Ausgabe 
4.2.1928
 
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In ein Album.

Bon David Friedrich Strauß.

Freundschaft reift in langen Jahren;

In Gefahren

Gibt sie ihre sichern Proben.

Aber loben

Soll man die auch, die in Smnden

Rasch empfunden,

In beglückten Umgangstagen

Angetragen,

Während schöner Sommerwochen

Ausgesprochen,

Sich als gut fürs ganze Leben

Kund gegeben.

wabre Sympathie schenken, aber was könnte mir Deinen genialen Geist, Deine feurige Seels ersetzen? ... Und daher bleibt mein Gefühl für Dich ein ganz apartes, unauslöschbares ... Ueberhaupt, 5)ennana jedes uebe- volle Wort, jede kleine und große Freude,, und wie zahllos sind sie, die Du mir erwiesen, ist in dem dankbarsten Herzen angeschrieben. 3a, mem geliebter Freund, ich habe jenes Gedächtnis des Herzens, das me ver.

Antwort vom 12. März ist ganz französisch ^dmeben Der darin erwähnte Liebhaber ist natürlich der neue Anbeter der Gräfin. Am deutsch lautet sie etuxt: 5Jt, bm 12. März 1846.

Ich vergaß, Dir zu sagen, liebe Rose, daß Du sehr recht hast, nicht an Deinen Liebhaber zu schreiben. Schreibe nie Een Verehrer, fokanns Du nie blotzgestellt werden; denn was die Leute sagen, ist md)ts, u w der Wind verweht es, aber littera scripta manent fGeschriebene^ die unh überführt) Meine Lieblings ... gleich Dir, meine Busenfreundin, wa> ehr Galant und Halle das Teinperameni eines Negerweibes. Trotzdem ist ihr Ruf stets makellos geblieben, weil sie grundsätzlich nie an lhri Lieblwber schrieb ... Gewöhnlich hatte sie drei zugleich, einen fur das Kefüh- demgegenüber sie die Tugendhafte spielte, einen aus Eitelkeit, um die Macht ihrer Reize zu bekunden, und einen obskuren, der stets bei der Hand war zum Sinnengenuß. Außerdem hatte sie l^chtige Lieb­schaften ... Das war freilich etwas zuviel, und so ist sie denn tn Der B(üte der Jahre gestorben. Aber wie hat sie auch das Lebe g -

o-reunbin kannst mein Dasein nicht in diesem Maße ergänzen, k - StAS w s?ä*ssm ä

gfeSS-S iii 5» :

1U Schon^lln nächsten Brief bittet er sie, nicht ungeduldig 8^ jein; bies fieber, tröstet er sie, könne durch die Verhältnisse doa) keine ewige 2i.ua ^°^1le'berhaup^ist^ das Glück vielleicht nur eine Schimäre. Man kann es i im Traume sehen, aber cs erreichen? Ich zweifle! Wer weiß, ob her | schmerzliche Schatten eines halben Besitzes nicht schon dem ^erloschen 31C'au!h?in dem Durcheinander der etwa hundert Liebesbriefe Rosalies von denen nur ein Bruchteil datiert ist, läßt sich das Ende dieser großen Leidenschaft zieinlich deutlich erkennen. Eine erste tiefe Emfremdung ent­steht wegen einer Geldsumme, die Pückler der Gelieoten gegeben Hatt., um die unentbehrlichen Mittelspersonen und Mitwisser t^e eigenen *Dipnfthnten __ bei Laune zu halten und ihnen den Mund zu schließen.

Rosalie wirft ihm bei diesem Anlaß unritterliches, herzloses Gebaren vor und will völlig mit ihm brechen. Freilich tut sie es nicht, denn diese Geld­geschichte spielt auch später noch eine Rolle, als ihr Diener Karl heiraten will, und so rostet die alte Liebe auch diesmal nicht.

