dann von innen in den Hausflur gezogen, worauf sich beim Wieder- erscheinen des Gefährts das dramatische Schlußbild abspielte, das wohl allen Augenzeugen unvergeßlich bleiben wird. Kaum hatte der Wagen den Bürgersteig erreicht, wo er einen Augenblick hielt, um einem als Ersatzkutscher fungierenden Schutzmann das Aussteigen zu ermöglichen, so versuchte auch schon die außer Rand und Band geratene, tobende Menge die Polizeikette zu durchbrechen, um sich des Wogens zu bemächtigen und den Attentäter zu lynchen. Nur der Umstand, daß eine berittene Abteilung von 16 Schutzleuten mit einem unaufhörlich ..Vorwärt! Vorwärts!" rufenden Wachtmeister auf dem hohen Falben an der Spitze, den Wegen umringte, der schleunigst dem Brandenburger Tor zujagte, rettete Nobiling vor der Volksjustiz. Aber tausendfache Verwünschungen hallten hinter dem Wagen her und das Haus Nr. 18 blieb »och lange von einer erregten Menschenmenge umlagert.
Nobiling entging der irdischen Justiz, weil er den Folgen seiner Kopfwunde erlag, aber Hödel endete auf dem Schafott.
Die zwei Gesellen.
Von Josef Freiherrn von Eichendorfs.
Cs zogen zwei rüst'ge Gesellen Zum erstenmal von Haus, So jubelnd recht in die hellen. Klingenden, singenden Wellen Des vollen Frühlings hinaus.
Die strebten nach hohen Dingen, Die wollten, trotz Lust und Schmerz, Was Rechts in der Welt vollbringen, Und wem sie vorübergingen. Dem lachten Sinnen und Herz.
Der erste, der fand ein Liebchen, Die Scywieger kauft Hof und Haus; Der wiegte gar bald ein Bübchen Und sah aus heimlichem Stübchen Behaglich ins Feld hinaus.
Dem zweiten sangen und logen Die tausend Stimmen im Grund, Verlockend Sirenen, und zogen Ihn in der buhlenden Wogen Farbig klingenden Schlund.
Und wie er austaucht vom Schlunde, Da war er müde und alt, Sein Schifflein, das lag im Grunde, So still war's rings in die Runde, Und über die Wasser weht's kalt.
Es singen und klingen die Wellen Des Frühlings wohl über mir: Und seh ich so kecke Gesellen, Die Tränen im Auge mir schwellen — Ach, Gott, führ' uns liebreich zu dir!
Aus der Geschichte des Eisengusses.
Von Hans B e g e.
Die Geschichte des Eisengusses ist uralt. Sie ist gekennzeichnet durch auffällige Schwankungen zwischen Perioden von Aufblühen und Absterben der Eußtechnik, die sich mehrmals zu hoher künstlerischer Höhe erhob und o°nn — oft ganz plötzlich — für längere Zeit fast völlig erlosch, wenn andere Metalle dem Eisen das errungene Gebiet erfolgreich streitig machten. Die Verwendung des Eisens und Eisengusses in Kunst und Kunstgewerbe ist eben oft ein Gebot der Not gewesen, und darum ist die Eisenkunst so oft wieder verschwunden, wenn die Zeiten besser wurden und edlere Metalle, wie Bronze u. a., verwendet werden konnten. Und doch legt die Gediegenheit guter Gußeisenerzeugnisse, die bei richtiger Behandlung zu erzielende große Widerstandsfähigkeit des Eisens gegen äußere Einflüsse und die Möglichkeit, zweckmäßige Verwendung mit Schönheit der Ausführung bei zahllosen Gegenständen des Gebrauchs in Einklang zu bringen, den Wunsch nahe, daß die Kenntnis der Eisenguß- technik wieder in weitere Kreise getragen werd«. Zweifellos würde dieses -u einer Bereicherung des deutschen Kunstgewerbes führen, deren Ergebnis in ihrer vollen Bedeutung augenblicklich noch nicht abzusehen ist.
Unter allen Metallen ist es das Eisen, das auf die Entwicklung unserer Kultur von altersher den größten Einfluß ausgeübt hat. Kein Metall hat >n den technischen Künsten eine so große und umfassende Bedeutung wie das Eisen, kein Metall ist einer solchen technischen Ausbildung und da-
k.^dingten Werterhöhung fähig, kein Metall — vom Aluminium «»gesehen — findet sich so häufig und allgemein verbreitet auf unserem Erdball vor. Das Eisen bildet einen großen Teil der Zusammensetzung der Erdwände und bedingt auch ihr Leben und Gedeihen. Cs ist ein «mger Kreislauf, den das Eisen aus der Erde in den Schmelzofen, in di« Schmede, in das Haus und wieder in die Erde zurücklegt.
