Noctambule.
Eine Legende um Ninon de Lenclos.
Von E. M. A n b e r f e n.
Ninon de Lenclos, eine durch ihre Galanterie bekannte Französin, geboren am 15. Mai 1616, gestorben am 17. Oktober 1706, erlangte bet ihrer Schönheit ihrem Witz und Scharfsinn eine gewisse Berühmtheit — so meldet sachlich und trocken das Konversationslexikon. Es bericht^ noch etwas mehr, und zwischen den wenigen Zeilen läßt sich ein ganzer Roman ^“Tnur natürlich, daß sich um Ne .P»j°nlichkeit einer so schönen und geistvollen Frau, die sich ihre Schonheft bts in chr hohes Alter hinein erhielt Legenden spannen, die alle das Geheimnis dieser sprichwoiiltch gewordenen Schönheit zum Inhalt hatten, und eine der ausführlichsten ist die Geschichte von Noctambule. Schon bei Lebzeiten der schonen Olmon raunte man davon, daß diese wunderbare Jugendfrische der bereits Acht- Mähri^en unmöglich aus natürliche Weise zu erklären sei, und man war nur xu leicht geneigt, das Himmelsgeschenk dieser Schönheit als eine Teufelsgabe anzusehen. So fiel die Legende von Noctambule, die eines Tages aufkam, auf vorbereiteten Boden, verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit und kursierte eine Zeit lang in allen schöngeistigen Pariser
"Weil ich den Leuten nicht sagen kann: Mein Mann steht an der und der "Straßenecke und empfängt Almosen." ..
Ich sehe das nicht recht ein. Erfolg ist alles. Man wurde sich vielleicht vor"meinem unleugbaren Erfolg ebenso neigen, wie vor.^em anderen Erfolg. Wenn es dich übrgiens gernert, brauchst du ja bloß S"sagen, mein Mann ist Grundstücksschieber oder, mein Mann ist Wucherer.
Nein Johnny, ich muß mich von dir trennen. Ich ertrage es nicht, meinen Müßiggang einem Müßiggänger zu verdanken. Das einzige Entgegenkommen, zu dem ich nach deinen Aussuhrungen bereit bin, ist, daß hfjÖ dir nicht die Schmach antun will, mit leeren Händen dein Haus zu verlassen. Ich werde all meine Kleider und «chmucksachen mftnehmen.
Voll Dankbarkeit küßte Johnny seiner Frau die Fingerspitzen.
nicht aus In der Regel ist ja der „Verdienst" so eine Art von Sündengeld, auf dem die Last eines schlechten Gewissens liegt. Man glaubt nebenbei auch bei jedem Pfennig, den man ausgibt, das Quarren der Tretmühle 3U ^Mer du wirst doch wohl einsehen, daß ich trotzdem deine Frau nicht mehr sein kann!"
„Und der Grund?"
Ich stehe an meiner Straßenecke als eine Art von Opferstein. Für die Keinen unb Gütigen, die sich nichts vorzuwerfen haben, sur die stehe ich nickt da Zum Glück sind das nur wenige. Ick stehe da für die vielen, die irgend etwas auf dem Kerbholz haben: eine schlechte Tat, em unsauberes Geschäft, den Verrat an einem Freund oder an einer Frau. Die greifen in die Tasche und kaufen mit ihrer Spende ihre verdammte Seele vom Teufel zurück. Natürlich betrügen sie dabei auch noch den Teufel nach allen Regeln der Kunst. Der Betrag, den sie mir in meinen Hut werfen, steht meist in gar keinem Verhältnis zu den Hochgefühlen, die sie sich damit verschaffen. Nicht ich also habe ihnen zu danken, sondern sie mir.
Aber welch entsetzlich unwürdiges Leben, Johnny! . re.
"Kann ich nicht finden. Ich stehe ruhig in der «sonne, ganz un Ein- tlana mit nur selbst — ich finde das Leben der rasenden Menschen um tnicf)Sviel entsetzlicher, viel unwürdiger. Hast du dich übrigens je über mich $U ?,Nem^Mir"scheint aber die vornehme Leichtigkeit, mit der bu nur fortgesetzt die größten Geschenke gemacht hast, nun völlig unbegreiflich lwuy£l J; - o M . .'ac.f. «x mit [n rhnrmnTirpr weite
Als Mademoiselle de Lenclos achtzehn Jahre alt war, so erzählt die j Legende, „kam eines Tages ein Unbekannter in ihr Haus und verlangt^ ! ohne seinen Namen zu nennen, das Fräulein zu sprechen. Ninon ließ 1 ihn mit dem Bemerken abweisen, daß sie ihn nicht empfangen könne, weil I f'e ^Jch^welh^ daß Mademoiselle allein ist", antwortete der Fremde der .Zofe die ihm den Auftrag ihrer Herrin ausrichtete. „Sagt ihr daß ich ihr Dinge von höchster Wichtigkeit mitzuteilen habe und daß ich sie un- bCi>aniüfferMiber diese Dringlichkeit, gab Ninon Befehl, den Unbekannten vorzulassen. Er wurde in das Zimmer geführt und das Fraulem fah sich einem kleinen, ältlichen Manne gegenüber, der tn em schwarzes Wams gekleidet war und abschreckend häßlich ausschaute. Auf weißen Haaren faß eine schäbige Kappe und in der Hand hielt er em leichtes Stäbchen, aber seine Augen strahlten ein seltsames Feuer aus, dessen Kraft man sich nicht leicht entziehen konnte. Mit großer Höslichkeit verbeugte sich der fremde, bat, daß das Fräulein die Kammerfrau aus dem Zimmer schicken möge, ba er nur mit ihr allein zu reden hätte, und nach kurzem Zögern willfahrte Ninon der Bitte.