Schließlich aber verwandelte sic sich doch in eine freunbtoaft bereit Anlaß recht eigenartig war. Rosalie hatte sich selbst aus Verdruß über Piicklers erkaltende Neigung in einen anbern uerliebt unb ihm dies seinem eigenen Vorbild folgend.,trcu^er3lfi Piicklers Antwort darauf der einzige Brief von ihm, der zwischen vei. ihren enthalten ist, vielleicht ein Entwurf -stv°n bemerke^ltslne rem Znnismus. Doch lassen wir zum Schluß beiden selbst dm Wort zu elnei, ihrer letzten Liebesdialoge. Er ist für ihr Wesen unb die Art 'hres Be ­hältnisses, kennzeichnend. Die beiden ersten Briefe sind abwechselnd mutfa, unb französische geschrieben. ^itag, ben 26. Februar 1846.

Mein guter geliebter Freund! Wenn Du wüßtest wieviel Borwurfe ick mir mache, Dir io lange nicht geschrieben zu haben! Aoer mein Schwei­nen hat einen Grund, welcher Dir gewiß mißfallen wird und mir selbst recht weh tut! Ich bin viel zu wahr, um Dir auch nur EN Gedanken zu verhehlen. Was wirst Du mir sagen, wenn ich Dir gestehe, daß ein andrer nun wirklich etwas Eindruck auf mein Herz gemacht hat. Ach, mein Km--" Du Li. mir »Ich. °L S» K

selbst mache, aber es ist Deine eigne Schuld. Wcuum haft 2u und)o lanae verlassen und angefangen, mich zu vernachlasiigen ... Bedenke nui die "Leidenschaftlichkeit meines Gemüts, die so wemg Nahrung an der Seite meines Gatten findet ... Am Freitag hatte ich einen Ball bei mir. An diesem Tage tarn eine Antwort von Dir. Ich werde settlebeiw nicht den traurigen Eindruck vergessen, den Dem Bries auf mich iiiachte ... Am Abend erschienen mir die Huldigungen eines jungen Mannes zum erstenmal als An Trost. Er halle mich zwar schon vorher umworben, aber ick hatte nicht im mindesten darauf geachtet. Unsre Beziehungen be­schränkten sich darauf, daß wir ein einziges Mal miteinander getanzt hatten Als er mich wieder auf meinen Platz führte, sagte er nur.Mor­gen verreise ich, es ist das erstemal, baß ich Weimar mit JBebauern vcr- iaRe" Er reiste fort unb ich dachte nicht weiter daran. Jedoch kam er lieber zum 16., und diesmal war er ganz leidenschaftlich verliebt, und ick bin nicht teilnahmslos geblieben. Es ist aber das zarteste, geistigste Gefühl, welches Du erdenken kannst, doch das ist gerade, was mir ge­fällt. Dies reine, ätherische Gefühl paßt so recht zu meiner M-tur. E hebt mich in meinen eignen Augen empor, us'd dies ist ich gwoie es Dir heiliafte Wahrheit. Nie, nie wurde ich roteber für einen Mann auf der' Welt gegen meine Pflichten verstoßen. Das hat mich unglücklich ge­macht. SJlein^utt und Lassen gehört meinem Gatten, und ich schulbe ihm Rechenschaft darüber. Meine Gefühle aber gehören mir, und td) glaube, ich darf darüber verfügen, denn mein Mann weiß sie nicht zu schätzen.

Ick dachte erst, mein Hermann, diese Gefühle würden sich verwischen, und wartete deswegen, um Dir zu schreiben. Ich sehe aber, daß mein fierj doch nicht frei von Liebe ist. Könntest Du aber sehen, mit welch heißen Tränen mit welcher Wehmut ich Deine Briefe lese, wurdest Du über­zeugt fein, daß mein Herz für Dich mit der zärtlichsten Freundschaft, de. wahrsten Zuneigung erfüllt ist ...

Ack was wirst Du mir sagen? Es würde nur so schmerzlich sein. Dir Leid zu tun, mein geliebter Freund! Warum hast du mich in Versuchung gebracht? ' Meine Seele hängt unzertrennlich an Dir - quand meine!

Was Pückler ihr geantwortet hat, ist nicht erhalten, aber aus IRofa- lies folgendem Brief zu schließen. $en 7. März [1846).

