Ausgabe 
13.11.1928
 
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folgende Szene als Bühnenoorgang: wie sich die Doppelzwerggestalt so schnell zum eklen Klumpen ballt Doch Wunder Klumpen wird Mm Ei, das bläht sich auf und platzt entzwei Run fällt ein Zwil­lingspaar hinaus die Otter und die Fledermaus ufw. und an viele ähnliche Stellen.

Wir haben hier in dem Herold den Erzähler, den Sprecher, der es fei das etwas verbrauchte Wort erlaubt den Zauberstab der Phan­tasie virtuos schwingt. Und diese yigur, die eines Mittlers, die uns ja im Rundfunk besonders von den Sportübertragungen her gewohnt ist, findet man auch in den meisten Hörspielen wieder. Sie hat bereits dort ihr Lebensrecht, wie die bekannten feststehenden Typen in der altitalieni­schen Commedia deü'Arte. Aber sonst wird man vergeblich nach einer Einheitlichkeit des Gestaltungsprinzips fahnden. Die meisten Verfasser von Hörspielen gehen zu sehr von ihren literarischen Erfahrungen und Neigungen aus, und knüpfen, je nach ihren Neigungen an das zeitge­nössische Drama wie zum Beispiel der österreichische Dichter Eso kor in seinem HörspielBallade von der Stadt" oder auch an den Film an. Freilich scheint dieser letztere Weg, nämlich der, einzelne, rasch wech­selnde Hörbilder, aneinanderzufügen, mehr Aussichten zu eröffnen und der Reaktion des Rundfunkpublikums gemäßer zu fein als der Erstere.

Zweierlei hat sich schon recht deutlich gezeigt: erstens, daß tragische Stoffe im allgemeinen hierbei besonders schwer zu gestalten'sind. Sie er­fordern eine Art der Aufmerksamkeit, die der Rundfunkhörer im Durch­schnitt nicht besitzt, darüber darf man sich keinen Illusionen hingeben. Und zweitens, daß hier, mehr noch als anderswo, Einfachheit nottut. Keine komplizierten Handlungen, keine verschnörkelte ober ekstatisch ver­krampfte Sprache, wie sie der selige Expressionismus liebte, dessen Schatten noch in manchen Hörspielen auftauchen. Wer an die im Rund­funk gewohnte Art des Sprechens und der Satzbildung anknüpft, ja die dort üblichen Ausdrücke mitverwendet, findet am ehesten den Kontakt mit den Hörern. Und jeder heitere Stoff, jede komödienhafte Wendung mag in ihr auch Tragisches verborgen fein, hat mehr Aussicht auf Erfolg als die schwerfällige Düsternis einer vergangenen Dramenepoche.

Ich wünschte nur manchmal, bei einem Hörspiel das Publikum beob­achten zu können, jenes ungeheure, notgedrungen stumme Publikum des größten Theaters aller Zeiten. Was gefällt und was mißfällt? Man kann es nur ahnen oder an den Aeußerungen einiger Bekannten prüfen. Und doch gäbe dies erst die wichtigste Grundlage für die weitere Ent­wicklung des Hörspiels. Aber wenn die Hörer schon stumm sind mit ihrem Urteil brauchen sie deshalb doch nicht zurückzuhalten: sie mögen nach der Aufführung an die Sendeleitungen schreiben und unbefangen Kritik üben, das kann der 'suche des Hörspiels nur nützen.

Staumenergie, eine neue Wasserkraft.

Bon Eduard Meie <r.

In mannigfacher Art wird das Wasser zur Erzeugung von Energie benutzt, denn es ist billiger als jeder andere Betriebsstoff, fei es nun, daß man das Wasser zu Dampf erhitzt und dann Kolbenmaschinen oder Tur­binen damir betreibt, daß man das Gewicht des fallenden Wassers auf dem Wege über die Turbine zur Erzeugung elektrischer Kraft benutzt, oder "daß man gar, wie es neuestens geschieht, den geringen Wärmeunter­schied . der verschiedenen Wasserschichten des Weltmeeres zur Kraster- zeuguirg verwertet. Billige Energie, das ist heute eine der Grundfragen der gesamten Weltwirtschaft, und überall arbeiten Wissenschaftler wie Techniker daran, auf immer neuen Wegen der günstigsten Energieform näher zu kommen.

Schon feit einigen 50 Jahren kennt der Chemiker die Tatsache, daß das Wasser bei der chemischen Zersetzung durch elektrische Kraft das sog. Knallgas bildet: diese Mischung aus Wasserstoff und Sauerstoff ist die als stärkste überhaupt bekannte Energiequelle, sie entwickelt 20 000 Kalorien, während in der gleichen Menge das Benzin nur 8000 bis 9000 und die Kohle nur 3000 bis 6000 enthält. Dennoch hat man das Knallgas bisher industriell noch nicht verwenden können, weil seine Explosionsgeschwindig­keit zu groß war, und weil wir für derartige Kräfte noch nicht die ge­eigneten Maschinen besaßen. Neuerdings ist man jedoch dieser Frage wie­der näher getreten, indem auch Gasmotoren der verschiedensten Art ge­baut wurden. Auch der neue Zeppelin verwendet im Blaugas ein Wasserstoffgemisch. Dennoch ist man zur Verwendung des reinen Knall­gases im Motor noch nirgends gelangt, weil dieser Stoff überhaupt selten nur bis in den eigentlichen Verbrennungsraum des Motors kam, ohne schon vorher zu explodieren.

