Ausgabe 
27.4.1926
 
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»Damit tonnte der Herrgott auch noch ein Satyr warten."

Geld und Gut ist zu allen Dingen nütze", fiel Mutter Peterlein ein.

Wenn ich's habe, ja, aber wenn's der Schwiegervater hat? Nein! Sollen sie sagen: Ei seht mal, jetzt kommt er!?"

Geld macht glatte Straßen," sagte Frau Peterlein,und aus glatten Strahen nützt eurer seine Sohlen nicht ab."

Nein, Mutter, dazu bin ich mir zu gut, das kann ich mir nicht mein Lebtag vorwerfen lassen, nu mutz ich noch warten. Heul nich, Liesel, kriegst ja nu ein Herrenleben drüben, wirst dich wohl dran gewöhnen und am Ende gar keinen Zimmermann mehr mögen."

Darauf schluchzte Lisbeth und setzte sich ganz dicht an seine Seite.

Das böse Geld, wenn's doch schon wieder alle mär, das Geld."

Nana", sprach Ede dem Vater nach und drehte seine Doppel- krone.Dafür kannst du dirne ganze Küche voll Näppchen un Töpbchen kaufen, und sieben seidne Bammelbänder, un rote Schuh

Lisbeth lachte. Ach, du, du kalberst doch immer."

And dann kommt ein Baron", sagte Karl düster,und will dich, und du vergitzt den Peterlein."

Da weinte sie schon wieder, und statt ihrer antwortete die Mutter.

Karl, Karl, Zutraun ist besser als sieben eiserne Schlösser. Wo wird dich die Liesel vergessen, ich kenn' brich' die Liesel! rmd du quälst sie nich, wo sie so schon keine Freude hat an dein schönen Geld. Aber wer Weitz, wozu 's gut ist: ihr zwei seid noch- viel zu grün zu Hochzeitern, drum hat's der Herrgott so eingericht, ihr sollt noch gescheiter werden. Heiraten ist kein Kinderspiel, iln derweile baut der Karl so akkurat, datz Grotz- kops ihn mit goldnen Stricken bei sich feste bindet. Habt nur Geduld:

Geduld ist wie der Sonnenschein,

Macht saure Frucht zu sützem Wein."

Muhme Peterleins Stimme hatte etwas Beruhigendes an sich; Muhme Peterlein wurde geholt, wenn einer fieberte:un­wirsch im Kopfe war". Dann mutzte sie den zu Ruhe sprechen, wie dort, so gelang's ihr auch mit der ersten Grotzelosausregung ihrer drei Kinder.

Zuletzt zog sie den Vorhang zu, brannte ein Zinnlämpchen an und drückte den kleinen Ede auf einen Stuhl. Das Brautpaar satz schon.

Nun berieten sie sich still und verständig über ein Jahr voll leidenschaftlichen Fleitzes, an dessen Ende Liesel fertig sein würde zur Hausfrau und Karl zu den Gewinnern des großen Loses sagen dürfe:Ich kann's meiner Frau behaglich machen, sie heiratet nicht hinunter."

Liebers Jahr oder in zweien."

Dabei satzen sie Hand in Hand und nickten der Muhme zu, die schon wieder strickte, als müßten Karls Aussteuersocken, gleich morgen fertig sein.

Dann kam Edes Zukunft an die Reihe und datz er noch' viel lernen müsse, wenn er mal als eigner Herr auf einem Zimmer- Hof sitzen wolle.

Komm mit zum Grotzkopf, da lernst du mehr als Balken zurichten."

Ede lachte behaglich und verlegen zugleich.Weitzte, jetzt möcht' ich schon erst mal bis Weihnachten mein Leben genießen, und nachher nu, warum soll ich mir den Zimmerhof nicht gleich kaufen lassen?"

Sein Goldstück tanzte über den Tisch..

Karl aber fuhr hitzig auf:Weil du ein Gelbschnabel bist, weil du nichts verstehst, weil sie dich betrügen und bestehlen, wenn du nichts zulernst, weil du eine morsche Kiefer nicht von einer festen Eiche unterscheiden kannst."

