blitzschnell wie ein Schatten vor mir am Abendhimmel hin. Eine Waldschnepfe ernennend, die im Zickzackzuge mit fabelhafter Geschwindigkeit stumm über die Waldschneise streicht, packe ich an und gebe zweimal hintereinander Dampf. Aber nach dem zweiten Schuh sehe ich die Schnepfe gesund über den Bruch streichen, ich habe sie glänzend gefehlt. Noch ärgere ich mich über die beiden Schlumpschüsse und schimpfe im Innern über meine „Sauschieherei", da höre ich von der anderen Seite, laut murksend, eine Schnepfe ankommen. Mit „Oak-oak" streicht sie heran, schwerfällig, fast langsam wie eine Eule, und es ist wirtlich keine Kunst, sie zu schießen. Die^Schnepfe fällt leicht, und oft genügt ein einzelnes Schrotkorn, um sie aus der Luft herunterzuholen. Sehr häufig heißt es dann aber selbst schnell bei der Hand zu sein und die Schnepfe zu apportieren oder besser noch durch einen guten deutschen Hühnerhund bringen zu lassen; oft wird nämlich die heruntergeschossene Waldschnepfe wieder hoch, und wenn sie auch nicht so schnell läuft wie ein geflügeltes Rebhuhn, so weiß sie doch geschickt jede Deckung auszunützen, besonders in dornigem, struppigem Buschwerk, wohin ihr der Hund nur sehr schwer zu folgen vermag. Jedenfalls lasse man den Hund immer frei suchen und führe ihn nicht dorthin, wo man selbst glaubt, daß die Schnepfe gefallen ist. In neunundneunzig von hundert Fällen wird der Hund recht haben.
Doch schnell habe ich die Erlegte herbeigeholt, und nun halte ich meine erste Schnepfe für dieses Jahr in der Hand. Ich freue mich an dem schön gezeichneten Vogel und löse behutsam die beiden an den äußersten Schwungfedern sitzenden Schnepfenfedern oder „Malfedern" und befestige sie in der Rosette an dem alten, grünen Jagdhut; dann hänge ich den „Bogel mit dem langen Gesicht" an den Galgen meiner Jagdtasche. Noch bin ich nicht wieder auf meinem Stand, da sehe ich aus der Gegend, wo mein guter „Henner" steht, Mündungsfeuer hell aufblitzen. Wieder löst er sich zweimal, aber in dem schummerigen Licht vermag ich nicht zu erkennen, ob mit ober ohne Erfolg. Doch was ist das, unmittelbar hinter . mir fällt etwas mit lautem Klatsch zu Boden, und fast wäre es mir auf den Kopf gefallen. Ich drehe mich um, bücke mich und was sehen meine Augen — eine vollständig verendete, große Waldschnepfe, einen ' Eulenkopf, wahrscheinlich mit einem Kopfschuß. Mir ist die Sache sofort klar, es ist eine Schnepfe, die mein Freund geschossen hat, doch der „Henner" scheint noch nichts 31t ahnen von feinem Weidmannsheil, sonst wäre er längst bei mir.
Noch einige Minuten warte ich, bis ich annehmen kann, daß der Schnepfenstrich für heute vorbei ist, dann pfeife ich dem Freunde ab. Eilig kommt der „Henner" mir entgegen und zeigt mir eine große Schnepfe, die er mit dem ersten Schuß geschossen hat. Als ich ihm die bei mir heruntergefallene Schnepfe übergebe, mit den Worten: „Ja, und die hast du auch geschossen, wahrscheinlich mit demselben Schuß!" da will er mir nicht glauben und denkt, ich will ihm einen Bären aufbinden. Es ■ kostet meine ganze Ueberredungskunst, bis er endlich glaubt, daß er eine Dublette gemacht hat. Die beiden Schnepfen kamen ihm laut balzend mit pst, pst, ober nicht gar so schnell, wie sie gerne bei starkem Winde streichen. Der gute „Henner" war der festen Meinüng, er hätte nur eine von den beiden Schnepfen erlegt, und man hätte die zweite wahrscheinlich nie gefunden, wenn sie nicht zufällig in meiner Nähe niedergefallen märe. Die erste Schnepfe, ein kleiner Blausuß, war auch ihm stumm und sehr schnell gekommen, °und er hatte sie ebenso wie ich gefehlt. Nun war aber, nachdem er sich zum Glauben an fein unverhofftes Weidmannsheil bekehrt hatte, die Fremde bei meinem braven „Henner" doppelt groß, und recht befriedigt traten wir beide den Heimweg an.
