i) Ein Liebhaber, der die Diebe fürchtet, ist der Liebe nicht würdig.
- Druck unL läg?BrühUfch^ÄniverfitÄ^-Buch- und S.-indr»^-^ Lange. Giehen.
Derantwsrtlich: Or. Hans Thyriot.
Das Fräulein hielt das Schnupftuch vor die Augen und weinte und schluchzte heftig, so daß die Martiniöre und Baptiste ganz verwirrt und beklommen nicht wußten, wie ihrer guten Herrschaft bnftehen in ihrem
Suur einer Türe eines Fensters, einer Oeffimng. Es ist eine starke alles in genauen Augenschein genommen. Der Teufel selbst ist eo, der Ess SÄ3W WsS °« Teufel selbst die Verruchten schütze, die ihm ihre Seelen verkauft. Man • nn r:^ hpnfen baf1 JDcsurciis’ (9efd)i$tc tncindjcrlci tollen Sc^tnucf erhielt Die Erzählung davon mit einem Holzschnitt darüber, eine grast" llche Teufelsgestalt vorstellend, die vor dem erschrockenen Desgrais in die Erde versinkt, wurde gedruckt und an allen Ecken verkauft. Genug, das Volk einzuschüchtern, und selbst den Häschern allen Mut zu nehmen, d nun zur Nachtzeit mit Zittern und Zagen die Straßen durchirrten, mit Amuletten behängt, und eingeweicht in Weihwasser.
Argenson sah die Bemühungen der Chambre Ardente schettern, und aina den König an, für das neue Verbrechen einen Gerichtshof zu ernennen der mit noch ausgedehnterer Macht, den Tatern nachspure und sie strafe. Der König, überzeugt, schon der Chambre Ardente zuviel Gewalt gegeben zu haben, erschüttert von dem Greuel imzabliger Hinrich- tungen die der blutgierige la Regnie veranlagte, rotes den Vor.chlag *nÄ’"äw" W d-n S»m« füt d>- S-ch- 3« »«.
Alle die Greuel der Zett schilderte nun die MartiruSre imt de» leb Haftesten Farben, als sie am anderen Morgen ihrem Fräulein erzählte, was sich in voriger Nacht zugetragen, und übergab ihr zitternd und zagend das geheimnisvolle Kästchen. Sowohl sie als Baptiste, der ^anz verblaßt in der Ecke stand, und vor Angst und Beklommenheit die Nachtmütze m den Händen knetend, kaum sprechen konnte, baten das Fraulem aus das wehmütigste um aller Heiligen willen, doch nur mit möglichster Behutsamkeit das Kästchen zu öffnen. Die Scuderi, das verschlossene Geheim-
leSn den Zimemrn der Maintenon, wo sich der König nachmittags aufzuhalten und wohl auch mit seinen Ministern bis in die spate Nachthm- ein m arbeiten pflegte, wurde ihm ein Gedicht überreicht im Namen der gefährdeten Liebhaber, welche klagten, daß, gebiete ihnen die Galanterre, der Geliebten ein reiches Geschenk zu bringen, sie allemal ihr Leben daran setzen mußten. Ehre und Lust sei es, im ritterlichen Kamps sein ; Blut für die Geliebte zu verspritzen; anders verhalte es sich aber mu hem heimtückischen Anfall des Mörders, wider den man sich nicht ; wövvnen könne Ludwig, der leuchtende Polarstern aller Liebe und Ga- . Jnnterie, der möge hellausstrahlend die smstre Nacht zerstreuen, und so das schwarze Geheimnis, das darin verborgen, enthüllen. Der göttliche Held der seine Feinde niedergeschmettert, werde mm auch fern st^reich funkelndes Schwert zucken, und wie Herkules die «chlange, wie Theseus den Minotaur, das bedrohliche Ungebeuerbetampen,^^
wegzehre, und alle Freude vcrdustre rn. tiefes Le d, trostlose grauer.
