Ausgabe 
14.12.1928
 
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"Ho ha ha!" brütlte Toby mit einem LuMrung. ,/s P petzend

--Aber was ist es Vater?" fragte Meg. ..Vorwärts; Du haft es noch naht erraten. Und du mutzt ernten, was es ist. Ich kann nicht daran öenten. es herauszu nehmen, bis du es erraten hast. Aber «atz dir Zeit! Warte eine -Minute! Ich will ein bitzchen mehr von dein Sette« aurü«f= schieben. Jetzt rate!"

Meg war wirklich in Angst, er könnte vielleicht zu rasch das Richtige 1° besold ein wenig zurück, während sie ihm den Korb

hlnyE, indem sie Zugleich ihre hübschen Schultern in die Höhe Zog und das Ohr mit der Hand Zuhielt, als könne sie in dieser Weise das richtige Wcnt von Tobys Lippen fern halten. Dabei ließ sie immer ein ianftes Lachen hören.

(Fortsetzung folgt.) .

OAKuitee Advent.

Von Peter W a r m u n fe.

Sn diesen Weihnachtslagen erinnere ich mich immer jener bösen Adventszeit vor zwei Jahren. Ich war von einer schweren Krankheit lauin genesen, hatte Zumeist das Zimmer zu hüten und durfte diesen Arrest -nur durch einige Spaziergänge unterbrechen, und wenn ich auch « , n, . wohlige Bewußtsein der wiederlehrenden Ge­

sundheit spurte, so litt ich doch noch unter einer allgemeinen Mattheit und wiederholten Devrestwnen, welche mir diese Periode auch in der als nicht sehr erfreulich erscheinen lassen. Es mutz noch erwähnt werden, daß ich damals mit Frau und Kind ein altes Laudbaus uok der Stadt bewohnte; ein nicht jo altes, datz Spuk und weiße Frauen umgehen sollen, doch aber ein weitläufiges und kahles Haus mit Mitterndem Putz und schadhaftem Dach ein klägliches Asyl, das Me ^uhnungsnot au,zwang. Auch das darf ich Zu berichten nicht ver- gegen, datz ich mich während der Zeit meiner Genesung viel nut okkulter krlr^lUr <> n ,^ae un$ dadurch, zusamnren mit meinem äugen» bllckttchen Zchtand, in eine überspannte Empfindlichkeit geraten war. welche mich für alles I^ebernatürlrchs unb Wunderbare bstonfcets enlv» fangtrch machte. v

In diesem verwitterten Hause herrschte damals die übliche huschende Adventsgeschastigkeit, die ich mir von meinem Stuhle aus mit behaq- licher Freude anjah. Was geschah? Ich wußte es nicht und hatte es nicht zu wissen, das ist das Vorrecht der weihnachtlichen steberrafchungen. Und da ereignete sich, als ich einst an einem warmen Wintersonnentage von etnem kleinen Gange heimkehrte, dieses: ich fand die Tür. die zu einer Zinnnerflucht führte, verschlossen. Weihnachten naht, dachte ich und war durchaus geneigt, diese Sperre Zu achten, da ein Zweifel war nicht möglich höre ich hinter der Tür die Stimme eines Menschen, eine unangenehme und widrig krächzende Stimme, welche in mir die Vor­stellung eines Räubers oder Erpressers wachrsef. War er hier ein- gestiegen? Auf mein Klopfen erschien meine Frau, nicht besonders erregt, und als ich an ihr vorbei in die Zimmer drang, fand ich sie in dem gewöhnlichen unwohnlichen Zustand, aber leer und ohne eine Spur des fremden Eindringlings. Ich hatte doch hier eine Stimme gehört? Meine Frau: niemand fei hier gewesen, es müsse ein Irrtum vorliegen, ich möge doch suche,t. vielleicht sei der Jemand aus dem Fenster entsprungen?

. p/ hatte sich verraten! Die in jedem Menschen schlummernden detektivischen Instinkte erwachten in mir. Als ich mich unbeobachtet glaubte, öffnete ich die einzelnen Fenster und spähte nach Spuren: nichts, kühl und kalt breitete sich der fleckenlose Schnee durch den Garten. Wer als ich mich aufrichtete, stand plötzlich, wie aus der Erde gewachsen meine Frau hinter mir, und ihre Augen funkelten seltsam und grünlich, als sie fragte:Also doch nicht durch's Fenster?"

