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GietzenerZamilieMäller

Kummer 44

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang jy28 Samstag, den 2. Iuni ~ ~

Die Zeit geht nicht.

Von Gottfried Keller.

Die Zeit geht nicht, sie stehet still, wir ziehen durch sie hin: sie ist ein' Karawanserei, wir sind die Pilger drin.

Es blitzt ein Tropfen Morgentau im Strahl des Sonnenlichts;

ein Tag kann eine Perle [ein und ein Jahrhundert nichts.

Gs ist ein weißes Pergament die Zeit, und jeder schreibt mit feinem roten Blut darauf, bis ihn der Strom vertreibt.

An dich, du wunderbare Welt, du Schönheit ohne End', auch ich schreib' meinen Liebesbrief auf dieses Pergament.

Froh bin ich, daß ich aufgeblüht in deinen runden Kranz;

zum Dank trüb ich die Quelle nicht und lobe deinen Glanz.

Der fremde Hund, x

Von Wilhelm Schäfer.

J®.® deter Zille noch feinen Körper wie das zerbrechliche Gefäß der mubejten Bid)ter[ee(e emfam tn fremde Straßen und fremdere Nächte trug und, auf die Gutwilligkeit zufälliger Bekanntschaften angewiesen, .""richtete: widerfuhr ihm auf der Straße von Benrath nach Buiielborf ein Erlebnis, das er, wie alles, staunend und beglückt mefen toä ->ObU,°^ nn6eren nur «in Scherzspiel des Zufalls ge- m.,®r ,roar. im "°fien Februar nach Düsseldorf gefahren, vierter Klasse E s/borgkem Geld, weil er über die rheinische Fastnacht schriftstellern

'hm das leicht geschah, geriet er auf einer Mvrgenwanderung am ft fe,tsÜ Lieblich durch die Felder nach Benrath

hri;<S -n bas äierlirfje Jagdschloß wie ein vertriebener Fürst lier einmal noch und unbekannt in seinem geflickten Mantel flnfnFnm.rtber- 3u9en5 any>e" will. Die Stimmung dieser verstaubten Nabr.n^ t.S'"g "°ch m.t ihm. als er am Nachmittag - ohne ahrS9 J * bev Morgen den stundenweiten Weg nach Düsseldorf iuchschuhen' gingno^en Schneetag, darin er ahnungslos mit Segel- anS sun ?ie stelle kam, wo sich der Rhein dicht an den Rain her- »nzteht, der ba mit einem starken Bogen die Böschung bedrängt, und J.x'r ""ss- Schneewind ihm auch den Mantel dick überzuckert« unten Wen die Schlepper ihren braunen Rauch in die dämmrige Luft ÄrinHA nerASe'? °u° Einem Feldweg ein Hund zu ihm, der äugen- MenÄ 9 ? ^E" Anschluß an die Geschäfte und Häuser der

fogJjf.1 "erloren hatte. Der Dichter sah mit gütigen Augen das ver-

Es war ein gefleckter Jagdhund, der sich mißtrauisch Stimme und'Knupperte lockte es mit feiner leisen westfälischen bas ihn x P[,e 'hw -Ein paarmal zutraulich auf das enge Gehirn, W au_> der blauen Tiefe solcher Hundeaugen demütig ansah.

aus u«hmnE.irefnlei^n weitertrotteten, der Hund ein wenig vor- «rten mnuu f b J Straße kreuzend, als ob er dem Menschen Zeit mehr tmhk ""chzukommen; verspann der Dichter sich in keine Träume gleich einem6q^te[*Un wirklichen Gedanken, wie solche ein Hund mit beniothl Menschen Mit einer Seele in die Welt geboren wäre; auch ®ebirn Sinnen nur daß die ihre Meldungen in einer Handvoll keil damit wußten, das nur im Zwang von dressierter Folgsam- unb Sinn»<tJ>r uCn fonn{e: indessen bei ihm, dem Menschen, Trieb tr mit d^b^^rnehmungen zum geistigen Besitztum würden, so daß darüber in Weltzusammenhänge zugleich die Herrschaft

den Tieren f)e und somit auch den Sinn vom Leden, der in

g . ' . n Baumen und den Steinen noch ungeweckt sei.

