Ausgabe 
3.7.1928
 
Einzelbild herunterladen

seinem roten zum Teil auch in der Praxis im tYHtrhp im cillapmeinen aut behänd

r.V. dai Rauchve'rb'ot in allen Gefängnissen aufgehoben, ein

und unter Freudentränen sprechen seine Lippen heiße Dcmkesworte für den ersten Wirklichen Jagderfolg, zu dem ich ihm verholfen habe Der nächste Gedanke aber ist der:Wie wird sich bloß Mutter freuen !, Werd- gerecht breche ich den Rehbock auf, dem Jungen jeden Handgriff genau Zeigend und erklärend, denn auch das Aufbrechen will wohl verstanden und gelernt sein. Dann hänge ich den Bock an eine Kiefer, damit er richtig aus- schweißen und auskühlen kann. Run schneide ich einen Bruch von emer m die Schonung eingesprenkten Edeltanne, ziehe ihn durch den frischen Schweiß am Einschuß des Rehbockes und überreiche ihn nach, Weidmannsart auf dem Weidmesser meinem Jungen. Der steckt ihn an feinen Hut unb nun ist die Freude für ihn erst vollkommen. Stolz trägt er Jemen Rehbock den halb- stündigen Weg zum Wagen, keine ganz leichte Arbeit, denn der ,,Älte wiegt anfgebrochen sicher über vierzig Pfund. Schon kurz nach sechs Uhr sind wir wieder zu Hause.

Kelten und Kerker in Ruhland.

Bon E. v. Ungern-Sternberg.

au dP betont mm,' aber *^toir müssen ihn erst ^ank werden lassen. Morgen irüb bei Sonnenaufgang sind wir hier an derselben Stelle zur Nachsuche...

Früh um 3,15 Uhr am nächsten Morgen stand er fertig zur Jagd gerüstet an meinem Bett. Auch den Kutscher hatte er schon geweckt. Noch vor vier Uhr sind wir draußen am Anschuß. Em herrlicher Sonnenaufgang steht uns bevor. Eben stechen die ersten Strahlen des aufltetgenben Tages- gestirns wie goldene Lanzen in den Morgenhimmel. Welch emzigschones Naturschauspiel ein Sonnenaufgang im Walde imHochsommer.Etwasso erhebend Schönes für mich, daß ich nicht anders kann, als andächtig ver­sunken dieses gewaltige Spiel der Naturkrafte auf mich wirken zu lass em Es bleibt immer der siegreiche Kampf des Lichts gegen die Finsternis. Billionen demantene Tautropfen auf Gräsern, Blattern und Blüten leuchten und funkeln in dem bunten Farbenspiel der blitzartig aufzuckenden Strahlen der Morgensonne. Purpurglühend und grün golden, wie durch die mit hohen Spitzbogen gekrönten Kirchenfenster eines mittelalterlichen Domes, so flammen die Lichter durch die Kuppel des mächtigen ^aubwaldes und ein goldschimmerndes gleißendes Waldweben entzückt das Jagerauge. Alles entfaltet sich wieder frisch und gekräftigt zn neuem Leben, -Ls neuer Arbeit. Das Trompetengeschmetter der aufftetgenben Kraniche, bie lauchzenben Lieder von tausend froh erwachten Vogelstimmen, das Summen, Ziryen und Fiedeln der Käfer, Bienen und der bunten Schar der Insekten, alle diese Töne vereinigen sich harmonisch und steigen m^rauschenbcn^Akkorben^wie eine gewaltige Jubelouvertüre gen Hn - - - -

ist es die rechte Zeit, die Schweißfährte desAlten vom Bruch zu ver-

^^Wir folgen der Schweißspur von gestern Abend, die allmählich zunimmt, und an der Stelle, wo der Bock den Graben, der das Bruch von der Kiefern­schonung trennt, überfallen hat, finden wir auch helleren blasigen Schweiß. Für mich ein sicheres Zeichen, daß der Bock nicht mehr weit von dieser Stelle, wahrscheinlich verendet, liegen muß. Ich lasse den Jungen allem weiter­suchen, denn er soll seinen ersten Bock selbst finden. Richt lange wahrt es und ich höre ein jauchzendesHorrido".Joho", antworte ich, und schnell bin ich zur Stelle. Da sehe ich ihn liegen, den starken Bock m V * "" " Rock, den alten heimlichen Gesellen mit dem grauen GrindGnesicke . Bor ihm kniend meinen Jungen, das selten starke, kapitale Gehörn betrach­tend und streichelnd. Wie er rn'ch 1 *.*** -------

