Bedürftigen gehört. Ich habe mich schon beim Annähern gefragt, wer wohl der Besitzer dieses wundervollen Landgutes sein könnte."
„Gewiß wir leiden keine Not und leben im Wohlstand. Ich bin Abdullah, der Sohn des Olivenhändlers Almansor, und dieses ist unser Sommerhaus. Den Winter verbringen wir in der Stadt Kairovan, wo das Haus meiner Ahnen steht. Meine Mutter und meine beiden Brüder sind noch in der Stadt, ich selbst habe hier einstweilen nach den Dienern gesehen und alles zur Uebersiedluna vorbereitet. Mein Vater aber ist vorgestern mit seinem Schiff nach Messina gefahren, wo sich im Augenblick die Königin Margareta mit dem Kanzler Stefanus aushält, und hat eine Ladung von Feigen, Datteln und Rosinen mitgenommen, deren Lieferung er im letzten Jahre versprach. Wen aber darf ich als Gast oei mir sehen?"
„Ich bin Jussuf, der Sohn eines Großen aus Tunis, und lebe im Augenblick mit meinem Lehrer in einem Palaste meines Vaters in der nächsten Stadt, um fern von dem Treiben des Hofes meine Ausbildung zu vollenden."
„So gehört Ihr auch zu denen, welche die Wissenschaft und die Künste lieben?"
„lieber alles, Abdullah, und ich sehe aus Eurer Frage, daß Ihr meine Siebe teilt."
„Wie ich die Fügung preise, die Euch hierhergesllhrt hat! Und wie id) mich freue, mit Euch bei Tische zu plaudern!"
Er klatschte dreimal in die Hände und befahl dem Sklaven, der auf der Schwelle erschien, das Mahl zu bereiten, ein Bad für den Fremden zu richten und dem Pferde Futter zu geben. Er selbst aber geleitete Jussuf in den großen mit Marmorfliesen belegten Empfangsraum und hieß ihn auf dem goldgewirkten Divan niederfitzen, bis der Sklave ihn in das Bad rufen würde. Dann entfernte er sich, um ein schönes Gewand anzulegen. Als Jussuf aus dem Wasser flieg, getrocknet und gesalbt war, und die vom Staub gereinigten Kleider mit dem blankgeputzten Wehrgehänge umtat, fühlte er sich frisch und heiter wie lange nicht zuvor und ging seinem Gastgeber leichten Schrittes entgegen. Abdullah hatte ein gelbes Seidengewand angelegt, dessen Saum mit Silberstreifen benäht war.
„Bei Allah, wie seid Ihr schön! rief Jusfuf. Ich sehe es nun erst! Keiner meiner Freunde kann sich mit Euch an Schönheit messen"
Abdullah errötete und hob die Hände abwehrend gegen den Prinzen.
„Sagt mir so etwas nicht! Ich kann es nicht glauben!"
Aber er war dennoch froh über das Lob. Denn er hatte eine Zuneigung zu dem Fremden gefaßt.
Sie aßen und tranken und merkten kaum, wie die Stunden rannen und der Mond langsam in die Wipfel der Palmen trat. Abdullah hatte erzählt, daß sein Vater ihn nach der Hochschule von Kahira senden wolle und daß er selbst gedenke, später dort Gelehrter zu werden und Schüler um sich zu sammeln. Jussuf hörte aufmerksam zu, aber er wurde traurig bei all den Plänen, die der Sohn des Olivenhändlers vor ihm aus- breitete. Denn er gedachte seines eignen Lebens und fühlte von neuem, wie hart dieses Leben war und wieviel besser es der Sohn des Kaufmanns hatte als er, der zukünftige Thronerbe, dessen Tage in Einsamkeit und Selbstverleugnung Hinflossen. Und da er gleichfalls eine Zuneigung zu dem freundlichen und offenherzigen Gastgeber verspürte, begann er, jein Leid zu klagen, ohne jedoch im geringsten zu enthüllen, wer fein Vater in Wirklichkeit war, und suchte Trost bei Abdullah. Aber diesen selbst hatten die Worte des Prinzen so traurig gemacht, daß er keine rechte Antwort wußte, sondern nur vor sich hinstarrte und rat-, los blieb.
