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- Druck und Verlag: Brühl'sche Universitüts-Vuch. und Steindruckerei, A^ange, Gieß«"-
Verantwortlich: l)r. tzanS Lhyriot.
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schaut nach rechts, nach linfs, nach oben und nach unten: er schaut ganz kurz, so wie er fliegen würde — mit einer etwas groben Nervosität. Dazwischen kreischt er immer wieder sein Tünchen hinein, sein einziges — mit Eifer, ja mit ganzer Beflissenheit, nicht ohne Selbst- bewußtsein übrigens, mit platter Vitalität auch, mit gewerbsmäßigem Stumpfsinn und auch mit der Geschwindigkeit des Bedrohten, Verängstigten. Der Wind bläst ihm an den groben kleinen Bauch. Seine Flügelfedern sind starr, unelastisch, schmutzigbraun. Seine Mutze ist ein schmieriges Käppchen aus gemeinem schwarzen Zeug.
Jetzt hört er auf. Jetzt putzt er sich, beileibe auch er, als ob es sich lohnte, als ob es darauf ankäme. Er holt die Milben unterm Bauch hervor und hinter den kurzen, schäbigen Flügeln.^ Zwischen den Sekunden eiligen, beunruhigten Bohrens, Pickens, Wühlens und Schüttelns äugt er kurz nach allen Seiten, zwitschert er seinen einzigen Un-Ton.
Irgend etwas bestimmt ihn jählings mit allem aufzuhören: ein unhörbares Stichwort — vielleicht das seines Schicksals, denn fein Verschwinden ist heftig. Erst läßt es sich harmlos an, ja spielerisch, wie ein kokettes Ballett. Er hüpft aufwärts, der Rinne entlang bis zum Giebel- first jeweils in halbem Umsprung: rechtes Füßchen vor, Umsprung nach links — linkes Füßchen vor, Umsprung nach rechts. Aber nahe dem First macht er einen verzweifelt schnellen und etwas zerfahrenen Sprung dacheinwärts und verschwindet unter einem Ziegel, der angebrochen ist. Dort ist sein Nest, dort seine Mansarde. Was ihn bewog, so unrühmlich abzubrechen, weiß ich nicht. Ich werde es nie wissen. Eine Gefahr von Hunderten vielleicht, die ich nicht ahne. Vielleicht aucy eine Laune, die so gut ihre Voraussetzungen hat wie die meinigen — und vielleicht ebensogut ihre Folgen. Nur eins ist klar: dies war jein Auftritt, dies feine Rolle, dies fein Abgang.
Mein Horizont ist leer. Es bleiben nur die Perspektiven des Daches. Es bleibt das Vieleck des Himmels, das an einer Stelle unregelmäßig gerundet ist. Es bleibt die weiße Tünche an der Mauer und das streifende Orange am Vorhang und die eiserne Vorhangstange mit den zinnernen Ringen. Die Finken schlagen in den blühenden Kastanien. Schräghin durch das verlassene Theater mir zu Häupten fahrt eine Schwalbe: ein Psett; die langhinflicgende Eleganz in Person. Ich stehe von meinem Liegestuhl auf und bin, so scheint mir, in einiger Verlegenheit, ja Verstimmung: ich zünde meine Zigarette nicht an, ohne mich in gelinder Verdrießlichkeit mitschuldig zu fühlen. Mitschuldig an tuns? — Ja — wenn ich das wüßte, dann wüßte ich viel. Dann wußte ich nicht nur, weshalb ich jetzt diese Zigarette rauche, zu der ich nicht die mindeste Lust habe, sondern am Ende auch, wieso ich selost gar nicht sein könnte, wenn dieser Auftritt des Spatzen nicht gewesen wäre. Im grünen Grasgarten drunten sitzt gänzlich unbewegt und würdig wie eine Sphinx eine weiße Katze.
Reisesortschritt in einem Menschenalter.
Von Dr. Anton Mayer.
heimlichen Schroffen ab, die Häuser erinnern an kleine, gegen die Winterkälte gebaute Festungen und die Tracht der Frauen ist schwarz.
