Ausgabe 
27.2.1926
 
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Der ©oTbltafer.

Bon Edgar Allan Po«.

(gortfeBung.)

Zweifellos wirst du mich für einen Phantasten halten, ab« du darfst nicht vergessen, daß ich schon eine Art Zusammen- Hang gefunden hatte. Ich konnte schon zwei Glieder ein« großen Kette zusammenfügen. An der Küste war ein Wrack ge­legen und nicht weit davon ein Stück Pergament merke wohl auf, kein Papier im Sande vergraben, mit einer Schädelzeich­nung daraus. Du wirst dich sicher fragen, wo ist da der Zu­sammenhang ? Ich antworte darauf, daß der Schädel oder Tvten- kopf das bekannte Abzeichen bet Seeräuber ist. Die Flagge mit dem Tvtenkopf wird bei allen ihren Linternehmungen gehißt.

Ich sagte bereits, daß der Fetzen ein Stück Pergament und kein Papier war. Pergament ist haltbar ja beinahe unver­wüstlich Dinge von geringerer Wichtigkeit werden selten dem Pergament anvertraut, da es sich zum Schreib«, oder Zeichnen viel weniger eignet als Papier. Diese Beobachtung lieh mich in dem Totenkopf etwas Bedeutsames erblicken. Ich vergaß auch nicht die Form des Fetzens besonders in Augenschein zu neh­men. Obzwar das eine Ende durch irgend etwas bereits zerstört worden war, konnte ich aus dem Rest doch daraus schießen, daß er ursprünglich von länglich« Form gewesen sein mußt«. Er war wie ein Streifen, der um irgendein« merkwürdige Tat­sache aufzuzeichnen gewählt worden sein moch«, um ihn dann svrgfältigst aufzubewahren."

Ab«," unterbrach ich ihn da,du sagtest doch, daß bet Totenkopf nicht darauf war, als du es nahmst, nm den Käs« darauf zu zeichnen. Wie kannst du einen Zusammenhang zwi­schen dem Wrack und dem Schädel finden, da du ja selbst zu­gibst, daß er darauf gezeichnet werden muht«, lange bevor et dir, Gott mag wissen wie, in die Hände stell um deinen Skara- bäus draufzuzeichnen."-

Ja, hi« liegt ja das Geheimnisvolle bet Sache, obwohl ich keine große Schwierigkeit hatte, diesen Punkt aufzuWrem. Ich wußte, daß ich sicher ging, und daß ich nur eine Lösung finden konnte. Ich schloß also: als ich den Skarabäus zeichnete, war kein Schädel auf dem Papi« zu sehen. Als ich meine Zeich­nung fertig hatte, üb«gab ich sie Nr und beobachtete dich ge­nau die ganze Zeit über, während du sie in Händen hattest. Du konntest deshalb den Schädel nicht gezeichrrä haben und sonst auch niemand, d« vielleicht zugegen gewesen wäre. Zeichnung war also nicht von Menschenhänden gemacht und dennoch war sie da.

Als ich mit meinen Betrachtungen so weit gekommen war, versuchte ich, und zwar mit Erfolg mich jeder Kleinig­keit genau zu «i rarem, die um dies« Zeit vovgefalle» war. Es hatte gefroren und ein Feuer brannte o dreimal ge­segnet« Zufall! im Kamin. Ich war noch warm vom Gehen und sah am Tisch Du dagegen hattest deinen Stuhl ganz nah an den Kamin herangezogen. Eben als ich Nr bat Pergament gab und du dich anschicktest, tS zu betrachten, stürzte Wolf, ber Neufundländer, herein und sprang an dir empor. Mit dein« Linken streicheltest du baS Ster und such­test dich fein« zu «wehren, während deine Rechte mit ber Zeichnung nachlässig auf beirren Knien lag und so in sehr nahe Berührung mit dem Feuer geriet. Einen Augenblick dachte ich sogar, sie hatte schon Feuer gefangen, und wollte dich gerade darauf aufmerksam machen, als du deine Hand zurückzogst und anfingst, die Zeichnung zu betrachten. Nachdem ich mir all bieS lebhaft ins Gedächtnis zurückgerufen hatte, konnte ich nicht mehr zweifeln, daß das geiler es gewesen, das den Schädel zum Vorschein brachte, den ich ja selbst darauf sah. Es ist bir Wohl bekannt, baß schon seit Ärvät« Zeiten Vev- schiebens chemische Verfahren existieren, mit deren Hilf« man jede Schrift auf Papi« ob« Pergament unsichtbar machen kann, bis man sie Wied« d« Einwirkung des Feuers aussetzt. Eschel mit aqua regia vermischt imb mit viermal so viel Wass« v«dünnt, wird manchmal angewendet, Nes ergibt dann eine grüne Tinte. Negulinisches Metall von Kobakt, in Salpetergeist aufgelöst, gibt eine rote. All« diese Sachen verlleren mit ber Zeit die Farbe, weim das Material, auf dem sie geschrieben worden sind, erkaltet.