„Ich habe Euch in Verwirrung gesetzt", sagte Jussuf. „Ich sehe an Euren Mienen, daß Ihr keine rechte Antwort wißt. Aber Ihr seid mir doppelt teuer in dieser Befangenheit, die mir zeigt, daß Ihr Mitgefühl habt und viel zu ehrlich empfindet, um nur versuchen zu wollen, mich mit irgendeinem leicht hingeworfenen Wort zu trösten. Glaubt mir: Ihr seid der erste Mensch, außer meiner Mutter, zu dem ich Zutrauen fasse. Denn ich fühle, wenn ich Euch nur anschaue, daß Ihr einfach und edel seid, ohne Lüge und ohne den Ehrgeiz, der das Blut krank macht. Ich habe bis auf den heutigen Tag keinen Freund gehabt, aber mir scheint — sofern Ihr fühlt wie ich — wir beide sind dazu bestimmt, in schöner Freundschaft zu (eben und Allah für den Zufall zu danken, der uns zu- sammengeführt hat. Damit ich aber gleich makellos vor Euch stehe wie Ihr vor mir, so muß ich Euch die volle Wahrheit darüber sagen, wer ich bin: selbst auf die Gefahr hin, daß Ihr bann meine Freundschaft aus- schlagen könntet: Ich bin Jussuf, der Sohn des Beys von Tunis.
Da verfärbte sich Abdullah und wurde bleich wie das Wachs der Honigwaben, von denen sie gegessen hatten. Als Jussuf dies sah, sprang er auf und lief zu dem Bestürzten hinüber, indem er ausrief:
„Bei Allah, nein! Ihr dürft nicht erschrecken, noch viel weniger dürft Ihr Euch von mir abwenden! Eure Klugheit muß Euch sagen, daß ich als Prinz und späterer Herrscher noch hundertmal mehr eines Freundes bedarf, als wenn ich von einfachem Stande wäre. Seht, Abdullah: Ihr seid freundlich zu mir gewesen, ehe Ihr wußtet, wer ich war: was also kann mich mehr an Euch fesseln als eben die Gewißheit, daß Eure Güte nicht dem Prinzen galt, sondern dem Fremdling, in dem Ihr den Verwandten Eures Geistes und Eurer Seele spürtet? Abdullah: Ihr müßt mir Eure Zuneigung erhalten! Ihr müßt mir erlauben, [o oft ich es vermag, zu Euch hierherzukommen und alles mit Euch zu bereden, was mein Herz erfüllt und schwer macht. Solange ich Euch noch nicht kannte, wußte ich es nicht besser, als allein mit mir zu tragen, was mut) jo tief und oft so schmerzlich bewegt. Nun aber weiß ich einen .Jlenfdjen, den meine Seele lieb hat — und ich will nicht zurück in eine n orct « , m*r unerträglich dünkt." Mit diesen Worten trat er dicht vor Abdullah und sah fragend in die etwas gesenkten Augen, die sich langsam zu einem Lächeln erhellten. Da ward er froh und ging mit großen Schritten in dem Zimmer auf und nieder. Abdullah aber saß an n -£t'uumenber und hörte, als kämen sie aus großer Ferne, die Worte des Prinzen.
„Nur eines müßt Ihr mir versprechen: niemandem zu sagen, wer ich bin. Meine Begleiter dürfen nicht erfahren, zu wem ich gehe, denn es ist keiner unter ihnen, der würdig wäre, an dieser Freundschaft teilzuhaben. Ich werde zu früherer Stunde kommen als heute, dreimal in der Woche, und vor Mitternacht zurück fein. So bleibt uns Zeit genug, unsere Freundschaft zu pflegen und auszudenken, wie wir in unserem späteren Leben einander nützen und helfen. Zum Zeichen aber, daß ich die Wahrheit rede, und Euch meine Treue verpfände, tragt diesen Talisman, den meine Mutter mir gab, und gebt mir den Euren dagegen." Da gab ihm Abdullah die kleine goldene Münze, die er an einer dünnen Kette auf der Brust verborgen trug, und nahm dagegen die Scheibe aus blauem Email, auf der in kleinen Diamanten die Heilige Zahl ausgelegt war.
Und sie umarmten sich und gelobten sich Treue im Namen Allahs, des Gütigen. Ms sie aber in den Hof hinaustraten, sahen sie, wie klein schon die Schatten der Säulenschäfte im blauen Mondlicht geworden waren und erkannten, daß es fast Mitternacht fein mußte. Der Prinz verlangte nach feinem Pferde, doch Abdullah trat vor ihn und fragte voll Angst: „Wie? Zu dieser Stunde wollt Ihr noch in die Stadt zurückreiten?"
„Warum nicht?" lächelte Jussuf.
„Nie werde ich es erlauben! rief der andere. Wenn ein Räuber Euch anfiele oder Ihr begegnetet einem wilden Tier ..
„So wüßte ich schon, was mir zu tun übrig bliebe ..."
„Und ich? Müßte ich nicht in Sorge um Euch fein und mir Vorwürfe machen? Ich bitte Euch, bleibt die Nacht in meinem Haus und reitet mit der frühen Sonne in die Stadt!"
„Glaubt mir, Abdullah, daß mir nichts lieber wäre — aber es kann nicht fein ... Man würde Boten nach mir aussenden, mich zu suchen, man würde mein Geheimnis entdecken und alles meinem Vater melden. Ich muß noch diese Nacht zurück. .."
