Ausgabe 
8.5.1928
 
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Crichton muß seiner Sache sehr sicher gewesen sein. Er verließ sich iz aus die Wirkung dieser Geste. Er muh wohl die Ueberzeugung

zu siegen.

ganz aus die Wirkung dieser Geste. Er muh wohl die Ueberzeugung gehabt haben, daß es ihm gelingen mühte, auch ohne Massen oder Worte

bewilligen.

Der Herzog lehnte ab.

Vincent entschloß sich, Crichton zu beseitigen. ,

Llls Crichton an einem Sommerobend von einem Spaziergang heim- kam, wurde er von vier maskierten Männern überfallen. Es gelang ihm,' drei so schwer zu verwunden, daß sie den Kampf aufgaben; der vierte blieb.

Crichton zerschnitt ihm mit dem Florett die Maske.

Vincent sah ihn an. ~

Crichton errötete und versuchte zu lächeln. Dann bat er scherzend um Entschuldigung, dah er einige Male so heftig zugestoßen habe, "wer es sei ihm auch nicht einen Augenblick der Gedanke gekommen, daß Freunde ihn überfallen könnten. Er hoffe, dah Vincent unverletzt sei. Darauf hob er sein Florett, faßte es, umgekehrt, an der Spitze und überreichte es seinem Schüler.

So wenig ein Kultur irgendeiner Zeit sich ohne jede Beeinflussung in völliger Isoliertheit entwickeln kann, so wenig kann die höchste und sublimste Funktion einer Kultur, kann die Religion einer Zeit oder eines Volkes ein gänzlich abgeschlossenes Einzelleben fuhren. Am allerwenigsten die höheren Formen, die Geistesreligionen. Sie Naturreligionen der kulturell tiefstehenden Völker sind außerordentlich formenreich, die frei schweifende Phantasie des naturnahen Menschen schafft sich immer neue Religionsformen. Das logisch gehemmte Denken und Fuhlen der hoher stehenden Geisteskulturen führt vielfach ganz zwangsläufig die gleichen Wege jo daß die Geistesreligionen sich ost naher stehen als die Natur- reliqiönen es tun können. Sind solche Geistesreligwnen gleichzeitig oder kommen die Kulturen, denen ste entsproßen sind, mit einander in Ve- rührung, so verstärken sich in der Regel die Beziehungen durch bewußte oder unbewußte Angleichung oder Entlehnung ohnehin verwandter Ge­danken und Formen Es ist also nicht immer gerechtfertigt, aus noch so starken Aehnlichkeiten die völlige Abhängigkeit der einen von der anderen Glaubenslehre abzuleiten, wie das vielfach geschieht, es sind vielmehr in jedem Falle die Entwicklungsgänge einer jeden genau zu erkunden

Es hat im Altertum drei Religionen gegeben, die zueinander aller- stärkste Beziehungen ausweisen und die doch aus ganz verschiedenen Quellen geflossen sind, die Lehren von Mithras, von Wodan und von Christus. Es sind sämtlich Religionen des Lichtes, bei Mnhras und Wodan anfangs noch als Naturerscheinung, die gerade m diesem Falle sehr leicht und ost in das ethische Gebiet gesteigert w,rd, bei der jüngsten von ihnen, dem Christentum, fehlt die Vorstufe der. Natur­religion und es beginnt von Ansang an als eine ethische Religionssorm

iöie Mithras-Lehre stammt aus dem arischen Orient, aus Persien, sie ist in den kleinasiatischen Bergländern bereits im 14.3af)rt)unbert vor Christi nachweisbar. Von Haus aus ist sie eine Religion des Lichtes als Naturerscheinung gewesen, noch im hochstentwlckchten Stadium haben sich die urtümlichen, aus der Urzeit stammenden Kultformen erhalten, die ganz untrügliche Zeichen höchsten Alters sind, die Hohle als Kultorh die Tierverkleidungen im Gottesdienst und mancher andere Zug. Der Mtthrazismus hat unter allen höheren Glaubensformen wohl die reichste Geschichte erlebt und hat stärkste Wandlungen durchgemacht, doch keine, die nicht aus dem innersten Kern seiner Lehre geflossen wäre. Dw Ent­wicklung geht klar und folgerichtig von der Naturreligion zur Geistes- religim.besonderes Kennzeichen des Mithrastums ist seine zu allen Zeiten beispiellose Toleranz gegenüber anderen Glaubensformen. Schon ziem­lich früh fand sie eine theologische Festigung durch Aufnahme in das System der zoroastrischen Religion und weiterhin durch dis Zusammen- treffen mit der chaldaischen Theologie. Das letztere bedeutet vor allem einen Wendepunkt in der Geschichte des Mithrastums: Mithras ist nun nicht mehr der Gott des Lichts, sondern des gewaltigen Lichtkorpers selbst der Sonne. Diese Erweiterung bringt in das Mithrastum einen logischen Zwiespalt, der niemals ausgeglichen worden ist: wird auch Mitbras aanz allgemein alsSol invictus, als unbesiegbare Sonne, bezeichne? sc?steht doch neben ihm der alte Sonnengott als eine zweite I P?sm>, und die mancherlei Versuche, das Verhältnis der beiden zuem wider zu klären, verraten am besten den Dualismus Schon im One wird der Licht- und Sonnengott gesteigert zum Gotte des Guten um der Gerechtigkeit. Dieser ethischen Höhe verdankt die M'thraslehr vor allem ihre ungeheure Verbreitung über das gesamte Gebiet des g 8 Römerreiches, zumal da Mithras als Gottheit militanscher q

