Ausgabe 
27.2.1926
 
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Unerqirtrft von falschem Schlumnwr, 3Eu* d*S Wechsels wildem Spiele Schauend fronen nach einem Ziel«. Durch die öde stumme Oeere «Ml ich mich euch Ml verbündet: Sb der Lag daS Recht verkehre, Ewig strahlt der Stern der Ehre, Kühn in hetkger Rachck entzündet.

Eichendorfs, Aachtfetar.

Lud «S soll die Rachtoelt laut erfahren. Wie auch deutsche Bürger dankbar waren, Wie wir der Gefallnen Lat erkannt. Daß ihr Lod unS liebende ermutet, Daß sie für älnwürd'ge nicht geblutet: DaS beweise, deutsches Vaterland! Deine Sänger laß in Liedern stürmen, lhti> zum Steine füge kühn den Stein, Und die Pyramide laß sich türmen. Der gefall'nen Brüder wert zu fein. Bur glaub nie, du schmücktest ihre Krone, Wenn du deine gvld'nen Pantheon« lieber ihre GrabeShügel wölbst! Stolzes Volk, denkst du mit Marmorhachen Deines Dankes Schuldbrief abzukaufen? Deine Kuppeln ehren Istch nur selbst. Nur das Sw'ge kann daS Ew'ge schinücksn, Erdenglanz wellt zur Vergessenheit. Was die Zeilen brechen und erdrücken, Ist gemein für bte Unsterblichkeit.

Körner, Auf dem Schlachtfelde dim Aspern.

Für Tugend, Menschenrecht und Meirschensreiheit sterben. Ist höchst erhabner Mut, ist Welterlöser-Tvd: Denn nur die göttlichsten der Heldenmenschen färben Dafür den Panzerrock mit lhröm Herzblut rot. Am höchsten ragt <en ihm die grohe Todesweihe Für sein verwandtes Doll, fein Vaterland hinan. Dreihundert Spart« ztehn in dies« Heldenreihe DuuchS Dor der Ewigkeit den übrigen voran.

®. A. Bürger, Die Lode. IZ98.

Was weinest du neben dem Grabe?

.Und hebst die Hände zur Wolle des Todes Und der Verwesung empor?

Wie Gras auf dem Felde sind Menschen Dahin, tote Blätter: nur wenige Lage ®dyn tote verkleidet einher.

Der Adler besuchet die Erde, Doch, säumt nicht, schüttelt vom Flügel den Staub, Kehrot zur Sonne zurück.

Klopstock, Klogode.

Die Iteberlebenden sollen mehr sein als bi« Schatten iHv« Liebem. Ihr sollt nicht Schatten sein, Bäume foCft tzr sein, bte üb« Gräbern blühen und Frucht tragen!--

Ihr sollt Totenerwecker sein! Habt ihr HerzenSkrcht und LtebeSkraft genug zu solchem Werke!... Glaubt, die Besten unseres Voltes sind nicht gestorben, dass die Lebmdigen tot sein, sondern daß die Toten lebendig würden! Malter Fte?.

Unser Gießener Regiment vor Derdnn.

Don Fr. Adam.

Dor zehn Jahren fetzte der gewaltige Kampf mn die Rfefen- festung Verdun «in, den Eckpfeil« der französischen Stellung. Die Kämpfe, die den .Stier bei den Hörnern packen" und von der Nutzlosigkeit weiteren Widerstandes überzeugen sollten, ge- höven zu den erbittersten und blutigsten d« 'Weltgeschichte und verschlangen die Blüte Der deutschen Aation.

Daß der grohe Wurf nicht gelang, lag nicht an d« fechtenden Truppe. Diese kämpfte kaum wenig« löwenhast als xmf«e Tap­feren bei dem Dormarsch tat Jahre 1914. Widriges Geschick, höhere Gewalten und Feyter d« Orgmtifatton stehen daS groh- zügig angelegte, aber nicht bis zum Ende knwchdachte Werk miWngen.

Was ab« unsere unvergleichlichen Truppen, vor allem unsere brave Infanterie, in selbstlosester Aufopferung unter den schwie­rigsten klimatischen Verhältnissen und unter stärkst« Gegen­wirkung eines zähen Feindes geleistet haben, grenzt ans Itebev- menschliche. Einem Mitkämpfer aus jener Zell, den die »Hölle von Verdun" nicht verschlungen hat, sei gestattet, an dies« Stelle einiges aus seinen Kriegs tagebuchblättern zu «zählen.

1. Der Anmarsch

Ster 22. Februar brach an. Ein wurrktervoll« Spättointertag! Seit Wochen Dege" und nichts tote Liegen, d« das Erdreich in einen zähen Brei vertoandekt und die wenigen Anmarschstrahen fast ungang- und unfahrbar gemacht hatte. Jetzt endlich konnte d« von Tag zu Tag verschobene grohe Schlag gegen die Festung D«dun geführt w«den. Wir lagen im Wald» von M«les. Als wir an jenem Morgen vor unsere Holzbaracken traten, hatte sich

das Wetter oufgeflGirt. Zahkrchche FesfefballvnS hoben sich scharf vom Morgenhimmel ab. vchlagarttg setzte das Höllenkcmzert «ns«« schweren Artillerie em. Die gewaltigen 21« und 42« spim lange Feuevgarben auS. Die Erde bebte, die Fenster uns«« Baracken klirrten. Wir fühlten alle: GroheS bereitet sich da vor! An dem Erfolg zweifelte wohl kaum jemand unter uns nach den ungeheueren DorbeveitulWen, von denen wir Zeugen gewesen waren.

