Gießener Zamilienblatter
Unterhaltungsbeilage zum Siehmer Anzeiger
Jahrgang (926 Samstag, den 27. Zebruar Nummer l7
Einem Helden.
Don Airarda Huch.
Der km gekämpft und überwunden, Qlun lös« sich auf deiner Brust da» Sqg. Der Sterne £?id)t, dem du entschwunden, llmflute kühl dein stillgewordneS Herz.
Das schwE Korn, di« trunkne Rebe, Vorüber du in atemloser Schlacht: In Duftgewölken denn umschwebe, O Held, dich Schlummerndem der Dom der Lacht.
Dir trug kein heimatlich Geläute
Auf Taubenfchwingen Feierabend zu, Dir ward statt Sieg, Triumph unb Beute Ein drmkler Kranz und tiefe, tiefste Ruh.
Der du gerungen bis ans Ende,
Weckt dich dereinst Drommetenaufgebot, Gegürtet mit dem Schwerte Weiche Das neue Antlitz stolz ins Morgenrot.
Was würden sie sagen?
Ein Wort zum Kriegs-Gefallsnen-Gedenktag
von Wilhelm Kornmann, Pfarrer in Ulrichstein.
2m Geist stehen sie uns vor, in diesen Stunden deutlicher als sonst: die Gefallenen des großen Krieges, für viele unter uns: unsere Gefallenen. 3m Trubel unserer Arbeit, tot Saus unserer Alltäglichkeit entschwinden sie uns, seien wir doch ehrlich gar gu Reicht. Jetzt steigt in uns, den überleben bm Kämpfern In jener furchtbaren Zeit, das Gedenken daran ganz groß und wuchtig- eindringlich herauf: wieder dröhnt der Schritt nächtlich marschierender Kolonnen, wieder schwingt sich auf der Fribsoldaten- sang in Flandern:
„ Und sollen auch wir die dunkelste Brücke, Freunde, im Zug der Schweigenden gch'tt, Dann läßt uns noch einmal mit siegendem Blicke Rückwärts ins liebe Leben seh'ir.
Es winkt
And singt:
Boll Glück die Sekunde, voll Weh eine Stunde Voll Hoffen ein langer, seliger Lag, Hin Frauenbildnis auf goldenem Grunde, Ein Lied — ein Hieb — und ein älhrenschlag. Ein Atemzug und ein Federstrich — Das war ich!
Fährmann, hol' über!
— Vorüber! —
Uni) eh' wir auf ewigen Sonnenfpuren Lächelnd den wirkenden Weltgeist oersteh'n, Da wollen wir über die Heimatflureir Vorwärts in deutsche Zukunft späh'n Es blinkt
Und klingt:
Burgen und Zinnen — Sorgen unb Sinne« — Ein herrlich bereitetes Ackerfeld, Strome von Arbett und Segen rinnen Durch deine Adern, du deutsche Welt!
Deine Grenze — Beine Zeit?
Die Ewigkeit!
Fährmann, hol' über!
— Vorüber! —
Und frei dann noch einmal di« Stirn «chob«^ Das Schwert am Herzen, das Kni« gesenkt. Mit langem, furchtlosem Blick nach oben. Wo die Helle sich strahlend durchs Daniel Da spricht das Licht:
Vom Lichte gekommen, zum Achte genotafce«, Heldenkinder, sv bleibt ihr mein!
Alle di« andern, di« nach euch kommst, Sollen Acht noch aus eurem Ächte fein. Komme, Las kommen will, Seele, sei still!
Fährmann, hol' überi
— Hinüber!'
Der Sang verklingt, die Wolken verziehen, der Rebel weicht: weit vor uns Hegt unser Land, um das sie gefällst, um das wir alle gedarbt und gerungen. Wir schreiten weiter in den Tag hinein. immer mehr werden Sltyelheiten unserem Auge sichtbar. Wir sehen daS Deutschland von heute, unser Deutschland. Wir sehen'» in einer Gärung, einer, willlS Gott, Krankheit zum Leben. Mitten drin: wir selbst!
