GietzenerLamilienbMer

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Zrhrgang (928

0-enstag, den 8. Mai

Nummer 37

Ge-

Betrachtung.

Von Hans Friedrich B l u n ck.

Und jedes Ding, das deine Hand berührt, Ist dir ein Wunder. Spürst du's nicht? Der Stein, aus unbeiannter Saat gewachsen. Das Rad um die bewegten Achsen Und einer Schwalbe Flug zum Licht.

Und jedes Denken, das dein Stirnjoch spürt, Und jeder schnelle Viutschlag deiner Brust, Und jeder Traum, der deine Nacht durchzittert, Und jede Liebe, die dein Äug' umgittert: Ein Wunderreis, des Sämanns unbewußt.

Tragödie eines Wunderkindes.

Von Leo M a t t h i a s.

desmeM, «<' «erbet MWt «n. E.n gleiches, '"er mud erständlich. - Junqbier der Snaffefte4

schon M öden. Sein nicht trat. " tonnten, 'ine anbete jfition unj iolle dabei, 2ch glaube den Tara, [fangen er. nnafjerung eiße mexi. is, die uni am Tage, rabten wir n der Weg Itiertreiber

Maultier, irt werde« e des Aus. kensch und

der Spart- hnen selbst nten ganz Sic kennen nupt keine Besten'.

Jelegenbeii Mestizen, tte.n wohl iner selbst nicht, auf nn fragen r t s e e r< tfpringen? Teil dieser te Ertlich. ? Ertüchti- r aus den domi! der als solcher sozusagen »erragende nterlicgen, g oon der arau« ein unkt aus die Sache ich in die noerseK« erscheinen, er Sri t nenne: Derwische, iihren - n Lippen allen auf mer wir. halb ent' rahiumm i sie dazn holen, !» rstounlich n Willen riauf der sehe« im erstaun, aus Mo- Volk -

n Besitz' id Zwak

mühsam )ar. Uns ische, di«

Kultur- sten. Di« ist da«

ter Linie ? Natur- lewußter ticht ih»

Ganz tm Gegensatz zu jenen unzähligen Kindern, die mit zehn Jahren berühmt um) mit zwanzig vergessen sind, verlief die Ruhmeskurve Jacque Cnchlons von seiner Kindheit ab aufwärts. Auch findet man in seinem Leben keinen lener Betreuer, die sich bis zu ihrem Tode von einem "* - I p"---» - l-m-

Crichton bestimmte bereits mit zehn Jahren seine Studien selbst Eeine Eltern schottische Adlige aus der Grafschaft Perth, waren ae unb Fechtkünste zu bewundern als jene erstaunlichen gestigen Fahig.eiten, durch die er schon damals in Edinborough Auf- ba eine9 Tages hörten, daß ihr Sohn einen be= S11fa Setter Schottlands besiegt hatte, hielten sie seine Ausbildung sur beendet und liegen ihn zurückkommen.

Moan^n°Khah' "V® °ber am gleichen Tage, nicht vierund- ? Kunden zu bleiben, falls man ihm nicht erlaube, zum Ab- geftattetetner Stublcn nac^ ^aris 3U geben. Widerstrebend wurde es ihm b°uf "erläßt der Fünfzehnjährige, nur von einem Diener Et- Schottland und betritt vollkommen unbekannt, nur m't einigen Empfehlungen in der Taschean einem Herbsttag des Jahres 1S/S Den Kontlnent.

Infn3,n Paris nngekommen, mietet er drei Zimmer, sendet seinen Diener °lvrt zu einem Drucker, der eine Stunde später auch er Meint, und gibt 'hm emen beschriebenen Zettel mit dem Auftrag, den Text eiligst

IRnrifs ^llc'^spater hing an sämtlichen Türen sämtlicher Colleges von ®rX>a jacque Crichton, Edelmann, gebürtig aus der

IniirJ, r ..? m Schottland, bereit sei, jedem, der dazu Luft ver- te, sich mit ihm zu messen, auf irgendwelche Fragen in zwölf snb 3ar in Vers oder Prosa, Rede und Antwort zu stehen.

lemandem fiel es ein, die Ankündigung ernst zu nehmen.

v. Rompart war 23 Jahre alt, Frau des berühmten Gram- 6amminnUnb emen,[° betannt durch ihre Häßlichkeit wie durch ihre mluiig von Volkstrachten und Spitzen.

den von Crichton durch den Abbs Corde und machte sofort

Erschlag, die Herausforderung anzunehmen.

es ein Scharlatan ist, werden wir wenigstens das Ver- ?vven, einen Schotten in feinem Kostüm zu sehen", meinte sie. tbiderte Cordenc^* vorschreiben, mit nackten Knien zu kommen", er- i'Ur' unUr'k- Teilen Sie ihm mit, daß Sie die Herausforderung er dieser Bedingung annehmen.'

Man wird über mich lachen."

..Denn"«!? über Ihren Witz lachen', erklärte Frau v. Rompart.

Sdiaulni.t u -f Bedingung stellen, weiß ganz Paris, daß Sie uns ein Geniel c0. "vürn, und man wird Ihnen dafür dankbar sein.

XÄÄ deh-rrschen Sie, Corde?"

spanisch $' ""ieinisch, Hebräisch, Aramäisch, Italienisch und etwas

9fiir2m«rhin£l E sechs. Ich werde mit Herrn v. Rompart sprechen. in i"m s~"«»»Sn.»--

liÄTSÄ'Ä ÄÄJf"

IV.

cXnh^tbhi<.Pla<LU/ PEpart noch irgend jemand anders wurde von dem es Gespräches unteri.chtet. Aber Corde verwendete sich feit fniimn ^'ü/vblick Mit solchem ft.fer für das Zustandekommen der Dis- 8 D- an Crichtons Bereitwilligkeit, mit nackten

^^ -v"en, nicht mehr zweifelte. Sie war mit Corde sehr zu- tr'ebe^' D'e Discussion schien gesichert. Vier seiner Freunde erklärten sich schließlich auch bereit, die Herausforderung anzunehmen.