Dje Geschichte der Gefängnisse Rußlands könnte als Kulturgeschichte bewertet werben. In der grausamen Zeit Iwans des Schrecklichen liebte es der Großfürst, persönlich in Begleitung des blutdürstigen Miljuta Skura- tow die Keller des Kreml zu besuchen, in denen kettende adene «Bojaren eingeschlossen waren. Er unterwarf sie eigenhändig der Folter, hetzte ferne Bären auf die Wehrlosen ober bnrchbohrte sie mit fernem Hanbspeer. Seme mit Hunbeköpfen bekleidete Leibgarde, die Opritschniki, jagten und metzelten die Menge nieder, wenn Iwan der Schreckliche am Turmfenster des Kreml lehnte und in seiner düsteren Phantasie von Bolksverrat träumte. Auch zur Zeit der ersten Romanows wurden die Sitten nicht titel milder. Peter ber Große zog es zwar vor, Männer, gegen bte sich fern Zorn richtete, eigenhändig zu knuten, als sie köpfen zu lassen, aber dennoch schloß er fernen eigenen Sohn Alexis in das finstere Grab der Peter-Paul-Festung auf ber Newainsel ein unb verurteilte ihn zum Tode. Die Henker hatten auch unter seiner Regierung viel zu tun. Seine Gemahlin, Katharina I., bte nach ihm den Thron bestieg, verbrauchte den zehnten Teil der Staats- einkünfte (eine geschichtliche Tatsache!) für den Kauf von schweren Sud- weine,i für ihre Tafel. Sie hatte wenig Muse, sich um Politik und Staats, verbrechen zu kümmern, dafür ließ sie aber ihren Günstling Menschikow nach Gutdünken regieren, dessen Widersacher bald die Kerker füllten. Ihre Nachfolgerin Anna Iwanowna, die Nichte Peter des Großen, war m Grunde eine gutmütige Frau, sie kümmerte stck.mehr um ihren Günstling Biron von Kurland als um die «Regierung. Aber der Chef der Geheimen Abteilung, des Preobrashensky Prikas, mußte chr jeden Morgen Bericht erstatten. Bisweilen besuchte sie auch persönlich die Kerker und wohnte ber Arbeit der Folterknechte bei. Ihren Koch ließ ste emntal im Aerger mi Gefängnis werfen und köpfen, weil er ihr LiebImgsragout verdorben hatte.

Unter Anna Leopoldswa von Braunschweig und unter der Sarin Elisabeth, der Tochter Peters des Großen, wurden bte Sitten allmählich | milder, und die Folter wurde zur Seltenheit, dafür aber wurden die Großen des Reiches, wenn sie den Unwillen der Zarinnen erregt hatten, m die eisige Wildnis Sibiriens verbannt. Menschikow, Biron, Minnich, vor denen I «Rußlanb gewittert,t?9<m totem>

von uns geschieden ist. Ruhiger ist es iM Revier geworden und wohltuender Friede lagert auf Wald und Wiesen. Leicht nur spielt der Abendwuid m den Wipfeln der Eichen unb Buchen. Ewige Krähen streichen krächzend ihren Horsten entgegen, ber Eichelhäher muß auch jetzt noch kraxend unsere Anwesenheit melben, Fledermaus und Nachtschwalbe ziehen über die vom Tau bereits erguickten Wiesen, und eben leuchtet der erste Stern am Nacht- himmol auf. Langsam pirschen wir dem Wechsel zu, den der Urian bisher I regelmäßig gehalten hat. Im Bruch ist es nock, lebhaft. Dort fallen eimge Eliten mit lautem Klatsch auf einer «Biente em, PuhlenschnepfeuudBecka- fine ziehen quarrend über das Moor, und dort streicht auch bte erste Eule laut mit den Flügeln klatschend nach Aesnng. Wir bleiben einen Augenblick stehen, da schaut daS freche Gesicht von Meister Reinecke hinter emer Brnjen- kaupe hervor. In seinem Jagdeifcr hat er uns Nicht eräugt, .lnschetnend will der rote Freibeuter die Hoffnung auf eine junge Stockente zum Nacht­essen noch nicht aufgebett. Du hast Glück, alter Freund, wenn nur heute demGriesicke" nicht an's Leder wollten, dann hattest du längst über em paar blaue Bohnen quittiert!

