- Druck und Verlag: Vrühi'fche Universitäts-Vuch. und Steindruckerei, R. Longe, Ziehen.

Verantwortlich: Ur. Hans Lhyriot.

»atz er sich nur dann an seinen Futterplatz begab, wenn.ihm drei ver­schiedenfarbige Karten nacheinander gezeigt wurden, nicht aber nach Vorzeigen von drei gleichfarbigen. Trotz aller Geduld gelang die Dres­sur niemals völlig, immer drängte der Bär schon nach der zweiten . gleichfarbigen Karte nach dem Futterplatz. Auch Hunde scheinen ; wenig begabt für Zählkunststücke zu fein. Der berühmte Pudel Lub- , b ocks dessen Gelehrsamkeit so weit gehen sollte, daß er Karten mit den Aufschriften Tee, Wasser, Futter unterscheiden konnte und richtig apportierte, ließ sich auch nach monatelangem Bemühen auf Karten mit Strichen in verschiedener Anzahl nicht dressieren. Schweine ließen sich abrichten, von drei in einer Reihe liegenden Türen nur die mittlere, die nach der Futterquelle führte, zu benutzen. Aber von fünf Türen . die mittlere zu wählen, lernten sie Nicht. Das spricht nicht nur gegen . einen guten Raumsinn, sondern auch gegen einen bescheidenen Zahlensinn. :

Die Fähigkeit zur Zahlenbildung geht wohl deshalb Tieren so weitgehend ab, weil sie ganz im rein Anschaulichen, Tast-, schnwck- . und Riechbaren leben, in einer Welt fern den geläufigen mensa)l>chen ; Abstraktionen. Auch Kinder und Naturvölker haften zwar zähe am , Anschaulichen, doch liegt die allmähliche Lockerung und Losung aus dem Geflecht des sinnlich Gegebenen in der ßinte ihres Entwicklungs­prinzips, das weniger auf Anpassung an die Natur als auf Beherr­schung und Unterwerfung der Natur durch begrifflich verarbeitete Er- fabrungeit gerichtet ist. Die Zahl ist schon eine starke Abstraktion, selbst wenn sie noch so sehr sinnlich gebunden erscheint. Ein Beispiel aus der Psncholvgie des primitiven Menschen: Ein Toradsahauptlmg aus Ce­lebes, dem eine Buße von zwanzig Büffeln auferlegt war, vergegen- ivärtigte sich den hohen Betrag erst, nachdem er sich zwanzig Stuck Pianqnüsse ausgezählt hatte. Beim Anblick der so veranschaulichten Mena» war er sehr erschrocken. Dieser Mann war also nicht m der Lage, sich die Bedeutung der Zahl 20 ohne weiteres klarzumachen. Er mußte sie sich an Nüssen veranschaulichen. Aber daß er überhaupt das Gemeinsame, was zwischen der Anschauung von zwanzig Büffeln und zwanzig Plangnüssen besteht, erkannte, zeugt von seiner Fähigkeit zur Bildung von Zahlbegriffen.' Tier« gelangen nie dazu, wie es Hempel mann ausdrückt, irgendeine Einheit als Maß auf eine Vielheit anzu-

ltzjere werden eben in der Welt ohne Zahlen fertig, wie sie sich ja auch ohne eigentliche Sprache prächtig mit dem Leben abfinden. Die Frage, ob Tiere zählen können, entspringt letzten Endes unserem Wahne, die Tierseele sei ein mehr oder minder roher Abklatsch der Menschenseele. Damit aber würden die Trere in bedenkliche Nahe geistesschwacher Menschenkrüppel rücken. Das eigentliche Geheimnis das Wesenhafte am Tiere ist gerade, daß es nicht Mensch ist, daß seine in anderen Harmonien schwingende Welt uns immer etn neu ausgegebenes Rätsel bleibt.

Die photographierte Stimme.

Besuch in einer Schallplattensabrik.

Von Dr. Paul Bloch.

Das also ist der Raum, in dem die menschliche Stimme gleichsam verewigt wird?! Hier, so fragt man sich zweifelnd verwundert wird der Zusammenklang der Töne, die Symphonie der Instrumente festgehalten.

Daß der Ausnahmeraum eines Schallplatten wertes dem neugierigen Besucher nicht viel Auffälliges und Greifbares zu zeigen vermöchte, erwartete man ja, daß er aber so kahl und nud)tern, bem ersten Anschein nach so bar jeder technischen Anlage, jeder architektoni­schen Besonderheit sich darbietet, wirkt doch überraschend. Ein großer, langgestreckter Raum, in dem etwa 40 Musiker plaziert werden können, fensterlos, erhellt durch eine Reihe strahlender Lampen, andenWanden bald hier, bald dort leichte Wattierungen, graugelbe schalldampfende Masse, die Decke tiefer gezogen und unterspannt, birgt das Zimmer, wie es scheinen will, kaum eine Sehenswürdigkeit, nur Stuhle und Noten­pulte, ein größeres für den Kapellmeister. Und durch nichts scheint die dickrote Schrift an der schweren eisernen TurEintritt strengstens verboten!" gerechtfertigt zu sein. Wäre nicht in jenem Raume auch