. Lsf* allerdings wahrscheinlich, daß sie es nur taten, um Corde der nm t" last.g geworden war, loszuwerden: denn als

terbnu^^i^eberatenwurüe, worüber man sich mit Crichion un- terhalten solle, stellten sie die unmöglichsten Bedingungen und bestanden aus mindestens 1500 Fragen. Corde versuchte vergeblich, sie von dieser Turniprri2.ab3Ubrm9en' '°s erklärte, unter diesen Umstünden auf das

3" oerz chten, und der verzweifelte Abbe konnte daher nichts anderes erreichen, als daß man den Termin wenigstens um einige Tage hinausschob, um Crichton für die Vorbereitungen <jeit zu lassen 8 lich mitgeteiltjBett,trelts unb Fvagenzahl wurden ihm daraufhin schrift- ^."widerte noch am gleichen Tag, - und diese Antwort erregte prfwn? größeres aufiefjen als der Anschlag an den Colleges. Er i erUarte, daß .qm die Zahl der Fragen vollkommen gleich sei; es handle I Üch »ur um euieadaire du temps et non pas d'etude, und falls i man ihm 2000 tragen oorlegen wolle, so sei er damit auch einuer- I ftanben' daß es dem Publikum mcht langweilig würde, zuzuhören.

Corde triumphierte. Er lief mit dem Brief sofort zu Frau v Rom- Part. Frau v Rompart zeigte ihn Sc öliger, der sich zufällig ?n Paris aufhielt, und dieser berühmteste Philologe des sechzehnten Jghr- hundert wurde durch die Kühnheit des Crichtons so gereizt, daß er Aparte sich an dem öffentlichen Fragespiel zu beteiligen. Durch diese P"°üschaft empfing der Fall Crichton plötzlich seine Sanktion. Gelehrte 'ttilfrL"l93c,9c drängten sich dazu, an dieser Diskussion teilzu- moren es 48 Manner (unter ihnen auch Herr von Rompart), die sich zu einem Komitee vereinigt hatten rm6 niAtriu6^ k°6 ber ®;9"er fünfzehn Jahre zählte. Crichton ver­ließ nicht seine Wohnung, und Corde schwieg.

V.

Am vereinbarten Tage war das Auditorium maximum des Col­lege de Navarre Derartig Überfüllt, daß man die Türen offen ließ, « m ble auJ dem Flur stehen bleiben mußten, wenigstens

könntei^8zu> hören" 9^b°"' ble Diskussionsredner, die sie nicht sehen Man hatte sogar einige Frauen zugelafsen. Die saßen links vom Katheder unter den weißgetünchten Bogen einer Galerie, die sich um un bm,n.ften e?al 3og. Unmittelbar unter ihnen hatten die Gelehrten ihre Platze, wahrend der Raum rechts vom Katheder, dort wo die Fenster lagen, für Crichton frei blieb.

fam N'cht. Man wartete zehn Minuten, fünfzehn Mi­nuten. Man fing an, zu trampeln. Es waren etwa zwanzig Minuten vergangen, als die öffentliche Stimme schließlich feinen Namen in den Saal rief.

Atemlos sprang er auf das Podium.

Es war nicht nur Frau v. Rompart, die ihn sofort liebte. Sie er- Zahlte spater, sie habe es im ersten Augenblick gar nicht bedauern können daß er nicht sein schottisches Kostüm trug; der Eindruck des blonN & fünfzehnjährigen seizu hinreißend" gewesen. Und dieses

Gefühl muß ganz allgemein gewesen fein, denn als sich Crichton Der- neigte und die aufregende Mitteilung machte, daß er zu spät gekommen sei weil man ihn auf der Straße überfallen habe, empfand man die Gelegenheit, Zunge und Hände sprechen lassen zu dürfen, wie eine Er- lofung, und beglückwünschte ihn zu dem überstandenen Abenteuer durch Zurufe und Klatschen.

Dann begann der Wettstreit.

Grätiger erhob sich, drückte das Barett fest auf den Kopf, und fragte if>n, nachdem die üblichen Begrüßungsformeln hin und her gegeben waren, ob er Arabisch verstände. Crichton bejahte und Scaliger for­derte ihn daraufhin auf, ihm die Philosophie des Alkendi mit wenigen Worten zu entwickeln. Als Crichton dies tat und auch noch einige Fragen ohne Zögern beantwortet hatte, stand ein Zweiter auf und unterhielt fak) mit ihm lateinisch über das BuchDe insomnis* des Hnppokrates Dann erhob sich Corde und fragte ihn aramäisch, warum das vierte und siebente Kapitel des BuchesEsra"chaldäisch" geschrieben sei. Und als Crichton auch darauf eine Antwort wußte, erkundigte sich ein Baske

Zugrunde gehen kann jeder. Aber burdj ein Uebermaß von

U^U °mmSn vne jene Rennpferde, die sich im Lauf ihre MuskeGander zerreißen, weil die Kraft stärker ist als das Fleisch, dieser Tod trifft nur wenige.

Es ist daher zu verstehen, daß man die Geschichte Jacque Erich- ton s einige Jahrhundert lang nicht vergessen konnte. Tragik ist seltener als der Ruhm, und daß beides sich verbindet, und nod) dazu im Leben eines Kindes, dafür gibt es im letzten Jahrtausend vielleicht nur dieses eine Beispiel. 1