Nunmehr aber ist diese Frage der Lösung näher gerückt. Der Göp- Ptnger Ingenieur Paul Hausmeister arbeitet seit Jahren an diesem Problem. Bei der Erforschung des Knallgases, das von der Wissenschaft wegen seiner Gefährlichkeit bisher mit wenig Interesse behandelt wurde, entdeckte Hausmeister, daß das Knallgas feine überaus gefährlichen Eigen­schaften nur unter bestimmten Umständen aufweist, daß es aber unter Druck ein völlig brauchbares Treibmittel für Motoren darstellt. Haus­meisters erste Erfindung auf diesem Gebiet verwendete das Knallgas lediglich als Zusatz für die üblichen Treibstoffe des Explosionsmotors. Schon dabei zeigte sich infolge der vollkommeneren Verbrennung ein erheb­licher Kraftgewinn und eine Brennstöffersparnis, die bis zu 70 v. H. ging. Vor allem war der Knallgaszusatz deshalb besonders nützlich, weil man auch im gewöhnlichen Automobilmotor, der auf die Verwendung von Benzin oder eines Gemisches von Benzin und Benzol eingestellt war, die billigsten Treiböle, das Salanöl oder sogar Schweröle, verwenden konnte. Dabei erzeugt sich der Automobilmotor in der Lichtmaschine die zur Wasstrzersetznng nötige elektrische Kraft außerdem noch selber. Diese von Hausmeister gemachte Erfindung ist in den letzten Jahren vollkommen be­triebssicher ausgebaut und bis zur Serienfabrikation vollendet worden. Da sich auch die Automobilindustrie für dieses Problem sehr interessiert. Verantwortlich: vr. HanS T

dursten in abfehbarer Zeit die neuen Kraftwagen mit dem Hausmeister, schen Zusatzgerät ausgerüstet auf den Markt kommen. Für die deutfck- Wirtschast würden daher jährlich große Summen, die bisher an bas Ausland gezahlt werden mußten, erspart werden können.

Aber noch eine wichtigere Entdeckung wurde bei den Forschungen mit dem höchst gefährlichen Knallgas gemacht. Es stellte sich nämlich heraus daß bei der Elektrolyse des Wassers gleichzeitig ohne jede weitere Kraft.' anmenbung burch die Verwandlung des Wassers in Wasserstoff unb Sauerstoff ein Druck bis zu 1865 Atmosphären entstand. Dieser Druck be- deutet natürlich eine sehr erhebliche Kraftquelle. Sie wird bei der Er- zeugung der Gase völlig kostenlos gewonnen. Es war aber keineswegs einfach, mit dieser Entdeckung die Anerkennung der Wissenschaft zu er­halten, denn auf den ersten Blick sieht die Sache nach einem Perpetuum mobile aus, das es Überhaupt nicht geben kann. Und in den Wissenschaft, l'chen Lehrbüchern steht, daß bei der Elektrolyse mit dem zunehmenden Druck ein höherer Stromverbrauch eintreten muß. Bei den Messungen Hausmeisters aber zeigte sich, daß im Gegensatz zur offiziellen Physik bei zunehmendem Druck der Stromverbrauch sank. Erst als dem Universitäts. Professor C ö hn (Göttingen), dem Berliner Dr.-Jng. I. E. 9t o egge. r«th unb in anderen Versuchslaboratorien die gleiche Tatsache aufftieß, bequemte man sich dazu, diesen Satz aus den wissenschaftlichen Lehr, buchern zu streichen. Inzwischen haben auch Pros. Einstein unb zahl- reiche Universitätsinstitute diese überraschende Erscheinung bestätigt. Ein« einwandfreie Erklärung für dies Phänomen hat man allerdings noch nicht gefunden, denn in dürren Worten unwissenschaftlich gesagt, bedeutet die neue Entdeckung, daß bei der Zersetzung des Wassers 117 v $). Kraft gewonnen werden gegenüber 100 v.H. dabei aufgewendeter Energie. Es handelt sich hier um eine latente Kraft, die im molekularen Aufbau de« Wassers steckt und bisher unbekannt war. Wir kennen ja schon seit der Entdeckung des Radiums die Atomenergie und haben berechnet, daß bei Ausnützung dieser Kraft ein oollbeladener Güterzug mit einem halben Gramm Kohle von Paris bis Wladiwostock fahren könnte. Nur, wir können diese Kraft noch nicht ausnutzen, und wo sie anfällt, beim Radium und Uranium, ist sie sehr gefährlich. Die Raumenergie des Wassers aber, die beim Zerlegen der Wafsermolekiile entsteht, ist in einer industriell anwendbaren Form vorhanden. Daß wir diese Energie beim Wasser ent- deckten, mag wohl daran liegen, daß das Wasser schon in vielen anderen Beziehungen von der physikalischen Norm abweicht, und zu den dichtesten Körpern überhaupt gehört. Es läßt sich überhaupt nicht zusammenpressen und auch bei der Einwirkung der Külte verhält es sich anders als andere Körper. Es zieht sich nicht zusammen, sondern dehnt sich aus. Nunmehr dürfte wohl eine Erklärung für alle diese Phänome gefunden werden. Die Geheimnisse des molekularen Zusammenhanges werden entschleiert.