In einer guten Stunde schon sitzen wir im Kasino an einem gemütlich flackernden Kaminfeuer, und Freund „Henner" fühlt sich veranlaßt, infolge feiner Schnepfendublette eine „Füertangenbowle zu brauen. Gewiß ist es etwas Wunderbares um die Jagd auf den Ürhahn bei der Balz im Hochgebirge, auch um die Spielhahnbalz, wenn die Birkhähne nn«8P9e|t zu kollern und zu raufen, daß ihre Rosen in der Morgensonne teimjten und glühen. Doch auch die Jagd auf die Waldschnepfe muß, weidgerecht betrieben, unbedingt als ein ritterliches Weidwerk gelten. Der rechte Weidmann wird die Schnepfenjagd, welcher Art sie auch fei, trotz ihren vielen Schwierigkeiten und gerade wegen des oft nicht leichten Schusses, nicht zum mindesten aber auch weil sie sozusagen den Auftakt für die wiederbeginnende Jagd bildet, ganz besonders schätzen. Es gilt immer noch als etwas Besonderes, eine Schnepfe zu schießen, und nicht mit Unrecht beglückwünscht man den Schützen zu dem guten Schuß. Aber jeder Jäger schieße die Schnepfe nicht länger als vier bis fünf Wochen auf dem Strich und denke auch an den letzten Vers der alten Schnepfenregel: Quasimodo geniti, halt, Jäger, halt, jetzt brüten sie!"
Krebsentdeckung
und experimentelle Krebserzeugung.
Von Professor Teutschlaender, Heidelberg.
Erscheint es nicht wie eine Rache der Menschheitsgeißel, daß Johannes Fibiger, der der Krebskrankheit ihre Geheimnisse zu entreißen suchte, und dem erst kürzlich (10. Dezember 1927) für feine großen Verdienste um die Krebsforschung der Nobelpreis überreicht wurde, gerade dieser Krankheit erliegen mußte? Schon als ihm der Preis zuerkannt wurde, war er — an Darmkrebs — erkrankt und kaum zwei Monate später, keine fünfzehn Jahre nach seiner großen Entdeckung, hat ihn der Tod ereilt.
. Seine hervorragendste Leistung, für welche ihm, nach anderen Auszeichnungen, auch der Nobelpreis verliehen wurde, war bekanntlich die Entdeckung des Sp i r 0 p tera k re b f e s, einer durch einen kleinen spulwurmähnlichen Rundwurm der (Sattung Spiroptera (oder beffer Gongylomema) verursachte Krebsbildung, die unter natürlichen Bedingungen im Vormagen der Ratte gefunden wurde. Das Verdienst Fibigers besteht aber keineswegs nur darin, daß er das Vorkommen der Krebsbildung bei Ratten als erster feststellte und den von ihm erkannten
ursächlichen Zusammenhang mit der Rundwurminfektion experimeiMf bewies, sondern besonders darin, daß er den bis dahin noch ausstehend,. Beweis erbrachte, daß der Krebs ganz allgemein durch chronische Rch erzeugt werden kann, und damit eine neue experimentelle Aera der E sachensorschung des Krebses eröffnete.
Als Musterbeispiel exakter Beobachtung systematischer Forschern»«» und zwingender Beweisführung dürfte die Geschichte dieser epochemach» den Entdeckung im jetzigen Augenblick auch für den Nichtmediziner W Interesse fein.
Bereits im Jahre 1907 fand Fibiger bei drei aus Dorpat flammet Ratten, die erfolglos mit Tuberkelbazillen geimpft und längere Zeit m gleichen Behälter gehalten worden waren, Auswüchse non geschmH artiger Mächtigkeit im Vormagen. Diese Befunde waren ihm neu, ch es fiel ihm außerdem auf, daß bei allen drei Tieren die GeschwulsU düngen mit einer ihm ebenfalls noch nicht bekannten Rundwurmkranlh«' eben der ©piropterainfettion, verbunden waren. Da weder im ©chrisit« noch bei vielen tausend in den Jahren 1907 bis 1911 sezierten Statte» etwas entsprechendes zu finden war, und es sich offenbar um ganz auf«, gewöhnliche Befunde handelte, lag die Annahme eines ursächlichen A sammenhangs zwischen beiden Befunden nahe.
Erst 1911 wurden dann, zunächst wieder dieselbe Wurminfektion, d« in achtzehn Fällen auch Geschwülste desselben Charakters wie die sch Heren, also eine zweite kombinierte Wurm- und Geschwulstepidemie ki Ratten entdeckt. Da diese Tiere ausnahmslos aus einer Kopenhagen,, Zuckerfabrik stammten, konnte an der ursächlichen Bedeutung der Spirop, teren für das gehäufte Vorkommen der sonst so seltenen Geschwch bilbungen der Ratten kaum mehr gezweifelt werden.
