PsStchen wieder hervor. Kommt die Cßstunde, dann ist Grauer! feines Geher noch verfeinert. Er kennt den Schritt der Hausfrau, die, heim- kvinmend, ihm das befcheidene „Papperl" richtet. Er stürzt ihr entgegen. Grauer! hebt seinen Hunger aber trotzig auch sehr lange auf, wenn sich die Herrin verspätet. Ein Versuch von anderer Hand, ihm das Essen zu reichen, wird mit vorwurfsvollem Blick oder mit hohnvoller Abwendung abgelehnt. Nur wenn die Hausfrau verreist ist, findet sich Grauerl nach langem Warten und nervösem Suchen endlich bereit, auf das Vorlegen des Essens durch die Hausfrau zu verzichten.
Unangenehm ist ihm das tägliche Gekämmtwerden. Die Zähne des Kammes bleiben im tiefen Fell oft schmerzhaft hängen. Dann seufzt Grauerl schwer aufatmend wie jemand, der sagen will: „Ein Elend! Ich hab's wohl schwer. Aber was kann man machen?" Seine bescheidene nie lästige Stimme braucht er selten, aber dann (wie Friedrich H e b - bel so richtig bemerkte) ganz im Tonfall der Menschen. So ist es seine besondere Höflichkeit, daß er sich die leidenschaftlich gesuchte Freude des „Aus-dem-Schoß-Sitzens" nie ohne ein deutlich fragendes: „Mm?" ae- tattet. Dann erst erfolgt der Sprung auf die Knie der Sitzenden. Zu chimpfen Pflegt er nur, wenn morgens durch Zufpätaufstehen fein Früh- füct sehr verzögert wird. Dann klingt seine Stimme nicht mehr zärtlich bittend, sondern sie bekommt etwas Forderndes. Und man kann ein energisches „Bin ich der Niemand? Wird heute gar nicht gegessen?" aus seinen im großen und ganzen doch diskreten Lamentationen entnehmen. Den Schlaf beginnt er immer mit einem tiefen Seufzer und meist, nachdem er die Pfoten gekreuzt und Licht abschließend über die Augen gelegt hat.
Grauerl ist ein leidenschaftlicher Kinderfreund: hier fühlt er keine Angst, auch wenn ihm die Kleinen noch fremd sind. Er ist ein ebenso ästhetischer Blumenliebhaber. Ein paar Rosen im Glas werden immer von neuem glücklich mit dem erdbeerroten Schnuffelnäschen beschnup- pert. Es ist übrigens erstaunlich, wie geschickt er zwischen dicht gestellten Basen und Nippsachen hindurchfindet, ohne etwas umzuwerfen oder zu beschädigen, wie ihm überhaupt jede Bosheit fehlt, die die possierlichsten Assen, an die er oft erinnert, im Zimmer unausstehlich macht. Grauerl wirkt in jeder Stellung wie eine Nippsache, wie ein lebendig gewordenes Kopenhagener Porzellan, wenn er mit eng gestellten Samt-Vorder- pfotchen sitzt, von seinem Schweif wie von einer Girlande zierlich ein- geringt.
Grauerl ist die Katze, die man fragen möchte: „Wo hast du denn die schönen Augen her?" Nur bei Tag sind es zum (ach so unberechtigten) Mißtrauen herausfordernde Raubtieraugen, meergrün, mit schmalem Cchlltz. Die japanischen Bauern lesen aus Katzenaugen die Zeit ab Unge ahr zu Mittag ist die vertikale Fuge am engsten.'Abends, auch bei inlen ivster elektrischer Beleuchtung, sind die Pupillen sterngroß, rund und chwarz, daß sie fast die ganze Augenhöhle ausfüllen. Dann sind diese'Augen, die immer so andächtig fragend blicken, ungewöhnlich schön: kein Jagdhund kann ein treuherzigeres Schauen haben. Bekämen die zierlichsten Katzinnen Grauerl zu sehen, sie müßten sich in ihn bis hoch über ihre spitzen Pelzohren verlieben. '
Die alten Aegypter und die mit noch tieferem Seelenblick aufqe- flatteten Inder haben die Katze besser verstanden als die naturfremden Europäer, die sie, weil die Augen der Katzen im Finsteren funkeln, zu „qexentieren" machten. Die wenigsten wissen, daß diese Augen nicht phosphorisieren, sondern daß der Augenhintergrund bei der Katze auch durstigstes Licht begierig durch ein sog. tapetum lucidum auffängt. So
-.er das arme Katzenvieh in Verruf, wie wenn es höllisches Feuer ausstrahlte. Und ist dabei in seiner ehrlichen Ungeschicktheit um die Gunst der Menschen gegen gegenseitige Schlagwörterei viel eifriger als jeder tackel mit seiner umwegioen Diplomatenschlauheit.