Nach der Entdeckung Hausmeisters sind diese Erscheinungen übrigen« auch im ßeunaroert bei der Druckelektrolyse der Kohle, der Herstellung künstlichen Benzins, ausgefallen. Welche Bedeutung für unsere Energie­wirtschaft dieser Entdeckung zukommt, läßt sich vorläufig noch nicht voll- kommen abschätzen. Wir haben noch gar nicht die Möglichkeit, sie völlig auszunutzen, denn mit 1865 Atmosphärendruck kann heute keine Turbin« arbeiten, uns fehlt einfach noch das dafür brauchbare Material. Erst wenn dieses vorhanden ist, läßt sich daran denken, daß man in einem Zylinder durch Elektrolyse Wasser zersetzt und den Druck von 1865 Atmosphären bann in einer imehrstufigen großen Turbine von unge­heuren Umdrehungsgeschwindigkeiten dis auf Atmosphärendruck expan- feieren läßt. Das Knallgas wird sodann in einem Zweitaktmotor zur Explosion gebracht und entwickelt hier von neuem einen Druck von 25 Atmosphären (der heutige Benzinmotor erzeugt nur 9 bis 10 Atmo­sphären). Nach der Arbeitsleistung im Motor kann noch der bei der Expl» fi«H entstehende Wasserdampf in einer Dampfmaschine oder in einem Heizwerk angewendet werden. Diese Jdealanlage, die Kombination von Höchstdruckturbine, Explosionsmotor und Dampfnmschine haben wir aller­dings heute noch nicht, aber der Technik ist jetzt eine Aufgabe gestellt, unb sie hat bisher jede solche lösen können. Wir dürfen darum auch recht bald mit der völligen Ausnutzung der neuen Raumenergie rechnen. Aus dem besten Wege dazu ist man schon. Die deutsche Reichsbahn verwendet be­reits ein von dem Dr. I. Noeggerath hergestelltes Aggregat zur Er­zeugung von Wasserstoff und Sauerstoff mit Hilfe der Druckelektrolyse. Da die hierbei anfallenden Gase in den Werkstätten der Reichsbahn nicht voll ausgenutzt werden tonnen, wird nunmehr auch die Kraftmaschine gebaut, die sowohl einen Druck von 200 Atmosphären wie auch das dabei entstehende Knallgas in Energie umsetzen kann.

Besonderes Interesse gewinnt die Volumenenergie für die Flngtechnih ene ermöglicht nämlich den für lange Strecken am besten geeigneten Stratosphärenflug. Unsere heutigen Motoren, die den Luftsauerstoff bei der Explosion benötigen, verlieren in größeren Höhen einen sehr erheb­lichen Teil ihres Wirkungsgrades. (Bis zu 60 o. H.) Beim Knallgasmotok dagegen, der den zur Explosion nötigen Sauerstoff ja bereits im Knnll- gas enthält, bleibt die volle Kraft auch in den größten Höhen, in denen der Luftwiderstand sehr gering wird, erhalten. Die Geschwindigkeit des Flugzeuges wächst allo dementsprechend. Für diesen Zweck sind auch die heute bereits vorhandenen Apparate, die die Volumenenergie noch gak nicht ausnützen, sondern nur mit einer dem Motor angeschlossenen Licht­maschine die zur Elektrolyse notwendige Kraft erzeugen, schon völlig brauchbar. Aus diesem Grunde besteht auch in den Kreisen der Flugtechniker ein hohes Interesse für diese neue Entdeckung, die vermut­lich bet der Ausnutzung der Raumenergie in der gesamten Wirtschaft unb Politik erhebliche Wandlungen Hervorrufen wird, denn sie trägt sehr er­heblich bei zu der schon seit einigen Jahren vor sich gehenden Ent­thronung der Kohle unb bringt außerdem auch die Entthronung des Ockes mit sich, das in der Nachkriegszeit zu einem der wichtigsten Fak­toren der Weltpolitik geworden ist.

hyriot. - Druck und Verlag: Brühl'fche Univerf itäts-Buch- und Steindruckerei, D. Lange, Gießen.