Ausgabe 
10.3.1928
 
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alätten sich. Nicht mehr neben dein 'Zeitgeschehen, mitten m ihm als feine Deuter stehen die Künstler der neuen Sachlichkeit, die endlich Per- ipektiven in Zu künftiges zu bieten scheint: der Raum wird greifbar, alt. meisterlich beherrschte Technik gestaltet plastische Form von oft erichrecken- ,der Belebtheit. Maiichmal von erkältender Nüchternheit, darf diese Aus. fassuna doch wohl das Recht für sich in Anspruch nehmen, Fortschritt zm sein: Ausdruck eines neuen Gefühls, Zeugnis eines neuen Wellerlebens.

Die Jagd csuf den Vogel mit dem langen Gesicht.

Von T. v. Wildungen.

Reininiscere, an die Gewehre;

Oculi, da kommen sie;

Laetare, das ist das Wahre;

Judica, find sie auch noch da;

Palmarum, Tralirum, Tralarum!

So jagt die alte Schnepfenregel, und wenn jetzt, nach «mein vev- hältnismätzig milden Winter, uns die ersten wunderbaren Vorfruh mgs. tage mit warmer Sonne entgegenlachen, wenn der Frühling anfarM, feine leuchtenden bunten Farben zu mischen, da denkt wohl leder rechte Weidmann nur zu gerne daran:Ob der Schnepf nicht bald streicht. Das weiß jeder alte, weidgerechte Jäger: an den oben angezogenen Schnepfenreim hält sich der Vogel mit dem langen Gesicht nicht. Ems aber ist sicher: wenn die Schnepfe da ist, dann streicht sie auch, da mag es noch so unfreundlich, häßlich und kalt sein. Selbst bei Schneeweiß uiid eisigen Graupeln ist die Schnepfe, kaut balzend, auf dem Strich ^We/die Meldung von der ersten Schnepfe hat für den Weidmann immer etwas Wohltuendes, Herzerwarmendes. Mit der Bachstelze, m Mecklenburg und Schleswig auchWippstert genannt, zusammen treffen die Waldschnepfen aus den südlichen, sonnigen Gefilden- Afrikas wieder bei uns ein. Zugleich mit Primeln und Schneeglöckchen, Krokus und Haselnutzblüten begrüßt der Jäger die Schnepfe als einen der ersten Frühlingsboten. Die kleinen Waldschnepfen, die sog. Llaufutzler, sind aber nur die vorgeschobenen Ouartiermeister. Etwas kleiner als die große Waldschnepfe, streichen sie bedeutend schneller als diese, auch ist der kleine Blaufutz in seinem ganzen Kleide etwas Mer gezeichnet. Erst etwa acht bis zehn Tage später folgt die größere Waldschnepfenart, der Gclbiuß oder auch Eulenkopf genannt. Den Namen Eulenkops hat sie von ihw'm eulenähnlichen Gesicht. Wenn auch die Schnepfe sich Mit ihrem Federkleid ganz dem dichten Dornengestrupp im Walde °mpaßt, wo sie am liebsten ihr Lager wählt, so erkennt man sie oft am Boden sitzend nur an ihren wie ein paar große schwarze Perlen ausleuchtenden Lichtern.

? Im allgemeinen unterscheiden wir bei uns nur die beiden genannten Arten von Waldschnepfen und zwiefach ist im großen gangen auch me Jagd auf die Schnepfe, wie sie bei uns ausgeubt wird. Stan versucht es hauptsächlich morgens und abends, auf dem Strich der Schnepfe Hab- Hai/ guProerben. Man schießt sie auf der Suche im Herbst beim Duschieren, eine sehr reizvolle und interessante Jagd, besonders wegen der dabei sehr gut gu beobachtenden Arbeit des Hundes. In einzelnen gutbesetzten Sckmcvfenrevieren unseres Vaterlandes veranstaltet man noch 7-reib- jagden auf Waldschnepfen, doch kommen solche Schnepfeniagden, soweit Mr bekannt nur noch sehr selten vor. Die gebräuchlichste Form der Schnepfenjagd ist der Strich, und zwar der Abendstrnh. Der Morgen­strich ist viel kürzer und vielleicht auch bei dem Durchschnittsiager wegen d >s damit verbundenen sehr zeitigen Ausstehens weniger beliebt. Du. Wahre ist der Anstand aus dem Strich der Waldschnepfe an einem recht schönen Vorsrühlingsabend, und von einem solchen Schnepfenstrich will

ffRir^hniten bis fünf Uhr nachmittags schießen lassen, mein lieber, alter^ Jagdfreuad, der ,,Henner", 'und ich. Unsere Schiehstande agen mitten im Walde in unserer Jagd; nur etwa dreiviertel Stunde brauchten wir bis zu der buschigen Wiese, der bekannten Stelle, wo schon so man-