Nun untersuchte ich ben Totenkopf mit besonderer Sorg­falt. Die äufteren Ränder also bte Ränder, welche brät äußeren Rande des Pergaments am nächsten lagen, waren am deutlichsten. Es war mir klar, daß die Einwirkung des Feuers ungleichmäßig, also nicht vollständig gewesen fein konnte. 3d) zündete sofort ein neues Feu« an und hielt jede- Stückchen des P«gamentes über bte Glut. Der einzige Erfolg war zuerst, daß sich die Linien deS Schädels noch deutlicher hervorhobe», doch als ich läng« beharrlich bei diesem Experiment verharrte, wurde in b« anderen Ecke des PapierS, diagonal zu dem Tvten- kopf, etwas sichtbar, was ich anfänglich für eine Geiß hielt. Sine nähere Untersuchung führte mich ab« zu dem zufrieden­stellenden Resultat, daß es ein jung« Bock war."

Ha, ha," rief ich,wenn ich auch gewiß kein Recht hab«.

wirklich kein drittes Glied in deine Kette du wirst kaum einen Zusammenhang zwischen deinen Piraten und der Geih finden können -7- du weißt, Piraten haben verflucht wenig mit Geißen zu tun, das ist Sache bet Landwirte."

»Ab« ich sagte Nr doch schon, daß es ein jung« Dock war und keine Geih."

»Nun denn, ein jung« Bock das ist ungefähr dasselbe."

»Ungefähr, ab« doch nicht ganz," sagte öegranö.Du hast doch sicher schon von einem Kapitän Krdd gehört. Ich hab, das Ti« gleich für eine Art Hieroglyphe gehalten. Ich sag« Hieroglyphe, denn ihr Vorhandensein auf einem Pergament drängte mir diesen Gedanken auf. Gleichfalls machte der Toten­kopf in der Diagonale den Eindruck von einem Siegel. Aber es brachte mich ziemlich auS b« Fassung, daß mir bet Hauptteil meinxK Fundes fehlte, nämlich bet wahrscheinlich vorhanden« Text d« Mitteilung."

»Ich glaube gar. Ni hofftest einen ganzen Brief zwischen dem Stempel und bet Unterschrift zu finden."

Etwas Ashnliches gewiß. Tatsache ist's, daß eine inne« Stimme mir imm« lauter zuzurufen schien, daß mir ehr großes Glück bevor stand; weshalb, wußte ich nicht zu sagen. Vielleicht war es schließlich doch mehr ein inner« Wunsch als ehre wirk­liche Vorahnung, ab« hast du nicht bemerft, daß Jupiters Worte von purem Gold mir einen starken Eindruck machten? Und dann diese vielen Zufälle und Zusammenhänge es war doch wirk­lich etwas Besonderes um bie Sache. Bedenke nur, welch Zufall es war, daß all diese Dinge gerade an dem einzigen kalten Sag« sich ereigneten, so daß ein Feuer notwendig wurde, und baß ohne das Feu« imb ohne das Dazwischenkommen beS HundeS gerade im geeignetsten Moment, ich ben Totenkopf nie bemerft hätte und so nie in ben Besitz eines so beträchtlichen Vermögens gelangt wäre?"

Fahre nur fort ich bin gang Ohr."