Hier ging etwas vor. Das war nicht mehr harmloser Adoentszauber, das war etwas Ernsteres, Gefahrvolles vielleicht. Heimliches jedenfalls oder Unheimliches, von dem ich ausgefchloffen werden sollte. Und mm häufte,, sich die Erscheinungen. (Einmal vom Mittagsschlafe jäh auf- schreckend, höre ich aus der Wand eine süße und liebliche Frauenstimme singen. Ja, die Stimme kam aus der Wand. Und es drangen unholde, krächzende Laute aus den Mauern, sie fkuteten durch die Räume, sie stellten sich plötzlich, wenn ich nach Haufe kam, leibhaft vor mich und waren in den frühen Dämmerungen fahle schleppende Gestalten. Und wenn ich mich damals früh zu Bett legen mußte, schlich sich über den dunklen Fußboden ein fernes Heulen, wie von einem klagenden Hunde °ber wilden Tiere. (Ein Kratzen wuchs aus, das langsam in ein Knattern und Saufen überging, es war manchmal, als tickten Morsezeichen durch bie Dunkelheit, als hörte ich «ns weiter gerne das Meer in Winter- ftürmen brausen.

Das Merkwürdige aber blieb, daß ich alle diese unheimlichen Laute allein hörte. Mein Junge sah mich dumm an, als ich ihn verstohlen aus» Auhvlen suchte, und meine Frau hatte immer nur ihren schimmernden Glanz in den Augen und Ihre etwas spöttisch-kalte Ablehnung. Sv behielt ich denn schließlich alles kür mich. Sie werden denken, ich hätte Angst oder Besorgnis gesuhlt? Rein. Aber ich begann, mich unter dem Einfluß ?urhin erzählten Umstände für ein besonders begnadetes okkultes Medium zu halten. Ja, ich will nicht verschweigen, daß mich diese Tat­sache mit einem gewißen Hochgefühl erfüllte. Ich will zugeben, daß ich in jenen Tagen eifrig um mich spähte, ob ich nicht auch mehr Zu sehen vermöge als die gewöhnliche Sinnenwell, ich wollte Phantome und Naturgeister entdecken, ich sah mich schon meinen Berus plötzlich ab- brechen und mich in einer neuen Welt zurechtfinden. Ja, ich roar hoch­mütig geworden; ich begann über diese Laute aus dem Jenseits ein gründliches Tagebuch zu führen, um jederzeit aktenkundkiches Material für ein zu schreibendes wissenschaftliches Werk zu haben; ich verachtete we realen Dinge und kehrte mich entschlossen den Geistern entgegen. Ja. >ch war hochmütig und sehr stolz geworden. Um mein durchgeistigtes Grublerhaupt strahlte die Aureole der Ewigkeit.

Unter diese,, Umstände» aber wurde mir auch das Christfest selbst eine höchst belanglose und Zu übersetzende Angelegenheit. Natürlich, wer sich den Geistern genaht und von ihnen in Gnaden empfangen worden ist, roird den Geist des Festes mit Kindertand und Lichierftitiern verachten und ich mar, wie man begreifen wird, auf die albernen Ueberrajchungen des. Weihnachtstisches nicht im geringsten neugierig. Etwas doch be- irgtfen, als ich aus dem WeihnachtszimmerStille Nacht" klingen hörte, trat ich vor de» Baum: unter ihm stand ein glänzender schwarzer Kasten, in beifen Glätte die Lichter »ich hundertfach brachen ein Rundfunk­apparat.

,, 2ch mutz gestehen, daß mich diese technische Aufklärung meiner okkulten Sensation höchst unangenehm berührt Hai. Welches von Ewiq- kertsaureolen umstrahltes Grüdierhaupt läßt sich gerne mit kalten Wassersturzen überschütten? Welcher Hochmut kommt gerne zu Fall? Mun kann sich leicht denken, daß ich lange Zeit in stillem Kampf stand: rch mochte mein okkultes Privileg nicht zerstören lassen, ich hielt immer noch hartnäckig daran fest; ja. um so hartnäckiger, als tzer Apparat vor mir unbezweifelbare Wirklichkeit war, ich verteidigte meine erschütterte Position auf das letzte und war schon geneigt, den Kasten als Tand und Unfug abzulehnen ... als mir plötzlich aus allen Kerzen des Baumes und das war nun gar fein okkulter Vorgang das Wort Ber- rnesientzeitl enigegenftimmerte. Es ist nicht leicht, sich eine Demütigung einzugeftehe!, aber vor diesen Zitternden Kerzen Ijabe ich es getan, ehrlich, gründlich und tief. Ich hatte mich vermessen, ich war hochmütig und stolz geworden: hier war bie gerechte Belohnung. Die gerechte? Nein, nein: die ganz unverdiente und gütige Belohnung, ein Geschenk, bas mir Freude machen sollte, als Entgelt für meinen ablehnenden Stolz. Und wenn auch niemand in jenen Adventstagen geahnt hat, was in mir vorgegangen war, ich wußte doch davon und das genügte mir schließlich für mich, um mich zu knicken. Und fang der Kasten auch nicht bas Lied der Telekinese, so war esStille Nacht" irgendwo gespielt und durch den Aether in Me Unendlichkeit geworfen.

