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Nun war es damals in Holland Gitte, daß die Gilden, Zünfte andere Vereinigungen aller Art fich in corpore malen ließen —
D'rs MuitTanssMon.
Von Dr. Alfred Klop stock, .Heidelberg.
Gesichter gezeitigt hatte. (Eine Amsterdamer Schütz enko mpagnie, geführt vvin Hauptmann Franz Banning Cocq hielt Rembrandt gerade für den
treibt Ihr für Possen, Gevatter Bluewarm? fragt er erstaunt und ist ' auch auf Ihr zu Ihr mit dem Barbier gekommen, der hartnäckig pafft, ; weil er die letzten Züge an [einem Tabak spürt und die Gulden in seinem Rücken. _ , , . ....
Posten? höhnt er in sich hinein. Das haben sie miteinander beredet, mich dennoch zu fangen! schüttelt nur seinen gesalbten Kopf und schmaucht, sein Glück zu vollenden. Der Wirt wittert Unrat; aber da er nichts weiß von den Gulden, will er zuletzt wieder hinab. Gerade da ist der Balthasar Biuewarm fertig, tut noch einige hastige Züge, bis er es schlürfen hört.
Fertig! sagt er, steht auf und reißt das Tuch von der Stirn. Aber wie er die Augen herumwirft, liegt nur die dritte Pfeife noch auf dem Tisch, und die Gulden sind fort mit seinen Batzen. Wo ist der Fremde? fährt er den Wirt an; daß der die wehrenden Ellbogen wider ihn hebt, ehe er Antwort gibt: Der ist vorhin nach Nymwegen geritten!
Und deine drei Gulden sind mit! stöhnt der Barbier und sinkt auf dem Stuhl, weil ihm übel wird, nicht nur von dem Krallt; und sitzt nicht mehr da mit gespreizten Beinen. Aber der Wirt hält es genau mit der Grammatik: Halloh, sagt er spitz; mich dünkt, es sind deine! Du hast eine teure Pfeife damit geraucht. Hier hast du noch eine, die du auch mitbezahlt hast.
schon früh nur ein Problem in seinen Werken verfolgte, nämlich das Licht zu fassen, zu formen, ja, zum Träger alles Dargestellten zu machen, war der Gedanke, eine Anzahl braver Amsterdamer porträtähnlich nebeneinander aufzureihen, unerträglich; er verlegte also den Auszug der Kompagnie, den er wiedergeben wollte, in das Halbdunkel eines gewölbten Torweges, und ließ nur den Hauptmann mit seinem Leutnant hell von dem schräg einfallenden Lichte bescheinen. Alles andere geistert, mit sonderbaren traumhaften Gestalten vermengt, welche gar nichts mit der Compagnie zu tun haben, im Dunkel durcheinander, wo es sich verliert, wieder auftaucht, eine Waffe ober einen Helm aufblitzen läßt, über dem sich sogleich wieder das wogende Geheimnis schließt. Rembrandt schuf aus der Banalität des Vorganges und der Menschen eines seiner größten Werke, eines der erschütterndsten Bilder aller Kunst: und gerade dieses Bild sollte sein Verderben werden.
Denn die Amsterdamer Schützenbrüder und mit ihnen die ehrsame Bürgerschaft der <5tabt waren empört. Wie? Was fiel diesem Maler, der sowieso mit seiner Frau ein lockeres und üppiges Leben inmitten aller möglicher Zaubereien und Kuriositäten führte, eigentlich ein? Das sollte ein Doelenstück (ein, auf -dem man doch zum mindesten die Gesichter in aller Deutlichkeit erkennen müsse? Und was soll öies Dunkel? Und die merkwürdigen Gestatten, die darin umherfahren, wie das kleine lasterhaft aussehende Mädchen? Gehört das vielleich in eine Schützenkompagnie? Ein schauderhaftes Bild, dessen Annahme verweigert werden muß! Eine Verhöhnung des Bürgertums! Dem Maler werden wir es zeigen! Keinen Auftrag mehr! Hungern (oll der Kerl...
Wir hören fi« keifen, die entfesselten Spießer. Sie hatten die materielle Macht, und sie machten wirksamen Gebrauch von ihr. Rembrandt wurde verfemt, konnte kaum etwas verdienen, mußte seine Sammlungen verschleudern, geriet immer tiefer in Rot; Saskia starb, und nur feine Magd, Hendrikje Stoffels, die er später heiratete, blieb bei ihm. Er lebte im
Seltfame Künstler
Von Dr. Anton Mayer.