Die Urgeschichte des Eisens und seiner Bearbeitung verschwindet im Dunkel. Wann das Eisen zuerst benutzt wurde, verrät uns weder die -owel noch sonst eine Ueberlieferung. Sichere Anzeichen für die Ver- roenöung des Eisens finden wir erst bei den alten Aegyptern, und zwar h u™4 m einer der ältesten Pyramiden, der des Cheops, im Jahre 1837, r „A Engländer Hill inmitten einer Steinlage ein Eisenstück ge-
n' ®os offenbar zu einem Werkzeug gehört hatte. Da die Pyramiden ffiu näj dos Jahr 3000 v. Ehr. erbaut wurden, so ist das Alter des li* 65 .ouf etwa drei- bis viertausend Jahre zu berechnen. Dermut- y., Jv es ein Stück bearbeiteten Meteoreisens. Die Griechen kannten di« Im «RÜiM des Eisens aus andern Erzen und seine Verarbeitung schon
-rrvjanischen Krieg, 1200 v. Ehr. Wie Homer erzählt, war es bei den
pelasgischen Völkern noch selten, sie arbeiteten ihre Waffen aus Kupfer. Die Römer betrieben die Eisenbereitung, wie Plinius schreibt, sehr großartig. Schon 100 v. Ehr. nutzten sie die Eisenerzlager auf Elba und in Noricum aus. Besonders war bei ihnen das nordische Eisen aus der heutigen Steiermark beliebt. Nach Plinius möchte man glauben, daß sie sich schon zur Bereitung eines Osens bedient haben. Aber genaueres ist hierüber nicht bekannt.
Chemisch reines Eisen wird technisch nicht verwendet. Seine Herstellung würde viel zu teuer sein. Auch ist, entgegen der landläufigen Ansichten über Eisenhärte, chemisch reines Eisen ein ganz weiches Metall. Seine Härte erlangt es erst in der Form zweckmäßiger Legierungen und durch die Bearbeitung unter Feuer und Druck. So ziemlich alle Eisen- legierungen, die in der Technik benutzt werden, enthalten Mangan, Sili» zium, Phosphor und Schwefel, immer aber als ben wenigsten seiner Bestandteile, Kohlenstoff. Der Kohlenstoff ist im Eisen entweder in freiem Zustande oder in chemischer Bindung als Eisenkarbid enthalten. Je mehr Kohlenstoff im Eisen ist, desto größer ist seine Härte. Auch das Mangan und das Silizium bewirken eine Steigerung der Härte, jedoch nicht im gleichen Maße wie der Kohlenstoff. Ferner haben auf die Härte des Eisens noch andere Körper, die bei Eisenlegierungen Verwendung finden. Ein- sluß, so hauptsächlich Nickel, Chrom, Wolfram. Als Zusatz zu Eisenlegierungen ist erst in neuerer Zeit das Aluminium hinzugekommen. Es wirkt als Zusatz zum Eisen-, Stahl- und Kupferguß reduzierend auf vorhandene Sauerstoffverbindungen, so daß einmal blasenfreie, dichte Güsse erzielt werden und andererseits die wertvollen Eigenschaften der so gereinigten Metalle hervortreten. Sehr wichtig für die Erzielung eines guten Gusses ist die Kenntnis von der Zusammensetzung der verschiedenen Eisenlegierungen, die unter dem gemeinsamen Namen Roheisen in ben Handel kommen.
Der an Stelle der alten Rennarbeit getretene Frischprozeß bezweckt eine Entkohlung bes Roheisens durch Einwirkung des Sauerstoffes der Luft, der zunächst eigen Teil des Eisens zu Hammerschlag oxydiert, der wiederum auf Kohlenstoff, Silizium und Mangan oxydierend wirkt und diese Stosse verbrennt oder verschlackt. Dadurch verliert das Eisen Im allgemeinen seine Fähigkeit zu schmelzen, wird dafür aber schweißbar; nur bet sehr hoher Temperatur bleibt bas Eisen flüssig.
