Ausgabe 
2.6.1928
 
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ich selbst, im Bewußtsein meines verrückten Glück für immer verscherzt hatte.

Berantwsrtlich: Dr. Hans Thtzriot. Druck und Verlag: Brühl'sch« Äniverfität»-Duch« und Steindruckerel, 9t. Lang«,

nur voll zum

trägst es ja nicht!

Aber ich wußte auch, daß nach diesem Tage alles vorüber sein würde, daß ich sie nicht Wiedersehen würde, daß ich ruhelos sein würde und voll Kasteiung gegen mich selbst, im Bewußtsein meines verrückten Benehmens, das mir dieses Glück für immer verscherzt hatte.

und skizziert hatte daß man dich an den ich. Ich begriff mich Künstlertum, ich haßte

selbst nicht; mir graute vor meyiem albernen mich wie einen Feind.

einzurichten, daß wir während des Abends

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Leonore wußte es

in die flüchtigste Berührung kamen. Hin und wieder warb ich Demut um einen freundlichen Blick von ihr, aber umsonst. Es war

ständen.

Der ganze Abend war eine Qual. Es sah jammervoll in mir au«. Ich dachte daran, wie ich sie mit kühlem Auge und ruhigem Blut gemalt ........ und hätte mich züchtigen mögen. Du verdientest, Pranger stellte und öffentlich auspeitschte, dachte

Und der Tag ging hin, dieser qualvolle, zermürbende Tag. Abend« faßen wir das letztemal auf der Terrasse. Der Graf lieh Sekt reichen als Abschiedstrunk. Wir stießen an, mein Glas stieß an das Leonores, sie lachte Charlotte dabei an, mich sah sie nicht. Sie sah schön aus, sie hatte ein blaues Tüchlein über dem schwarzen Haar. Ich hielt es nicht aus, ich verabschiedete mich, da ich noch zu packen hätte. In aller Frühe des folgenden Tages mußte ich fahren, ich sagte allen Lebewohl. Leo­nore gab mir die Hand, sie war ruhig und kühl.

Dann schritt ich in meinem Zimmer auf und ab wie ein gemar­tertes Tier im Käfig, stundenlang. Ich hörte die Stimmen von dn Terrasse her. Mitunter hielt ich an und lauschte, wenn ich Leonore« Stimme zu hören meinte. Ich war voll wirrer, qualvoller Empfin­dungen, und ein Gefühl unbeschreiblichen Ekels quoll in mir aus, wen» ich die Bilder sah, die gegen die Wand lehnten. Einmal erhob id) btn Fuß und rannte ihn blindlings in eines der Bilder hinein, voll Wnt auf diese verfluchte Kunst, die mich um das schönste menschliche Erlebe» gebracht hatte. Mit diesem Fußtritt des Hasses hatte ich mein befiel Bild zerstört, das Bild des abendlichen Schloßes mit den Gestalte» der Gräfin und der Komtesse Anna auf der Terrasse. Es war hinüber, ich stieß ein Gelächter aus.

Ich verbrachte die Nacht schlaflos. Ich packte, ich suchte zu W ich sah lange Zeit, Zigaretten rauchend, aus dem Fenster in die warme, duftende Nachtluft, zum Schloß hinüber, wo ich das Fenster erkenne» konnte, hinter dem Leonore schlief. Dann wanderte ich wieder hm ww her. Ich begann einen Briest an Leonore zu schreiben und zerriß 'S wieder. Ich legte mich aufs Bett, ohne mich auszu kleiden und erwarten den Morgen. h

In aller Frühe klopfte der Diener und brachte den Tee. Dann W ich den Wagen auf dem Kies vorfahren, mein Gepäck wurde aufgelaoen, ich warf den Mantel um, ging hinunter, und die tauige Lust tat mein erhitzten Wangen wohl. Das Handpferd wieherte in die Frühe, ° Uebermut. Ich blickte noch einmal zu dem Fenster hinauf, hinter ". Leonore lag. Ich fühlte mich elend, ausgestoßen und krank. Mich fr°iL als hätte ich Fieber. Die Schimmel zogen an, es ging die ßinW1» hinunter, dann durch die gelben Rapsfelder, aus denen schwere WO von Duft aufstiegen. «v.a

Die Sonne lag golden über den Feldern, die Lerchen fangen. marterten die Lerchen und die Sonne. Ach, könnte ich doch sch dachte ich.

Leonore lachte, scherzte, und auf dem Rückweg nach dem Schloß fjängie sie sich plaudernd in Charlottes Arm. Sie schien sehr ftöhiich zu sein, aber mich fab sie nicht. In mir wallte es auf und nieder; cs fiel mir schwer, an der Unterhaltung teilzunehmen, in die mich der Graf und die Gräfin verstrickten. Ich tappte wie ein Traumwandler hin.