beim römischen Heere größte Verehrung genoß, das seine Lehre über

6r hat das Abenteuer mit seinem Leben bezahlt. Vincent nahm das Florett, roarf es hin und stürzte sich aus ihn.

Crichton war 22 Jahre alt, als er starb.

Mithras, Wodan, Christus.

Von Professor Dr. Friedrich Behn, Mainz.

in seiner Heimatsprache nach dem Namen des ersten christlichen Apostels tn N' Eaen°und Sprachen mürben immer bunter. Man fragte ihn griechis/und italienisch, spanisch und hebräisch. Er antwortete schnell. Auch zeigte "er kimSpuren rangmübunm Ermatte sogar Kraft genug

O a? Tawa t interpellierte, russisch, und gleich daraus einem Aussen däniick Man applaudierte, lachte. Die Aufmerksamkeit war wieder an­gespannt Es wird sogar berichtet, daß im Publikum Wetten abgeschwsie wurden,' wieviel Fragen ober Sprachen er tn einer stunde cnw.asien roÜffiine solche Wette soll den Anlaß gegeben haben, die Diskussion schließlich abzubrechen. Denn nach einem Gespräch zwischen Crichton und einem Ungarn, erbot sich, ohne daß dies vereinbart war, plötzlich em merikanischer Priester, und sprach ihn im Nahoail, dem mexikanischen Jdwm an Crichton aber geriet nicht in Verlegenheit. Er zögerte nur einen Augenblick warf sich dänn hoch und erwiderte übermütig und mit dem Lächeln dessen, der selbst durch eine Niederlage nicht besiegt wird, zum erstenmal französisch und in Versen.

Der Applaus donnerte. Scaliger sprang auf und umarmte ihn. Corde Kielt eine Rede und nannte ihn emgerne monstreux . Frau v. Nom­part verließ ihren Balkon und bat Corde, ihre dieses Genie vorzustellen.

Noch am gleichen Abend gab sie zu Ehren dieses Schotts ein Essen. In Gegenwart sämtlicher Gelehrten überreichte Scaliger Crichton bas Erinnerungszeichen an feinen Sieg: einen Diamanten.

Crichton bankte unb eröffnete mit Frau v. Rompart ben -00113.

Am nächsten Tage beteiligte er sich an einem Ringturnier, dem Ten­nis des Jahrhunderts, und wurde als fünfzehnjähriger Sieger zum Meister derbague" ernannt.

Die Tatsachen sind fo unglaublich, daß ich befürchte, man wird mir nicht glauben/Aber in jedem Konversationslexikon der Welt findet man chuae feilen über Jacgue Crichton. Auch kann jeder dort Nachlesen, daß dieser junge Mann in sämtlichen Städten Europas die gleichen Triumphe feierte w"e in Paris, und daß er mit zwanzig Jahren jo viele Sprachen und ein so ungeheures Wiffen beherrschte, daß eine Zeitgenossen schließ­lich behauptet^: Er wisse mehr als ein Mensch wissen kann unb er fei Ö 8.1« <>°--i°lch *** *

Crichton schließlich bestimmte, eine Stellung als Erzieher am Hof des Herzogs von Mantua anzunehmen. Mantua war kleiner als Paris, Lon­don oder Rom Er konnte sich hier für eine gewisse Zeit verstecken. Eine aste Freundschaft mit seinem Schüler Vincent, dem Sohn des Herzogs, erleichterte ihm ben (5ntid)(u§. , ,

Diese Freundschaft wäre wahrscheinlich auch immer unverändert ge­blieben wenn der Schotte nicht eines Tages von einem Mord an einem mantuanischen Offizier erfahren hatte, und darauf den [eltfamen Ent- fcbluft kante die Witwe dieses Mannes zu rachen.

