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Verantwortlich: vr. Hans Thhriot. — Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, A. Lange
der die Nacht Hand. „Ueber Oktober singt
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willst, mein Kind!" Und wie ein Lächeln Antlitz, sie lebte noch.
Aber da ihr Odem schwächer wurde fliehen wollte, ging er zu einem Lädlein, noch von dem großen Sterben her. Er zündete sie an dem Lämplein, das noch
In der Kemenate der Bass lag Dagmar; die Alte hatte ihrem Kinde den Platz geräumt und sich wo anders hingebettet. Die Kranke war am Abend mit den Sterbesakramenten versehen worden; jetzt brachen die ersten Morgenlichter in das Zimmer.
und er sah, daß ihre See!« darin geweihte Kerzen lagen, nahm eine heraus und ent
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Der stark« Mann fiel nieder auf seine Knie: „Sprich, Kind?
Alles, was du willst!" - ' "
Sie hatte sich mit beiden Armen ausgestemmt, mit aufgerislen^ Augen sah sie ihren Vater an: „Rolf Lembeck!" flüsterte sie heihr „Weiter nichts!" Sie hatte dem Tod die Worte abgerungen; nicht SW mar war es, nur ein Gespenst von Dagmar saß an ihrer Stelle. „W ihn zu meiner Leiche, Vater! Sein Auge soll auf mir ruhen; nod/ ein, mal! Dann" — die Stimme brach ihr plötzlich — „laß ihn ziehen in Frieden!"
Ihr Mund war stumm; sie sank auf ihre Kissen.
„Mein Vater!" rief sie.
„Ich bin bei dir, Kind!" sprach der Schloßhauptmann, am Bette gewacht hatte.
„Hör!" sagte sie und hob einen Finger ihrer bleichen uns, da oben auf der Hausfirst, sang die Amsel!"
Er schüttelte den Kopf: „Du irrst dich, Dagmar, im
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brannte. „Für mein Letztes!' sprach er und trat wieder zu seinem Kinde; dann faßte er ihre feinen Hände und schloß sie um die brennende Totenkerze und legte die (eine» sorgsam noch darüber, daß nicht ein Tröpflein heißen Wachses sie von ihrem letzten Pfad zurückschrecke. Still harrend saß er auf der Kante des
(Ein Fest auf Haderslevhuus.
Novelle von Theodor Storm.
(Fortsetzung.)
„Mariä Heimsuchung!" murmelte der Mann. „O heilige Mutter, nimm mein Kind in deinen Schutz!"
Aber die Mutter Gottes war nicht die Hüterin der Minne. Ein Bote auf schnellstem Rosse ritt nach Schleswig, um einen sicheren Medikus zu holen; inzwischen legte die Base mit zitternder Hand kühle Binden um das Herz des Kindes, und ein Chirurg aus Haderslev ging ihr dabei zu Hilfe; am Fuß des Bettes stand der Schloßhauptmann: „Die Tränen helfen nicht!" sprach er leis und biß die Zähne aufeinander.
Als aber die Dämmerung herabfiel, brachen jenseits des Gartens junge mutige Schritte aus dem Holz hervor; doch sie stockten plötzlich, da sie den Waldesrand erreichten. Es jtoav lautlose Stille weit umher; nur eines war anders, als es sonst gewesen: im Wege vor des Anschreitenden Füßen lagen der gestürzte Baum, und droben über der Mauerzinne, wo sonst die Pappelblätter, flüsterten, stand jetzt die leere Luft.
Dem drunten mochte bald wohl alles anders erscheinen; denn statt des dunkeln Köpfchens mit dem Silberreife sah er plötzlich die Gestalt eines starken Mannes dort oben an der Mauer. „Rolf Lembeck!" hörte er es wie im Traume herunterschallen; ihm war, als führe die Hand des Mannes nach dem Schwerte; es kümmerte ihn nicht, es war nur wie Gespensterspiel vor seinen Augen. Wie es geworden, wann er von dort gegangen sei, er wußte später nichts darüber.
An manchem Tage noch, im Mondlicht und im Sonnenscheine, stand Rolf Lembeck unten an dem Waldesrand. Die Tage wurden kürzer, der September begann das Laub zu färben, und nur Krähen und Falken schrien noch im Walde; aber fortan sah er droben nie ein anderes als die kahlen Mauerzinnen, und kein Weg, keine Kunde war zwischen ihm und ihr.