Nachher Tanz im Schloß. Die Gräfin drehte einen kleinen Leier­kasten. Ich tanzte zuerst mit Leonore; sie bat bald, aufzuhören. Ich sprach ein paar Worte in demütigem Ton zu ihr; sie antwortete nicht. Mit den andern war sie ftoh und unbefangen, mitunter beinahe ausgelassen, so daß ich erstaunte. Ihre Mienen wurden streng und ab. weisend, sobald sie in meine Nähe kam. Einmal stand sie in der Nisch, eines Fensters allein und sah in den dunkelnden Park. Ich trat neben sie. voll Demut, bittende Worte stammelnd, und juchte ihre Hand zu küssen. Sie verhinderte es; sie schüttelte abwehrend das Haupt und winkte Charlotte zu uns herüber, damit wir nicht allein in der Nisch,

Der folgende Tag war entsetzlich. Es war mein letzter Tag auf Carnin, er machte mich krank und matt. Leonore wich mir aus, sie ver­mied es, auch nur einen Augenblick mit mir allein zu sein. Wir spielte» Tennis, sie lachte und schwang den Schläger mit Obacht und Grazie, sie plauderte harmlos mit den andern, aber zu mir sprach sie niemals. Ich merkte: es ist alles hoffnungslos; du hast ihr Gefühl zu heftig mit Füßen getreten; hier ist nichts mehr gutzumachen; es geschieht dir recht, Kunstmaler Tedrahn!

Wie warb ich um einen Blick, um ein freundliches Wort von ihr, wie habe ich mich gebemütigt! Aber sie blieb hart und kalt, sie beachtete mich nicht, sie war nicht zu erweichen, sie strafte mich mit Verachtung.

Ich litt, ich dachte: wenn doch dieser Tag erst zu Ende wäre, du er-

Pfingsten auf dem Schaffe.

Erzählung von Hans Bethg«.

(Schluß.)

Bei Tisch war ich mir immer bewußt, daß ein Profil von seltener Kostbarkeit an meiner Seite war, daß ich elend die Zeit versäumte, da ich es nicht skizzieren konnte. Ich kam ausMarie Grubbe" zu spreäzen, den Roman von Jens Peter Jacobsen. Ich fragte Leonore, ob sie das Buch gelesen hab«. ...

3a" sagte sie,ich habe es gelesen, aber ich habe es zerrissen und verbrannt."

Oho, dachte ich, sie hatMarie Grubbe" verbrannt!

Später werden Sie das Buch wieder lesen", sagte id),bann werden Sie es nicht verbrennen, sondern Sie werden es lieben."

Sie zuckte mit den Schi ltern. .

Wissen Sie, wie ich Sie malen möchte?" sagte ich.Wie Marie Grubbe möchte ich Sie malen, als sie nod) Kind war, ich meine die Szene, wo sie in der Laube sitzt und mit den nackten Armen in den Rosen wühlt."

Sie iah mid) an, es war etwas Schmerzliches in ihren Augen. Ich nahm das Glas, in dem der Sekt perlte, hob es ihr entgegen und trank auf ihr Wohl. Auch sie nahm ihr Glas, wir stießen an.

Ich belrachtete sie lebhaft. Ich studierte sie, ich suchte alles Wichtige der Form und der Farbe in mich hineinzusaugen. War es nicht beleidigend, daß ich immer nur ihr Aeußeres betrachtete?

Sie ahnen nicht", sagte ich.wie die mattrote Rose Mim Grau Ihres Haares steht. Es ist eine Harmonie, die mich begeistert.'

Darf ich Ihnen die Rose schenken?" fragte sie demütig.

Nein, nein!" entgegnete ich.Lassen Sie die Blüte in Ihrem Haar, es gibt keinen besseren Platz für sie.

Ich nahm die Rose nicht, die sie mir anbot.

Sie sah müde vor sich hin. .

Ich werde sie Ihnen heute abend schenken, ef)e wir uns trennen , sagte sie leise.

Oh, ich danke Ihnen", erwiderte ich,ich danke Ihnen."