Es war tatsächlich ein seltsamer Einfall. Er kannte diesen Mann gar nicht. Er war niemals seiner Frau begegnet (die Behauptung, daß er Beziehungen zu ihr unterhielt, ist längst miberlegt). Er hatte ganz offen­bar kein? andere Absicht, als einmal die Gerechtigkeit zu spielen, und er tat das wahrscheinlich, weil sich keine bessere Gelegenheit bot, um zu einem Abenteuer zu kommen, vielleicht aber auch: weil ihn gerade das Unpersönliche einer solchen Rache lockte.

Er entdeckte auch bald den Mörder unb tötete ihn im Duell.

Vincent aber konnte ihn von jenem Tage ab nicht mehr lieben. Er verstand ebensowenig wie ein Korse, dessen Blutrache em Fremder aus sich nimmt, daß Motiv, bas Crichton bewegen konnte, einen Menschen ohne Haß ober Nutzen umzubringen. Er sah in Crichton e,nen ,un- abligen Mörder". Der Gedanke einer ausgleichenben Gerechtigkeit ent­setzte ihn. Es gab Richter, die von Amts wegen verpflichtet waren, Men­schen zu verurteilen aber Crichton war kein Richter. Was gwg ihn also dieser Mord an? Warum rächte er, der Privatmann, einen Offizier, ben er nicht kannte, an einem Gegner, ben er auch nicht kannte

Vincent fing an, sich Crichton zu entfremben. Er konnte nicht auf­hören, seine Fähigkeiten zu berounbern, aber er bemühte sich, sie zu ver­kleinern. Zu bem allgemeinen Grauen kam auch bald eine ganz be­stimmte Furcht: Wenn dieser Schotte überall seinen Degen zag, wo einer auf der Straße liegen blieb, so konnte man ihn eines Tages zum Gegner haben. Die Liebe wurde Haß. Die Bewunderung kehrte sich in Neid. Die Existenz des Schotten wurde ihm schließlich zum Anlaß stän­diger Erregung. Er bat seinen Vater, ihm einen anderen Erzieher zu

Sie ^Formen des Kultes sind überall die gleichen, und bie W tümer des Gottes gleichen sich vollkommen, ob sie nun lchott q-n Grenzwall stehen oder in der Wüste Arabiens. Im Zeichen des Mithras lammetten ich alle die, denen die in bloßem Formalismus erstarr Staatsreligion des römischen Reiches keine innere Vefnedigung zu bieten vermochte, die nach religiöfer Vertiefung luchten und sie ben kalten Göttern des offiziellen Kultes nicht sanden, ^er, g h auch mehrere römische Kaiser zu den Verehrern des Mithras d ente auch der Adel der Hauptstadt, vorwiegend war doch das Mityra bie Religion der Armen und Unterdrückten. Von^ Verfolgung durch staatlichen Organe hörten wir nichts, das Mithrastum stellte> scheinend niemals in Gegensatz zum Staat Das ist der Gegne bem bas junge Christentum brei Jahrhunderte ang. einen euntt^ Enbkampf um bie Weltherrschaft anfechten mußte, bis ber Kaiser C 0 n st a n t i n s ihm ben Sieg brachte. Qulian,

Noch einmal flackerte der Mithrasglaube auf, als Kaiser 3

ben bie Kirchengeschichte deswegen ben "2l0tiu^'0 ?Jer Harsch» genannt hat, die alte Lehre wieder erheben wollte. Als dieser 1^ aber im Osten gefallen war, da war auch das Schicksa m^jajon tums entschieden. Mit unbeschreiblichem Haß hat die s g 1 guren bann gegen die unterlegene Lehre gewütet und fanatisch alle >yr zu Staub zermalmt. Das Zerstärungswerk ist gelungen,von Uqen Büchern des Mithrastums ist keine Seite gerettet roortien, müssen uns den Inhalt seiner Lehre aus den Bildwerk n gelegentlichen Angaben antiker Schriftsteller rekonstruieren, M $||((, bie letzteren oft tendenziös gehalten sind. Immerhin entbot n fiin, bilder aus den Mithrasheiligtiimern eine Menge von wer ,jch,at weifen auf die Lehren dieser Religion, ber ihre allzugrotze da­

mit bem Christentum zum Verhängnis wurde Auf dem s vor zwei Jahren in Sieburg gefunben wurde befindet sehr wertvolle Darstellung, die In allen andern Bilderzyklen "