So ernst die Sache auch war, so fehlte es diesem Gedicht doch nicht, vorzüglich in der Schilderung, rote die Liebhaber auf dem hemilichen Schleichwege zur Geliebten sich ängstigen mußten, wie die Angst schon alle Liebeslust, jedes schöne Abenteuer der Galanterie nn Aufkeimen tote an geistwitzigen Wendungen. Kam nun noch hinzu, daß beim Schluß alles in einen hochtrabenden Panegyrikus auf Ludwig XrV.QU5gmg, konnte e« nicht fehlen daß der Kömg das Gedicht mit sichtlichem Wohlgefallen dürcklas Damit zustande gekommen, drehte er sich, die Augen Nicht weg- kvendend von dem Papie?. rasch um zur Maintenon, las das Gedicht noch einmal mit lauter Stimme ab und fragte bann anmutig lachelnch was sie von den Wünschen der gefährdeten Liebhaber halte^ Die Maintenon ihrem ersten Sinne treu und immer in der Farbe einer ge wissen Frömmigkeit, erwiderte, daß geheime verbotene Wege eben keine- besonderen Schützes würdig, die entsetzlichen Verbrecher aber wohl befolg berer Maßregeln zu ihrer Vertilgung wert wären. Der König, mit dieser schwankenden Antwort unzufrieden, schlug das Papier zusammen, und wollte zurück zu dem Staatssekretär, der in dem anderen Zimmer arbei- tete als ihm bei einem Blick, den er seitwärts warf, die Scuderi ins Auge fiel,' die zugegen war, und eben unfern der Maintenon auf einem kleinen Lehnsessel Platz genommen hatte. Auf diese schritt er mm los; das am mutige Lächeln, das erst um Mund und Wangen spielte, und das verschwunden, gewann wieder Oberhand, und dicht vor dem ^rauletti stehend und das Gedicht wieder auseinander faltend, sprach er fanft Sie 3«ar nulle mag nun einmal von den Galanterien unserer verliebten Herren nichts wissen, und weicht mir aus auf den Wegen, die nichts roemgei als verboten sind. Aber Ihr, mein Fräulein, was haltet Ihr von dieser dich- teriieben Supplik? — Die Scuderi stand ehrerbietig auf von ihrem Lehm iP,"ie[' c-m flüchtiges Rot überflog wie Abendpurpur die blassen Wangen der alten Urbigen Dame, sie sprach sich leise verneigend m.t n.ederge-
$l°2)ie Martiniöre hatte den verhängnisvollen Zettel van der Erde aufgehoben. Auf demselben stand:
Un amant, qui craint les voleurs. n'est point digne d’amour.
Euer scharfsinniger Geist, hochgeehne Dame, hat uns, die wir an der Sckwäcke und Feigheit das Recht des Stärkeren üben und uns schätze zueignen die auf unwürdige Weise vergeudet werden sollten, von großer Verfolgung errettet Als einen Beweis unserer Dankbarkeit nehmet gütig diesen Schmuck an. Es ist das kostbarste, was wir seit langer Zeit haben auftreiben können, wiewohl Euch, wiirdige Dmne. mel schou-res sch neibe zieren sollte, als dieses nun eben ist. Wir bitten, bap Ahr uns Cure Freundschaft und Euer huldvolles Andenke« ^moget.
Ist es möglich, rief die Scuderi, als sie sich einigermaßen erholt hatte, ist es möglich, baß man die schamlose Frechheit den verruchten Hohn-so- weit treiben kann? — Die Sonne schien hell durch die Fenstergardinen von hochrcher Seide, und so kam es baß die Brillanten die an dem Tische neben dem offenen Kästchen lagen, in rötlichem Schimmer auf btihkn Hinblickend verhüllte die Scuderi voll Entsetzen das Gesicht,mnd befahl der Martiniöre, das fürchterliche Geschmeide, an bem bas V.ut der Ermordeten klebe, augenblicklich fortzuschassen Me Marb^ dem sie Halsschmuck und Armbänder sogleich in das Kästchen ve.schlossen, Ä Ä es wohl am geratensten sein würde, di« Juwelen dem Poliz«. Minister zu übergeben, und ihm zu vertrauen, rote sich alles mit der beängstigenden Erscheinung des jungen Menschen und. der Einhändigung 666Bie’^cuben 6ftanb auf und schritt schweigend langsam fm Zimm^e „,.r ,.nx nieder als sinne sie erst nach, was nun zu tim sei. Dann befahl sie dem Baptiste, einen Tragsessel zu holen, der Martiniere aber, sie anzukleiden, weil sie auf der Stelle hin wolle zur Marquise ma6knüe6 sich hintragen zur Marquise gerade zu der Stunbe, roarm diese wie di! tzcuderi wohl wußte, sich allein in ihren Gemächern de- sand'. Das Kästchen mit den Juwelen nahm sie mit sich. _
«unhf muhte die Marquise sich hochverwundern, als sie das 'S ran» lein sonst die Würde, ja trotz ihrer hohen Jahre, die Liebenswurdigkech die Anmut selbst eintreten sich, blaß, entstellt, mit wankenden Schritten. Was nm aller'Heiligen willen ist Euch widerfahren? nes sie der aEN, beängfteten Dame entgegen, die, ganz außer sich selbst, kaum imstande, sich ausrecht zu erhalten, mir schnell den Lehnsessel zu erreichen suchte, den ihr die Marquise hinschob. Endlich des Wortes wieder mächtig, erzählte^ das Fräulein, weiche tiefe, nicht zu verschmerzende Kränkung ib iener unbedachtsame Scherz, mit dem sie die Supplik der gefährdeten Liebhaber beantwortet, zugezogen habe. Die Marquise, nachdem s e von Moment zu Moment erfahren, urteilte, daß die Scuderi sich Da« sonderbare Ereignis viel zu sehr zu Herzen nehmedaß der Hohn vtt ruchten Gesindes nie ein frommes, edles Gemüt treffen könne, und
\ langte zuletzt den Schmuck zu sehen.
