die Resi­gnation angesichts solcher Entbehrungen das Leben zu ertragen? Sie, die nie Aussicht haben, von der Wüste loszukommen, oder materiellen Wohlstand zu eringen, leben geduldig und warten auf einen sanften Xcb in der Gnade ihres Gottes.

Wenn der Mensch ein schwächlicher Geist oder Atheist wäre, wenn icht den starken Glauben hätte und die Wüste nicht Verzweiflung Not bedeutete, wäre das Leben dort undenkbar. Im Kümmerlichen

Laut ist das Leben, denn es ist Markttag gewefen. &j{

Dann liege ich auf dem primitiven Lager und horche am

Stimmen der Rächt. Die Halfterketten der Tiere klirren, laut zuweilen durch die Nüstern. Ein Estl schreck nichi g und

Starke Düfte ziehen in meine Rase, ein Gemisch ^'ßem SW würzigen Bäumen und Strauchern, bann scharf die Aus ! ge= Kamelherden. In den Palmenkronen flüstert ein leichter -» . -i dämpft schlügt wieder die Musik an mein Ohr.

und Not bedeutete, wäre das Leben Dort imoemoar. jm xuiiuneiuujeu bes Lebens vertiefen sich die Religionen und die Einsamkeit ist kraft-

Wenn man hineindringeu könnte in die Welt der Volkslieder, in die Poesie der Reimdichter des Islams, die, selten niebergeschrieben, meist nur in den Herzen der Nomaden lebt, die unter dem Gluthauch des Himmels noch von der Süße der Heimat träumt. .

Ich spreche nicht von den großen Kustenstaoten, von Algier, Tunis, Kairo und auch schon Tripolis, wo der Okzident dem Orient seinen Stempel ausgedrückt, wo die fremden Besatzungen den Geist der Em- geborenen beeinflußt haben, nein südwärts, in den Oasen ber geroaltigen Sahara, wo das Leben auf den Karawanenwegen zusammensließt, haben die Ueberlieferuttgen der Väter ihre uneinnehmbare Burg. Hier hat der Islam seinen biblischen Charakter voll bewahrt, alle moderne Kultur

ach .nie eine nicht abzuschüttelnde Klette beim Eintressen hier an W"e stch ww eine ma c a ^grgigen Markttag den Ankau der drei NpUkomele^ und zwei Tragtiere vermitteln. Mit Händen und Füßen maeck er ein^olligsGemisch sämtlicher brauchbaren Sprachen: begleitete er ein '' ' fef)en Gie mich zweimal an!

8iZuori preg 9 « »mter die Räuber, Monsieur! Man

wi!ch Jhuen°den^Mt v°m Kopf und die Schuhe von den Füßen reißen gnn r,s ich großmütig Herr, das Hemd wird man Ihnen nehmen, und ®5 erhalten? - Schlechte Tiere! Bockige, widerspenstige

Kamele die keinen Lire wert sind. Hören Sie aus mich, ftiister Gentleman, irfi werde für Sie kaufen, ich will die Räuber behandeln wie die Hvnbe. Ze werden zufrieden fein' Sie werden die besten Kamele erstehen, l)erS Hte Hassan dazu?! - Gar nichts! Er spuckte nur verächtlich aus über diesen leichtzüngigen Gmur.

Tier nächste Morgen kam, der Markttag für die Ome Audplla br^ an ^Dieser Tag ist etwas besonderes, ba er .nur einmal In 6er Woche ftattfmbet Mit dem ersten Morgenstrahl beginnt ein geschäftliches Trei­ben unter den herrlichen Dattelpalmen, deren Früchte weit bekannt sind. Von allen Seiten wogt es heran, hoch zu Roß, aus Kamelen und Eseln, murnusträaer mit Weibern und Kindern kommen, um die einfachsten Bedürfnisse des Lebens zu kaufen oder einzutauschen. Wer das Land der Pharaonen sah, sein Schreien, Brüllen und seine Duste kennt, findet in der Oase bei den Wochenmärkten alles wieder, nur noch lauter,^ un­verbrauchter und urwüchsiger, als in dem schon ^ curopaü Aegypten Was wird den Ohren da nicht zugemutetl Das brüllt, pfeift, firmt unb schreit Wenn eine Lämmerherde angetrieben wird, so tst das S buSeinanberroirbelnber Haufen, der, von Halbwüchsigen, Kindern und läustden gehetzt schließlich an einer Tränke stoppt. Man spurt bie Ängst der dke ^Schlachtbank witternden Keatur. Es werden Kamele, Leber und Brot gehandelt, Gerste und Datteln gegen Gewürze Weih- rnudi Mnrrben und Sennesblätter getaucht. Handwerker arbeiten am iBoben trauen in bunten Kopftüchern bieten kleine Decken und Teppiche an aber Ickretten verschleiert durch das Gewühl. Vor uns am Boden wälzt "sich ein staubaufwirbelndes Knäuel. Es find Nigger, die sich um etwas balgen. Prachtvolles Pferdematerial ist da, wird von Berbern

