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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
)ahrga-lgjy28 Samstag, den -^=-
feinem Thron, aus
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,Slch, dachte es da, .letzt begreife ich alles. Der liebe Gott meint, das, >ch glühend lieben müsse, um meine Brustfedern durch die Liebesalut meines Herzens rot zu färben.'
rJ?ine,r“nc!Lb^e. Seit war feit jenem Tage verflossen, der der fröh- Ute aller Erdentage gewesen ist. Seit jener Zeit hatten Tiere und Meiichendas Paradies verlassen und sich über die Erde verbreitet. Und die Menschen hatten es so weit gebracht, daß sie das Land beackern kann- ten und das Meer zu befahren wußten, sie schafften sich Kleidung Schmuckgerate, ,a, sie hatten schon vor langer Zeit gelei ' " ~ö
und mächtige Städte, wie Theben, Rom und Jerusalem, Dann nahte ein neuer Tag, dessen man in der G
s'ch selber zu beschauen. Da merkte es, daß es ganz qrau war und haft feine Brust ebenso grau wie alles andere aussah. Das Rotkehlchen drehte und wendete sich h.n und her und spiegelte sich im Wasser, aber es X modjte fern einziges rotes Federchen an sich zu entdecken.
Da flog das Vöglein zum lieben Herrgott zurück ÄÄÄ 8Ä- S,S K7 Ä? ÄÄlftÄÄ* 16,16" !Brurta5ar2rri„i,Mrf^°6mi115 Pt°rtc vor..Fn9ft ^stis in feiner kleinen 4sru|t, aber in leichten Bogen flog es naher und näher auf den lieben Herrgott zu und setzte sich schließlich auf seine Hand.
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-netzilch etwas ungeduldig wurde, ihn an beiden Ohren faßte und zu 'hm sprach: „Dein Name ist: Esel, Esel, Esel." 9
nutst "Ehrend er also redete, zog er des Esels Ohren lang und länger, auf daß er ein besseres Gehör bekäme und sich dessen erinnerte, was man >yin jagte.
4" demselben Tage fand auch die Bestrafung der Bienen statt. Denn Biene erschaffen war, begann sie sogleich Honig zu sammeln. Und Ensch und Tier, die den lieblichen Duft einatmeten, kamen herbei, um .h''äu kosten. Aber die Biene wollte alles für sich selber behalten und ver- ,“9*^ durch ihre giftigen Stiche alle, die sich der Honigwabe näherten. Das i ; der liebe Gott, und flugs rief er die Biene herbei, um ihr eine Strafe iE» - gen: „Ich verlieh dir die Gabe Honig zu sammeln, der das aller- L;„e‘ ml.^r,er Schöpfung ist, aber damit gab ich dir nicht das Recht, gegen »," e Nächsten hart zu fein. Nun denke daran, daß jede Biene, die jeinan- düßen hali'^er T°ni9 kosten will, den Stich mit dem Tode zu
Elch ja, das war damals, als die Grille blind wurde und die Ameise 9 %^luge( elnbüßte; es gefchah soviel Seltsames an jenem Tage.
' "fr Herr saß den ganzen Tag über erhaben und mild auf seinem unb, eefchuf und hauchte Odem ein, und gegen Abend verfiel er auf, noch einen kleinen grauen Bogel zu erschaffen.
'^enke daran, daß du Rotkehlchen heißen sollst!" sagte der liebe Gott SnnhrnL'“09e<! aIs er fertig geworden war. Und er setzte ihn auf seine Handfläche und ließ ihn fliegen.
Srh« eine Weile umhergeflogen war und die schöne
e vetrachtet hatte, auf der es nun leben sollte, spürte es auch Luft,
„ 2cnec Sest ließen sich viele Geschichten erzählen, und wenn man |U alle kennen wurde, so hatte man auch eine Erklärung für alles in der -t»elt, was man jetzt nicht begreifen kann.
„„Damals geschah es eines Tages, als der Herrgott im Paradiese saß unb die Bogel anmalte, daß die Farben in feinen Farbentöpfen ein Ende nahmen, fo daß der Stieglitz farblos geblieben wäre, wenn der liebe Golt ment alle feine Pinsel an seinen Federn abgewifcht hätte.
Und damals geschah es auch, daß der Esel seine langen Ohren bekam, wen er sich seinen Namen nicht merken konnte. Er vergaß ihn, sobald er einige Schritte auf den paradiesischen Fluren gemacht hatte, und drei- mai kam er zurück und fragte nach seinem Namen, fo daß der liebe Gott
gn UUU vas ivteer 3u vefayren wußten, sie schafften sich Kleidung und Schmuckgerate, in, sie hatten schon vor langer Zeit gelernt, große Tempel und mächtige Städte, wie Theben, Rom und Jerusalem, 3u erbauen.
Sann nahte ein neuer Tag, dessen man in der Geschichte der Welt "OH lange gedenken sollte. Und am Morgen jenes Tages faß nun ein Rotkehlchen auf einem Meinen, nackten Hügel vor den Mauern Jerusalems und sang seinen Jungen vor, die inmitten eines niedrigen Tomen» busches in ihrem kleinen Nest ruhten.