älnd sv treten wir mtt dem, was wir sind und was wir leben, unseren Toten des Krieges unter das Auge. Wie klopft da manches Herz: dieser Blick ist Mer unerträglich — es ist Ber Blick unerbittlicher Abrechnung, — der Adlerblick, der alle« durchschaut, — der AlenschÜcheS enthüllt und wahres Wesen erschreckend deutlich zeigt...
Da scheu nun auch wir die Zerstörung unsere» Lebens, von der des Weltkrieges bis gu unseren engstent Kreisen. Da ist die Sh«: gottgegeben, daß zwei Menschen einander fördern, ergänzen, toeiterbringen auf dem Weg, den Gott uns bestimmt, — daß fit einander das Letzte und Tiefste geben, was Menschen «taanber geben können: was habt ihr Menschen daraus gemacht? Da bringt ihr'» fertig, mit berechnendem Verstand solche Dinge zu ferrfen und gu leben! Da zieht ihr einander hinab, statt herauf! Da vertiert ihr miteinander! Da lebt ihr nebmebtonber, berat gusanunenleben kann man es gar nicht nennen. Da nchmt ihr euch selbst das Wertvollste, waS ihr euch geben konntet!
Da ist die Geschwisterschaft. Wolltet ihr doch mitein*» ander leben, tote die besten Freund«I Mer di« Freunde — sucht ihr euch in anderst Familien! Der Bruder sollte ritterlich sein gegen die Schwester, die Schwester eine vertraute Freundin des Bruders, — und wa» mache ihr daraus!
Stob da ist di« Freundschaft. Mancher unter euch ist nicht ntehr recht fähig, das Vertrauen zu einem anderen Menschen aufzubringen. daS dafür notwendig ist; er hat zu schlimme Erfahrungen gemacht! WaS der Freund dem Freund anvertraut, das wird so oft bald laut! Was die Freundin der anderen gläubig mittellt, wird so oft Klatsch! Wo ist unter euch jenes Verhältnis zweier Menschen, das allein den Rainen Freundschaft verdient?! WaS habt ihr Menschen daraus gemacht?
Da ist da» zarteste und doch stärkste Verhältnis, das unter zwei Menschen auf Erden möglich ist: das von Mutter und Kind. WaS sollte «S feto? Hub was könnte es sein?! llreb wa» habt ihr Menschen daran» gemacht? Da widerspricht das ehr paar Jahre alte Kind schon der Mutter, da steht der Sohn gegen ben Vater aus. da geht die Tochter, die sich nach der Konfirmation ja schon erwachsen dünkt, ihre eigenen Wege, — da verÄnsamen alte Eltern und fallen der Wohlfahrtspflege gut Last! —
Eindringlich lastet ein Blick auf uns. Richt, daß wir nebat dem Schatten das Licht nicht sähen. Und fällt'» aber schwer auf die Seele, daß da so tiefe Schatten! ünb noch schwerer will'» uns bedrücken, daß wir hier nicht etwa schuldlos, sondern alle irgendwie mitverstrickt und mitschuldig... Laßt uns nicht so obete ssachlich feto, „die anderen" anzuklogen! Laßt uns unS selbst anklagen und beim versuchen, daß uns zutiefst Einsichtigen bte rechte Hille werde!
Deutsche» Voll, vergiß beite: Gefallene« nicht!
Sieh ihnen frei in» Auge!
Laß dir mit ganzem WahrheitZerntz tntb bz aller öta&ring« llchkrit von ihnen sagen, was zum Fried« dient, und wa» gras Besserung untereinander dient!
Wollten wir vvv.ri Arm« unserer ÄriegStotLN besteh««, baita soll:« vieles io unserem Volk heute ander» fei». — auch gerad-i Bet n«S!
Totenfest.
Deutsche Dichterworts.
Wa» je Große» brach dir SchsuckM, Sch ich durch dte Still# gebet, Helden aus den Wolken ftebea, Grnstlm Blickes, ohne Wanken, Lind e8 wollen di« Gebautes
Mtt bes guten Alten hauten. Sich to ihr Gespräch vermischet, DaS da kommt mtt WaldeSbraus«. Manchem fülltS die Brust mtt GtMtsen, Mich soll» laben und erfrisch«! äl-nd so wachen beute viele Dirts am über ihrem Kummer;