Heute ist Ober- wie Unierengabin längst der Bahn zugänglich gemacht worden: die letzte Albulapost fuhr in den ersten Julitagen des Jahres 1903. Bis dahin übernachtete man auf der Reise nach Pontre- sina oder St. Moritz — Wintersport gab es noch kaum — in Chur, wenn man über den Albula, in Thusis, wenn man über Julier fahren wollte: die Reife dauerte 12 bis 14 Stunden und war von großer Schönheit. Jetzt fährt die Albulabahn hinter Preda, wo damals der langwierige Aufstieg auf die Pahhöhe begann, durch den Tunnel und ist in zehn Minuten auf der Engadiner Seite der Berge angelangt; sehr schön, sehr praktisch — nur: die Freude, welche man früher hatte, nach dem steilen Anstieg — der aus Gründen der Pferdeschonung natürlich ~ "* ' ' de —, den ersten Blick aus die ver-
Berge werfen zu können und sich all-
In den Tagen meiner Kindheit war es noch nicht so, in einer erst etwa 35 Jahre zurückliegenden Epoche; die Jahre der Postkutsche können wir hier als allen märchenhaft außer Acht lassen, obgleich wir in der Tat bald von ihr reden müssen. Aber auch damals waren die Verbindungen bedeutend langsamer als heute, und die Züge sehr viel weniger komfortabel. Ich erinnere mich sehr gut an meine erste Reise nach der Schweiz im Jahre 1890, die nach Farasp im Unter-Engadin führte. O-Wagen gab es noch nicht; die sog. „Harmonika-Züge" wurden erst gegen die Mitte der neunziger Jahre eingeführt. Die Schlafwagen, alle von der Internationalen Gesellschaft, entsprachen im allgemeinen den noch heute üblichen, waren aber entschieden enger und kleiner. Es war
Unsere Zeit ist stolz darauf, den Raum und die Zeit überwunden zu haben, oder wenigstens auf dem besten Wege zu sein, räumliche und zeitliche Entfernungen auszuschalten. Allerdings find die modernsten Fortbewegungsmittel, das Flugzeug und das Luftschiff, infolge ihrer notwendigen Platzbeschränkung und der daraus resultierenden Kostspieligkeit ihrer Benutzung, nur für eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Reisenden beschränkt; aber auch das große Publikum, welches heutzutage im Winter und im Sommer, im Frühling und im Herbst die gerade ge- »igneten Orte zur Erholung oder zum Sport aufsucht, hat jetzt ganz andere Verbindungsmöglich'keiten und Bequemlichkeiten, als sie etwa zur Zeit meiner Kindheit, Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre bestanden. . , „ .... ...
Es ist eine Frage, die nur subjektiv, niemals generell zu losen ift, welche Beförderungsart, abgesehen von rein praktischen Zielen, in seelischer Beziehung den Vorzug verdient, die schnelle oder die langsame. Mancher wird vorziehen, ohne jeden Aufenthalt den ersehnten Ort zu erreichen «ub alles, was sich ihm unterwegs bietet, nur im Fluge an sich vorüberrollen lassen ober völlig vernachlässigen, um alle zur Verfügung stehenbe, vielleicht nur knapp bemessene Zeit am Bestimmungs- piatze ausnutzen zu können; andere wiederum werden Wert darauf legen, in gemächlicher Fahrt, die häufig unterbrochen wird, allmählich vorzubringen unb sich mit allem interessanten an Landschaften und Städten, das auf ihrem Wege liegt, bekanntzumachen. Es ist da viel von Tem- oeramentsverfchiedenheiten abhängig; instruktiver ist jedenfalls die zweite Art, für welche natürlich das Automobil das ideale Beförderungsmittel darstellt, falls feine Insassen nicht vom Schnelligkeits- oder Rekordwahn besessen, die Welt nur nach zurückgelegten oder zurückzulegenden Kilometer beurteilen. Aber leider ist der Motor auch nur für die Aus- erwählten des großen Portemonnaies vorhanden; und das Wandern, eine gewiß sehr schöne Reiseart, kommt im allgemeinen nicht für längere Reisen, die wir hier meinen, in Frage. Jedenfalls bietet unsere Zeit die Möglichkeit, jede gewünschte Art anzuwenden, sich vom k-v-Zua mit größter Beschleunigung ober vom Personenzug mit vielen Aufenthalten au das gewünschte Reiseziel bringen zu lassen.
für das Kind eine Sensation, einen solchen Wagen besteigen zu dürfen; der abends vom Anhalter Bahnhof in Berlin abgehende Schnellzug erreichte erst vormittags München, wo der Anschluß nach Innsbruck nicht ohne längeres Warten zu erreichen war, so daß man endlich am Nachmittage, soweit ich mich entsinne, etwa zwischen 4 und 5 Uhr in der Hauptstadt Tirols ankam, man brauchte also mit Schnellzügen ungefähr 20 Stunden für eine Strecke, die man heute in 12 Stunden zuriicktegt. Damals war das Engadin weit von jeder Bahnstation entfernt. Man mußte also von Landeck aus, da- wir am nächsten Tage mit der Bahn erreichten, per Poft Weiterreisen. Eine Extrapost wurde gemietet, ein sehr beouemer gelber Landauer, dessen sehr kräftige unb wohlgenährte Pferde alle zwei Stunden gewechselt wurden; die Postillone hatten eine hübsche bläue Uniform an und bließen wahrhaftig auf ihrem Home, wenn man stolz im Trabe durch ein Dorf raffelte. So fuhr man von Landeck über Finsterminz hinunter ins grüne Tal des Unierengabin, sah allmählich Landschaft, Bauart der Dörfer und Tracht der Bevölkerung sich verändern und wurde also recht eigentlich in die Besonderheiten der Reiseroute eingeführt, welche die beste Vorbereitung für ihren Endpunkt war, unb sowohl in geographischer wie kultureller Hinsicht den besten Anschauungsunterricht gewährte. Demi während in Tirol die Täler breiter, die Berge weniger steil,, die Häuser freundlich und die Menschen bunt gekleidet waren, veränderte sich in Engadin das bisher geschaute Bild vollkommen: das Tal ist eng, die Kalkfelsenberge stürzen in um Häuser erinnern an kleine, gegen die Win-
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immer zu Fuß zurückgelegt wurde —, trauten Gestalten der Engadiner Berge ----- „ .