Also, du hast gewiß auch bte vielen Gerüchte gehört, di, tausend und abertausend Geschichten, daß Kapitän Kidd und seine Genossen irgendwo am Atlantischen Ozean einen groß« Schatz vergraben hätten. Diese Gerüchte müssen doch eine Uv- sache gehabt haben. Und mein« Ansicht nach konnten biete Gerüchte nur so lange bestehen, <cks der Schatz noch vergrab«, blieb. Hätte Kidd seine Sachen begraben unb wieder geholt, bann hätten diese Geschichten nicht in ihr« ursprüngliche» Form auf unS überkommen können. Du hast es sich« schon bemerkt, daß bte Erzählungen alle nur von Schatzsuchern, ab« keinen Schatzfindern berichten. Hätte der Pirat fein Geld wieder geholt, bte Gerüchte hätten bald wied« aufgehört. Es schi« mir, als ob ein Ereignis, vielleicht der Verlust d« Auszeich» rastg be8 Platzes, ihn der Möglichkeit beraubte, den Ort toiebee- zufinden, daß dies seinen Kameraden zu Ohren gekommen war, bte sonst nie erfahren hätten, daß ein Schatz auf dem ©biete stand, und daß diese mm durch eifrige, erfolglose Aachsorschunge« nach dem Schatz die «ste Quelle der Gerüchte waren, die jetzt im Umlauf sind. Hast bu jemals gehört, daß irgendein groß« Schatz an der Küste gefunden toorben ist."

Niemals!"

Und doch ist es bekannt, daß Kidd ungeheuere Reichtümer auf gespeichert hat. Ich nahm es deshalb als sich« an, daß ste noch in der Erde wären, und du wirst kaum «staunt sein, toerui ich bir sage, daß ich hoffte, ja beinahe mit Sicherheit annahm, dah das Pergament, das ich auf so merEtoürbige Art fand, eine Auszeichnung des Versteckes enthielt."

Und was tatst bu weit«?"

Ich hielt das Pergament nochmals üb« ein stärkeres Feu«, aber ohne weiteren Erfolg. Setzt fiel es mir rät, daß vielleicht bie Schmutzkruste, mit der es bed«K war, an diesem Versagen schuld sein könnte. Ich reinigte es sorgfältig mit lauwarmem Wass« und fegte es dann in eine zinnerne Pfanne mit dem Schädel abwärts, stellte die Pfanne auf ben Herb und zündete ein Kohlenfeuer darunter an. Nach einigen Minuten, als bte Pfanne ganz glühend geworden, nahm ich den Streife« h«aus und fand zu mein« unaussprechlichen Freude, daß « gänzllch mit reihtvcis« hingezeichneten Figuren bedeckt war. Ich legte ihn toieber in Ne Pfanne und tieft ihn noch eine Minute drin. /Als ich ihn Wied« herauSmchm, war « so, wie du ihn jetzt stehst."

Hi« erwärmte Legrand das Pergament Wied« und breitete es vor mir aus. Folgende Zeichen befanden sich in roter Tinte zwischen dem Siegel und bet Liuterfchrift daraus:

5 3±±+3 0 5 ) ) 6 ;4826)-)); 8 0 6 * ; 4 84-8 71 6 0 ) ). 8 5 ; +±( ; : ± » 8 +8 3 ( 8 8 ) 5 *±: 4 6 ( ; 8 8 * 9 6 * ? ; 8 ) * ± ( ; 4 8 5 ) ; 5 * 4-2 : *±( ,4956*2(5* -4 )8 7|8»;4069285±);) 6 4-8 ) 4 ± ±;I(±9; 4 908I:8:8 ±4-,-484-85 :

4 ) 4 8 5 4-5 28 8 0 6*SI(±9;48;(88;4(±?34;4« ( 4 ±; 4-84-; : 188; ± ? ;

Jetzt," sagte ich ihm, den Stretsem zurüci^ebend,bin ich noch genau so geschrä tote vorher, ilnd wenn ich ftfr bte» hing dieses Rätsels alte Edelsteine text Gvloonds bekomm« sollte, ich könnte ste nicht verdienen."

(Schluß folgt)

dich auszulachen, denn anderthalb Millionen Dollars sind eine zu ernste Sache, um darüber zu scherzen, ab« jetzt fügst du

Schriftleitung: Dr. Friede. Wilh. Lange. Druck und Vertag d« Drühllschen Univ.«Buch« mrd Steindruckerei, R. Bange, Gtrde»