Ausgabe 
10.4.1928
 
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GiehenerZamilienblätter

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Dienstag, den P. April

Jahrgang <928

Nummer 29

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Heinrich, daß er

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Sturm auf

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Verscherzte Jugend ist ein S< und einer ew'gen Sehnsucht nach seinem Lenze sucht das ; in einem fort, in einem fort 1

Lenzfahrt.

Von Conrad Ferdinand Meyer.

Am Himmel wächst der Sonne Glut, aufquillt der See, das Eis zersprang, das erste Segel teilt die Flut, mir schwillt das Herz wie Segeldrang.

Zu wandern ist das Herz verdammt, das seinen Jugendtag versäumt, sobald die Lenzessonne flammt, sobald die Welle wieder schäumt.

Und ob die Locke dir ergraut und bald das Herz wird stille stehn, noch muß es, wann die Welle blaut, nach seinen Lenzen wandern gehn.

J geliebtes früheres Gartenlokal in Rostock.

s Rostock wird die Warnow allgemeinder Strom" genannt.

«: iiettimgshaus für verwahrloste Kinder.

) 1 Last = 2000 Kilogramm.

.... , , st gegenseitig ausprobieren, wenn

einem fliegenden Sturm auf einen Legerwall2) geratet, ist manchmal auch die beste menschliche Forschheit nicht besser als ein schwacher Zwirnsfaden, mit dem man ein Pferd sestbinden will, das den Koller hat. Ich mag es übrigens gar nicht leiden, daß der Koperni- kus die Rcilrahcm) auf hat, das kommt mir gerade so putzlustig vor, wie ein Kapitän, der einen Schnurrbart trügt. Ich will dir nur wünschen, Heinrich, daß er bei halber Ladung und Ballast nicht schwankt und so sicher in den Wind wendet, wie es ein Wetterhahn auf dem Kirchturm bei richtigem Winde fertig bringt."

Ich biß mich auf die Unterlippe und sagte kein Wort, denn ich hatte mir seit acht Tagen nur das Kinn rasiert und wollte mir, Mariechen zu lieb, einen Schnurrbart stehen lassen. Mein Vater war aber noch nicht fertig.Sage einmal, Heinrich," fing er wieder an,wer sind eigentlich deine Reeder?"

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von uns! Du bekommst noch zeitig genug Salzwasser zu kosten und wahr« scheinlich mehr als dir lieb ist."Na, nimm mir das nur nicht übel, Vater", sagte ich da.Ich dachte nur, da der Wind so nach Osten geht, ob ich nicht den Kopernikus zusammen mit den beiden Leichtern durch einen Dampfer nach Warnemünde schleppen lassen sollte."

Wozu die Ungeduld, Heinrich? Morgen ist Sonntag, und übermorgen ist auch noch ein Tag. Ein Kapitän soll nicht zu hastig sein, er soll nicht teerquastigH sein und auch nicht übermastigH sein. Ich habe dich genau beobachtet, wie du eben den Kopernikus so verliebt angucktest, als ob es nur ein« solche wunderbare Schönheit aus der Welt gäbe, und wollte es mir so scheinen, als ob du dir als ein höllisch forscher Kerl vorkämest wegen des forschen Schiffes, dessen Kapitän du bist. Deine Forschigkeit und seine Forschigkeit sollen sich aber erst ' ihr beide vor einem ff '

Der Generalreeder.

Erzählung von John B r i n ck m a n.

Wir saßen in Hädges (Barten1) aus der Bank unten an der Warnow. Die ganze Familie, klein und groß, und mein alter Vater war auch dabei. Der war heute so recht aufgeräumt, und sein altes ehrliches, blaues Auge sah so klar aus wie der Himmel droben und so still und in sich zufrieden wie der Strom2) vor uns. Es war ein Samstagnach­mittag im Juni, und die Fähre an der andern Seite des Stromes und die Gehlsdorfer Büdnerien und das Rauh« Haus2) staken tief in dem frischen Frühjahrslaub wie rote Aepfel in grünen Blättern. Der Wind

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oit kein Wort von dir gegeben, hast deinen Kaffee kalt mapperst deine Zigarre am verkehrten Ende an. Wozu solche Ungeduld. ~:u 'ommst noch zeitig genug an Bord. DerKopernikus" läuft dir nicht "der meinst du, daß der Bruchfischer, der dort oben vorüberrudert, sy»n E. stecken und damit auskneifen könnte? Da ladet uns das ,nir ein, seinen Kopernikus auf dem Strom zu bewundern, na,

nehmen auch Notiz davon, aber Monsieur Heinz nimmt keine Notiz

Ich sah den Alten ganz verwundert an. Der Alte war nämlich Korre- spondentreederH der Bank und wußte es ja ganz gut. Er hatte aber seine scharfen, blauen Augen so fest auf mich gerichtet, als ob er mich durch und durch sehen könnte und wollte. So zählte ich denn die Reeder des Kopernikus alle einzeln auf, und das dauerte auch nicht lange, benn meiir Vater und meine beiden Brüder reedeten allein das halbe Schiff.

Und weiter haft du keine Reeder?" sagte dann der Alte.Nicht, das ich wüßte!"Nicht? Wer ist denn dein Eeneralreeder?"General­reeder?" sagte ich und sah wohl ganz verdutzt aus. Meine beiden Brüder, Hans und Franz, sahen sich an, als wenn sie sagen wollten: Wo will der Alte denn wieder hinaus?" Unser alter Vater war manch­mal spaßhaft, aber manchmal auch nicht. Er sah so ernsthaft aus, daß sie sich beide das Lachen verbissen, zu dem sie versucht waren.