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'd) Das Wetter ist gut; zwar dürfte es ^was warmer sein, aber nutzem Siidroeit webt uns entgegen, und das ist schon sehr viel wen, tinf? der Wind nicht gu scharf geht. Wir wandern, ohne viel zu sprechen, WWMSSS ®@S8Ss $orJ Ldichmist Ünd auch'den Rand des Bruchs gut Übersehen sann pchj, kurg hintereinander zwei Schüsse fallen, imd gleich oarauf gleuet e.

., k:. Antik« wird aufgegriffen, mit neuen Augen betrachtet, das &lier Meistert in der Holgezeit der Befreiungskriege die Gemüter «h wirb doch so mißverstanden. Letztlich, nach einem kurzen Aufleben ni) «Lnifiance sinkt das Niveau auf das Genrehafte der ländlichen Nyll^iese Anleiheepoche seit 1780 schließt um 1850, als sich eine Be- ^^Es^findm'sich Mutige, di« sich dieser Unwahrhaftigkeit nicht schuldig macken wollen wie wir alle sie sehen; ohne Verschönerunbsbe'iverk ohne iens sentimental - süßliche Attitüde, die auch das Erschütternde haben mußte um gu gefallen, ohne zu verletzen. Man schenkt sich nichts mehr, aller Fleiß kon^ntriert sich auf diesubtilste Nachbildung" aller kleinsten Einzelheiten, mich wenn sie von Armut zeugen, von des Lebens Nackt­sten Cour bet matte 1850 das Bild feinerSternklopfer, zweier ncktiaer Arbeiter. Bis ins einzelne ist alles studiert, alle Formen so ge- aebm wie sie wirklich waren; das heiht: eine Unsumme von Emzei- beobachtungen ist zusammengetragen. Er gibt me Form.die^wir bei immer wiederholtem Hinsehen als vorhanden und richtig sest;relen. Mit

Bilde beginnt eine Epoche der Dauerform, und sie bubet das taftenbe Auge im dauernden Beobachten und Vergleichen zu ihrem Er- fa en aus. Diese Werke vermitteln in der rücksichtslosen Naturtreue ihrer Zeichnung eine Wirkung, wie die Romane Zolas, ihres Zeitgenossen. Hier sprach lebendige Natur, pulste rotes, warmes Blut der Wirklichkeit.

Nicht die Form allein macht das Ding aus, auch die Farbe wirkt auf den Besämuer in ihrer Leuchtkraft. Manet entdeckt sie für Schassen. Wie Courbet die Form belauscht, jagt er der Farbe nach, gelangt zur Sauerfarbe als Dauereigenschaft, die wir bei wiederholrem Betrach.en ^SowesiP wicht^^bi's zur Wende der siebziger Jahre die Vorstufe der neueren Malerei, der objektive Materialismus. ,.. .

Nun war die Objektivität alles Sicytbaren für die Malerei gesichert, nun brach im Gegenschlag gu dieser letzten Endes impersdnttchen sachlichen Stellung des Künstlers zum Gegenstand das Streben nach einer person- ljchst individualistischen Ausfassung durch. Man will nicht mehr so sehen, wie sie alle sehen, man sucht dem einmaligen der eigenen Person und ihrem Verhältnis zur Umwelt gerecht gu werden.

Und wie betone ich meine Subjektivität?

Betrachten wir: Je länger zwei und mehrere cm Dina beschauen, Mto einmütiger werden sie es sehen, desto mehr gelangen sie zu über­einstimmenden Erkenntnissen. Jeflüchtiger", kurzer, einmaliger leb« betrachtet, desto persönlicher ist der Eindruck, desto großer die Differenz mit bem Bilde, das der andere von dem Bilde empfängt.

