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Seg en 12 Mr mittags wurden die Kompognieflkhrrr jam Dataillonsstab befohlen. Das Herz schlug zum Zerspringen. Setzt «ruht« sichs entscheiden. Bataillons befehl: »Die 6. mrd 8. Äom» pagnie schieben sich tu die Wicke, die zwilchen dem linken Flügel der Division und dem benachbarten 3. Korps entstunden ist. Um ^n Uhr greift das Regiment an. Die beiden Kompagnien schließen sich dem Angriff an. 5. und 1. Kompagnie folgen als Unter» «itzung hinter der Mitte." Erläuternd wurde uns mitgeteilt, daß die Lücke etwa 200 Weier betrage, und daß wir «ns von einem bestimmten Punkte aus entwickeln sollten.
Das sollte ein schwerer Tag werden. Ohne genaue Kenntnis des unübersichtlichen Geländes und der Gefechtslage zog ich mit der Kompagnie los. Seiten Augenblick konnte man in einen Hinterhalt fallen: denn der Wald war groß, und niemand wußte, wo eigentlich der Feind saß. Schwer legte sich das Gefühl der Verantwortung für meine 200 Leute auf meine Brust. Aber der Soldat darf den Kops nicht hängen lassen. Aller Augen ruhen in einem solchen Augenblick auf dem Führer, ob der auch nicht Zeichen der Unsicherheit oder Unentschlossenheit zeige. Fort mit bei, GedankenI Schicksal, nimm deinen Laufl
Durch das zum Teil dichte Unterholz arbeiteten wir unS vor. Sch befand mich bald etwa 20 Schritte vor meinen Leuten. 2km Grunde der Fosses-Schlucht bot sich mir ein erschütternder Anblick. Gitie schwere Granate war wvhl mitten in eine geschlossene feindliche Abteilung hineingefahren «ich hatte ihr schreckliche Verluste beigebracht. Um den Mannschaften daS grauenhafte Bild nicht einzuprägen, führte ich die Kompagnie auf einem anderen Weg ans Ziel. Um ein Uhr lag ich an der befohlenen Stelle. Zur Rechten zog sich die Anhöhe hin, in die wir einschwärmen sollten. Schon mußte der Feind uns bemerkt teben und beschoß uns mit leichter Artillerie, ohne uns jedoch Ware Verluste zuzufügen. .
Schnell werden die schweren Tornister abgelegt. Die hmdern uns beim Anlauf und tonnen ja nach geglücktem Sturm leicht nachgehvlt werden. So dachte ich toenigfteng; wir haben sie nie wieder gesehen. Gruppe um Gruppe entwickelt stch in dünnen Schützenlinien, wie wirs so oft geübt hatten, schwenkt rechts ein und strebt den Hang hinauf. Mein Bursche, ein biederer Schwabe — Rapple war sein Rame — Halts nicht bei niir aus. Er will bei den Vordersten sein, stürmt mit den ersten Gruppen vor und kommt bald wieder mit einem Maschinengewehr zurück, das « aus der feindlichen Stellung herausgeholt hatte.
Ich schwärme mit dem Rest der Kompagnie aus. Ein Halbzug unter einem Vize-Feldwebel sucht Anschluß nach links zum 3. Korps. Vergebens! Der Zwischenraum ist weit größer, als man vermutet hatte. Die Schützenlinie wird viel zu dünn. Was vermögen da zwei Kompagnien? Aber trotzdem gehts vorwärts den Hang hinauf. Da prasselt uns schreckliches Maschinengewehrfeuer entgegen. Die Verluste häufen sich. Wir suchen Deckung in einem flachen französischen Graben. Hier treffen wir die Reste der beiden zuerst ausgeschwärmten Züge. Sn nicht zu haltendem Draufgängertum waren ihre Führer mit ihren lichten Abteilungen etwas zu rasch vorgestoßen und hatten starken Widerstand gefunden. Trotz heldenhafter Tapferkeit hatten sie nach anfänglichen Erfolgen das genommene Grabenstück wieder räumen und einen Teil ihrer Kameraden tot oder verwundet zurücklassen müssen. Auch ihr vorbildlicher Führer, Leutnant Wendel, war schwer- verwundet lieg-engebliebM.