Eta lang« Tag und «och ein«! Gerüchte üb« schwere, ab« siegreiche Kämpfe waren bis in uns« Waldlag« gedrungen. Die tariere Spannung wuchs von Stunde zu Stunde, von Minute zu Minute. Man kam sich so Beta vor, und doch fühlte man sich als Rädchen in dem gewaltigen Uhrwerk, das da abzulaufen begann.

Da am Nachmittag des 24. Februar «hielt das 2. Btt. 116 den Befehl zum Vormarsch Wir machten uns fertig. Tief« Ernst, ab« auch d« feste Wille, nufere harte Voldateirpf licht zu er­füllen, lag auf allen Gesichtern. Aach ein« kurzen Ansprache, in bet wir unS gelobten: All« für einen, ein« für alle! ging 3 durch den Wald über nasses Wiesengelände vorwärts. Richtungspunkt zunächst d« vor «ns liegende, langgestreckte Hügel, hinter dem unsere schweren Mörs« ihre todbringenden Grüße hinüber- sandten auf die Stellung deS Gegners! Inzwischen war es däm­merig geworden. Die Gegend hüllte sich in dichten Aebel. Wett dorn blitzten ganz schwach Scheinwerfer aus, die Meldungen nach hinten blinkten.

Führ« nahmen uns in Empfang. Lange Gefangenenzüge kamen uns entgegen. Die Begleitmannschaften wußten zu er­zählen von den «bitterten Kämpfen um den Caures-Wald, den Wavrille-Wald und das festungsartig ausgebtaue Dorf Deaüu Wavrillo-Wald und das fefttmgsartig ausgebaute Dorf Beau­mont. Oft stapften wir durch die sumpfigen Wiesengründe, da die wenigen Straften frei gehalten werden mutzten für das Vorbrin­gen d« schweren Artillerie, die unter dem Schutze der Dunkelheit Stellungswechfel vornahm. Aur hi« und da ein Schutz! Sonst tiefe Sttlle, als Hofe die Natur Atem von all dem Schrecklichen, was fte in den letzten Höllentagen «lebt! Merkwürdig hörte stch'S an, wie unsere 21er-Mörs« auf ihren Breiten Radkränzen noch vorn klapperten.

Jetzt hatten wir den Rand des Caures-Waldes erreicht. Sie Hauptstaatze DilleDach«auville lag unter feindlichem Störungs- feu«. Aber sie mußte benutzt toCT&en, da der stark verdrahtete und von Granaten älter Kalib« zerhackte und aufgewühlte Wald ein anderes Durchkommen unmöglich machte. Also vorwärts. Ein eigenartiger süßlich« Geruch schlug uns entgegen und legte sich feinfühligen Naturen schwer auf die Nerven. Es war d« Geruch dsS Pulverdampfes, menschlich« Leib« und des reichlich ver­gossenen Menschen- und Ti«blntes. Ab« bald hatte man sich daran gewöhnt.

Es war stockdunkel und feuchtmodrigkalt. Halt! Die Kompag- utsn warfen sich hin. Wir blieben einige Zeit liegen und warteten weitere Befehle ab. Offiziere und Mannschaften wickelten sich in Decken und Zeltbahnen und suchten auf Vorrat zu schlafen. Den meisten gelang'-. Bald verkündeten tiefe Atemzüge und mehr obet minder starkes Schnarchen, daß die gesunde Natur und die Abspannung Herr geworden waren üb« die überreizten Nerven. Seife flüsternd unterhielten stch die Kompagnieführer.

Dumpf krachend fuhren die Geschosse in den düsteren Wald. Eta Volltreffer in die am Waldrand liegenden Mannischasten! Di« ersten Verluste: ein Toter, der Kriegsfreiwillige Fleck, und zwei B«wundete. Die Leute schnarchten ruhig weit«, ohne sich von bet Stelle zu rühren. So abgestumpft waren sie Bereite: Das Schicksal nimmt doch feinen Sauf! Endlich Wied« Befehl zum Weitermarsch! Es war schw«, die halb «starrten Mannschaften Wied« hoch zu Bringen.

Durch den Wavrille-Wald an haustiefen Granattrichtern: vorbei ging'« lautlos in das Dorf Beaumont hinein, in das hallend schwere Kaliber von drüben einschlugen. Die Kompagnien" suchten ta den zerschossenen Häusern und in Kellern Deckung, so gut e8 eben ging. Auch ich versuchte ein wenig zu schlafen. Auf ein« harten Bank machte ich mirs Bequem.

'2. Sin schwerer Tag.

Als ich aus meinem Halbschlumm« auffuhr, war es b«eits dämmerig geworden. Ich sammelte meine Kompagnie, verteilte die ta bet Nacht heran geholten Handgranaten und stieg üb« die Höhe von Beaumont ta den Fosses--Wald hinab, wo ich den Rest des Bataillons am Rand des Gehölzes traf. Das Wett« war unfreundlich kalt und neblig. D« Vormittag »«ging ohne Kampfhandlung. Die Mannschaften schrieben letzte Grütze an ihre Lieben zu Hache.

D« rückwärttge Hang lag voll Tot« und Schtoerverwundeter. Es waren ta der Hauptsache Marokkaner, die hter heldenmüttg Widerstand geleistet hatten. Ein Bild wird mir unvergehlich bleiben. Eta« dies« Naturmenschen war bis zur Unkenntlichkeit im Gesicht v«stümmelt worden. Daneben hatte « eine schwere Deinverletzung. Er lag wie tot da, kein Klagelaut kam von feinen Lippen. Nur hie und da eine leise Bewegung verriet, daß noch Leben in ihm war. Siner meiner Leute steckte ihm eine cmg«auchte Zigarette ta den Mund. Und v Wunder! D« arme K«l rauchte den Glimmstengel fertig. Eine solche stoische Ruhe war uns üBerfetaerten Europäern schier unfaßbar.