recht tooV bic ^"rheit hitziger Jünglinge ein, dieses Sor­

ben Sinn x9 1'$.. 8U nennen: weil erst das menschliche Bewußtsein dreist als ein 3ur Klarheit brächte, dürfte sich der einzelne

maßen ®°fU5 Vorkommen, der in der Menschheit gewisser-

°!>er und Selbstbewußtsein käme, weshalb der Fortschritt

Lottes wäre *nb Denkarbeit nichts weniger al» die Geschichte

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weil ihm zur Antwort eine Kette von tiefer Traurigkeit auffam-^ »r deutlicher als sonst, wie jeder menschliche Gedanke auch der

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öer Mensch mit feinen Gedanken und Gefühlen hinleuchten mnllte- m«r auf öas Geheimnis ein Schein van menschlicher Be eÜchtuna ae.!w

- ;re%Q1S Öiex Dunkelheit verhüllte, daß die sonst gnäd.?üb^ kennte Stot't^d^''h 9°"''^il, menschlichen Bereich ^nur Ichors« *5f" , «tott daß die menschliche Entwicklung zu Gott binführe wie jene Prahler meinten brächte sie ibn remt nnn ßinn2 fonut iei der tiefste Sinn und höchste Trieb des Menschen Gott feindlich

MWW'ZsLsLLn«

Wit der letzten Helligkeit nach Benrath, dort eine rbeit auszumessen, um mit dem Sechsuhrzug in Düsseldori xurürt xu ktn: em kräftiger Mann und Handwerker in braunen Sammetboie^ m;2l ^E.r,I.^wdling IN nassen Segeltuchschuhen mit dem ftrupniaen Biel) erbärmlich vorkam, so daß er sich im Weiteraeben nar niA? hJ? rufjigen konnte, wie jemand so dem Elend und der Bettelei ne rin n»« megte. Doch schimpfte er nach fünf Minuten schon n^ach "der ankeren ä-ääI & « ää t

Stra6eQmeüer28roetter Ungerechti^etten^de^We'K

. wor aber so wenig ein Arbeitsloser wie der Dichter in Genet.

KeK" 5F d°r°r°"di?g!asig?'Tönung "A/r'nahen Winwriuft frh6lfi Kontrasten am Horizont zu beobachten, und er hätte besser dem Chauffeur das Steuerrad gelassen, wenn der nicht gerade mit ein« Handverstauchung beim Arzt gewesen wäre. 9 1 ctner

So kam er nicht aufmerksam genug an diese Stelle, wo der Zimmer- mann "us Oberblik vor sechs Minuten die fragwürdigen Gestalten ae* ihn*n Dichter war zwar losgekommen von seinem Platz.

t?le °Le Vorstellung der menschlichen Weltoerlosscnheitund betp.'9t X nor^0' baB feine Augen in den Tümpeln ft wdem der Hund, langst ungeduldig über diesen Zufallsherrn rJ!' Erinnerung vergangener Jagdgebräuche kreuz und quer über bte Straße lief ,o bot sich dem Maler, als er die Gestalten aus der bicfen Luft auftauchen sah, rechts ziemlich mitten auf der Straße ein flatternder Mantel und links davon ein Jagdhund dar, der ihm die nn^ht ^.Urrf a?rf w't feinem Zickzackkurs versperrte. Er ließ zwar ""sh bte Hupe dreimal den tiefen Brummton machen; aber der Dichter mar schon von Signalen und Schreckensposaunen erfüllt, und der Hund ^le" ,,hE" Zusammenhang solcher Töne mit sausenden Rädern noch

^nnen. Irotabem der Maler stoppte, blieb ihm nur die Wah? Hund oder Mantel zu überfahren, und weil in dem Mantel ein mento- l-ch-s Gerüst zu stecken schien, nahm er den Hund.

, ®r /"""te die Gefahr und wußte, daß der Ruck ihm den Hal, NE" knnnte; fo hielt er die Steuerung steif und atmete erst auf, al» p? der Dogen auslief.Als einem Tierfreunb tat ihm zunächst der Hund eid und erst nach dreißig Schrittweiten, wie der Wagen stillstand/trat chm der arme Teufel ins Bewußtsein, dem er anscheinend den einzigen Begleiter und außerdem ein Stück Eigentum überfahren hatte Ex scheute also trotz feiner dünnen Stiefel den schmelzenden Schnee nicht ""d ging entschlossen nach dem Schauplatz zurück. Er fand den Hund mit Präzision erledigt unappetitlich zwar mit dem zerquetschten ®e- frofe doch auch von aller Pein befreit, indessen der Fremdling mit ge- falteten Jjanben daneben stand, als ob er ein Gebet verrichte oder sonst überwältigt wäre. Doch war es nur, daß nun der Dichter nach dem unerwarteten Abbruch seiner Gedanken schon wieder einen neuen An-