Die Herstellung ber Gießformen erforbert eine Geschicklichkeit, die zur Kunst werden kann. Man unterscheidet Modellformerei und Schablonieren in Sand oder Lehm. Bei der einfachsten Art der Modellformerei stellt man die Formen dadurch her, daß man ein genaues Abbild des zu gießenden Gegenstandes, bas Modell, in den Formstoff abbrüdt. Die Modelle technischer Gußwaren fertigt meistens der Modellschreiner aus Holz an. Sie werden mit starkem Lack überzogen. Für Kunstgegenstände, die nur einmal abgegossen werden sollen, wird in das Modell in Gips ober Wachs ausgeführt.
Kunstarbeiten früherer Zeit aus Gußeisen beschränkten sich fast ganz auf Ofenteile und Grabplatten. Oefen wurden auf ben meisten deutschen Hütten gegossen. Aus dem 17. und 18. Jahrhundert sind Eisenplatten von Gräbern und Oefen mit Reliefdarstellungen religiöser und mythologischer Art erhalten. Das sind etwas plumpe Vorläufer ber Eisenplastik, bi« im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts zierlichere und gefälligere Formen annahm, als sie sich das Gebiet des Schmuckes und der Schaumünze eroberte. Die Geburtsstätten des neueren deutschen Eisenkunstschmuckes sind Königlich Wasser - Alsingen in Württemberg und das sächsische Lauchhammer des Grafen E i n s i e d e l n. In beiden schufen beamtete Bildhauer als Modelleure ber Hütte Reliefdarstellungen aus dem Landleben ■ ober der antiken Götter- und Sagenwelt, die für sich ober als Verzierungen größerer Gegenstände zu wirken hatten. In Lauchhammer wurden auch Oefen mit angebrachten kleinen Figuren sowie ganze Oefen in Eta- tuenform hergestellt. Den Hauptzweig des Kunstgusses im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts bildete der Nachguß von antiken Gemmen und Medaillen. Nach dem Muster von Lauchhammer schuf ber Oberberghaupt- mann Graf Reben im Einverstänbnis mit dem König von Preußen eine Kunstgußabteilung ber Kgl. Eisengießerei Gleiwitz in Oberschlesien, beren Werke in kurzer Zeit Weltberühmtheit erlangten. Die Frage ist ungelöst, woher die ersten Kenntnisse und Fertigkeiten ber Gleiwitzer Kunstformer und Gießer stammten, wahrscheinlich aber ist, daß bas sächsische Werk Lauchhammer burch Abgabe seiner geschicktesten Former zum Lehrmeistet des preußischen Eisengusses geworden ist. In ben ersten Jahren bes Bestehens sorgte Graf Reben persönlich für seine Lieblingsschöpfung. Später besorgte sich die Gleiwitzer Hüttenverwaltung nach ihrem Bedürfnis die Modelle. Von Berliner und Breslauer Goldschmieden erhielt sie filigran- artige Muster, und mit der Ausführung in Eisenguß erreichte sie die höchsten Leistungen, die jemals aus diesem als grob und spröde angesehenen Metall hergestellt sind. Bekannt sind uns nur wenige ber Künstler, die der Gleiwitzer Gießerei die Modelle lieferten. Don den in Gleiwitz gegossenen Medaillen haben nur die Porträtmünzen von Leonhard P o s ck einen dauernden Kunstwerk.
Durch Massenguß ber sich nach ber jeweiligen Mode auf historisch oder - künstlerisch zeitgemäße Schöpfungen einstellte, wurde ber Betrieb einträglich gemacht. Nur bie ersten Plastiker, in ber Blütezeit des Eisengusses besonders Rauch und Schadow, wurden berücksichtigt.
Einer der besten Modellmeister der Gleiwitzer Hütte war S t i l a r s k y , er wurde 1804 nach ber neugegrünbeten Eisengießerei in Berlin versetzt. Später war Friedrich Ludwig B e y e r h a u s, der fünfzig Jahre bis zum Jahre 1865 als erster Modelleur hier tätig war, eine große Stütze ber Hütt«.
Die deutsche Eisenindustrie nahm bann in den 60er Jahren bes vorigen Jahrhunberts einen gewaltigen Aufschwung. Zu den wichtigsten Erfindungen der vorhergegangenen Jahrzehnte, bie jetzt erst zur vollen Entfaltung kamen, trat in erster Linie der Bessemerprozeß und die Siemens« Regenerativfeuerung, die große Umwälzungen, namentlich in ber Stahl- bereihmg, mit sich brachten. Der Eisenguß trieb jeboch nur noch vereinzelte Blüten unb gehörte bald danach wieder einmal ber Vergangenheit an, um in ber Zeit des Weltkrieges wieder neu zu erstehen.