„So werde ich mit Euch reiten. Nichts in der Welt kann mich davon abhalten, Euch in dieser Nacht zu begleiten."
„Und wie wollt Ihr selbst allein zurückkehren?"
„Ich werde zwei Knechte hinter uns heriraben lassen, die mich noch vor Tagesanbruch in mein Gehöft zurückbringen."
„Ich nehme Euren Vorschlag an und nenne es einen guten Anfang, daß Ihr mir Eure Siebe fo beweist", erwiderte der Prinz und trat zu feinem Pferde, das aufwieherte, als es feinen Herrn erkannte.
Eine Viertelstunde später ritten sie in die kalte, sternhelle Nach! der Wüste, dicht nebeneinander, auf ihren schwarzen Pferden. Sie fühlten den fiibergrauen Boden unter den Schlägen der Hufe entfliehen und sahen bald zwischen Palmen und Oliven die grünlich schimmernden Kuppeln der Stadt. Als sie so nahe an den Mauern waren, daß keine Gefahr mehr für den Prinzen bestand, jagten sie einander Lebewohl und wendeten die Pferde, ein jeder das feine feinem Ziele zu.
(Fortjetzung folgt.)
Berühmte Kinderbildnisse und ihre Modelle.
Von Dr. Hedwig Fifchmann.
Süß zwitschernde Kinderstimmen, perlendes Kinderlachen — fo klingt und jubelt es, auf den wefensoerwandten Fluten jchimmernden Lichtes und glutenber Farben hinübergetragen durch die Jahrhunderte, aus jenen Kinderbildnissen, die in den beglücktesten Stunden des Schassens dem Pinsel der größten Meister aller Zeiten entquollen. Aber seltsam verhängnisvolles Geschehen: dem Wissenden senkt sich plötzlich über all dies strahlende Leuchten eine düster drohende Wolke, Künderin einer schicksalsschweren Zukunft, die längst erfüllte Vergangenheit geworden. Und Lebenswege erschließen sich vor unseren Blicken, jäh hinabgleitend aus der jauchzenden Helle in das Dunkel des Leides, Frühlingsträume ersterben im unbarmherzigen Anhauch der Wirklichkeit.
Lils eine dem Licht freudig sich erschließende Menschenknospe, die in all ihrer frischen Natürlichkeit und Kindlichkeit schon die künftige Same der großen Welt verrät, schaut die kleine Clariee Strozzi aus Tizians unvergänglichem Meisterwerk im Berliner Museum selbstsicher in ein Leben, das ihr die reichsten Gaben zu verheißen scheint. Und doch lastete auf diesen kindlichen Schultern der Fluch der Verbannung, der sie und die Ihren, kaum daß jenes Wunderbildnis geschaffen, wieder forttreiben sollte aus dem ungastlichen Venedig. Was Florenz an vornehmstem Blut fein eigen nannte, das Erbe der Strozzi und der Medici, mischte sich in ihren Adern; aber es zog auch dies zur Freude bestimmte Geschöpf in den dunklen Kreis feines Verhängnisses. Ihr Großvater Filippo Strozzi hatte, in die Verschwörung gegen den Herzog Cosimo verstrickt, Florenz verlassen müssen und schließlich im Gefängnis selbst Hand an sich gelegt. Sein Sohn Roberto, dessen Erstgeborene die kleine Clarice war, genoß das Asylrecht der Dogenstadt, bis es auf einmal dem Rat der Zehn gefiel, ihn und seine Familie zum Verlassen des Stadtgebietes binnen zehn Tagen zu nötigen. Und wieder geht es in die Fremde, nach Ferrara, nach Rom, das Clarice zur zweiten Heimat wurde. In dem Palazzo Strozzi, unweit der Engelsburg, diesem Sammelpunkt der erlesensten Geister der Zeit, in dem auch der kranke Michelangelo eine fürstlich gelohnte Zufluchtsstätte gefunden — die beiden Sklaven vom Juliusgrab waren die Gabe feines Dankes — wuchs Clarice auf, bis die Siebzehnjährige dem Christophano Savello als Gattin in den düstersten und trotzigsten Palast der Stadt folgte. Frühzeitig, kaum mehr als ckOjährig, sank sie ins Grab. Ein von rührender Liebe und Dankbarkeit zeugendes Testament ist das einzige persönliche Dokument, das uns von ihr überkommen. Ihr Bildnis aber, in ewiger Jugend leuchtend, ist nach Jahrhunderten heimgekehrt in den Palast ihrer Väter zu ö10’ renz, der sich feiner Tochter verschlossen; bis auch dieses, ruhelos w'e einst feine Herrin, verpflanzt ward unter einen nordischen Himmel.
Verbannung, Flüchtlingslos — das war auch das Getchick, das aut den Kindern Karls I. von England lastete, die, umwittert vom ahnungs
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