Ausgabe 
12.6.1928
 
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SietzenerZamilieÄMer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang 1928

Dienstag, den 12. Juni

Hummer 47

Abendständchen.

Bon Josef Freiherrn von Eichendorff. Schlafe, Liebchen, weil's auf Erden Nun so still und seltsam wird!

Oben gehn die goldnen Herden, Für uns alle wacht der Hirt.

In der Ferne ziehn Gewitter;

Einsam auf dem Schifflein schwank, Greif' ich draußen in die Zither, Weil mir gar so schwül und bang.

Schlingend sich an Bäum" und Zweigen, In dein stilles Kämmerlein

Wie auf goldnen Leitern steinen Diese Töne aus und ein.

Und ein wunderschöner Knabe Schifft hoch über Tal und Kluft, Rührt mit seinem goldnen Stabe Säuselnd in der lauen Luft.

Und in wunderbaren Weisen Singt er ein uraltes Lied, Das in linden Zanberkreisen Hinter seinem Schifflein zieht. Ach, den süßen Klang verführet Weit der buhlerische Wind, Und durch Schloß und Wand ihn spüret Träumend jedes schöne Kind.

Dem Sommer entgegen.

Bon Hermann Hesse.

Da ich heute erwachte und aufstand, hatte das Wetter sich zum Guten sEauen See bestrich ein mäßiger Ostwind mit Melden Ä blc blühenden Kronen der Birnbäume standen frohlockend Jtc°Öenb gegen einen hellblauen Himmel, und lichte Bläue spiegelte Pnnh»rARrU^ne ktr° cs.un« in ben kleinen, schon vertrockneten Lachen der ber Kapelle, die meinem Fenster gegenüber liegt, war der Meßmer mit den Zurustungen zur Maiandacht beschäftigt. Auf dem im- provcherten Zimmerplaß meines Nachbars, der seinen Stall umbauen T? leuchtete und duftete in der schon prächtig warmen

Sonne froh und festlich das weißlich tannene Birkenholz

,.Aa oufs Herz, daß mein Ruderboot noch immer winterlich

und noch immer nicht revidiert, gestrichen und flott

C$1 "ar. Schon mehrfach hatte ich es an schönen, zum Seefahren ver- !Enden Tagen meine Saumseligkeit verwünscht und bitter bedauert, ?arln ?us Trägheit und aus Mißtrauen gegen das Wetter die eine wieder auf ein andermal verschoben. Es war nachgerade 6Ann un?,ble Nachbarn, die noch immer mein Schifflein im erstaunt sahen begannen zu grinsen, und sich bedauernd am vorziinehmen """ b"ehfte Zeit, und ich beschloß, die Arbeit noch heute aninrüf^.nrbn JAn^nJd,Sn bereit, ich brauchte sie nur noch mit Leinöl Sie nrn6 baIb durchzog der scharfe, pikante Oelgeruch das Haus, reinig b Schurze vorgebunden, begann ich das Boot und die Ruder zu I Uub dann zu malen. Wie das fleckte und ausgab, wenn ich den I S;e"-..,br«'te,b saftig, mit Oelfarbe gefüllten Pinsel über die Planken braAfen gackerten vorbei zwei junge Hündlein balgten sich und die mr,rfJninen Oelkrug in Gefahr, Kinder kamen und schauten zu. Und

-nacydarn, wenn sie vorüberkamen, lachten und riefen:Also endlich!" aehfi*1L?naS ia ,die modernen Ruderboote jetzt meistens hellbraun oder sireiAo Kanzleimöbel. Aber mein Nachen muß schöner aussehen, ich I ebenin äV" dem alten, traditionellen, feurigen Grün und Hochrot, und ! wein t5,lber Vnb Zubehör. Eine Ruderschaufel muß rot sein oder ganz I (o Frci.h nc uadere r.arbe klingt mit dem Blau oder Grün des Wassers I

Ni» ?-?"b lebend- zusammen.

schien""den, fünf Stunden strich und salbte ich mit Eifer, dann I olles lur dresen Tag genug. Noch ein paar Tage, bann wird I Wnaen Unb 9l°rönet se>n, bann führen wir bas Boot auf einen I fiorner Kühen an ben Strand, und den Kühen werden die I

allein uns dann mache ich meine erste Ruderfahrt in diesem Jahre I tounberbnrJJ1 tVUn« cs n,ir3 wie jedes Jahr ein Tag voll schweigender, I

DreiDm' schw-llender Erinnerung sein.

glühend hpis?e 9^hbren für mich notwendig zu einem richtigen Sommer: j genber 9e"e, schwer brütende Kornfelder, ein hoher, kühler, schwel- I

über S.» « wele Rudertage. Rudertage! Ich denke an solche, da I

uno Bergen ein glänzend blauer Himmel stand, da die Luft I

I HA Zitterte und vor Sonnenwärme das Holz des Bootes knitterte j Tann muß man halbnackt im breiten Schattenhut blendend blanke Ko»' buchten befahren und häufig baden oder schöne Rasten im dickten in»,' .^A AA"en Und ich denke an Rudertage? da ich Lj bedecktem Himme'l i frifefjem Wind stundenlang durch lauter Silber fuhr Huh nm Tn««»

ä?gUch AwL Luft" 8 Unb 3U(fenb b''rch die leidenschaftlich erregte.