Stege! Rotkehlchen erzählte feinen Kleinen von dem wunderbaren Schopfungstage und von der Namengebung, wie es bisher jedes Rotkehlchen seinen Jungen er3ählte, von dem allerersten her, das Gottes Ruf vernommen hatte und aus des Schöpfers Hand hervorgegangen war.
„Und nun seht," schloß es traurig seinen Bericht, „so viele Jahre sind feit dem Schopfungstage dahin, so viele Rosen sind verblüht, so viele lunge Bügel sind aus dem Ei gekrochen, daß niemand sie zu zählen vermag, ledoch das Rotkehlchen ist noch immer ein kleiner, grauer Bogel Noch ist es ihm nicht geglückt, der roten Brustfedern teilhaftig zu werden."
Die kleinen jungen Bögelchen sperrten die Schnäbelchen weit auf und fragten, ob ihre Vorfahren sich denn gar nicht bemüht hätten, irgendeine Heldentat zu vollbringen, um die unschätzbare rote Farbe zu erringen
„Wir alle taten, was wir konnten," sang das Vöglein, , aber es ist keinem von uns geglückt. Schon das erste Rotkehlchen begegnete ein-- mal einem anderen Bogel, der sein ganzes Ebenbild war, und sogleich begann es ihn nut solcher Heftigkeit zu lieben, daß es feine Brust er-
Oftern.
Von Elfriede Skaiberg.
Das Ohr des Malchus wurde bald geheilt — für Petrus' Ohren gab es keine Salbe, Er wartete in Angst und um die halbe verzagte Nacht ward er vom Ruf ereilt.
O, wie er fchrie, der Hahn! Man konnte hören, wie ihm der Herzschlag in die Kehle sprang, bis in das Mark zu warnen und beschwören — Nie hat ein Hahn gekräht so gellend-bang!
Am Morgen, als der Herr zum Hügel stieg, und ihm die Knechte in das Antlitz spieen, da beteten am Kreuz die drei Marien . Johannes weinte. Aber Petrus schwieg — (Er wußte nichts, als wie die Hähne schrieen!
Als der Stein sich rührte, taumelten die Wächter und erblindeten vor der Gewalt des Lichts. Denn sie waren Krieger und des Worts Verächter Und so ahnten sie von seinen Wundern nichts. Doch die stillen Frauen, die mit Salben tarnen, sahen hin und standen eine Weile stumm, Ehe sie des Engels guten Spruch vernahmen, und bann wußten sie und kehrten eilends um. Trugen ihre Botschaft in der Jünger Runde, traten zur Gemeinde mit dem Trost des Herrn. Aber wir vergaßen längst den Sinn der Kunde, und das Wort verblaßte wie im Wind ein Stern. Blüht uns Auferstehung neu aus der Verwesung, wird der Stein sich rühren, wenn der Tag erscheint? schlägt er uns mit Blendung, bringt er die Genesung — Serben wir erraten, was ber Engel meint?
Das Rotkehlchen.
Sine Legende von Selma L a g e r l ö f.
x,.„^ 'var zur Zeit, als Gott der Herr die Welt erschuf, und nicht nur Mmel und (Erbe, sondern auch alle Tiere und Pflanzen, denen er zu- uieim inrp > htmoH nnh " Lf
,-?ch möchte dich nur noch etwas fragen."
„Was willst du also wissen?"
-o!( 41 denn Rotkehlchen heißen, wenn ich doch vom ?K""bel bis zur «chwanzfpitze ganz grau bin? Warum werde ich Rotkehlchen genannt, wenn ich doch kein einziges rotes Federchen besitze?" ... B"b b"s Bögelein blickte mit feinen großen, schwarzen Augen flehend 3“ G°tt dein Herrn empor und wandte das Köpfchen hin und her. Rund- " „"b 'ckte es Fasanen, deren rotes Gefieder leicht mit Goldstaub ge- fprenfelt war, Papageien mit buschigen, roten Halskragen, Hähne mit mnfiirrmamhni*Z *Lnb '«>•" t P b*e Schmetterlinge, Goldfische unb Rosen. Natürlich dachte das Bogelein bei diesem Anblick, wie wenig dazu ge- ^te — ..unb wenn es nur ein einziger, kleiner Tropfen Farbe auf feiner ä, *Tü™, " ei""" $0«'1 -» “*”■ f“ d-i lein
nmrfVin^n 461 »er , unb' '1 merke, baß ich vergessen habe, die Febern m l *4 a^ma.len, aber warte nur einen Augenblick, bann
wirb die «ache halb erlebigt sein.
, , Doch ber liebe Gott lächelte nur mild unb sprach: „Ich habe dich Rotkehlchen genannt, unb Rotkehlchen sollst du heißen, boch mußt du selber du dir deine roten Brustfedern verdienen magst." Und dann hinnLn H. bl’r ^erc bie Dteud und ließ den Vogel aufs neue in die Welt i;inau5[ianern.
Der Vogel flog in tiefem Sinnen durch das Paradies. Was sollte ein bienen? S°9ef' roie er' eigentlich tun, um sich rote Federn zu oer- ® <®a? ^M3>ge, woran er noch zu denken vermochte, war die Wahl feiner Behausung m einem Dornenbusch. Zwischen den Stacheln des dichten Dornenrofengestrupps baute er »ein Nest. Er schien zu hoffen, baß ein Rosenblatt sich an seine kleine Kehle heften würde, um ihr seine Farbe zu verleihen.


