war ein
vor sich hin:
Begegnung.
Von Max B i t t r i ch.
sich aern in anderer Leute Sachen und war voll Lied- uno «prucyweis- fyeit; das Gesinde aber nannte ihn „Gaspard den Raben , und der Rabe g""„Du bis?es^"," sprach bie schöne Frau. „Was hast^du hier Geichäste?" „Keine, Herrin; ich dachte sie bei Euch zu finden, entgegnete er, ohne
°Uf®eworen beschafft," sagte sie; „es gab nichts mehr für dich." ''Ich weiß, ich weiß!" Dann sang er mit seiner icharfen Stimme leise
„Laß nur den Narren, Gaspard!" ries die Herrin. „Was ,reibst du
„Der gülden Hahn mit sieben — Darum ist er der Hahn — Er geht mit sieben Hühnern Mit Scharren und mit Dienern — Das kann er gar nicht Ion!"
Wissen ihr solche Sorge machte, und statt seiner wurde em Chirurgus beigeschafft, dessen Kunst noch keinem Wunden ausgeholfen hatte. Der brachte andere Pflaster und Heilmittel, und als er wieher auf seinen Klepper stieg, sprach er mit rückgewandtem Kops: „Seid frohen Mutes, edle Frau! Euer Ehebett soll nicht verwaiset werden! Und morgen bin ld) Dann^ritt'er fort; das schöne Weib aber blieb am Torpfosten stehen und sah noch lange ihn ins Land hinausreiten. Ihr blondes Goldhaar zog sie langsam durch die Finger, und ihre weihen Zahne zerbissen einen Strohhalm, den sie aufgegriffen hatte. „Die Ratten! brach es plötzlich von ihren Lippen, und sie fühlte, wie ,ahlings ihr das Blut zum Hals hinaufstieg. Aber sie wurde es nicht los; es kam ihr immer wieder: „Die Ratten!" Es verfolgte sie auf Trepp' und Gängen, und in der Krankenkammer war es unverjagbar. Und als der Abend kam, da trieb es sie im Dunkeln zu der Truhe, und ihre zitternde Hand tappte nach dem Rest des Pulvers. In dem Trünke, den Frau Wulfhild an diesem Abend ihrem Eheherrn gab, trank er den Tod hinunter.
Zwei Tage später war in dem düstern Hausgang die Leiche ausgestellt; doch nur Frau Wulfhild stand hoch aufgerichtet mit untergeschlagenen Armen an der Totenlade und sah mit immer größer werdenden Augen auf das harte Leichenantlitz: „Leb wohl, Hans Pog- wifch!" sprach sie; „der Kampf ist aus, auch zwischen uns! Ich hab deiner Hand mich schwer erwehrt! — Ein andermal — doch, das kümmert dich nicht mehr!" ..
Eine Dienerin war eingetreten mit den Trauergewandern au, den Armen; und schweigend wandte sich die Witwe von dem Toten und schritt mit ihr zur Kammer, wo noch das Ehebett für sie und den Gefallenen stand. Die Kammerfrau tat ihr das lange mit schwarzen Tranen bestickte Skapulier an und knüpfte die mönchsartige Huftschnur um den geschmeidigen Leib; sie hatte aber dessen nicht weiter acht. Erst als die Dienerin ihr zur Beschau den Metallspiegel vorhielt, fuhr sie wie aus Träumen auf: „Das fei Gott geklagt, der mich zur Witwe machte! rief sie. „Ich habe darum doch nicht den Tod gefreit!" Dann, mit rascher Hand den Gürtel lösend, schleuderte sie ihn von sich und zerritz das feierliche Gewand in einem Ruck von oben bis fast zum untern Saume: „Bring mir mein braunes Wollenklsid, das mag genügen!" Und die erschrockene Dienerin schritt schweigend aus der Kammer, um den Befehl der strengen Herrin zu erfüllen.
Des Toten Sippe, da solches kund ward, sah die Witib drob mit scheelen Augen an; Claus Lembeck aber hatte zu sich selber gesprochen: „Das ist das Weib für Rolf Lembeck; der wird den ft------
halten!" Er sah wohl, daß erst jetzt die Lebensfülle dieses ....
völlig auszuwachsen begann: die blauen Gluhaugen ließ sie froh umher- . ,
schweifen, und das wellige Goldhaar fiel ihr frei über den stolzen um seiner Herrin das Gewand Nacken; doch so viele ihrer auch begehrten, sie sah noch keinen, dem sie 1 l,<0
sich jetzt ergeben mochte. .