Zwei Vize-Feldwebel neben so manchem Tapferen sind bereits außer Gefecht gesetzt. Freiwillige erbieten sich, ihren vielleicht 50 Schritte vor uns liegenden Leutnant zurückzuholen. Es gelingt nicht. Prasselndes Maschinengewehrfeuer fegt jeden weg, der den Kopf über die Brüstung hebt. Es hat keinen Zweck, die Leute zu opfern, zumal einige bestimmt versichern, ihr Führer fei tödlich getroffen.
Ich versuche, etwas weiter links vorzukommen. Wieder schLagt verheerendes Feuer in unsere Reihen. Es geht nicht. Zurück in das alte Grabenstück! Die schweren Verluste, das vergebliche Dnrennen haben die Leute etwas kopfscheu gemacht. Setzt nur nicht die Verven verlieren! Der Ausgang des Tages hängt vielleicht von uns ab. Sch schicke zwei Melderpaare zurück zum Bataillon und bitte um Unterstützung. Ein Mann kommt wieder und meldet, das Bataillon nicht gefunden zu haben. Die anderen drei waren Wohl in ihrem Blute liegengeblieben.
Da plötzlich setzt unsere schwere Artillerie wieder ein. Der Angriff war auf der ganzen Linie auf unüberwindlichen Widerstand eines starken, gut eingegrabenen Güners gestoßen. Run geht die Hölle los. Stunden des Entsetzens folgen. Man Wußte anscheinend nicht, daß wir so weit vorn am Hänge klebten und belegte unseren Graben mit schweren Kalibern in der Annahme, dieser sei noch von den Franzosen besetzt. Wenn den Soldaten etwa« niederdrückt, so ist es das Gefühl, von den eigenen Kamera deir beschossen zu werden. Wir weichen nach rechts und links im Graben aus. Gin Vorwärts oder Rückwärts gibts nicht: beim da werden wir von dem Maschinengewehrfeuer des kaum belästigten Feindes gefaßt. Sch schicke einzelne Melder zurück, damit unsere Artillerie das Feuer verlege. Sie kehren nicht wieder, scheinen auch keine Befehlsstelle getroffen zu haben: denn die Kanonade geht mit unverminderten Heftigkeit weiter. Furchtbare Stunden, die nur der sich vorstellen kann, der sie erlebt!
Da gegen fünf Uhr eine Feuerpause! Sst dies das Zeichen zum neu einsetzenden Sturm? Oder wird der Orkan bald wieder
loSbvechen? Da nahen in raschen Sprüngen die 5. und Z. Kompagnie. Verwundete hatten da hinten erzählt, in welcher Bedrängnis wir da vorn lagen.
Noch immer schweigt unsere Artillerie. Ein rascher Entschluß! .Das Bataillon greift an!“ Schnell sind die Verbände angesetzt. Ein Sprung aus dem Graben! Weber vor dem Feinde bleiben, als vielleicht noch einmal die Hölle des eigenen ArtilleriefeuerS über mich ergehen lassen! Wie ein Wann stürzt alles aus der Deckung heraus nach vorn. Schüsse krachen, Leute sinken lautlos oder mit wehem Auffchrei zusammen. Ein bärenstarker Reservist stürzt wie ein gefällter Eichbaum neben mir nieder. Gin schwerer Oberschenkelschuß hat seinem Leben ein frühes Ende gesetzt. So leid es un8 tut, helfen tonnen und dürfen wir ihm jetzt niM. Wir erreichen ein starkes Drahtverhau, teilweise zerfetzt und übereinander getürmt. Dahinter eine Hecke! Hier sitzt der Tod wn& greift nach uns mit seinen knöchernen Fingern. Mancher Kamerad stürzt in dem ekelhaften Drahtgewirr zu Tode getroffen nieder. Wir sind durch! Zweihundert Arme strecken sich uns entgegen. Die ersten Gefangenen! Wir sind am Wege Douvemont—Chambrettes Ferme. Eine kurze Pause zum Verschnaufen. Die Lungen bersten bald von dem mühsamen Lauf.
Unser Angriffsziel für den Tag ist erreicht. Aber nur nicht hier liegen bleiben! Die lebende Hecke und der Weg bieten dem feindlichen Artilleriefeuer ein treffliches Ziel. Also weiter! Etwa 5 Meter vor! Da sind wir auf der Höhe. Don halbrechts schlägt uns aus kurzer Entfernung neues Feuer entgegen. Kopf an Kops stehen die BlaubeHÄmten und schießen, was der Lauf hergibt. Wie Hornissen zischen die Spitzgefchosse an den Ohren vorbei und reißen wieder manchen von uns nieder. Wan glaubt, gegen eine unsichtbare stählerne Wand anzurennen, und erwartet jeden Augenblick das todliche Geschoß.
