Ausgabe 
14.2.1928
 
Einzelbild herunterladen

an sich.Minele, du hast recht.

Mut gefunden, sein Wort einzu- zu sprechen. Zwei Wochen hatte trüge er ein Brandmal auf der ihr zu stehen. Nein, das hielt er

Stimmen festtadfroher Menschen, die Sonne herein und malte auf

straften ihn Lügen. _ . .

Leonhard," sprach sie mit tiefem Emst,entweder du sagst mir jetzt die Wahrheit oder ich muß glauben, du hast mich nicht lieb!"

Er wich ihrem Blick aus und trat injien Erker. Zwei Wochen hatte er verstreichen lassen, ohne daß er den mx ° 1 *"

lösen und freimütig mit seiner Braut er sich hingeschleppt. Es war ihm, als ©tim. Und nun gar als Heuchler vor

erschütterlich. _ , . ..

Während er fein Herz erleichterte, saß Hermine regungslos, in ihrem Gesicht aber malten sich Schrecken und Sorge. Sie erinnerte sich eines Tages aus ihrer Kindheit, der sich unauslöschlich chrem Gedächnis einge­prägt hatte. Sie war zehn Jahre alt geworden. Auf dem Tisch stand ein mächtiger Kringel, inmitten brannten zehn kleine rote Kerzen. Allerlei Geschenke lagen umher, die ihr die Eltern zeigten. Da öffnete sich die Tür und der Onkel Grützner trat herein, ein Zeitungsblatt in der Hand. Nun werden's die Spatzen auf den Dächern pfeifen," rief er totenblaß, er wird steckbrieflich verfolgt."Großer Gott, die Schande!" schrie die Mutter auf und brach ohnmächtig zusammen. Später erfuhr sie, um wäs es sich handelte. Der Onkel Selmar in Altenburg hatte Haus und Hof verspielt, war zum Betrüger geworden und hatte Frau und Kinder schmäh-

Dcrs Kartenhaus.

> Novelle von Alfred Bock.

(Schluß.)

(Nachdruck verboten.)

Leonhard," sprach sie sich erhebend,so warst du noch nie. Unfc daß du so sein kannst, tut mir sehr weh! Du hast vorhin gesagt, du warst mehr verärgert geroefen als krank. Du bist's notf). Zwischen Brautleuten darf's keine Heimlichkeiten geben. Was hast du?

Was soll ich denn haben?" stotterte er, seine Heftigkeit bereuend.

Du warft letzt schon so sonderbar", sprach sie weiter.Der OnkÄ, auf den du so aufgebracht bist, hat dich noch in Schutz genommen, wie du fort warst. Wenn so ein Hesse in ein fremdes Haus kommt, hat er gemeint, zittern die Nägel an der Wand und man darf nicht jedes WoÄ auf die Goldwaage legen. Er kennte euch von feiner Militärzeit her. Ich war still und habe bei mir gedacht, mit solchen Späßchen kann man dein eigentümliches Gehaben nicht wegputzen. Ich weih, 's geht etwas mit dir vor."

Hat mein Vater an dich geschrieben?" fuhr s ihm heraus.

Nein, er hat nickt an mich geschrieben", antwortete sie überrascht. Aber nun gibst du ja selbst zu, daß du etwas vor mir vertauschelst."

Ich vertusche! nichts." Seine verstörte Miene, seine unsichere Stimme

nicht immer nahe Verwandte die geeigneten Spender des Blutes zu fei» brauchen. Denn die Mitglieder einer Familie brauchen durchaus nicht derselben Blutgruppe anzugehören.

Die Blutgruppen kommen nun innerhalb der Bevölkerung nicht in gleichmäßiger Verteilung vor. Am häufigsten (zu je 40 Prozent) sind die Blutgruppen 0 und A, seltener (15 und 5 Prozent) sind die Blutgruppen B und AB vertreten. Da könnte es für einen Angehörigen der beiden letzteren Gruppen manchmal schwer sein, einen geeigneten Blutspender zu finden. Aber glücklicherweise kann man, wie eine einfache Ueberlegung zeigt und wie die Praxis bestätigt hat, sich hier helfen. Denn die Blu6 körperchen der Gruppe 0 können ja niemals zusammengeballt werden, da sie durch das Fehlen jeglicher Merkmale, die die Verklumpungsfähigkeit bedingen, gekennzeichnet sind. Spritzt man also Blut der Gruppe 0 irgend­einem Individuum ein, so kann es niemals verklumpt werden. Die Blut- flüssigkeit der Gruppe 0 beherbergt nun zwar ihrerseits verklumpende Gegenstoffe. Aber diese kommen praktisch nicht in Frage. Denn wenn man Blut der Gruppe 0 einem Individuum einer anderen Blutgruppe ein­spritzt, so wird ja die Blutflüssigkeit des Spenders von der des Empfän- gers rasch so sehr verdünnt, daß ihre Wirkungsfähigkeit erlischt. Daraus folgt also, daß man das Blut der Gruppe 0 immer zur Transfusion ver- wenden tann. Ein Angehöriger der Blutgruppe 0 ist, wie man sich aus- drückt, ein Universalspender, und damit ist auch die Möglichkeit gegeben, ohne größere Schwierigkeit den Angehörigen der selten vorkommenden Blutgruppen im Notfälle zu helfen. .... .