„Mein Besuch soll Euch nicht erschrecken, Mademoiselle, nahm der Kleine das Wort, „wenn mein Kostüm auch nicht der Mode der Gegenwart entspricht, was Euch gewiß beunruhigt hat, so habt Ihr doch nichts zu fürchten. Im Gegenteil: hört mich ruhiauud aufmerksam an, denn Ihr seht, so unscheinbar ich auch wirke, einen Mann vor Euch, dem die ganze Erde gehorcht und der alle Kräfte der Natur beherrscht. Ich bm gekommen, um von Euch zu erfahren, auf welche Weise ich Euch einen Dienst erweisen kann. Ihr seid jung und schon, bie Psorten der Welt werden sich vor Euch öffnen, und nichts hindert Euch, bie gesuchteste und glücklichste Perfönlichkeit des Jahrhunderts zu werden. Ich biete Euch nun drei Dinge an: Bedeutend, unermeßlich reich ober ewig schon zu sein. Wählt von biejen dreien, was Euch am besten gefällt und seid überzeugt, bah es keinen Menschen außer mir auf bieier Erbe gibt, der Euch ähnliches zu ki^Sie Grandezza des Alten machte Ninon lachen. „Wahrhaftig, Monsieur, ich bin davon überzeugt, aber die Herrlichkeit Eurer Gaben ...
Jbr solltet klug genug sein, Mademoiselle," unterbrach sie der Fremde, einen Mann, der Euch unbekannt ist, nicht zu verspotten Wähll, wie ich schon sagte, von den drei Dingen, was Euch am besten gefallt, aber wählt raick ick kann Euch nur einen Augenblick Zeit lassen.
Ninon die alles für einen Scherz hielt, besann sich nicht lange und antwortete: „Ich brauche nicht lange nachzudenken, mem Herr, und wenn Jbr mir die Wahl laßt, bann gebt mir bie ewige Schönheit. Aber sagt mir was muh ich dazu tun, um eine solche Köstlichkeit zu gewinnen.
Der Kleine kam näher und reichte ihr freundlich eine 3Safel. „N chts weiter," sagte er, „als Euren Namen hier aufzuschreiben und mir strengste Verschwiegenheit gegen jedermann in bie Hand zu schworen. „
Wenn es weiter nichts ist, so gebt her, bas ist schnell getan , ent- aeanete Ninon, schrieb ihren Namen auf die Tafel und erhielt babei von bem Alten einen leichten Schlag mit der Gerte auf bre linke Schulter. Mit einer gierigen Bewegung nahm ber Kleine nun bie Unterschrift aus chren Händen, verbarg sie in seinem Wams und sagte: „Das genügt, um ffnrh bv> eroiae Schönheit zu sichern und alle Herzen zu gewinnen. Ich ged?Euch die Atachr, alle Menschen zu bezaubern, das schönste Borrecht, bas eine Frau hienieden besitzen kann. Seit sechstausend Jahren durcheile ich die Welt von einem Ende zum anderen, und ich fand auf der Erde nut wer Frauen, welche dieser Gabe würdig waren: Semiramis, Jelena, Cleopatra unb Diana von Poitiers. Ihr seid die fünfte und die letzte, der ich ein solches Geschenk übergebe, und Ihr werbet allezeit jung bleiben, allezeit liebenswürbig unb angebetet. Ihr werbet von jebem -Nonne be> aebrt unb von allen geliebt werden, die Ihr liebt. Eure Gesundheit wird unanfechtbar fein, Ihr werdet lange leben, niemals ackern, und noch die Nachwelt soll rühmend von Euch sprechen. Und nun habe ich Euch alles aesaat Mademoiselle, es wird Euch wie Zauberei erscheinen, aber ftelU keine Fragen ich kann sie Euch doch nicht beantworten. Ihr werdet mich nur noA ein einiges Mal in Eurem Leben Wiedersehen, und dann werdet Jbr nur noch drei Tage zu leben haben. Und damir Jhr meiner nicht ver- geßt, will ich Euch meinen Namen nennen: ich heiße Noctambule. Bei diesen Worten verschwand er unb ließ bie löblich erschrockene Jinon allein
I ,U C Sie Erfinder dieser Geschichte fügten nach bem Tobe der schönen Ninon I nod) einen Schluß hinzu unb behaupteten, bah der seit ame, schwarzge» kleckete Alte tatsächlich drei Tage vor Ninons Tobe wieder auftaudjte, I fick in das Zimmer ber Schlafenden einschlich, die Vorhänge vor ihrem | Best zurückzog unb sie weckte. Sie erkannte ihn sofort, erbleichte und I (X e auf D°r Kleine aber wies ihr die Tafel mit ihrer Unterschrift, und I -be er das Ammer verließ, rief er ihr mit schreckenerregender St,mm- I zu: „Deine Zeit ist um, Ninon be Lenclos. Der dir bie ewige Schönheit I gab, war der Teufel." .