Die Regelmäßigkeit der Anwesenheit der Würmer muhte als jchm, belastendes Moment erscheinen, aber es blieb immerhin noch übrig, t» exakten, d. h. den direkten experimentellen Beweis für die Täterschi der Würmer zu erbringen. — Um gesunde Ratten wurm krank zu mache» galt es vor allem, die Jnfektionsweife der Ratte Fennen zu lernen, jii diesem Zweck setzte Fibiger zunächst gesunde Ratten mit Ratten b,i Zuckerfabrik zusammen; aber der Erfolg blieb aus. Erstere blieben sm von Infektion und von der Geschwulstbildung. Daraus zog Fibiger t» Schluß, daß die Infektion nicht direkt übertragbar ist, der Wurm also M Übertragung eines Zwischenwirtes bedarf. Als solcher kamen (nacht« Untersuchungen von Galab über ©piropteren) in erster Linie Küche, schaben in Betracht. Aks es sich nun hercmsfteilte, daß es in der Zucke raff inerte, aus der die erkrankten Raiten stammten, von Schab« wimmelte, und zwar von einer ©chabenart, die sonst in Kopenhagen tuil Überhaupt in Europa nicht heimisch ist, nämlich die im Zuckerrohr « Westindien eingeschleppte amerikanische Küchenschabe, schien der Zwischen- wirt des Rundwurms und damit der Vermittler der Infektion sowie tw Geschwulstepedemie gefunden. Nun wurden gesunde Ratten, die nicht aus der Fabrik stammten, mit amerikanischen Schaben der Raffinerie ge füttert und — siehe da!.— die Infektion gelang. — Damit war dec B« weis erbracht, daß die Schaben, die allerdings sehr passiven Verbreit« des Wurmleidens unter den Ratten waren. Unter natürlichen Berhiili Nissen und Bedingungen erfolgt nämlich die Infektion der Ratte M Verzehren infizierter Schaben. Diese selbst infizierten sich, indem sie ta Kot der Ratten, in welchem die Wurmeier enthalten sind, verzehren. 3« den Schaben kapseln sich die Wurmembryonen nach Trichinenart in bet Muskeln ein. Wird nun eine Schabe von Ratten gefressen, dann waGi die Wurmlarven im Vormagen der Ratten zu geschlechtsreifen, Tism, heran und bohren sich in die Schleimhaut des Vormagens ein. Hier erzeugen sie zunächst einen chronischen Reizzuftand, der schließlich noii monatelangem Bestehen, zuerst zur Bildung gutartiger Geschwülste, d« auch, falls das Tier lange genug am Leben bleibt, zur Srcte bildung führt.
Bei vielen der infizierten Ratten, in bis 54 Prozent der Fälle, traier. in Jnfektionsversuchen Fibigers auch Geschwulstbildun-gen und zwar W Teil echte Krebsbildungen auf. Damit war die Beweiskette gejchlH» und gezeigt, daß die Ratte unter gewöhnlichen Verhältnissen mit d« Krebs erzeugenden Rundwurm durch Verzehren infizierter Schaben tränt wird, und daß auf diese Weise Vormagenkrebs bei ihr zustande komm«.
Des Weiteren gelang es denn auch, europäische Schaben und MO täfer durch Fütterung mit Wurm eiern zu infizieren und als Zwischen- wirte zu benutzen, sowie durch Fütterung mit ihnen außer Ratten am Mäuse zu infizieren und geschwulstkrank zu machen.
Die Untersuchungen Fibigers zeigten also, daß es gelingt, durch Irryii’ gung eines chronischen Reizzustandes bei gesunden Tieren — nicht * Ratten! — Krebs zu erzeugen. Damit war die schon längst von 331 r d) 0 ® ausgestellte Reiztheorie bewiesen. Diese Theorie besagt, daß chrcmW Reize verschiedenster Art bei längerer Dauer Krebs zu erzeugen cer- mögen. Als solche Reize kommen außer Parasiten auch nicht 0» Schädlichkeiten physikalischer und chemischer Natur in, Betracht. Fib'geo- Experimente find, wie er immer wieder feststellte, kein Beweis fu'< die fo genannte Infektion stheorie des Krebses. Dies» hier um so mehr zu betonen, als oberflächliche Beurteiler aus der ; fache, daß Fibiger nach feinen Spiropteraversuchen an Krebs erfratut ji wohl den Schluß ziehen werden, daß er durch Infektion mit ©pirop«” den Krebs erworben hat, und -daß ©piropteren die Ursache des SW ganz allgemein seien. Dagegen ist zu bemerken, -daß Fibiger mcht« einem Magenkrebs, sondern am Darmkrebs zugrunde gegangen ift, w daß selbst, wenn seine Krebskrankheit auf eine Infektion mit ©piropte« zurückzuführen wäre, dies nicht besagen würde, daß der Krebs ganz C“- gemein notwendigerweise eine Infektion mit ©piropteren zur Sora®" setzung hat. Die Jnfektionstheorie besagt nämlich, daß alle Krebsblldrmze ganz allgenrein durch einen — schwer 'nachweisbaren, allem Anschein i'W unsichtbaren — spezifischen Erreger verursacht werden, der direkt und rege, mäßig Krebs und nichts als Krebs erzeugt, wie der Tuberkelbazillus ° Tuberkulose. Dagegen sprechen aber alle Erfahrungen, insbesondere m 1 die Ergebnisse der modernen experimentellen Krebsforschung!
Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. - Druck und Verlag: Drühl'sche Univerfitäts.Duch. und Steindruüerei. D. Lange, Siebe»-