Mein Hermann, mein innigstgeliebter Freund! Nein, ich kann Dir gar nicht sagen, wie lieb ich Dich habe! Wie unendlich edelmütig, wie gut bist Du! Könnt' ich Dir nur meine Dankbarkeit Aldern. ... Du haft recht, Hermann, einen zweiten Menschen wie Du gibt es nicht mehr. Hermann, wenn mein Bekenntnis Dir aber doch wehgetan hatte und Du es mir nicht sagtest! O Goll, dieser Gedanke ist so schmerzlich! Doch ich will Dir glauben! ... Wie lieb habe ich Dich. Nun, wenn es Freund­schaft ist, ist die Freundschaft etwas sehr Schönes! ... Ems kann ich Dir versichern, und das ist, daß kein Mensch mehr es vermag, meine Phan­tasie zu erregen wie Du. Selbst ein Mann, ben ich für seine heiße Liebe, für seinen ritterlichen Charakter wieder lieben kann, mürbe ihm dies alles Anschließende Interesse mangeln, welches Dein ganzes Wesen nur bietet. Ich kann ein echtes, treues, tieffühlendes Herz schätzen, sihms meine

Somit,'Rose, geliebte Freundin, schreibe an niemanden außer an -mch, aber an mich rückhaltlos, denn meiner bist Du sicher. -Ich bin | o vo r f i ch t i a mit Deinen Briefen und habe alle Vorsichtsmaßregeln selbst für den^Todesfall'" elloften, daß Du darüber völlig beruhigt ,em kannst. Sei nur ebenso vorsichtig mit meinen Briefen, nicht meinetwegen, fon- j **&*$*»« <M|h.l to« -» I<1.. ***** Wiehern Ich reite ihn täglich, um ihn für seine Herrin in Gang zu halten Wiehern. Vch reue i ) g . J halb sind die e Erinnerungen! und mit ihm von Dir zu fpriipem h mnren ro;r

«nnnteff Du sie ie vergeßen, schlechtes Kind? Denn Kinoer waren wil damals wirklick Wir genossen und litten wie Kinder, ch aus Liebe zu Dll und Du aus Angst vor Deinem Gatten. Gott wie ivarft Du an­mutig unb bestrickend! 3d) muß recht verständig sein, daß ich> Demen neucii Liebhaber nicht etwa beneide! Und dock): Käme er m L uch ' setzte mein Leben aufs Spiel, nm das sein- zu En, nur aus 3 i Dir. Wenn das keine Zuneigung ist, wo fandest Du sie. . . .

"ebewohl Rose! ... Rur eins wiederhole ich Dir: lei stet-> ehrlich unb" ohne Heimlichkeiten, weder um mid) zu schonen noch aus andern , KlÄÄSWi» ml- I-l». 6*

In dem folgenden Brief, dem letzten ballerten (6. Noveinoee 1846,

wird." Offenbar rechnete sie auf Mutterfreuden, denn sie fahrt fort.

Mein Jüngelchen wird groß unb gescheut und macht meine ganje ---LMMWZiL- MZZWWMWW

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Pücklers Leden ging fortan ganz in Reifen, m

in der Verschönerung von Branitz auf, feinem alten Stammgut, bas t eSsää* ML-£ stc ae eaentlick besuchte. Hier starb ihre Tochter Adelheid un folgende« Jahre in ihren Armen, wie Varnhagen berichtet, im Wahnsinn, michden iiehnina vJ Blücher ihr schon im Tode vorangegangen war. 21m b. M». 1845 starb sie selbst in Branitz, während Pückler sich in Pari» f^ern steh. Er folgte ihr erst am 4. Februar 1871 im Alter von 86 Jahren ins Grad, nachdem er noch als Freiwilliger in den Deutsch-Französischen Krieg h , ziehcii wollen. In einer Rajenpyramide, dl« aus einem .künstlich aus gegrabenen See aufgeschüttet unb von ihm umflossen war, fanb fein stur misches Herz die erste Ruhe im Leben.