Das waren Minnequalen, wie er noch nicht empfunden hatte, und sie gruben ihre Spuren in fein hoffnungsfrohes Antlitz und löschten den Glanz in seinen blauen Äugen.
O Minneleid, o sehnende Not, Euch will ich tragen Sonder Klagen
Vom Morgen- bis zum Abendrot;
Nur nicht, wovon zu sagen: Kein Leben und kein Tod!
So klagte er. Aber sie, die eine, hörte es nicht; ein anderer war es, der ihre Hand zu fassen kam.
keine Amsel; die Blätter fallen schon."
„Ja, horch nur!" sagte sie wieder. „Ich hör's, sie singt mir den'Tod an!" Und sie streckte sich lang auf ihrem Lager und faltete die Hände unter ihrer Brust.
„Mein Kind, du weißt, sie singt auch dem Leben; aber ich höre keine Amsel."
Sie antwortete nicht; nur ihr Haupt, das mit geschlossenen Augen auf dem Kissen lag, bewegte sich wie verneinend.
Der Ritter sah auf sein Kind, und wie in schweren Zügen die kleine Brust sich hob und senkte; dann ward es stiller. Da streckte sie plötzlich wie in heftigem Gebet die Arme vor: „Nein, nein! O, noch nicht!" rief sie angstvoll; „nur noch ein Weilchen!" Dann wandte sie das Haupt, und mit weit aufgerissenen Augen blickte sie auf ihren Vater.
Er fuhr zusammen, denn er kannte diesen flimmernden Schein; die Seele schien ihn nur mühsam festzuhalten. „Sprich, mein Kindl" sagte der Ritter sanft.
„Ich sterbe, noch heute!" sprach sie hart, und ihre kleine Hand er- saßte mit festem Griff des Vaters Arm. Ich hab noch einen Erdenwunsch: Rolf Lembeck — zürne nicht!" rief sie zagend.
Aber der verhaßte Name, den sie nimmer noch gesprochen hatte, war gleich eines giftigen Wurmes Stich ihm in das Herz gedrungen. „Nenn den Verruchten nicht! Die Minne, die dich betörte, verwest mit deinem . Leib im Grabe!"
„Wer sagt das?" rief sie heftig.
„Nicht ich, mein Kind; die heiligen Bücher sagen es, die Kirche! Du weißt es ja!"
Ein Seufzer, wie ein Abschied von aller Erdenseligkeit, entrang sich ihrer Brust. Dann aber kam ein hastig Sinnen in ihre Augen, und ihre Hände strichen das wirre Haar sich von der Stirn. „Nein," rief sie laut und richtete sich jäh empor, ei.n geisterhaftes Leuchten flog aus ihren Augen, „ich weiß es, Vater: die Minne ist stärker als der Tod!"
Ein Lachen voll Verzweiflung scholl aus des Ritters Kehle: „Gott wird euch scheiden!" rief er. „Dich wird er zu der Mutter seines Sohnes weisen; ihn, den Verfluchten, zum tiefsten Grund der Höllen. Tu dein Gebet, daß Gott sein Bild aus deiner Seele reiße!"
Da antwortete sie nicht mehr; aber ihre Hände hob sie betend auf, und flehend, daß kein Menschenherz ihr hätte widerstehen können, sprach sie: „Hils du mir, lieber Herrgott! Nimm ihn mir nicht! Ich könnte sonst nicht in deinem Himmel leben!"
Die Base war inzwischen leis hereingetreten und kniete neben ihr „O, Kind, und in solcher Törnis willst du uns verlassen!" murmelten dir alten Lippen; aber die Kranke regte sich nicht mehr. Der Ritter spwL zu sich: „Es ist alles aus, mein Leben mit dem deinen!" Er legte W die Hand auf Dagmars Stirn und sagte: „Es soll geschehen, wie du e,
Bettes; die Neben ihm kniende Base sprach: „Gott hat dir ein Licht lein' geben; das leucht' dir ins ewige Leben!" Und beide sahen, wie die Flamme von dem Odem der Sterbenden immer schwächer bewegt wurde. Da plötzlich flackerte die Kerze und erlosch; ein leichter blauer Qualm zog durchs Gemach. „Dagmar, mein Kind! O süße Dagmar!' rief der Mann; aber Dagmar hatte saust ihr Haupt geneigt, und eine schöne Tote lag jetzt auf den Kissen. Die Vase sprach: „Auf Wiedersehn in Gottes Himmelreich!"
Der Schloßhauptmann, der die erloschene Kerze fortgelegt hatte, sah jetzt finster auf die Leiche seiner Tochter: „Sein Name war dein Lch tes." — Er ging zur Tür und schellte.
