hervorquellen, so zu lenken, daß sie sich der Technik anpassen und zu einer „technischen" Form zusammenfinden? Es liegt in dieser Forderung die ganze Erkenntnisarmut des modernen Materialismus. Oder liegt nicht eine Gottlosigkeit darin, die ungestüm danach verlangt, daß auch die letzten geweihten Kerzen erlöschen sollen? Der heilige Geist der Form, der uns zum tiefsten Ausdruck alles Menschlichen Serz und Zunge löst, die geistige Schöpfung überhaupt, soll durch sie gebrochen werden und als Reklameschilderei um eine Einrichtung prangen, die meiner und deiner Bequemlichkeit wohl hilft, die aber unsere Seelen ins Chaos zurückstößt und das Gestirn «nseres Seins fiir diese Inkarnation verfinstert.
So erkennen wir, daß die Technik aus großer Unvollkommenheit !lammen muß, denn was sich nicht als selbstverständlicher Teil n die Ganzheit des Lebens einfügt, erzwingt sich keine Form. Und was sich keine Form erzwingt, lebt nicht. Auch ist die Technik, keine Errungenschaft des Menschen, denn dann wäre er ja imstande, sie zu befehligen, ihr Grenzen zu ziehn, sie erkenntnisvoll einzuordnen. Vielmehr hat sich die Technik den Menschen errungen. Millionen Verstände schärfen sich einseitig für sie. Millionen Gefühle sterben stündlich unter ihrer Macht. Millionen Gehirne können zu sich nicht mehr von ihr trennen, erheben fie zu ihrem Götzen und beten diesen uni immer neue „Wunder" an.
Ueberall will die Technik heraustönen: aus Gebäuden, Dramen, Tonwerken, aus Gedichten, Gemälden, Plastiken. Doch ist es nicht ein großer Irrtum, der den Dichter anregt, die Technik zu besingen, das Empfindungslose, Errechnete? Er glaubt nur, die Technik zu besingen, denn er besingt tatsächlich die in ihr eingepferchten Naturkräfte. Er besingt den Wirbel der Räder und siehe, er übersetzt sich die Natur in Stahl und Eisen. Er sängt den Flug der Äero- plane in Rhythmen ein und besingt doch nur den weltalten Ikaros- traum im eigenen Blut, den gleicherweise jeder Vogelflug beschwört. Er besingt Bahnhofshallen, und doch sind es nur unzählige Bewegungen, Geräusche und das Zyklopische der Materie, was ihn reizt; Bewegungen, die gleicherweise in Wolken, Fluß und Bäumen, Geräusche, die in Sturm und Donner sind, und das Zyklopische der Materie, das doch aus jedem Felsenhaupte droht. Die eigentliche Technik kann er nicht besingen, weil sein Wort als wirkliche Form aus der Beseelung geboren ist und sich nicht als Verschalung um ein Errechnetes legen läßt
Kolumbus-Anekdote.
Von Friedrich Freksa.
Die Krone von Segovia beherbergte im Jahre 1505 der Fleischwerdung viel Serren von kastilischem und argonischem Adel.
Zum erstenmal hielt König Ferdinand von Aragonien wieder Sof, nachdem das Trauerjahr um seine Gemahlin, Isabella von Kastilien, verstrichen war.
Eines Morgens nun, an dem die ganze Gesellschaft der Ritter rmd Serren noch frühstückend unter den Bäumen saß, betraten den Platz zwei Männer, deren Saltung und Gebärden seltsam von den anderen Gästen abstachen.
Zwar war ihre dunkle Kleidung reich und ritterlich, allein der breite und wiegende Gang verriet die alten Seeleute. Trotz der Ringe an den Fingern erschienen die Fäuste hart und abgearbeitet, die Gesichter waren tief gefurcht und die Augen blickten blau und scharf. Sofort richteten sich die Blicke der Anwesenden auf die Ankömmlinge. Ein Gefrage Hub an, bis sich einige Serren fanden, die über die beiden berichten konnten.