o phon, jenes so außerordentlich feine Gebilde, das den Luft- und Sprachhauch des Menschen auffängt unb ihn roeitergibt. Wie ein Heiligtum wirb es bewahrt. Hinter verschlossenen Türen, doppelt geschützt durch Sicherheitsschlösser, sind die Apparate ausgestellt, die m unmittelbarer Verbindung mit dem Mikrophon im Aufnahmeraum stehen, in denen und mit deren Hilfe schließlich der menschliche Laut und der Ton der Instrumente ausgezeichnet und festgehalten werden kann Em Verstärker vergrößert die Bewegungen, die Schwingungen der Lust, die durch die Geräusche hervorgerusen werden. So erst wird es möglich, die Bewegungen der Luft, die im Mikrophon aufgefangen sind, sichtbar wer­den zu lassen, lieber eine Schalldose führt der Weg, die Schallschwingun- gen werben in elektrische umgesetzt unb schließlich zeichnet ein besonders sein konstruierter Stift die Schwingungen der Töne auf eine rotierende

abgespielt, auf Richtigkeit und Klangschönheit geprüft und etwaige Feh­lerquellen bei der nächsten Aufnahme auf diese Weise ausgeschaltet.

Ist bann endlich eine reine unb schöne Aufnahme gelungen, so wird . die Wachsmatrize auf galvanoplasttschem Wege abgezogen unb eine i Kupsematrize tritt an ihre Stelle.

Das ganze Verfahren von der Ausnahme bis zur Fertigstellung der Matrize ist vom Herstellungsprozeß der Platten und Maschinen völlig ge­trennt. Ein besonderer Aufnahmeleiter überwacht die Konzerte vor dem Mikrophon. Besondere Ingenieure beaufsichtigen den Ausnahmegang vom Mikrophon bis zur Wachsplatte, und wieder besondere Chemiker leiten den Abzug der Kupferhaut von der Wachsmatrize. Eine außerordentlich genaue und strenge Ressorteinteilung soll nicht nur ein konzentrierte» : Arbeiten ermögl chen, sondern vor allem auch vor einer zu genauen \ Kenntnis des Gesamtaufnahmeprozesses, der naturgemäß bei jeder Her­stellerfirma ein anderer ist, schützen. Die Gefahr einer Konkurrenz inner- i halb des eigenen Betriebes wird so ausgeschaltet, das ungemein kompli- \ zierte Verfahren vor unberufenen Augen gesichert

! Das Gebäude, in dem die Platte ihrer Vollendung entgegengeht, ' mutet uns nicht wie eine Fabrik an. Ein großer, architektonisch schauer i Bau, eher einem Privatsitz vergleichbar, empfängt uns. Ein kleiner Teich ! lagert sich anmutig davor, die Halle weiß, Marmorboden und Marmor­säulen, die Türen aus edlem Holze. Auch hier noch glaubt man nicht in einer Fabrik zu fein, mit hunderten von Arbeitern, hätte man nicht draußen am Eingang die Kontrolluhren gesehen, dränge nicht dumpf hinter einer Glaswand hervor das gleichmäßige Stampfen der Ma- schinen, fühlte man nicht leise das Zittern der Kessel unb Pressen.

Dann aber roanbelt sich das Bild. Alles ist Arbeit. Schäumende Kessel, hämmernde Maschinen, schmutzige Gestalten, rastloses Hin unb Her, Ras­seln von Ketten, bas Geräusch der fallenden Steinmasfen, das Knirschen der Mahlwerke, das Zischen des Dampfes. Die Müllerei. Hier wird das Rohmaterial für die Schallplatten gemahlen, hier der Schellack, dort der Schwerspat, wieder in anderen Mühlen werden alte Platten zerkleinert, die als Zutat für die Rohmasse der neuen besonders gern ver- wendet werben. In Siebmaschinen wirb bie pulvrige Masse gesiebt. Misch- : Maschinen vermengen die Rohstoffe, Farbe wirb hinzugetan unb schlieh- lich in einem, mit' Dampf geheizten Walzwerk die Pulvermasse, nachdem der Schellack geweicht wurde, geknetet. In Kalanbermaschinen walzt man . die Masse aus. lieber einen Kühltisch wanbert sie, und kurze Zeit jpater liegt der nunmehr wieder gehärtete Rohstoff in dünne quadratische stucke gebrochen, zu Haufen geordnet. Das Material für bie Plasten ist so fertig« ^Inzwischen ist von der Wachsmatrize auf galvanoplastischem Wege als : Arbeitsmatrize ein Kupferabzug hergestellt worden. Diese Kupserhaut ist ; das Negativ der Wachspla11e, zeigt also deren Vertiefungen er- : haben. Sie ist es, die zum Pressen der Hunderte unb Tausende von Pim- ten benutzt wird. Zuweilen allerdings wird von jeder Kupsermatrize noch- mals ein Wachsabzug angefertigt und von diesem wiederum eine zweit« ; Kupferhaut abgezogen, die dann als Arbeitsmatrize dient, während der erste Abzug als kostbares unb oft unersetzlichesOriginal aufbe- n°3neiner besonderen Abteilung sind die Kupferplatten inzwischen sortiert und kontrolliert worden, die Etiketts aus dem umfangreichen Lager das etwa 1000 Stück von jeder Nummer enthält, herausge,ucht i unb vor allem die Kuppelung der beiden Schallplatten sestgestellt. Denn ! jede Schallplatte ist in Wirklichkeit eine Doppelplatte mit verschiedenen