Nach Tisch ging alles in den Park. Ich lief hinüber auf mein Zimmer, ergriff ein Skizzenbuch und steckte es in die Brusttasche. Es war gegen Sonnenuntergang. Es war di« Stunde, wo die Bäume des Parkes in einer stillen Verklärung in die Lüfte ragen, wo alle Umrisse größer und feierlicher zu werden beginnen. Die Abendsonne hing goldig in den Wipfeln der Kastanien. Wir schritten paarweise die gewundenen Kies­wege hin. Leonore und ich zuletzt. Es war ein traumhaftes Bild, die bunten, in Selbe gekleideten Menschen zwischen den Bäumen und blühen­den Bosketts des alten Gartens, der solche bepuderten Leutlein schon früher gesehen hatte und sehr erstaunt sein mochte, sie plötzlich noch ein­mal auf tauchen zu sehen. ,

Wir kamen über eine weiße Brücke und spiegelten uns in dem dunklen Wasser. Leonore und ich verweilten einige Zeit auf der Brücke, die andern entschwonben. Es war nicht genau zu erkennen, wohin sie gegangen waren. Wir schlenderten durch den Eichenhain jenseits des Wasiers, Leo­nore und ich allein. Wir kamen an den Deich, ein schräger Pfad führte -'mvor mußte Leonores Arm freilassen, sie schritt langsam vor mir hinan. Ich sehe nod) den. schönen Umriß der schlanken, aufwärtsschreiten- den Gestalt, den bloßen Racken und das graue Haar ...

Auf dem Deich umffammte uns die Abendsonne. Zu unfern Füßen tagen die Wiesen der Marsch, ganz mit rotblühendem Sauerampfer be­standen und übergossen von den purpurnen Strahlen des vergehenden Lichtes. Es war ein so ungeheures Rot in den Wiesen eingefangen, daß man Glaubte, man sähe über ein blutiges, loderndes Meer. Wir blickten hinaus, Leonore hatte ein kleines, süßes Staunen im Gesicht, ihr Mund -vor ein wenig geöffnet. Etwas Wehes war um ihre Gestalt. Ich holte schnell bas Skizzenbuch hervor, um die Linien ihres Profils festzuhalten. Da sah sie, was ich tat und es geschah etwas ...

Leonore starrte mich an mit flammendem, zornigem Blick, aus dem eine ersterbende Leidenschaft grüßte. Dann hob sie die Arme empor und dehnte sie mir entgegen, sehnsüchtig mit einer Gebärde des lieber- schwangesl Dann ließ sie die Arme sinken, ermüdet, mit einem Zittern.

Ich' stand da wie ein geschlagener Knabe. Mir war, als sei auf ein­mal eine Binde von meinen Äugen gerissen. Ja, plötzlich sah ich klar. Dieser junge, stolze Mensch da vor mir war erfüllt gewesen von einem strablenden Gefübl der Liebe ich aber hatte sie immer nur malen wollen, meine blöden Augen hatten nichts weiter als das Malerische an ihr gesehen! Jetzt merkte'ich, wie sehr ich sie durch mein Betragen ver­letzt hatte. Ich hatte sie ja mit Füßen getreten! In ihr war eine schöne Welle aufgeftiegen, die ihr Gefühl mit Macht zu mir hinübertrug, ich aber hatte falt ihr Aeußeres betrachtet, um es für meine Malereien zu verwenden!

Für einen Augenblick kam etwas Unruhiges in sie. Dann hatte sie ihre.Fassung wiedergewonnen.

Kommen Sie!" sagte sie kühl.Wir wollen zu den andern!"

Damit war sie auch schon auf dem Wege den Deich hinab. In mir siedete es. Was sollte ich tun, um diesen tiefgekränkten Menschen zu ver­söhnen? Es freifte und schwankte vor meinen Augen.

Fräulein Leonore ...", sagte ich. wie um Verzeihung bittend.

Aber sie hörte nicht. Etwas Abweisendes lag um ihren Mund, auch ihre Augen waren streng und Herd. Wir hörten lachen, die Kleider der andern schimmerten vor uns durch das Laub.

.Hallo!" rief Leonore

Begrüßung. Dann alles hinauf auf den Deich. Man plauderte, lacht«, staunte laut über bas purpurne Lichtmeer in den Wiesen. Leonore sprach unbefangen mit Komtesse Anna und dem Asiesior. Ich wagte mich nicht an ihre Seite, ich war innerlich zerschmettert. Mir war elend zu Sinn, wie in einer Krankheit.

Verzweifeln.

Beim Guienachtwünschen trat sie vor , , .. .

sprach, Ihnen die Rose aus meinem Haar zu schenken. Sehen Sie doch, sie ist verlorengegangen, ich kann Ihnen die Rose nicht schenken. Ver­zeihen Sie."

Ich verneigte mich, sie wendete sich zu den andern. Sie hatte bi« Rose fortgeworfen, das ist klar. Ich biß mich aus die Lippen, in mir stieg es auf vor Weh und Gram. Ich sah ihr nach, wie sie mit Kom­tesse Anna und Charlotte das Zimmer verließ. Das schleppende Gewand sah ich und die blassen, jugendlich schönen Schultern und die Haltung der Arme im Kerzenlicht. Aber diesmal dachte id) nicht ans Malen, ich war erfüllt von Qual und Sehnsucht.