„Es sind die- beiden genuesischen Abenteurer, Chriftobal und Bartolomeo Colon, die soviel Wesens machen von dem neuen Seewege nach Indien, den sie gefunden. Es sind Unverschämte! Sie haben dem Könige und der nun in die Ewigkeit eingegangenen Königin vorgeredet, es wäre wer weiß wie schwer gewesen, den Seeweg zu finden. Allein es ist ganz einfach, nur gen Westen heißt es den Kurs nehmen, so gelangen die Schiffe, wenn sie erst Madeira passiert, allein dahin! — Aber die beiden Abenteurer verlassen sich auf eine leichtsinnige Zusicherung der Königin Isabella. Chriftobal verlangt den Rang eines Vizekönigs und Kerrschergewalt für sich und sein Geschlecht für ewige Zeiten, mitsamt deni Zehnten von allen Einnahmen ans den Besitzungen.
Der König in seiner Gnade hat ihnen große Besitzungen in Kastilien geboten und den Rang von Granden des Reiches. Sie waren so unverschämt und stech, diese Gnaden auszuschlagen!
Es sind Erkundigungen nach der Serkunft der beiden eingezogen worden. Wollenweber war ihr Vater und, wie uns berichtet ward, auch Seeräuber, wenn es sich traf. Die Serkunft erklärt die Anverschämtheit und Frechheit der beiden zur Genüge."
Chrsstobal und Bartolomeo Koknnbus hatten inzwischen einen Sitz auf einer Bank eingenommen. Aus den Gesichtern der alten Seeleute gab sich Kraft kund und Verantwortlichkeitsgefühl sprach aus den gefurchten Stirnen und gepreßten Lippen.
Ihre Ohren hatten wohl fast alles vernommen, was über fie geredet ward. Ingrimmig saßen die beiden da und dachten nach:
Ja, jetzt war es leicht, von Palos nach Guanahani zu fahren. Aber wie lange Jahre des Lebens hatten beide diesem Plan geopfert, der zuerst im Kopfe des jüngeren Chriftobal sich geregt hat.
Neun Jahre hatten sie daran gesetzt. Von Portugal war Christoph nach Spanien gegangen und Bartolomeo, der Aeltere, nach England, um Seinrich den Achten zu bewegen, ein Schiff auszurüsten. Bartolomeo war in die Land von Dünkirchener Meerwöffen gefallen, aber Chriftobal war es endlich geglückt, nachdem er schon den Entschluß gefaßt hatte, von Spanien nach Frankreich zu wandern.
Er gedachte noch des Tages, da er ans Meer kam, zum Kloster Rabida, auf den Armen ttug er sein Söhnchen Diego. Leih war die Lust und die Mauern des Klosters schimmerten weiß wie Schnee. Beide waren sie verschmachtet, mutlos und der schweren Last müde. Doch hier ward ihnen unvermutet Silst zuteil. Juan Perez Märchen«, der Beichtvater des Königs, hielt sich zufällig int Kloster auf. Er erkannte den wahren, unerschütterlichen Geist des wegmüden Mannes besser, als in den Verhandümgen am Kost, wo der Seebär sich gegen die redegewandten Serren-von Salamanka so sonderlich ausnahm.
Sier erfuhr Perez, wie Kolumbus durch Schwemmgut des westlichen Meeres, das er selbst auf Madeira gesehen, Zeugen für seine Vermutungen gefunden ...
And Chriftobal und Bartolomeo dachten an den Tag der Abfahrt von Palos auf drei elenden Caravellen, die kaum die See halten konnten, mit einer Mannschaft, deren Rückkehr kein Ritter in Spanien gern gesehen hätte. Lebendig ward die Fahrt ins Angewisse, durch die Wasserwüste, die kein Ende nahm, weit fort von jeder Küste, durch die grünen Seewiesen des Saragossameeres, wo die Schiffe fast stehen blieben. Falsche Meilenzahlen mußte Kolumbus in das Schiffsjournal einttagen, sonst wäre die Mannschaft mutlos geworden. Murrten sie doch, daß sie bei dem ewigen Ostwinde nie wieder die Seimat sehen würden. Tag der Landung in Guanahani. Kupferrote Menschen, die goldene Ringe tragen. Gold! Gold! Das Ziel war erreicht! Indien, das Land der Schätze, gefunden! Vasco da Gama überboten. Das Ziel war lohnender als Seeräuberei. Am seinetwillen konnte verdorbenes Wasser, würmer- zersressenes Brot in Kauf genommen werden.