Stücken oder Fortsetzungen auf der Ober- und Unterseite. (Eine nur ein­seitige Bespielung wird kaum mehr vorgenommen.)

Die jo gekuppelten beiden Kupfermatrizen wandern bann in bie Pres­serei Aus besonders konstruierten Wärmetischen wird das Material vor­gewärmt, darauf die Kupferplatten in die Presse gespannt, die zweiteilig, zugleich Oder- unb Untermatrize enthält, die Etiketts werden aufgelegt, der schmutzige Teig schließlich noch einmal mit der Hand kurz burchknetet und um einen Stachel in der Mitte der Presse geklebt. Ein Hebelgiiff, ein Druck- mit höchstem hydraulischem Druck werden die beiuen Malrizen gegen die Plattenmasse gepreßt, bie sich auseinanberbreitet Bereits nach einer Minute sind bie Kurven und Linien der Kupfermatrizen aus bie neue Platte übertragen, die nach einer kurzen Kühlung spielsertig ist. Tausende und Abertausende (etwa 20 000) werden so an einem Tage in dem weitem Raum, in dem die endlose Reihe der Pressen steht, fertig- ^Diefer maschinellen Rohverarbeitung folgt der Verfeinerungsprozeß, das Abschleifen der zackigen, bie Glättung, Säuberung unb Politur, zu­meist bie Arbeit von Frauenhänden. .

In anderen Sägereien stehen die S p r e ch m a s ch i n e n, die kleinen Sofferapparate, bie großen Zimmer-, Tisch- unb Stanbgrammopboiie. Etwa 100 Sprechmaschinen werben täglich fertiggefteUt. Allerdings geht nicht der gesamte Herstellungsprozeh in jener Fabrik vor sich. Die Einzel- teile aus den verschiedensten Ursprungsländern unb Fabriken, auch aus Einzelwerkstätten, werben nur zusammengebaut.

In sieben Stationen werben bie entstehenben Platten, in etwa eben» sovielen die Sprechmaschinen revidiert, wird ihre Richtigkeit unb Sicher- heit, ihre Gleichmäßigkeit geprüft. In einem kleinen Raum bann erfolgt die letzte Kontrolle. ... ......

Von Glaswänden rings umgeben sitzen einige junge Mädchen. Immerfort spielen die Grammophone, immerfort dieselben Stucke, immerfort auf einer anderen Platte, immer vorn Anfang bis zum letzten i Ton Tag um Tag. Das Gehör der Prüferinnen muß auf das feinste ausgebildet fein, jede, auch die leiseste Schwankung, jedes Stolpern ober . Anhalten, jede Unreinheit und jedes Verwischen anmerken, damit etwaige

i Fehlplatten vom Versand zurückgehalten werden. Es muß von ihnen vor

allem auch festgestellt werden, ob alle Platten die notwendige Intensität des Tones Haden, denn auch die Kupfermatrize verliert einmal an Kraft i und Wirkung, unb etwa nach dem zweitausendsten Abzug ist es ratsam, t eine neue Matrize herzustellen.

Wachsplatte. . . ,

Hier findet sich dann die ganze Skala der Töne eingraviert, jeder ein­zelne kenntlich an den nur ganz geringen Ausschlägen, die der Stift beim Bezeichnen der Platte eingeritzt hat. , _ ,

Man pflegt für Platten von 30 Zentimeter Durchmesser eine Auf­nahmedauer von etwa fünf Minuten anzusetzen. Ader bis bas im Auf­nahmeraum gespielte oder gesungene Stück wirklichkeitstreu in all feinen Feinheiten, mit all seinen Schattierungen und Nuancen endgültig auf der Platte verewigt ist, muß manche Probeaufnahme vorausgehen. Die Entfernung des Aufzunehmenden vom Mikrophon muh in immer neuen Versuchen variiert, Experimente über bie anzuwendenbe Verstärkung ver­anstaltet werben. Fünf bis sechs Probeausnahmen finb gang unb gäbe. Ader auch ein Dutzend Versuche sind keine Seltenheit. Die Auszeichnungen auf der Platte werden auf einem besonders konstruierten Apparat sofort