Entstanden ist die Blutgruppenlehre aus gänzlich vorurteilsfreier und nicht auf praktische Zwecke gerichteter Forschung. Sie hat, wie wir eben ausgeführt haben, zur Folge gehabt, daß lebensrettende Operationen mH Hilfe von Methoden, die sie uns gelehrt hat, zum Heile der Kranken au* führbar geworden find, die vorher fo gefährlich waren, daß man auf sie schon gänzlich verzichtet hatte. Und wenn ich hinzufüge, daß die Ber- roenbbarteit für die Frage der Bluttransfusion nur eine von vielen prat» tischen Folgerungen aus der Lehre von den Blutgruppen ist, so zeigt sich auch hier wieder di« Berechtigung des Wortes, das der groß« Physiker Bolzmann geprägt hat, daß nichts prattifdjer ist als eint gute Theorie.

nicht länger aus.

Er eilte auf fie zu und preßte sie » drückt mich was. Und muh heraus!"

Von der Straße' herauf klangen die Durch das geöffnete Erkerfenster lugte dem Estrich ein goldenes Viereck. Ein Schmetterling hatte sich in die Stube verirrt und flatterte ängstlich hin und her.

Leonhard nahm feinen Platz wieder ein, Hermine ließ sich ihm gegen­über nieder. Zuerst kam's zögernd über seine Sippen, bann floß es wie ein Strom. Er erzählte von seiner Heimkehr und von ber Unterredung, die er mit seinem Vater gehabt. Getreulich, wie der alte Herr es ihm auf die Seele gebunden, schilderte er den Tag, da er als Spieler vor Gericht Zeugnis abgelegt, nannte die Summe, die er jenesmal eingebüßt hatte und bekannte, bah er auch in Plauen einem Spielkränzchen ange­hört habe. Die Liebe zu feiner Braut, beteuerte er, fei für ihn zum Prüfstein unb Wächter geworden. Unter sein vergangenes Leben habe er einen Strich gemacht unb sein Entschluß, nicht mehr zu spielen, sei un-

Tier kaum ober gar nicht unterscheiden; und auch mit den gewöhnlichen ' Hilfsmitteln des Chemikers gelingt es nicht Unterschiebe in ber Zu­sammensetzung der Blutkörperchen unb des Blutfarbstoffes aufzufinden. Wohl aber fand man bald, daß auch im Reagenzglase Blut und Blut- flüsfiakeit verschiedener Tierarten sich nicht miteinander vertragen, und gegen Ende des vorigen Jahrhunderts konnte die Wissenschaft der Jm- munitätsleljre bartun, daß die Gewebe, also auch bas Blut vergebener Tierarten vollständig verschieben sind, so baß die Erklärung für bas schädliche Wirken der Einverleibung artfremden Tierblutes im Menschen ßefunben war. Es stellte sich als ein allgemeines Prinzip heraus, daß jeder tierische Organismus bestrebt ist, feine Arteigenheit aufrecht zu er­halten. Der tierische Organismus greift ihm eingespritzte artfremde Zellen sogleich an unb zerstört sie. Unb zwar bedient er sich zur Abwehr nicht zu ihm gehörigen Materials ganz eigenartiger Kräfte, die man mit dem Kamen der Antikörper bezeichnet hat. Wie nun bei dem Löschen eines Brandes ber Wasserschaden häufig größer ist als ber durch bas Feuer angerichtete, so kann es auch hier fein: der Körper des Menschen wehrt sich gegen das eingespritzte Tierblut. Im Verlause dieses Kampfes treten aber Erscheinungen auf, die durch den Zerfall der fremden Blutkörperchen bedingt sind unb bie ben Erfolg der Abwehr gänzlich in Frage stellen können, d. h. sie können schwere Schädigung, ja sogar den Tod des Menschen zur Folge haben.

So war also die wisienschaftliche Grundlage für die Erfcchrungstat- sache gegeben, daß die Einverleibung von Tierblut unerträglich für den Menschen ist. Da aber die ärztliche Praxis immer wieder nach ber Mög­lichkeit bes Ersatzes von Blut verlangte, um bas Schreckgespenst bes Ver­blutungstodes zu bannen, kam man natürlich sehr bald barauf, nicht Tier­blut überzuleiten, sondern Menschenblut. Hier muhte ja bas feinbfeiige Verhalten gegenüber dem artfremden Blut Wegfällen, unb man konnte hoffen, durch bas Blut eines anderen Menschen verlorenes Blut wirklich zu ersetzen.