^a5...<?l[e? soll nun wiederkommen: Sommer KornfelderolittNk>

»"teÄ'TttWR I Erwarten des Sommers. Schnell ist der sanfte sehnsüchtia blaue 'Trüh

ing vergessen wenn der Sommer kommt und ' h?rr"chh wenn Sonne I n,Lj.tinrbc w Liebe und Kampf einander näher sind, wenn die Wärme I wachtiger und inniger, die Regengüsse wilder und wucktiaer hi» ynrt»

"ad die Rächte blauer sind. Da strahlen d?e Kaktanien in um I und Pracht ihre weihen und roten Blütenkerzen aus

I h° b«r Jasmin in betäubenden Wolken seinen süßen lodern­

den Dust, da bleicht das (Betreibe, wird schwer und golden u^d lauick

I AA0 auI hunderttausend Halmen, da gärt der schwart

I n2??;(l®a(rbb u,nb wirft Mengen von farbigen Pflanzen ans Licht' I fi, Ar Aral ?tte^l heimlich ein glühendes, wildes, berauschtes Lebeiw- steber. Denn der Sommer, der wahre Sommer ist kurz und kaum glänz rauschen die Aehren voller und tiefer7oi% aud) schon Sichel und Sense und heißer Erntekampf. 9

ermüdUck der ^Ugrünen Waldtal tönt un-

! ermiioil^ oer Kuckucksruf, die Matten reifen rasch zum ersten Scknitt h»r j bEe Klee geilt üppig, und die Saatfelder ttuchttn saft"g g?üü 'Am I A?hrt1i1be ^arx3e^ useiße Maiblumen unter ihren breiten Blättern und auf breiten Felberstreifen blüht der schwefelgelbe Raps.

tmn im.Inh vex' der der Mann zum Kinde unb das Leben wieder roirb-. da jeder Tag unerwartet Neues bringt unb jede«- | kleine Wiesengang eine Ueberraschunq unb ein Märchen ist Es aebt dem

Sommer entgegen der königlichen Zeit, ben Tage? der Kornreife unb I nen suchten des Gewitters. Wohlan! Ich bin bereit, noch einmal bas I bpI?r«rntAf3j CfIchben und Tage des Ueberflusses und der überschäumen- I K, Fracht z« sehen und mochte ich keinen Tag und keine Stunde ver- I Korn'die gierige Sichel'raÜscht?"''' bekränzt und im reifen

Bruchsal.

Bon Anton Schnack

Reg' de nemme net uff!"

Edelstein8^ 0(uf,t abseits wie ein verborgener und^gchüttter

Vielen noch unbekannt, vielen aber schon eine jährliche Wallfahrt um sinn und Blut immer wieder an einem üppigen Prunkstück zu entfachen D°- che-"l nach außen zu schlafen, lautlos zu sein, unbetreten unb un ansehnlich aber sein Herz pulsiert als ein Ueberreft aus einem glänzen- ben und Hochsinnenden Leben. gtanzen

Oh Fülle des Schönen: Stuckgefüge unb Standbilder, Goldglanz und Adelins, Spiegel und Spangen, Sessel und Seide, Marmor unb Male- rekn, Perlmutter unb geschnitztes Holz, Miniaturen unb Prunkschränke Schnörkel und schneeiges Weiß! «i«|u,tuine,

*

r..?rtcl h'er Herzensgeheimntsse? Träume der Schwermut? Intrigen» Schwule des Lasters? Eros unb Wollust? y

®s 'st kaum zu glauben: ausgeprägt ist eine männliche Leidenschaft am Künstlerischen. '

Der das Schloß begründete, hieß Damian Hugo Graf v. Schön- born, war päpstlicher Kardinal und Fürstbischof von Speyer Ihm. dem Sproßt,ng aus einem hochentwickelten unb künstlerischen Geschlecht lag der Hang nach Prunk unb Pracht im Blute. Sein Gesicht scheint eine einzige große lethargische Masse gewesen zu sein. Die Perücke seiner Jett rollt halbgrau und auseinanberfaHenb auf seine breiten Schultern Da<- Iett hat ihm ein Doppelkinn gemacht. Hat er zuviel gebechert? Hai er stark in Wildbraten und Schweinelenden gewütet? Tastet man dieses Ge- sicht ab: IN einem anderen, in einem demokratischen Zeitalter wäre aus chm ein Künstler ober ein genialer Sammler geworden. Die Augen von Schwarze überschlagen, find groß und klug; vogelhaft durchdringen sie das Gesehene unb zerlegen es in seine Gegensätzlichkeit: schön und häßlich. Um den Mund und um die Nase hat sich ein Zug von Müdigkeit, die von