Da, an einem Frühlingsmorgen, trat Rolf Lembeck mit seinem Vater zu ihr ins Gemach. Die Stunde war vorher bestimmt, und lange, mit steigendem Herzschlag, war sie auf und ab gefchritten; doch als die jugendlichen Gestalten sich jetzt gegenübertraten, fehlte nach der feierlichen Verneigung beiden das Wort der Anrede; wie erschrocken über ihre Schönheit schauten sie sich an.
Claus Lembeck lächelte in seinen Bart: „Mein Sohn Rolf Lembeck, edle graue!" sagte er, „dem, wie ich sehe, der Anblick Eurer Schönheit schier den Mund verschlossen hat."
Sie atmete tief auf: „Ihr scherzet, Herr Marschall; Euer edler Sohn hat der Frauen wohl schönere gesehen zu Paris und draußen in dem
Reichl" , , t , .
Ader Rolf Lembeck rief: „Verzeihet, viel schone Frauen; doch keme Schauenburgerin!" Und beider Blicke sanken ineinander.
Dem alten Ritter gefiel es wohl, daß er eine Weile schier vergessen dastand. Dann aber sprach er: „Ich seh schon Eueren Willen; nur des Schreibers Kunstwerk ist noch vonnöten!"
Frau Wulfhild langte nach einer Schelle, die auf dem Tische stand.
„Was wollt Ihr, Fraue?" frug der Ritter.
„Euch den Schreiber rufen," sprach sie lächelnd, „denn einen Vater möcht ich, wie Ihr seid, Ritter!"
„Dank, holde Fraue!" tief der Alte. „Nun, Rolf, willst du dieses Weib aus deines Vaters Hand?"
Rolf hatte schon die schöne Frauenhand an seinen Mund gezogen und sein beteuernd „ja" gesprochen, als Claus Lembeck ein beschrieben Pergament hervorzog: „Wir brauchen keinen Schreiber," sagte er, behaglich nickecknd; „ich gehe nicht ohne Rüstung auf so zweifelhaftes Feld! Was Euch an Gütern eigen ist, Frau Wulfhild, weiß ich; was ich dem Sohne gebe, mögt Ihr hieraus sehen! Nun leset, ob ich nach Euerem Sinn geschrieben habe!"
Sie rollte das Blatt auf und sah hinein; gelesen hat sie nichts davon; es war auch nicht vonnöten, denn Claus Lembeck suchte in derlei Dingen niemanden zu hintergehen. Sie tauchte eine Feder in ihr Tintenfaß und schrieb in großen Zügen unter das Schriftstück: „Wulfhild von Schauenburg, Hans Pogwisch' Witib."
Und als zu zweit auch Rolf mit flüchtiger Hand den Entwurf der Eheakte unterzeichnet hatte, da war der Versprach getan, und Claus Lembeck sagte wohlgefällig: „Mögen gräflicher Notarius und der Priester nun das letzte tun!"
Frau Wulfhild stand mit geröteten Wangen und glänzenden Augen inmitten des Gemaches, zwei Finger ihrer weißen Hand in der des jungen Ritters; als aber itzt die Männer sich verabschieden wollten, neigte sie sich zu dem jungen und sagte leise: „Den Kuh nun, den Ver- lobungskuh, Rolf Lembeck!" Als aber der Kuß gegeben und genommen war, ergriff sie heftig seine beiden Hände, und sich aufrichtend, fast mit ihm zu gleicher Höhe, sah sie mit ihren brennenden Augen in die seinen: „Ihr wart im Reich, Rolf Lembeck!" rief sie, und wie aus heißer Leidem schäft klang es heraus: „Der Frauendienst soll dort noch umgehn; ich aber will den Gemahl allein! Verflucht die Lippen, die ein ander Weib berühren!" ——...... ....
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, Das Lauschen ist ein undankbar Geschäft!" sagte er.
,',Unb hast es doch getrieben?" „Für Euch nur, edle Herrin!" 'Warum siehst du vor dich auf die Dielen? srug fte wieder
Auch für Euch, edle Herrin!" sprach er. „Ich sah dort guten Not, aber ich seh itzt, es lohnt nicht mehr, ihn aufzuheben.