Künstler sind außergewöhnlich begabte Menschen und haben also auch leicht außergewöhnliche Schicksale; allerdings ist ein gewisses Bohemetum, wie es eine Zeitlang in gewissen, der Kunst nicht fernstehenden Kreisen beliebt war, mit seinem merkwürdigen Gebaren noch kein Beweis für die Genialität. Aber wohl nur selten wird das Leben eines Großen in der Kunst in ganz geraden und von der Bürgerlichkeit vorgeschriebenen Bahnen verlaufen; auch Goethe, der später Staatsminister, Exzellenz und Geheimrat wurde, war in feiner Jugend zeitweilig gar nicht so sehr weit von den sturmumwehten Pfaden eines Christian Günther entfernt, von dem er später selbst sagte, daß ihm sein Leben wie sein Dichten zerronnen seien. Allerdings wird es immer eine Seltenheit bleiben, daß ein Künstlerdasein einen so gleichmäßig freundlichen Verlauf nimmt wie die irdische Laufbahn des in Berlin der dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre außerordentlich anerkannten und heute sehr hoch geschätzten Malers Franz Krüger; er führte ein von allen materiellen Sorgen von Anfang an freies, erfolgreiches, von den schönsten Aufträgen ausgefülltes Leben voll behaglichstem Luxus und hinterließ feinen Erben das erstaunliche Vermögen von 750 000 Mark, eine Summe, die im Jahre 1857 einen noch beträchtlich größeren Wert repräsentierte, als sie es in unseren Tagen vermag. Das ist in seiner Art ein, ich möchte sagen, negativ seltsames, dafür aber sehr angenehmes Künstlerschicksal; allerdings fehlte dem braven Meister, der ein treffsicherer Zeichner von großem Geschmack und ein Maler von außerordentlichem Können war, der letzte göttliche Funke, ohne den kein Werk höchsten Ranges entstehen kann, die Genialität.
Dagegen ist das Geschick des wohl größten Malergenies aller Zeiten und Länder, das Geschick Rembrandts ein ebenso seltsames wie tragisches gewesen. Seine Laufbahn führte im glücklichen Anfang schnell nach oben; Geld und Ruhm floffen ihm zu, feine Fran Saskia von Uhlenborgh war ihm liebste Gefährtin, welche ein inmitten schöner und wertvoller Kunstsammlungen heiter geführtes Leben voller Freude mit ihm teilte. Er
hat sich selbst mit ihr porträtiert: sie sitzt auf seinem Schoß, er hebt ein volles Glas, und beide blicken lachend aus dem Bilde heraus den schauer an: die Zukunft lag ohne Wolken vor ihnen.
richtigen Mann, um auch ihre Antlitze der Welt zu überliefern, und dieser nahm den Auftrag an, der ihm verhängnisvoll werden sollte. Ihm, der
Gewohnheit, welche zwar herrliche Bilder, wie. die „Doelenstücke' Franz Hals, aber auch recht langweilige Gemälde voll gleichgültiger
Das Blut der Säugetiere, und somit auch des Menschen, besteht bet Blutflüssigkeit und den in ihr schwimmenden Blutkörperchen, roten Blutkörperchen haben die lebenswichtige Funktion, den Zellen Geweben des Organismus den Sauerstoff zuzufuhren, der ihnen durch die Atmung in den Lungen übergeben wird Sinkt die Zahl per roten Blutkörperchen des Menschen unter em gewisses Mindestmaß, so reichen die übrig bleibenden zur Ausübung der Atmungsfunktion nicht mehr aus, der Mensch geht an innerer Erstickung zugrunde.
Wenn also schwere Blutverluste bei Verletzungen eintreten, oder wenn durch Gifte ober gewisse Erkrankungen die Zahl der roten Blutkörperchen so stark verringert wird, daß lebenbedrohliche Ziistande emtrekn, was liegt bann näher, als einen Ersatz bes verloren gegangenen Blutes durch neu von außen zugeführtes zu versuchen? Von jeher war man M« bestrebt, in solchen Fällen durch lleberleitung (Transfusion) srisch-N Blutes lebensrettend zu wirken. Die Technik einer solchen .Blutuber leitung selbst ist einfach und bietet in der Hand des Geübten keinerlei de andere Schwierigkeiten. Als man nun aber im vorigen Jahrhuiwert de schweren Blutverlusten zum Ersatz des verlorenen Blutes Zierblut de nutzte, zeigte sich bald, daß die Vlutüberleitung recht gefährlich war Schwere Zustände von Blutzerfall, Atemnot, die sogar vom Tode ge folgt fein konnten, traten auf. Auf den ersten Blick erschienen die schweren Folgezustände nach der Einleitung von Tierblut (man verwana vorwiegend das Blut von Lämmern) nicht recht verständlich. Denn ft ! unter dem Mikroskop kann man die Blutkörperchen von Mensch un
Elend; aber, das ist das Schöne dabei, die Rache der Spießer schlug doch zum Guten aus: denn aus dem Elend erwuchsen Rembrandt die tiefften und großartigsten, die abgeklärtesten und ergreifendsten seiner Schöpfungen, deren bestes Beispiel das Bildnis der „Staalmeesters", der Vorsteher der Amsterdamer Tuchmachergilde, ist. Es hängt im Reichsmuseum Hollands, in derselben Stadt, nicht weit vom Bilde der Schützengilde, dem man später, in Mißdeutung des Halbdunkels, den Namen „Die Nachtwache" gegeben hat. So weit war man vom Berftcmdnis Rembrandts entfernt, daß man seine Lichtmalerei für nächtliche Finsternis hielt.