Wir kormnen näher. Kein Schuß von unserer Seite! Mu blankem Bajonett wird der Graben genommen. Mit mir springen! einige meiner Leute hinein. Nach kurzem Kampf ergeben sich Sie Verteidiger. Sie toerfen die Gewehre hin, schnallen ab und heben Me Hände hoch Es waren Prachtgestalten, Bretonen, und gehörten dem berühmten .eisernen Korps" an, das die französische Heeresleitung in aller Eile auf Lastkraftwagen herangeführt hatte. Wieder waren etwa 180 Mann als Gefangene in unsere Hände gefallen. Schon eilen sie mit hochgehobenen Händen den rück- wärttgen Hang hinunter der Gefangenschaft zu. Sv ernst und schwer die Stunde auch war, ein Lächeln über den komischen Anblick huschte manchem Musketier über das wetterharte Gesicht. Dabei offenbarte sich mir in glänzender Weise das gute Gemüt des deutfchen Soldaten. Es fiel keinem mehr ein, sich an dem waffenlosen Gegner zu vergreisen, trotzdem er uns schwer zugesetzt hatte. HöcMenS ein Dvcckklumpen flog den GHangenen nach, um so der inneren Erregung ein Dentll zu schaffen.
Rechts und links von mir kommt es zu erbitterten Nahkämpfen. Hier stehen Maschinengewehre, die uns schwer zu schaffen machen. Doch es wird geschafft, allerdings mit schweren Verlusten. Beim Durchzählen ergab es stch daß 169 Wann im Graben waren. Der Tod hatte überreiche Ernte gehalten. Unter den Toten des Bataillons waren auch vier Offiziere, darun^r Leutnant Wendel und Leutnant Theobald von der 8. Kompagnie. Wir haben sie einige Tage später auf dem heiß unckämpsten Boden begraben. Aber der Erfolg war auch groß. Wir saßen auf einer beherrschenden Höhe, hatten 280 Gefangene gemacht in» Mer Maschinengewehre erbeutet.
Wir richteten den Graben sofort zur Verteidigung eut. Sch schickte Melder zum Dataillonsführer und bat um Unterstützung, da wir wieder rechts noch links angelehnt waren. Da keine Unterstützungen vorhanden waren, sollten wir die Stellung aufgeben und nach rechts Anschluß suchen. .Dein, die beherrscheickte Höhe aufgeben, um sie vielleicht am nächsten Tag mit neuen Blutopfern zu nehmen, lieber wollten wir sie mit unseren schwachen Kräften zu halten suchen." Sch meldete den Entschluß, und der Dataillonsführer beließ es bei der Sache.
Bald sollten wir Gelegenheit bekommen, unseren Graben verteidigen zu müssen. Sn der einbrechenden Dämnierung sahen wir aus dem Grunde vor uns eine dichte Schützenlinie heraufkommen, dahinter geschloffene Kolonnen. Waren es Deutsche oder Franzosen? Deutlich sah man ihre vchttttbewegungen. Die unheimlichen Gestalten hatten sich vielleicht bis auf 100 llAter genähert Da springt ein Mann der Kompagnie auf die Brüstung und ruft laut hinüber, sich zu ergeben. Schüffe waren die Antwort. Der Feind warf sich hin und feuerte. Wir blieben MC Antwort nicht schuldig. Nach längerem Feuergefecht war der Angriff abgeschlagen.
Die Nacht brach herein. Gs fing an zu schneien. Wie ent weißes, weiches Totentuch legte stch der Schnee über das Land. Nur kleine Schneehügel verrieten, daß darunter einer der Tapfren! den ewigen Schlaf schlief. Sn dem Graben entstand em fürchterlicher Morast. Die Natur verlangte ihr Recht. Der Hunger kam und der Schlaf. Die Tornister der Franzosen boten uns Weitz-- brot und Konferven, um den Hunger zu stillen, und der gute Rotwein, den wir in den Feldflaschen fanden, durchwärmte wohlig unsere erstarrten Körper. Mit Ausnahme der Wachen hatte sich alles im Graben zum Schlafen niedergesetzt. Der Schnee aber fiel weiter in weichen Flocken nieder und hüllte die Schlafenden ein.