Tag der Rückkehr! Tag des Ruhmes! Ganz Palos, ganz Spanien, ganz Europa jubelte dem Entdecker des neuen Seeweges, dem großen Piloten zu!
Aber wie leicht war die erste Reise vergessen. Der von Christoph erbetene Richter, Robadilla, legte den Vizekönig in Ketten samt seinem Bruder, und Kolumbus legte sie auf der Fahrt nicht ab. In Ketten trat er in Palos ans Land und die Scham Spaniens erwachte. Noch einmal ward ihm Genugtuung und Ehre, die ihm gebührte. Gott selbst wollte ihn retten. Ovando, der neue Statthalter von Sispaniola, ließ Kolumbus nicht landen. Wider den Rat des verachteten Seefahrers sandte er zwanzig Caravellen heim, und mit ihnen die beiden Feinde des Kolumbus, Robadilla, den Richter, der ihn in Ketten legte und Roldan, der gegen ihn eiferte und wühlte.
Außer einem Schiff gingen alle anderen im Sturm zugrunde. Auf deut einen übriggebliebenen aber fand sich das ganze Gut, das sich Kolumbus in den neuen Landen erworben hatte.
Fanatismus leuchtete in den Augen des Seefahrers, der hier zu Segovia war, um sein Recht zu fordern von den Menschen, von dem Könige.
Da erklang aus den Reihen der Caballeros ein lautes Wort: „Können Sie dies Ei hier zum Stehen bringen, ohne es zu stützen?" „Gedenken Sie uns etwas. Neues zu sagen, Caballero? Das ist einfach. Chriftobal Colon nimmt diesen Witz für sich in Anspruch, wie den Zehnten aus den Einkünften Indiens. Aber mein Großvater hat ihn schon gemacht."
And der Sprecher stauchte das Ci auf den Tisch, daß sich die Schale eindrückte und es stand.
Chriftobal sah seinen Bruder Bartolomeo an. Der sagte: „In was für einem Lande sind wir, in dem nicht einmal die Scherze ihren Erfindern bleiben."
Chriftobal aber stand auf und ging mit den breiten, wiegenden Schritten des Seebären an den Tisch der Lachenden.
„Caballeros", sagte er mit heiserer, knurrender Stimme. „Sie machten soeben einen Scherz mit einem Ei. Dieser Scherz mag nicht von mir stammen, wie einer der edlen Serren soeben bemerkte. Aber vielleicht kann ich ihnen ein anderes Rätsel mit einem Ei aufgeben".
Mit diesen Worten legte er ein Ci auf den Teller, hielt es hoch und satge:
„Wer vermag es, dies Ei zu essen, ohne es mit der Sand, mit dem Löffel oder einem Instrument zu bettihren und ohne vor dem Essen feine Schale zu lösen?"
Chriftobal Colon hielt den Teller noch immer hoch. Spott lag auf seinem Gesichte:
„Wer es vermag, dem verkaufe ich, um dieses Ei, die mir nach Wort, Verttag und Siegel des Königs zustehenden Ansprüche auf Würden und Einkünfte Indiens I Wer also seinen König von einem unangenehmen Btttsteller befreien will, der wage es!"
„Ohne anzufaffen! Ohne Sand! Ohne Instrument!" erscholl es durcheinander.
Da lachte der atte Seebär mtt einem Lachen, wie es der Voll- matrose hat, der einen Schiffsjungen foppt. In beide Sünde nahm er den Teller, faßte das Ei mit den Zähnen, kaute es mitsamt der Schale, sog es aus und spie die Schale mitten auf den Tisch.
Verächtlich sagte er:
„Dieses Rätsel wird so leicht keiner der Serren nachmachen und für sich in Anspruch nehmen. Denn es gehört ein Nachen dazu, der von Seewasser gebeizt ist und, um es zu schlucken, ein Maul, das gewohnt ist, viel hinunterzuschlucken an wurmigem Brok, schlechtem Wasser, Andank und Verkletnerungslust der Menschen!"
Sprach's, wandte sich um, schlug an den breiten Schiffsdegen und sagte:
„Sollte es einer der Serren übel vermerken, so wird er mich und meinen Bruder gern zu einem Gange bereitfinden. Wir werden noch einige Tage unter diesen Bäumen anzutreffen sein, bis der König sich äußert, ob ihm Worte und Verttäge heilig sind oder nicht."