Eine alte Dienerin war eingetreten. „Meine. Tochter Dagmar ist nicht mehr auf Erden", sprach er und schwieg dann plötzlich; bas Knochengespenst des Todes, der ihm sein Kind genommen hatte, stand vor seinem inneren Auge, aber statt des nackten Schädels trug es beit schönen Kops des jungen Ritters Lembeck auf den Schulterknoche». Und aus der lang verschlossenen Falte seines Herzens schoß der Jähzorn ihm ins Hirn und fegte es leer von Verzweiflung und Leid, die es erdrücken wollten. Und in ihm sprach es: „Es soll geschehen; ich hat mein Wort gegeben; doch — umsonst, Rolf Lembeck, sei auch nidjt der ärmste Tropfen deines Minneglücks!" Dann wandte er sich wieder z» der Dienerin: „Versteh mich, Sine, und künd es auch den anderen: drei Tage lang, bis ich euere Zungen löse, geht über den Tod nicht Kunde aus unseren Mauern! Das Zügengöcklein soll nicht läuten: bestelle mir sogleich Ambrosius, meinen alten Diener; laß den Priester in meinem Gemache unten mich erwarten!"
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Im Hose zu Dorning sah gegen Abend des nächsten Tages der Ritter Rolf Lembeck unter der Burglinde. — Er war allein; noch « Tage seiner Rückkunft, als vorher die Pappel und sein Glück gefällt worden, hatte Frau Wulfhild eilig nach ihrem Hof in Holstein müssen: zwischen Meier und Gesinde, so hatte sie gesagt, sei Unfriede ausgebrochen und die Gegenwart der Herrin nötig worden. Aber es lag wohl Tieferes am Grunde; im Augenblick der Abreise hatte Rolf einen Ztig wie von versteinertem Entsetzen in ihrem Antlitz wahrgenommen; dir Leidenschaft zu ihrem Eheherrn schien völlig ausgelöscht. Nach ihrer M> fahrt hatte der Junker Bookwald ihm geplaudert: es heiße, Hans Pogwisch, des Ritters Vorwrit, sei nicht durch seine Wunde, er sei durch Gift vom Leben in den Tod gekommen; so werde in der GesindestM geredet; woher es komme, wisse er nicht; als aber die Schürzenmagd es an die Frau vertragen, sei die zum Tod erschrocken worden t« habe ihr zornig Schweigen auferlegt, was doch nicht habe HW wollen.
Darüber grübelte der Ritter, und feine Augen folgten achtlos, w« der Abendschatten allmählich den Brunnen und den ganzen Hos bedeckte. „Darum auch!" sprach er leise; „sie wollte keinen mit sich nicht mich, nicht Gaspard — den am wenigsten!" — Dann flogen bi. Gedanken mit chm nach dem Jnseldorfe Borgsum; was er mit seuM Vater dort am Bau geredet hatte, kam ihm zurück: er hörte wieder ss Lachen des alten Herrn bei der Geschichte von dem Orlamünder: ,,»•> duld, mein Sohn! Was dies Weib dir wert ist, wirst du erst [efjn, dich der Däne überfällt! Und — mit den Schauenburgern muß m sachte gehen!" Als aber der Tod des Pogwisch dann zur kommen, war er still geworden; einen Stein hatte er vom no gehoben und in den Bau geworfen. „Herrin auf Dorning um Gifthexe?" hatte er überlaut gerufen. „Nein, Rolf, das soll sie n l- und wenn sie des großen Carol Tochter wär'! Ich helfe dir, mein e»1 aber — Geduld! denn stumpfe Pfeile erlegen dir kein Wild! .,
Er fühlte noch, wie ihm der Atem derzeit bei diesen Worten i geworden, wie lind die Nachtluft durch sein Haar gestrichen, oa t i([ später und vergebens ihr entgegentrug. — Leis und in Qualen ihren Namen. . „h,n M
Es dunkelte mehr und mehr, und der Ritter war aufgestano n in die Burg zurückzugehen; da drang ein dröhnender Ton vom i tor herein, das schon geschlossen war; dort hingen Schamoi Hammer in Ketten an dem Pfosten; es hatte jemand ungesaM -. j(j Einlaß zu begehren. Dann knarrte das größere Tor, und o D aus der Einfahrt einer der Wächter über den Hof und me , Bote vom Schloßhauptmann zu Haderslevhuus!" (Schwv J__|