Nur noch fünfzig Schritte, bann können wir den Wechsel, auf dem bei Alte vom Bruch" kommen soll, gut übersehen. Kaum zwanzig Schritte finb wir weiter gekommen, da winke ich meinem JungenHalt zu, schaue I durch das Glas und wirklich, bas muß er sein. Nur emcn schmalen, roten Streifen ber obersten Rückenlinie eines Rehes vermag ich zu sehen, trotzdem erkenne ich ein auffallend starkes Stück Rehwild, da- ettva zehn Schritt vor uns in dem Bruch äst. Ich kann das Gehörn noch nicht ansprechen unb muß warten, bis der Bock einmal das Gease hebt. Aber jetzt habe ich das Gehörn im Glase unb sehe zwei wunderbar geperlte, schwarzbraune, starke Stangen mit schlohweißen Enden, etwa fünf Zentimeter über die,Gehöre hinausragend. Auch den grauen Kopf stelle ich fest: es ist der ,, Alle . Mem Junge hat den starken Bock erkannt. Sein Herz schlägt so, daß ich neben chm empfinde.Ruhig, ganz ruhig", flüsterte ich ihm zu. Das Buchsenlicht ist noch gut, und ber Bock äst ganz vertraut. Den etwa zwanzig Meter entfernten Weidenbnsch möchte ich noch erreichen, da stellen wir besser ge­deckt und haben den Bock auf etwa siebzig Schritt, die richtige Kugelschuß entfernunq. Dem Jungen winkend, schieben ton uns geduckt m die Deckung. Doch jetzt wird es auch langsam Zeit für den Schuß, bte «chatten der Nacht sinken tiefer. Noch einmal flüstere ich dem Zungen zu:Borderlauf hoch gehen und Mitte Blatt fahren lassen! Zuerst aber emmal Bock!" Nein, unmöglich so geht das nicht, die Mündung geht,a w e em Lämmerickiwanz hin und her; absetzen Ruhe! Als letztes Mittel hole ich meine kleine Feldflasche, die ich mit Sognal gefüllt auf der Jagd für alle Fälle immer bei mir trage, hervor und gebe dem Jungen emen kleinen Schluck. Er schüttelt sich nach demNippen", aber jetzt wird er ruhiger. Aufs neue schlägt er an und absetzend flüstert er nur zu: »Jetzt war ich sehr gut aus dem Matt!" Ich hatte wohl, gemerkt, daß dw «Mündung ruhiger stand und raunte ihm zu:Na beim m St. Hubertt Namen, laß fahren. Noch drei Sekunden, ich beobachtete scharf durch das Glas, da fahrt em roter, feuriger Strahl aus ber Büchse des Jungen, und dreifach löst der Knall das Echo in den nahen Bergen. Der Bock macht eine hohe Flucht , aber mir war es so, als wenn ich einen Kugelschlag gehört habe. Dann verhöre ich ineiter wie der Alle" Icntflfcnri abzieht und/ anscheinend krank, IN der hohen Kiefernschonung verschwindet. De,- Junge will natürlich sofort auf I wenig am B/e ber Zaren. Elisabeth ließ den in Schlüssel-

den Anschuß, und wieder muß ich zu:.Besonnenheit in°hnm. Zunachfi 3«« ^^"enjungeii Zaren Iwan III. ermorden. Katharina die muß wieder geladen werden, danach gehen wn aus den- An,chi^um $ I 9 ^9 J ^^scha von ihrem verschrobenen Mann, Peter III.,

dem dieser verbrochen ist, suchen ton uach Schweitz und Schmtthaare ®r B Mr ^^!v, aber man sprach bereits von Menschlichkeit