^Fortsetzung folgt.)____
nts in der Hand wiegend und prüfend, sprach lächelnd: Ihr seht beide Ge. penster! Daß ich nicht reich bin, daß bei mir keine Schätze, eines Mordes wert, zu holen sind, bas wissen die verruchten Meuchelmörder da draußen, die, wie ihr selbst sagt, das Innerste der Häuser erspähen, wohl ebensogut als ich und ihr. Auf mein Leben soll es abgesehen jein? Wem kann was an dem Tode liegen einer Person von dreiundsiebzig Jahren, die niemals andere verfolgte als die Bösewichter und Friedensstörer in den Romanen, die sie selbst schuf, die mittelmäßige Verse macht, die niemandes Neid erregen können, die nichts hinterlassen wird, als den Staat des alte« Fräuleins, das bisweilen an den Hof ging, und ein paar Dutzend gut em. gebundener Bücher mit vergoldetem Schnitt! Und du, Martiniere! -Ott magst nun die Erscheinung des fremden Menschen so schreckhaft beschreibett wie du willst, doch kann ich nicht glauben, baß er Böses im Sinne ge- tragen.
Also! — ...
Die Martimöre prallte drei Schritte zurück, Baptiste sank mit einem dumpfen Ach! halb in die Knie, als das Fräulein nun an einen hervor- ragenden stählernen Knopf drückte, und der Deckel des Kästchens mit Ge
räusch aufsprang. ,
Wie erstaunte das Fräulein, als ihr aus dem Kästchen em Paar gol- bene, reich mit Juwelen besetzte Armbänder und eben em solcher Hals- schmuck entgegen funkelten. Sie nahm das Geschmeide heraus, und indem sie die wundervolle Arbeit des Halsschmucks lobte, beaugelte bie Star» tiniäre die reichen Armbänder und rief einmal über das andere, daß ja selbst die eitle Moniespan nicht solchen Schmuck besitze. Ader was solli das, was hat das zu bedeuten? sprach die Scuderi. In dem Augenblick gewahrte sie auf dem Boden des Kästchens einen kleinen zusammengefal- teten Zettel. Mit Recht hoffte sie den Aufschluß des Geheimnisses barm zu finden. Der Zettel, kaum hatte sie, was er enthielt, gelesen, entst« - ihren zitternden Händen. Sie warf einen sprechenden Blick zum Himmel, und sank bann wie halb ohnmächtig in bett Lehnsessel zuruck. Erschrocken sprang die Martiniöre, sprang Baptiste ihr bei. Oh, rief sie mm mit von Tränen halb erstickter Stimme, o der Kränkung, o der tiefen Beschamungt Muß mir das noch geschehen im hohen Alter! Hab ich denn nn törichten ' Leichtsinn gefrevelt, wie ein junges, unbesonnenes Sing? — 0 Gott, sind - Worte, halb im Scherz hingeworfen, solcher gräßlichen Deutung fähig. \ — Dars denn mich, die ich der Tugend getreu, und der Frömmigkeit tadellos blieb von Kindheit an. darf denn mich das Verbrechen des teuf«
> lischen Bündnisses zeihen?
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schlaaenen Augen: .
Un amant, qui craint les voleurs.
n’est point digne d’amour1).
Der König, ganz erstaunt über den ritterlichen Geist biefer roenigen Worte die das ganze Gedicht mit seinen ellenlangen Tiraden S" Boden schlugen, rief mit blitzenden Augen: Beim heiligen Dionys, Jhr habt re$t Aaulein! Keine blinde Maßregel, diesen Ut'schulbigentrisftmttdem Schuldigen, soll die Feigheit schützen; mögen Argenson und la Regn., das Ihrige tun!