Um dieselbe Zeit als Rembrandt in Amsterdam lebte, wollte in Rom der Cavaliere Bernini den Bau der Pcterskirche vollenden. Er beschloß, die Seiten der mächtigen Fassade mit zwei Türmen zu krönen, feeren Bau dann auch zugleich in Angriff genommen wurde. Aber kaum waren sie fertig, fea neigte sich der eine von ihnen bedenklich, 'bas Mauerwerk bekam Risse, kurz, höchste Einsturzgefahr drohte. Es blieb nichts anderes übrig, als die prunkvollen Bauten schleunigst wieder abzutragen, welche Blamage für den stolzen Meister, den berühmtesten Architekten Italiens, der sogar am Hofe des französischen Sonnenkönigs geglänzt und dort den Begriff der „Karikatur" in witzigen Porträts der Hofgesellschaft geschaffen hatte! Er mußte irgend etwas finden, um sich zu rehabilitieren; sein Genie ließ ihn die Niederlage in glänzenden Sieg verwandeln und gab ihm die Idee zur Umgestaltung des Petersplatzes in die noch heute bestehende Form. Er umgab den Platz mit mächtigen Kolonnaden, die sich wie Arme um das gewaltige Bauwerk legen, symbolisch zu deuten als die Arme der allumfassenden katholischen Kirche, ästhetisch aber eine der hervorragendsten Architekturleistungen der Baugeschichte bezeichnend, feeren Dasein wir einem Konstruktionsfehler beim Bau der Turme vsr- danken. Manchmal haben auch die Irrtümer ihr Gutes, wenigstens wenn sie von genialen Menschen begangen werden.
Das römische 17. Jahrhundert war reich an interessanten Baumeistern. Die neugewonnene Freiheit des Denkens, die sich in der Vorstellung des heliozentrischen Systems im Gegensatz zmn bisher gültigen geozentrischen bemerkbar machte, ließ im Verein mit den Bestrebungen der Gegen- ' Deformation eine leidenschaftliche und bewegte Kunst entstehen, dw befmi- ders in der Architektur neue und überraschende Formen zeitigte. Bie häufig beinahe zügellose Wildheit der Kirchen und Profanbmiten jener Zeit ist bis in unsere Taae hinein die Zielscheibe grimmigen Hasses aller klassizistisch eingestellten Betrachter gewesen, und der am meisten nut Zorn und Spott heimgesuchte Name ihrer Erzeuger war Franceseo Borromino. Ein unbezähmbarer Drang nach Bewegung charakteri- : fiert seine Werke, feine Fassaden verlassen die Geraden, um Wellenlinien zu schlagen, die Wände seiner Jnnenräume sind in vielen Winkeln ge= ' krümmt, Gesimse springen vor, die Türme seiner Kirchen, wie^der von St. Ivo della Sapienzia, drehen sich spiralförmig in lustigem Tanz gen Himmel, oder werden, wie der von St. Andrea brette fratte, nanj omn immer leichter und leichter, bis sie fast zu entschweben scheinen. Alle Re- ' nungen der Menschenseele find in dielen Bauten ausgedruckt Freude und •: Sehnsucht, Trauer, leidenschaftliches Verlangen bis ,rur selbstverge, enen, ' über den Menschen herauswachsenden wilden Ekstase. All dies lebte im ' Schöpfer dieser Werke und hob ihn über den Alltag, wenn Demütigungen . und Kränkungen ihn trafen, aber der Ueberschwong war zu mel ,ur den : Einzelnen. Er kämpfte sein ganzes Leben mit den Dämonen der tunst ; leriscljen Besessenheit, bis er am Ende doch unterlag und mit 68 Jahren f sich feen Segen durch die Brust rannte — ein Kunstlerdasein, das an seinem eignen Feuer verbrannte. . .
i Das seltsamste aber von allen Geschicken, die jemals Schaffende betroffen haben, scheint mir zu fein, daß Beethove n taub werden mußte. Welch eine überteuflifche Ironie liegt dann ^wen Menschen, der aam Musik ist von den Klängen der Außenwelt abzusclpieiden! Und doch, auch hier hat sich jene mephistophelische Kraft bewahrt, die stets | das Bose will und stets 'das Gute schafft: denn gerade in der Stille seiner i Taubheit, nickt mehr durch irdisches Tonen gestört, konnte Beeihov.n Werke vollenden, die im großen Ganzen, wie vor allem die letzten i.mar- i tette, zu den gewaltigsten mustkaiisci-en Offenbarungen gehören So ist » eine merkwürdige Tatsache, dost die bedeutendsten Werke haustl au ! widrigen Umständen entstanden sind, mag ihnen nun der Haßder Pfah bürger ein Baukonstruktionsfehler, ungeoandigte Leidenschaft oder kor- perliches Gebrechen zu Grimde gelegen haben.