Aber es dunkelt bereits merklich und, nachdem wn uns etwa eine halbe I °^bNMischenwürde Eine verfeinerte Lebensweise verurteilte jede über- Stunde vergeblich gemuht haben, mache ich den Atzten Besuch in Pf I - iRogejtnd ber Adel und die Beamtenschaft traten zum ersten Mal mit einem weißen Taschentuch den Boden am Anschuß ab. Da endlich zeigt offenen Gegensatz zum leibeigenen Volk. Der Aufstand Pugatschews, sich ein Tropfen Schweiß ans dem Tuch, und gleich danach«bei dem Schweiß ^^gHiflewoSfen wurde, füllte zwar wieder,die Kerker finde ich auch Schnitthaare. Jetzt durfte ich zu dem Sgy1" I bab dem Henker viel Arbeit, aber es lebte sich leichter und freier m Ruß- bedrippter" Miene dastand, als wir solange keinen schweiß s« ' I 9Während der kurzen Herrschaft des Soldatenzaren Paul I. Trostwort sagen:Der Bock hat die Kugeh^undL denke, wn werden ihn | °nd als guvor^ .^nn er erwachte, ob er sich nicht am Mend

im Gefängnis ober aus dem Wege nach Sibirien befinden wurde, und wer im Gefängnis saß, konnte am Abend unerwartet das höchste Ehrenamt be< kleiden' das hing nur von der Laune des Zaren ab. Eine moderne Kultur, die dem Zeitgeist entsprach, kam für Rußland erst mit der Regierung Alexanders L Man darf das alte Rußland nicht einer besonderen Barbarei reiben denn auch in den westlichen Ländern, unter Heinrich VIII. von Eng and unter den Stuarts, unter Ludwig XII. und XIII., waren bte Sitten nicht viel milber. Aber Rußlanb hat stets eine oft von höchster Kultur ub^ tünchte Wildheit gehabt und behalten, die ich nur durch den Bo kscharakter durch die ungeheuere Ausdehnung, durch Klima unb durch ben orientalischen ®in$UOn eüwmttchttgen Gefängniswesen kann in Rußlanb erst seil- der Zeit t I Aleranbers I. gesprochen werben. Vor allem schaffte ber Zar endgu g

Folter ab Knute unb Peitsche blieben aber für die Gefangenen bestehen. ' 1 In langen Etappen, an Eisenstangen geschmiedet, wurden i«

Fnß und auf Flachbooten bie Ströme hmanf zur Zwangsansieblung n i ©ibirteu getrieben, unb bort, wenn sie entlaßen »«rben wt feur.gen * gebrandmarkt. Es scheint, daß Kaiser^Alexander . selbst,von Reue u seine Beteiligung am Vatermorde nach ememAijentjate'n zur Verbannung nach Sibirien verurtellte und,ds Einsiedlerseina

:b steigen in rauschenden Akkorden wie I beschlossen hat SeinBegräbnissoll Sarg

M.«Ä s* I feÄ S&WÄÄ;,;)! schciullchkeit. Es liehe sich viel über die Greuel, die zur Zeit Nik II < noch in den Gefängnissen Üblich waren, beruhten. Ueber die Epoch i|t gilbe je W§, über bie schrecklichen Zustande in Sachalin usw., ave

i. Vergangenheit, aus der sich allmählich unter «Ille janb ' um'

, | laus II. das moderne russische Gefangmswesen bis zu den Tag

- I sturzes entwickelte. fs.etrl gtevo*

1 Seit dem Beginn des Jahrhunderts und namentlich s«t

lutionsjahre 1905 stand das russische Gefängniswesen m der Th^

* - ' m !-i Zeichen der Humanität.

Äeta digemeinengut behandelt, wenn Ausnahmen vorkamen, So n>at das meistens Ausschreitungen der örtlichen Verwaltungsbehoroe: .