«&£>L'äÄä? ä S RsawBst (.bPh idmue also in einen Kajütenraum, der ganz er ulkt ist mit b aft- ilv.®in h Witte dieser Kajüte steht em Tisch. Nichts mehr

bÄÄÄ* fi w» Ä -st hOrt 3ii ahnen mit einem Geländer, das hart aus grünlicher Dunkel­heit in den Bezirk der Taucherlaterne vorfpringt und einen abenteuer­lich verzerrten und bedrohlichen Schatten aut eine schräge, moo.oe- "K" I« «rtn» -« d°- Vttd

der Ickten KaAt wand Mese echte Wand der Kajüte ist durchaus a ati unb unverkS Sie weist eine Tür aus, die osfensteht. Hinter dieser offenen Tür lauert Schwärze. Unb aus dieser Schwärze ragt gan3 rn en knapp über Der Schwelle, ein Etwas vor in den Lichtschein. Ich bemühe mich eine halb Minute, eine Minute lang zu erkennen, was da"liegt. Es gelingt nicht. Da dreht der Taucher drüben seine La­terne und ick sehe daß das, was aus dem Nebenraum in bu erhellte KaMe hereinragt' ein Schuh ist. Ein Männerschuh, dessen Sohle sichtbar ist düsen Spitze oegen den Boden, dessen Absatz nach ooen weist als läge dort drinnen im schwarzen Wasser der Nebenkammer einer auf dem Gesicht, überrascht auf der Flucht, verklemmt u.-b ^gehalten burrf) irgendwelches Gesparr. Ein Männerschuh, grau braun Srun- lich gedunsen und aufgequollen zu einem gräßlichen Ueoermag. Ich sehe ihn und ich sehe Schwärze vor meinen Augen. Ich reifte an der Schnur, immer wieder reiße ich an der Schnur, ich suhle noch dag ich schwebe.

Herr Kherieddin stehl neben mir unb hat noch den Gummianzug an> (!eib Ich liege auf der Plätte, liege am Rücken der -bekomprefsions- kammer Blutdruck", sagt der Taucher. Es riecht nach Essig und ich fühle mich sehr leicht und ein wenig beschämt. Wie lange wir unten geblieben imd?Nicht ganz zwanzig Minuten. Ich willn'cht glau­ben Das Wrack? O, das ist nichts von Belang. Ein Motorboot. Wahc- scheinsich ein Motorboot aus der Kriegszeit. Man wird es nicht beben e? ist zu sehr beschädigt. Morgen wird man es sprengen. Mit Dynamit.

Bilder aus der Libyschen Wüste.

Von Fritz Schmidt.

Es isi seltsam: Ich habe an viele Gestade den Fuß gesetzt, sah die wunderlichsten Menschen in den sonderbarsten Ländern nno and nach kurzer Zeit das Absonderlichste in Ordnung, ,0 wie es eben sein mußte wie die Eigenart des Landes es eben verlangte. Aber nie war ich so bewegt wie an jenem Tag, als ich vom Deck des kleinen Dampfers aus die nordafrikanische Küste sichtete, als sich ihre einsamen Ufer am Horizont abzeichneten. Da starrte ich hin zu dem geheimnisvollen Erd­teil, der mich für lange Monate aufnehmen sollte, starrte seltsam be-