Oho!"

Sie platzten aufeinander wie zwei Kampfhähne; Lisbeth zerrte ihren Karl am Aermel, die Muhme klopfte dem kleinen Ede mit beiden Fäusten auf die Schultern.

Als endlich die Luft so weit still war, datz man wieder hören konnte, sagte die Muhme sehr freundlich:Natürlich bist du ein Gelbschnabel:

Sie Jugend Weitz nicht, was ihr frommt, Bis datz auch sie zu Jahren kommt."

Aber, Muhme", antwortete der kleine Ede jetzt ganz fried­lich.Wozu brauch' ich noch Gescheitheit? Ich hab' doch Geld, und für Geld kann ich mir doch alle Gescheitheit der Welt kaufen."

Ei, sieh mal! Ob der alte Claudius nich allemal recht be­hält! Weißt du nicht mehr, wie es heißt:

Denn Ehre und Reichtum treibt und bläht, Hat mancherlei Gefahren,

Und vielen hat's das Herz verdreht, Die weiland wacker waren."

Der kleine Ede wurde verlegen. Seit er hier in der Llnter- stube zu Hause war, hatte er gelernt, den alten Claudius als den weisesten Mann zu verehren, der gleich nach dem lieben Gott tarn; was in Versen zu ihm sprach, das gemahnte ihn sowieso ans Gesangbuch, und wenn nun gar die Muhme einen Elaud-iusschen Vers auf sagte, dann ging das über Pfarrer und Amtsrichter.

(Fortsetzung folgt.)

Der Flug zum Monde.

Von Dr. I. Weber- Sternwarte Leipzig.

In letzter Zeit hat das Interesse an dem Problem, den Dann- kreis der Erdschwere durch raketenartige Raumschiffe zu über­winden, ziemlich allgemeine Verbreitung erlangt. Durch die Lagespresse ging sogar vor kurzem die Nachricht, datz man in Amerika für die nächste Zeit die Entsendung einer Rakete nach dem Mond vorbereite. Nicht nur sensationell auf gemachte Romane, sondern auch ernster zu nehmende Schriften haben einen großen Leserkreis gesunden. Auch der Film hat sich bereits die Ides des Raumschiffes zu nutze gemacht, indem die Lisa-Gesellschaft dem Zuschauer dieWunder der Schöpfung" aus der den Raum durcheilenden Kabine genießen läßt.

Wir wollen uns zunächst mit der Idee des amerikanischen Professors Goddard beschäftigen, und dann auf die Grundlagen des Problems zu sprechen kommen. Bereits im Jahre 1919 hat Goddard der Smithsonian-Jnstitution in Washington eine Ar­beit eingereicht, in der er zur Erreichung großer Höhen den Dau besonderer Raketen vorschlägt. Durch Versuche wurde die Ex­plosionsenergie einer Zähl von Sprengstoffen bestimmt. Dabei ergaben sich für einzelne Pulverforten Entladungsgeschwindig­keiten bis zu 2,4 Kilometer für die Sekunde. Wie wir weiter unten sehen werden, ist eine möglichst große Anfangsgeschwindig­keit das Haupterfordernis beim Betrieb einer Rakete. Mit der geeigneten Pulvermtschung will Goddard nun eine Rakete in der Weise laden, datz eine große Anzahl einzelner Patronen tote bei einem Maschinengewehr nacheinander in einen Auspuff zur Ent­ladung gebracht werden kann. Zum Studium der höchsten Schichten unserer Atmosphäre sollen solche Granaten eine Kammer mit Aegistrierapparaten emportragen, die dann beim Niederstürzen durch einen selbsttätig sich öffnenden Fallschirm vor Vernichtung bewahrt werden. Für den Schuß nach dem Mond dagegen wird die Rakete noch eine besondere Pulverlaöung bekommen, die erst beim Aufschlagen sich, entzünden, und einen deutlich sichtbaren Lichtblitz ergeben soll. Die Rakete mutz in diesem Falle so von der Erde abgelassen werden, datz sie auf der Schattenseite des Mondes austrifft. Wissenschaftlichen Wert hätte ein solcher Schutz nach dem Monde erst dann, wenn die auftreffende Pulvermenge zu einer teilweisen Verdampfung desdort lagernden Gesteins und damit zu einer spektralanalhtischen Untersuchung führen würde. Der Transport der hierzu nötigen Pulvermengen ist aber recht unwahrscheinlich. Die Entsendung einer Rakete nach dem Monde ist daher als reiner Sport zu betrachten, der höchstens an die Rechenkunst der Ausübenden einige Anforderungen stellt. Solange auch die Strömungsverhältnisse unserer Atmosphäre nicht geTnigen& bekannt sind, ist vorerst mit großer Wahrschein­lichkeit ein Fehlschuß, zu erwarten. Man wird daher gut tun, zu­nächst das bescheidenere Ziel, die Erforschung der obersten Luft­schichten mittels Raketen in Angriff zu nehmen. Vielleicht bringen die nächsten Wochen genauere Berichte aus Amerika.