Sie lachte: „Hab Dank; ich habe ihn selber schon gefunden! Dar ,er geijHvujeu. . aber ziemt dir Nicht, daß du die Schauenburgerin den Hühnern be.zahlst; flütmen 23oüel i front es meinem (Blütf, frcife ich frit bie .
cs Mewes sich Gaspard zog Nase und Mund herunter, als müsse et eine neue Weis- ' 1 heit niederschlucken; dann sprang er mit rascher Bewegung in die Hohe,
■* >anb zu küssen.
(Fortsetzung folgt.)
Rolf Lembeck war schier erschrocken; doch als er sic in ihrer wilden Schöne vor sich sah, da riß er sie an sich und küßte sie inbrunst,glich und rief: „Das mag ums Leben gehen, Wulfhild! „
Der Alte aber sprach in sich selber: „Das Werk ist wohlgefestet.
__Die Männer hatten sich verabschiedet; die Frau war im Gemach zurückgeblieben; sie stand und horchte den Schritten nach, die in dem Saal verhallten, der vor ihrem Zimmer lag; dann konnte sie s mcht lassen, die Tür zu öffnen, als wollte sie die Spuren des ihr eigen gewordenen schönen Mannes noch auf den Dielen suchen. Als sie sich umbhette, sah sie auf einem Schemel, hart an der Tur, den Schreiber Gaspard itzen; feine braune Gugelkappe, die hinten mit dem gleichfarbigen Rock zusammenhing, war ihm von dem kurzen Schwarzhaar abgeglitten, so daß sie mit Schwanz und Kugel ihm im Nacken hing; er sah Mit gekreuzten Beinen und sah mit schief herabgesenktem Kopfe auf die vielen, als wolle er dort etwas mit seiner spitzen Schstabelnase aufpicken Es seltsamer Gesell mit einem scharfen ältlichen Gesicht; er mischte in anderer Leute Sachen und war voll Lied- und Spruchweis-
Verhutzelt sann in schwerem Bllltenschnee Dem Schopfungswunder nach die Apfelbaum-Allee. Des Wandrers Runenantlitz reckte sich zum Licht, Und Silber segelte um Sonne und Gesicht. .....
Gott grüße dich!" — „Willkommen! Geh mit mir!
Wir schritten durch das festliche Spalier, Zu Höupten honiglüstre flinke Funken. Berauschend Fest, so gebefroh wie erntetrunken! „Fliehst du den Eigennutz, der dich umschwärmt, Nur um zu sammeln, deine Kunst belarmt? , 1
Mein junger Freund, verleiht des Schicksals Gute
Uns alten Hutzelstämnien späte Blüte,
So wird uns solches Pfand wohl auch als Gcwe Für eine hungernde, für die erfüllungsfrohe Wabe. Z:ch'°ch«Ä-,?S^-s°''"'s «ä*
Man läßt ihn stechen. Was er nahm — am Schluß Grüßt uns daraus des Herbstes Ueberflutz, Des letzten Stündleins feinste Gott^labe!
Wie lächelte dein Runen-Antlitz — Wilhelm Raabe.
Das Eulennest.
Von Willibald O m a n k o w s k i. .
Niemand hätte es dem zehnjährigen Bert mit.feiner *a$erIÄ nase angesehen, welch ein pfiffiger Merl in ihm stefte. Seine Aug n alles, und seine Witterung war erstklassig. Er hatte es r Umliih bekommen, daß die alte Handarbeitslehrerin Fraulem Mattiffon ye> schnupfte, daß der Kantor Rochteschl in der Zehnuhrpause Grog von -n in seiner Bouillontasse hatte, daß der Professor Schweizer eil 19 unj „Teufelsauge" besaß, ein Ding, das zur Nachtzeu hfrau 9 _
in ein Glas mit Wasser gelegt wurde. Vor Berts Künsten der P ° war kein Mensch sicher, und war irgend einmal etwas dunkel, ce ^^Nun "hottender kleine Bert wieder etwas herausbekommen. eine aufregende Sache, und er hatte das Geheimms nur fernen Freunden preisgegeben. „ im geeilt
An einem Spätnachmittag hatte auf dem Marktplatz r ck> b Laternen und Fackeln ein Wanderzirkus feine Zelte aufgeschlage' hi( es für Bert viel zu sehen und zu lernen. Dabei war er langes v erlaubte Zeit ausgeblieben und, als er tn fd)arfem Teinpo n J trabte, sah er feinen Vater daherkommen. Es war der Donner . $0(f, an dem der Vater zum Kegeln ging. Um den unbedingt ! . sich pfeifen zu entgehen, fprang Bert in den dunklen Kirchsteig »Nd