Na, wenn du nicht weißt, was ein Generalreeder ist, und noch keinen hast, dann muß ich es dir wohl erklären. Ich hatte schon immer die Ab­sicht, das unter vier Augen mit dir zu besprechen, denn du bist noch ein sehr junger Mann und ein bißchen gar zeitig zu eigenem Brot gekommen. Ich sehe es ater nicht ein, warum ich cs nicht gleich tun soll, da die Gelegenheit schicklich ist, und wer iveiß, da du so große Hast hast, ob du nicht schon übermorgen den Sund passiert hast und ich das Nachsehen habe, denn es ist dann Gottes Wille, ob wir uns überhaupt wiedersehen. Hans, gib mir einmal deine Zigarrentasche her, meine sind ein biß­chen feucht, wie mir scheint, und ich rauche wohl eine von deinen."

Als der Alte sich nun eine Zigarre gewählt und sie richtig in Brand gesetzt hatte, sagte er:

Sieh einmal, Heinrich, mir ging es zu meiner Zeit gerade so wie dir. Als ich den Agamemnon so vor mir liegen hatte an der Lagerbrücke, Anno vierzehn, wie du jetzt ben Kopernikus vor dir liegen hast, klipp und klar und fertig zum Auslaufen, da hatte ich auch Reeder und einen Korre­spondentreeder; aber einen Generalreeder hatte ich noch nicht und wußte auch von keinem. Humpel-Davids hat mich den kennen gelehrt, und wer Humpel-Davids feiner Zeit gewesen ist, das mußt du ja noch wissen, Hans, nicht wahr? Nicht? Na, das war ein alter Seemann, der Anno fünf bei Trafalgar unter den Engländern dabeigewefen auf einem Kriegsschiff, dort aus dem Mast geschossen war und sich den linken Arm und das rechte Bein gebrochen und zu gleicher Zeit dabei einen kleinen Knacks im Kopfe wegbekommen hatte, so daß er zu nichts mehr in der Welt zu brauchen war. Er war nun im Armenhaus auf dem Heiligen-Geist- Hospital untergebracht und humpelte Tag für Tag nach dem Strand, den Krückstock in der rechten Hand und die linke in der Brust seiner Matrofenjacke. Er sprach immer vor sich hin, wenn er die Lagerstraße hinabsegelte. Alle Kapitäne, Steuerleute und Matrosen kannten Humpel-

war östlich, die Lust aber so warm und ruhig, als wenn sie eingeschlafen wäre oder einschlafen wollte, und die Blätter an den Bäumen über uns hingen so still herab wie Fahnen am Ehorgangspfsiler in einer Land­kirche. Ich hatte aber kein Auge dafür; ich hakte nicht einmal ein Auge für meine kleine Frau, die bei mir faß und hin und wieder meine linke Hand leise drückte, und sie war mir doch erst vor acht Tagen angetraut und so ein kleines süßes Weib, wie sie unser Herrgott einem Junggesellen von 26 Jahren unverdienterweise an den Hals, nein, was sage ich, ans Herz werfen kann. Ich mußte immer auf das Fahrwasser vor mir sehen imb war bnbel so stillvergnügt wie ein König, ber feine Krone zum erstenmal vor Gott und aller Welt auf den Kopf setzt. Auf dem Strom mir gegenüber lag eine funkelnagelneue Bark von 120 Last1) so flott unb sauber, so glatt und stramm, wie es das beste Eichenholz und Schiffsbaumeister Zeltz hergeben konnten, und das schmucke Fahrzeug war mein eigen, und ich war der Kapitän davon unb sollte meine erste Fahrt nach London mit einer vollen Ladung Weizen machen. Ich war nun mein eigener Herr, stand auf eigenen Füßen unb feiner hatte mir etwas zu befehlen. Das ist ein süßes Gefühl, besonders nn ersten Monat, das ist ein wahrer Honigmonat; der Wermut liegt dann noch ganz auf dem Grund, und man denkt gar nicht daran, daß er über« I)nupt einmal aufsteigen und nach oben kommen kann unb mit herunter- gefchluckt werden muß, ob man will ober nicht. Mir war es recht, baß inein Schiff bart so vor mir log, dicht wie ein Topf unb flott wie eine Wildente auf dem Binnenwaster. Ich konnte mich nicht satt an ihm sthen. Unb wieder war es mir nicht recht, daß die Bark nicht schon oeaußen auf ber Reede lag, ausklariert und fix und fertig. Sie hatte ihre M Last Weizen schon eingenommen, und es war ihr kaum anzumerken, daß sie überhaupt etwas drinnen hatte. Zwei Leichterschiffe voll mußte sie »och in Warnemünde unb auf ber Reede übernehmen, bann war sie voll, und ich rvar neugierig, wie es ihr bann stehen und wie sie sich später vor dem Wind und bei dem Winb machen würde.

. "Ro, endlich ist nicht ewig!" rief da mein alter Vater.Nun wacht yer -Lngträumer endlich einmal auf. Eine geschlagene halbe Stunde hast ......... * 't werden lassen und

°) Ungeschliffen; eigentlich: plump unb breit wie ein Teerpinsel.

c) Uetermütig.

7) Ein Schiff befindet sich aus einem Legerwall, wenn es so nahe vorn Sturm auf eine Küste zugetrieben wirb, baß es Gefahr läuft, sich durch Lavieren nicht wieder abarbeiten zu können.

8) Reilrahen (Royal-Rahen) sind die obersten Rahsegel.

e) Der Mitreeder, dem die Rechnungsführung, Abschluß ber Frach­ten usw. übertragen ist.

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