Was nun die Farbe angeht, so darf man nicht vergessen, daß es eine Dauerfarbe eigentlich nicht gibt. Farbe ist Offenbarung fees Ischls tm Rester Licht wechselt ständig..Das führt zur Erkenntnis, daß Reiz der Farbe Wandel der Farbe heißt. Das Auge schult sich nm blitzlchneAen Erfassen zum Erkennen dieser tausendfach reizvollen, ewig flimmernden Farbabstufungen. Die Zeit der Freilichtmalerei ...

Die neue Gemeinschastseinstellung wandelte auch gegen Ende der sechziger Jahre das Formerleben. Wer persönlich sehen will, muß rcycy sehen' Diese Momentausfassung, unbeeinflußt durch spätere Feststellungen wiedergeben. Zwei Möglichkeiten boten sich: die Wiedergabe schnell sich abspielender Vorgänge und die Beschränkung des Beobachtungsaus- schnittes, das heißt: alle Dinge der Umgebung, außerhalb des eigentlichen Bildobjektes, mit weicher Undeutlichkeit darzustellen, etwa, wie man es bei manchen Photos findet, bei denen das Objektiv nicht bis zum Rande scharf zeichnet. . ... .

Gibt man sich unvoreingenommen die Mühe, mit den Augen des Malers zu sehen, so entdeckt man bald die außergewöhnliche, verblüffende Lebendigkeit dieser Schöpfungen trotz der oft undeutlichen Formen.

Ein Fortschritt in der Kunst? Ohne Frage! Aber Fortschritt heisst hier etwas völlig anderes, als etwa in Wissenschaft und Technik. Dort bleiben auch die elementarsten Erkenntnisse ewig wahr, Grundlagen für alle weiteren Entwicklungen. Die Kunst, die allein von Gefühlswirkungen lebt, erlebt ihren Fortschritt im Wandel des Gefühls.

Hatten die objektiven Naturalisten ihrer Zeit das Höchste in der Wieder­gabe ihres Naturgefühls gegeben, so bedeuten die Maler der Freuicht- malerei und des Impressionismus (Momentfarbe und Momentsorm) Jur ihre Generation einen Fortschritt. Denn auch das Verhältnis zur Namr ist nicht für Generationen dasselbe, denn es ist ein Gefühl ^Verhältnis.

Mit dem Streben nach raschem, einmaligem Sehen von Form und Farbe kommt man naturgemäß sehr bald zur Darstellung schnellbewegter Gruppen. Im Jagen nach diesen lebensvollen Moinenten wird der Stil immer flotter, gelöster. Feinste, zarteste Farbabstufungen, lebendigst ge- gesehene Bewegungen erfüllen den Bildraum. Dies Zusammenkommen zweier Bestrebungen muß in feiner letzten menschenmöglichen Forderung zu einer Auflösung aller Starrheit, aller Gebundenheit führen. Das Natur- gefiihl dieser Epoche war damit zu einer Verfeinerung gelangt, die für gegebenen menschlichen Sinnesreaktionen nicht mehr zu überbieten war. Eine Wandlung fees Gefühls, ein Fortschritt mußte sich anbahnen.

Die Versuche, eine gefestigte Form zu erhalten, bewegten sich tastend in Sackgassen. Pointilismus tupfte scharf abgefetzte Farbflecke aus die Leinwand und kam zu keiner Festigung. Der Kubismus türmte kompakte Körper einfachster Gestalt zu einem Ganzen und fand nein B>ei. Gecao- bnig zur Erkenntnis fanden sich allein Cözanne und van Gogh, der geniale Kranke, und Hodler, der Schweizer. Nicht die Dorrn, son­dern der Ausdruck des seelischen Gehaltes, ist Ausgabe, Farbe und u nm erstehen zu einem neuen, gesteigerten Leben. Nicht mehr zufällige Aus­schnitte, sondern schöpferisch zueinander gestellte Massen, Bewegungen, Farben,rhythmisch" znsammenklingend, sollen dem inneren Empfinden Ausdruck verleihen. Formen und Farben scheinen sich immer weiter, von der Natur zu entfernen, entfernen sich bewußt im fanatischen Dienst an derVision". Die Vielzuvielen, feie mitlaufen, entarten sogleich zu organi­schem Toben, hysterischem Kreischen. Wenige sind dieser Sprache, die hier künden kann, fähig. Mare, Kokoschke., Nolde, um einige zu nennen. Sie sind Sprecher für eine chaotische Zeit, die letztlich zum Mysti- lchen flüchtet, wo die Seele außen sich w-unidstöht. Auch diese Wiroe.