Grauerl wird diesen Liebesbrief nicht lesen, er verzichtet stolz auf Schmeicheleien und man muß verzichten, fie ihn wissen zu lassen. Er "taud£ und gewahrt noch weniger Schmeicheleien. Er verlangt damit °°m Besitzer em gesundes Opfer an menschlichem Egoismus. Die Liebe zum Tier wird von Tierliebhabern oft überschätzt. Man lobt in der nnJ’s®“«9 «“m T'er die eigene Herzensgüte. Tatsächlich ist es vielleicht nur die Freude an Macht, die Genugtuung, ein anderes Leben schützend in» rnJu können. Die Zukunft des Tieres hat man in der Hand bis zum letzten Augenblick, in welchem es ein rasch verhängter Tod vor und körperlichen Qualen bewahrt. Und dieses bescheidene
£r‘ »Gottspielendürfen" den kleinen Bierbeinern gegenüber schmei- M dem sonst so einflußlosen Menschen.
Die schwimmende Stadt.
3n der Bordfunkstelle.
Von Fritz Löwe.
Stellen für die Sicherheit des Schiffes und der rS» I- bCr Raum der drahtlosen Telegraphie. Von hier führen von mn e »l??uf 5U den zwischen den Masten aufgespannten Antennen, recht erhalten ^krischen Funken die Verbindung mit der Welt auf.
’JJ ""ter Berücksichtigung aller in Betracht kommen- Modernnl» Mit den neuesten Erzeugnissen der Elektrotechnik, den Der sL„tn Apparaten für drahtlose Nachrichtenübermittlung, ausgerüstet, «in» .^großen Ozeandampfers ist im Laufe weniger Jahre zu erkann» U'tchtmsten Einrichtungen geworden. Immer mehr hat man Fühl n» 77/7'’ Wert es für die schwimmende Stadt hat, durch ihn in dem Lande zu bleiben.
vssuisi-- hjntftatfon ist Tag und Nacht in Betrieb. Erprobte Funk- sich '^der schweren Verantwortung, die auf ihnen ruht, bewußt, lösen kMiklnon ^ ^ustrengenden Dienst ab. Laufen doch fortgesetzt von den bchiiie M.^'Funkstellen und den Bordstationen vorbeifahrender SBtaifs r6end,te.' Sturmwarnungen, Meldungen über gesichtete
^ibende Minen, über plötzliche Veränderungen im bes RAiffL’ tin,f deren genaue Kenntnis für eine sichere Navigierung «WM unbedingt erforderlich Ist.
„ Die Borbe-Funktelegraphie hat bereits unendlichen Segen gestiftet. Ungezählte Menschenleben und Werte an Schiffen und Gütern sind durch drahtlos herbeigerufene Hilfe gerettet worden. Durch die Funkentel«- graphie ist es möglich, andere Schiffe drahtlos um Rettung anzurufen oder ihnen Hilfe zu bringen.
In tiefer Nacht, wenn die Passagiere in den weichen Betten ihrer Sabinen ruhen, sitzt der Funkbeamte vor seinen Apparaten. Keinen Augenblick darf er seine Aufmerksamkeit ablenken lassen. Kann er doch me wissen, ob nicht plötzlich das verhängnisvolle Signal S.O. S., der Hilferuf eines in Gefahr befindlichen Schiffes, an fein Ohr schlägt. Er dreht den Hebel, setzt sich die Kappe mit den Kopfhörern fester und lauscht hinaus aus die Wellenbotschaften, die aus weiter Ferne zu ihm dringen. Ost genug ist bdt der Ankunft des rettenden Dampfers das in «eenot befindliche Schiff bereits in den Wellen verschwunden. Aber im Sturm treiben auf hoher See die Rettungsboote mit den Schiffbrüchigen. Die Pflichterfüllung des Funkoffiziers hat im letzten Augenblick die Rettung gebracht.
Für die Navigierung des Schiffes ist die Radio-Anlage von größter Wichtigkeit. Früher war es bei bedecktem Himmel und bei Nebel nicht möglich, den Schiffsort genau festzustellen. Man muhte sich auf Schätzungen verlassen. Der Navigationsoffizier war, bildlich gesprochen, „blind". Jetzt kann er vermittels der Radiostrahlen „sehen". Diese durchdringen Nebel und Wolken und „sehen", zwar nicht die Sonne ober die Sterne, aber fie finden die Landstationen, und zwar mit Hilfe der Richtungssucher. Dreht man den Rahmen derselben in einem rechten Winkel zu der Station, so wird man nichts hören, dreht man ihn aber in die Richtung der ankommenden Radiowellen, so sind die Signale mtt größter Deutlichkeit zu hören. Nimmt man Peilungen von zwei Land» tationen, so kann man den Bestimmungsort des Schiffes sofort genau feststellen. Im dichtesten Nebel, in schwärzester Nacht kann der Kapitän ofort wissen, wo er sich befindet. Er kann aber auch die Position eines jeden in seiner Nähe befindlichen Schiffes feststellen und ihm ausweichen, lange, bevor er es erreicht hat.