Die Erde, auf der heute die Bäume brennen, hat Wunder genug.

John Bunyan.

Zu keinem SOG. Geburtstage.

Von Professor Dr. W. Fischer, Gießen.

Vor wenigen Tagen beging das nickst-hschkirchliche England, das Eng­land der Dissidenten, die dreihuntzertjährige Gedächtnisfeier John Bunyans, des großen Nonkonsormistenpredigers des 17. Jahrhunderts, und die ganze angelsächsische Welt reichte sich einmütig die Hönde, den Verfasser derChristlichen Pilgerfahrt", des nach der englischen Bibel am meisten gelesenen engtkschen Buches, würdig zu ehren. Wer war dieser Mann, den Bernhard Shaw einen .Künstler-Philosophen" genannt hat, und den er mit kühnem Paradox Denkern wie Schopenhauer, Nietzsche und Ibsen an die Seite stellt? Bunyan ist ei» genauer Zeit­genosse Miltons. und die beiden puritanischen Dichter des 17. Jahrhunderts Milton, der mit dem Geiste des klassischen Altertums Getränkte, der Vollender der künstlerischen Renaissance in England, und Bunyan, der Kesselflicker" aus Bedfordfhire, der baptistische Wanderprediger mit seiner schlichten, volkstümlichen Erzählungskunst sie deuten die beiden Pole an, um die die weite religiöse und künstlerische Wett des Puri­tanismus, dem man jetzt so gerne seine Enge vorwirst, In ihren An­fängen gekreist hat.

Bunyan hat uns seine eigene Lebensgeschichte, die für ihn vor allem die Geschichte seinerBekehrung" ist, in einer der ergreifendsten Auto­biographien Hinterlagen, die die Weltliteratur kennt. Ihr Titel, von barocker Umständlichkeit und drastischer Wortwahl, lautet:Gnade, die in dem Hauptsünder überströmt; oder, eine kurze und wahrhaftige Er­zählung der außerordentlichen Gnade Gottes in Christo, so er feinem armen Diener John Bunyan erwiesen hat, indem er ihn aus dem Dung- haufen erlöst unb zum Glauben feines Gesegneten Sohnes Jesu Christi bekehret hat". Schon als Kind hörte Bunyan im Traume Stimmen von bösen Geistern, und dasWurmgefühl" des Puritaners wirkte sich in dogmatischen Zweifeln und dem bizarr-kindlichen Wunsche aus,daß es entweder keine Hölle geben möchte, oder daß ich selbst ein Teufel wäre; denn ich glaubte, sie feien nur Quälgeister; und. falls ich selber einmal dorthin kommen müßte, wollte ich lieber selbst ein Quälgeist fein als »meinerseits gequält zu werden." Diese psychopathisch zu nennenden Anast- vvrstellungen steigerten sich durch den Einfluß des in peinlicher Wörtlich­keit erfaßten kalvinistischen Dogmas von der Vorherbestimmung unb der göttlichen Willkür zu seelischen Krisen, zu Anfällen trostlosester Verzweif­lung. Aber mie für Saulus, Augustin, Pascal und viele andere leiben» fchastliche Gottsucher schlug auch für ihn die Stunde der Erlösmig: deutlich hört er eint Stimme, die ihm die Heilsmöglichkeit vorstellt, und ihn der eigenen Hettsgewitzheij teilhaftig werde»» laßt. So zieht er denn iw Lande umher, ein gewaltiger Prediger, die Heilsbotschaft z« künden; und da er sich den scharfen Religionsgefetzen der Stuarts nicht fügen will, wird er zwölf Jahve fang (mit nur kurzen Unterbrechungen) in Haft gehalten. Politische Aemter und kirchliche Ehrenstellen, die man ihm später antrug, schlug er beharrlich aus. An einer Krankheit, die er sich au f ein er seelsorgerischen Reife zu gezogen hatte, ist ber starke Mann, noch nicht ganz sechzig Jahre alt, plötzlich verschieden.

Im Kerker ist Bunyans Hauptwerk geschrieben, dasjeinenNamer, «tif immer unsterblich gemacht hat.Die Christliche Pilgerfahrt aus dieser in die zukünf­tige Welt. Dargestellt im Bilde eines Traumes" Bon wenlgenStelken längerer dogmatisch-theologischer (Erörterung abgesehen, wirkt dieses xm*U»»ifche Märchen heute noch ebenso frisch und unmittelbar aus die Herzen aller Leser, ber Jungen und der Alten, wie vor dreihundert Jahre«. Während die Jungen sich an den typischen Märchemnotiven der Erzählung ergötze», an der wunderbaren Errettung Christians und feine» Gefährten aus dem Schlöffe des Zweifels und dem Tale der Erniedrigung, tm den spannenden Abenteuern in der Stadt der Eitelkeit und dem glücklichen Einzug des