! Man erzählte sich, daß die schöne Ninon nach ihrem Tode so furcht» | gar unjj abstoßend ausgesehen haben soll, daß niemand sie ohne Grauen amusehen vermochte Aber auch das ist eine Legende, die ihre Entstehung ebenso wie die der vorangegangenen Geschichte, dem Neid und der Eifer- I -„X nDn der Natur weniger reich Beschenkten verdankt, denn der I Mensch glaubt leider von seinem lieben Nächsten stets leichter das Bost I als das Gute.
Weibliche Briefgenies.
Don Dr. Hedwig Fischmann.
Manckmal ist es, als steige aus alten, vergilbten Briesen, die ein wunderliches Finderglück uns in die Hand spielt, ein feiner H=roe Dust lege sich leise wie das Streifen einer fernen Frauenhaick <mf nisim Stirn — unb eine Seele, in ben verblichenen Zeilen emgeschlossen, w,.d wieder lebendig. Reich unb heiß, verschwenderisch sich verstromend und hpmufcf ober unbewustt — ihre Seelenmelodie abstimmend Oiif bi Empfängers fo muß sie gewesen fein, daß sie neu aufzuklingen vermög nock Jahren Jahrzehnten, Jahrhunderten. Doch wenigen nur Begnad
Uebermacht des Schmerzes und der Seligkeit durch die Kraft oe teilenden Wortes. Denn feiten wie alles Köstliche, wenngleich nicht ge bannt an ein Zeitalter, an einen Himmelsstrich, ist die Wundergav der wahren und echten Briefkunst. . nhiac m,
2tls bie Sprache der Gelehrten, benen damals jeder Schriftkundig 3 gezählt würbe, noch bie lateinische roar, als em spateres Zeitalter in d» französischen Sprache bie einzig wahre Kunderm aller ga anten und «« ÄPneanQelcQenbcitcn fehen wollte t i)Q I09 biefes roe|ensfrenii)c hemmenb au? ben Srauen, bie es zum Mittler ihres Denkens unb Gm Hnbens machen wollten. Wohl gab es Gelehrte unter ihnen, zumal unter ben Nonnen unb Fürstinnen, die des Lateinischen kundig “’aren. doch ein Zeitgenosse an Willibald Pirkheimers Schwester, der Acb » Caritas- Du fchwangst dich weit über die gewöhnliche Fosiungs l weiblichen Verstandes zu solch einem ‘HcGÄorr“Ethcunb
daß bu Briefe schreibst, welche burch Feinheit, Eleganz. Korr k ye Gelehrsamkeit ganz besonbers sich ausnehmen und welche, obgle.ck^^ gewisse jungfräuliche Grazie allenthalben uns barln e $ ^st Ernst und Lebensweisheit in wunderbarer Fülle enthaltet Briefe gleichen fremden Treibhausbluten, künstlich verpflanzt in
Grb9tein, bie urwüchsige Liselotte von derPfalz, dieerstewahr^!> geniale deutsche Briefschreiberin, die sich >hr.lebelang
wie mitten in einer großen Einsamkeit gefühlt hat wußte 9b Deutsch sie ihre persönlichsten Briefe in ihrem, ganz "ur 'hr 3 goiutter« I schrieb unb es weit von sich wies, wenn andere Deutsch. l „ ober I spräche so verachteten, bah sie unteremanber nicht >n b . UItoer- schreiben wollten. Barum Jinb auch ihre Briefe ^as unvers sich , schönte Spiegelbild ihres Selbst, unb sie konnte mit Rech ., > Reden 0e‘ benen Worte von ihnen sagen: »Wenn Euch gar nat ck ( „ ynher% fallen, fo munbert’s mich nicht, daß Ihr gerne mein jch a»ch
als ich gebente, kann ich mein Geben nicht sprechen, drum t »
gar nichts hier im Land."
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