So ist die Funkortung, das ist die Möglichkeit, auf hoher See durch funkentelegraphische Richtungsbeftimmung (Peilung) seinen Schiffsort festlegen zu können, für die Sicherheit des Schiffes und feiner Passagiere von höchster Bedeutung. Wenn es bei starkem Nebel der Schiffsführung unmöglich ist, sich auf See nach Gestirnshöhen, in Sicht von Land nach Peilungen von Leuchtfeuern zu orientieren, setzt helfend und rettend die Funkpeilung ein.
Immer mehr triumphiert die hochentwickelte, moderne Elektrotechnik über die übermächtigen Naturgewalten. Mit hochragenden Antennen hat fie ihren Siegeszug angetreten. Funkwellen durchbrausen den Aether. Zwischen weit entfernten Räumen bauen sich klingende Brücken. Mit der Radio-Telephonie wurde der endgültige Sieg über den Raum gewonnen. Mit ihr eröffnen sich ungeahnte Perspektiven. Es ist wie im Märchen, wenn wir, am warmen Kamin des Salons sitzend, den durch den Aether dringenden Stimmen lauschen.
Die Schisfahrt, die stets darauf bedacht ist, die Sicherheit ihrer Schiffe zu erhöhen, und den sich, ihnen anvertrauenden Passagieren alle nur erdenkbaren Annehmlichkeiten und Zerstreuungen zu bieten, hat als eine der ersten die ungeheure Wichtigkeit der drahtlosen Telephonie erkannt und sie in ihren Dienst gestellt. Um den Erball zieht sich ein Netz von Radiostationen. Auf den in See gehenden Dampfern wird der Ausrüstung der Radiostationen die größte Sorgfalt gewidmet. Im Dienste der Schiffahrt hat die drahtlose Telephonie beretts große Fortschritte zu verzeichnen. Die Reichweiten wachsen ständig. Durch die Erfindung des ungedämpften Senders, wie durch die wunderbaren Kathodenröhren als bereitwillige Helfer zur vieltausendfachen Empfangsverstärkung und zur Umformung der schnellen, elektrischen Schwingungen in hörbare Frequenzen ist das Sende- und Empfangsbereich heute nicht mehr auf einen einzelnen Ozean beschränkt.
Es unterliegt keinem Zweifel, daß der See-Rundfunk, das zentrale Senden von einer Küstenstation an viele auf dem Ozean befindliche Schiffe, mit der Zeit immer weiter ausgebaut werden wird. Die Einrichtungen der Anlagen und die Apparate der Radiotelephonie werden immer mehr vervollkommnet, so daß Politiker, Sportsmen, Industrielle, mitten auf dem Ozean ihre Berichte geben und empfangen können. Man wird in politisch bewegten Tagen, in der Zeit der Wahlen usw. auf See nicht mehr ausgeschaltet fein, sondern den Verhandlungen in der Kammer und Parteikongressen durch Hören der Reden der verschiedenen Kandidaten beiwohnen können.
Die Funktelephonie von Schiff zu Land befindet sich wegen der technischen Schwierigkeiten, die sich an Bord aus dem nahen Zusammen- liegen aller Antennen ergeben, noch in der Entwicklung. Dagegen ist die funktelephonische Uebermittlung von Nachrichten von den Küstenfunk- stellen zum Schiff bereits feit einiger Zeit im Gebrauch. Nicht nur für ernste Aufgaben sind die Radiostationen auf den großen Passagier- dampfern in den Dienst gestellt worden. Sie vermitteln auch frohe Stunden. Die Empfangseinrichtungen für den Vergnügungsrundfunk find bereits derart durchgebildet, daß fie imstande sind, wahrend der ganzen Ozeanfahrt teils amerikanische, teils europäische Stationen aufnehmen zu können. Radio-Tanzmusik ist jetzt das Neueste an Bord der Ozeandampfer. Cs ist für die tanzlustige Jugend natürlich sehr verlockend, auf hoher See zu den Klängen eines von der fernen Küste herüberklingenden Orchesters zu tanzen. Die Bordfunkstelle ist den Passagieren wie ein guter Freund. Das Gefühl des Abgefchnittenseins vom Lande kommt überhaupt nicht mehr auf. Man weiß genau, daß man während des größten Teiles der Reife vermittels der Funkstation mit seinen Angehörigen ständig in Verbindung bleiben kann. Dies ist eine große Beruhigung bei langen Seefahrten. Funkentelegraphie und Funkentelephonie vermitteln fortgesetzt die wichtigsten politischen, wirtschaftlichen, künstlerischen und sportlichen Ereignisse. Kurze Zeit daraus lesen wir fie in der an Bord hergestellten Ozeanzeitung.
Eine große Anzahl von Paflagieren des Dampfers find Sportsleute oder Sportliebende. Früher waren sie bei einer Ozeanfahrt von allem.