mählich in die Freiheit und dem Glanz der Engadiner Luft herausge- arbeitet zu haben: diese Freude unb noch andere Hochgefühle gleicher Art sind unwiederbringlich verloren. Ich glaube, daß viele Zuschauer des Festes zur Eröffnung der Albulabahn im Juli 1903 ein ehrliches Be- dauern gefühlt haben, als die erwähnte letzte Post, der Postillon in Galauniform mit umflorter Peitsche in Samaden einfuhr; ein Stuck der Reiseromantik war zugunsten schnellerer unb bequemerer Beförderung verschwunden. Aber es ist schließlich immer dasselbe: wenn der eine trauert, freut sich der andere. Die Automobilposten, die jetzt in manchen Gegenden der Schweiz an Stelle der alten Pserdeposten getreten sind, scheinen mir nur in punkto Schnelligkeit eine Verbesserung darzustellen, denn sie erfüllen die Gegend weithin mit Gestank, Lärm und Staub, was für die Nichtmitfahrenden peinlich ist. Darinzusitzen ist aber für. einigermaßen nervöse Menschen auch nicht immer erfreulich, da die Wendungen und Drehungen der ungefügen Fahrzeuge auf den Windungen der kurvenreichen, sehr häufig an Abhängen entlang führenden Gebirgsstraßen nur allzu geeignet sind, Vorstellungen von schnellerer, melleidjt allzuschneller Beförderung in die Tiefe wachzurufen. Die alte Idylle ist ä conto der Schnelligkeit verschwunden, die Behaglichkeit mußte praktischen Rücksichten weichen — auch hier alles ganz schön und gut; aber hat man denn immer solche Eile?
Ein viel stärkerer Unterschied als zwischen den Eisenbahnen von heulr — unb denen vor 40 Jahren besieht zwischen den maritimen Beförderungsmitteln jener und unserer Zeit, den Dampfschiffen. Allerdings war die grundlegende Veränderung im Bau der Passagierdampser bereits Anfang der achtziger Jahre erfolgt, und zwar durch die „Schnelldampfer des Norddeutschen Lloyd, deren erster die Anfang der neunziger Jay« im Kanal untergegangene „Elbe" war. (Alle diese Dampfer hatten FIO- namen.i Auf ihnen waren die Kajüteneinrichtungen der ersten SW welche bis dahin im Hinteren Teil der Schisse gelegen hatten, in w Mitte des Rumpfes verlegt; die typische Anlage der Salons würbe geschaffen, d. h. ein Speisesaal im Hauptdeck, ein Damen- oder Gesell- schaftszimmer über ihm im Oberdeck, und ein Rauchsalon auf derselbe Höhe weiter achtern. Die zweite Klasse wurde mit entsprechend einfachem Räumen an den früheren Platz der ersten verbannt. Außerdem waM die Schiffe elektrisch beleuchtet. Gerade das muß auf die Seerei enm damals von ungeheurer Wirkung gewesen sein, da sich bet Reises stottern bewundernde Aeußerungen über den Glanz des elekmm Lichtes finden. Das alles bedeutete natürlich einen riesigen Fortz-yn gegen die in den siebziger Jahren allgemein übliche Ausstattung einem durch ein Oberlicht erhellten Salon, um den die Kabinen läge - geraucht werden durfte nur an Deck, wo sich auch ein hölzerner schlag mit einem Bottich befand — das Badezimmer. Drnmermn ao waren auf den Lloyddampfern die Decks noch ganz oingeschutzt, , wurden auf den Schnelldampfern der Hapag („Columbia, „Kal Auguste Viktoria" usw.) die Promenadendecks mit einem festen deck versehen. Erst 1909 wurden dann die Decks, wie es beute aUg ™ üblich, durch Schiebefenster gegen jede Unbill des Welters g I
Unb doch — die kleineren unb einfacheren Schiffe von W6*?“ ihre Vorzüge. Man blieb meer- ober naturnahe auf ihnen, 9^^ man in der Extrapost dem Wesen der Dinge näher kam als » mobil. Das mag manchem Menschen, der ganz zeitgemäß in Der wart lebt, ein wenig sentimental vorkommen: aber wenn es „Gartenglück von einst" gab, wie es Paul Landau in einem Buche geschrieben hat, so gab es auch ein Reiseglück von emp, ; unwiederbringlich verloren gegangen ist. __—-