Gehen wir zunächst auf die Grundlagen des Problems zu. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, datz ein Stein bei einem senkrechten Wurf nach aufwärts um so höher emporsteigt, je größer die Geschwindigkeit ist, mit der er die werfende Hand oder Maschine z. B. eine Schleuder verläßt. Rach Erreichung der so von vornherein bedingten Höhe fällt er wieder zur Erde herab. Dem Vorgang liegt sie Tatsache zugrunde, datz die dem Stein durch den Wurf mitgegeßene Energie während des Auf­stiegs von der dem Steigen entgegenwirkenden Anziehung fettenS der Schwerkraft der Erde aubgezehrt wird. Es läßt sich daher ohne weiteres der Schluß, ziehen, daß es eine Geschwindigkeit geben muß, dir ausreicht, um den geworfenen Körper über das Gebiet der unmittelbaren Schwerewirkung hinaus zu befördern, so datz er nicht mehr nach der Erde zurückfallen kann. Bekannt­lich nimmt ja die Anziehungskraft mit der Entfernung ab, und zwar steht sie im umgekehrten Verhältnis zum Quadrat der Entfernung. Aehnlich verhält es sich bei einem horizontalen Wurf oder Schutz von einem hohen Berge aus. Denken wir uns aus einer Kanone ein Geschoß in wag rech ter Richtung abgeschossen, so wird es. von dem Fuße des Berges aus gerechnet, immer weiter entfernt niederfallen, je größer seine Anfangsgeschwindig­keit war. Infolge der Wirkung der Schwerkraft sinkt das Ge­schoß in der ersten Sekunde um rund fünf Meter herunter. Run ist aber die Erde nahezu eine Kugel, auf der in einer Entfernung von acht Kilometern die mittlere Oberfläche, abgesehen von den Dodenunebenheiten. fünf Meter unter der vom Ausgangspunkt gezogenen Wagerechten zu liegen kommt. Demnach würde ein Ge­schoß, das in der ersten Sekunde acht Kilometer in horizontaler Richtung zurücklegt und gleichzeitig um fünf Meter infolge der Schwerkraft fällt, in der Tat am Ende der ersten Sekunde toiefter in' derselben Höhe über den Erdboden schweben, wie an der Ausgangsstation. Hierbei ist der Einfachheit halber der Wider­stand unberücksichtigt gelassen, den das Geschoß durch die Luft erleidet, tote das auch bei den toeiteren Ausführungen hier der Fall sein wird. Rach den oben geschilderten Verhältnissen würde eine mit acht Kilometer-Sekunden abgeschossene Kugel dauernd die Erde umkreisen, ohne je wieder auf sie niederzufallen. Erhöht man diese Geschwindigkeit auf elf Kilometer, so kann das Geschoß ganz aus dem Anziehungsbereich der Erde wegfliegen. Selbst die