Aber trotzdem erlebte man eine schwere Enttäuschung. In einer gan- zen Reihe von Fällen hatte die Blutüberleitung von Mensch auf Mensch einen vollen Erfolg, in anderen wieder traten schwerste Zwischenfälle auf, die sich in nichts von denen unterschieden, die man nach ber Ueberleitung von Tierblut gesehen hatte. Gegen solche Zwischenfälle war man auch nicht geschützt, wenn man bas Blut ber nächsten Verwandten, der Eltern, ber Geschwister, für den Eingriff benutzte.

Auch hier war es die Serumforschung, die Ordnung in diese unüber­sichtlichen Verhältnisse brachte, und zwar war es ber Wiener Forscher Land st einer, dem wir auf diesem Gebiet bie wichtigsten Aufschlüsse verdanken. Er zeigte sich nämlich, baß in bezug auf bas Verhalten bes Bültes die Menschen nicht einheitlicher Art sind. Man kann unter ihnen vielmehr ©nippen unterscheiden. Bringt man wechselseitig Blutkörperchen unb Blutflüssigkeit zweier Individuen, die verschiedenen Gruppen ange­hören, im Reagenzglas zusammen, so beobachtet man, wie die Blut­körperchen, die sich in natürlichem Zustande in einer gleichmäßigen Auf­schwemmung befinden, zusammengeballt, verklumpt (agglutiniert) wer­den. Es bilden sich große Pakete zusammengeklebter Blutkörperchen. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß, wenn solch eine Zusammenballung von Blutkörperchen im lebenden Organismus selbst eintritt, sie von schweren Folgen für diesen begleitet sein muß.

Man kann vier Blutgruppen unterscheiden, die dadurch bestimmt sind, daß die Blutkörperchen der Menschen ein Merkmal A ober ein Merk­mal B ober beibe Merkmale A + B, ober schließlich überhaupt kein Merk­mal (0) besitzen. Den Merkmalen der Blutkörperchen stehen nun Eigen- , schäften der Seren gegenüber, unb zwar berart, daß bie Seren immer diejenigen zusammenballenden Eigenschaften besitzen, zu denen bie passen - . den Merkmale im eigenen Blut fehlen. D. h. also, bie Blutflüssigkeit ber Gruppe 0 verklumpt die Blutkörperchen sämtlicher anderer ©nippen, wahrend im Gegensatz dazu die Blutflüssigkeit der Gruppe AB jede verklumpende Eigenschaft vermissen läßt. Die Blutflüssigkeiten der Gruppe A und B verklumpten wechselseitig ihre Blutkörperchen und naturgemäß auch die der Gruppe AB.

Die Zugehörigkeit zu einer der vier Blutgruppen ist eine Eigenschaft, die sich während des ganzen Lebens eines Menschen unter keinen Um­ständen verändert. Waren die auf den Beobachtungen Landsteiners ge­gründeten Schlußfolgerungen richttg, jo mußten die unliebsamen Zwi- 'schenfälle bei der Blutüberleitung sich vermeiden lassen, wenn man darauf achtete, nur bei Menschen ber gleichen Blutgruppe die Transfusion vor­zunehmen. Und in der Tat, seitdem man vor der Blutüberleitung bie Blutgruppe der Menschen bestimmt und nur das Blut innerhalb gleicher Gruppen zur Blutüberleitung verwendet, bleiben die schweren Erschei­nungen nach ber Bluttransfusion aus. Insbesondere die Amerikaner haben bas in einer sehr großen Zahl von Fällen wohl cinmanbfrei bar« fietan. Seitdem gilt die Bluttransfusion als eine vollberechtigte unb unge- ähnliche Methobe ärztlichen Handelns unb Helfens.

Schon im Weltkriege würbe bie Blutgruppe eines jeben amerikanischen Soldaten festgestellt unb in sein Soldbuch eingeschrieben, unb auf ber anderen Seite wurden Blutspender bekannter Gruppenzugehörigkeit be­reitgestellt, so daß im vorkommenden Falle ohne jeden Zeitverlust die ent­sprechende Bluttransfusion ausgesührt werden konnte. Mit dem prak­tischen Sinn, der der amerikanischen Nation eigen ist, wurde dort eine Organisation zur Bereitstellung von Blutspendern auch für Friedensver- HäÜnisfe geschaffen. Zu vielen größeren Krankenhäusern gehört ein Stab von gewerblich angestellten Blutspendern, deren Blutgruppe bekannt ist, und deren Gesundheitszustand überwacht wirb, so daß im Notfälle für jede Blutgruppe rasch Leute bereit sinb, um bie lebensrettenbe Operation ausführen zu können. Wenn auch unsere Verhältnisse einen berartigen Apparat kaum erforbern, so wirb in ben größeren Kliniken bei Aerzten unb Pflegepersonal doch vielfach die Blutgruppe bestimmt, so daß auch bei uns bie Blutüberleitung jederzeit vorgenommen werben kann, wenn M nicht unter ben Angehörigen bes Kranken rechtzeitig ein geeigneter Blutspender finden sollte.

Die Erkenntnis, daß nur bie Gruppengleichheit einen einroanbfreien Ausfall ber Bluttransfusion gewährleistet, macht auch verstänblich, baß