Ausgabe 
8.6.1926
 
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«3 in Wien nicht ehrlich meinte. Gr glaubte die Selbständigkeit der Fürsten uni> die evangelische Lehre bedroht, wollte aber glei-wohl sein Heer entlassen, wenn Tilly sich zurückziehe, woran oics -r jedoch^ gar nicht dachte. Seinem Versprechen gemäß verlieh Christian das Kreis-Gebiet und wandte sich nach Westfalen, nae.dem er am 18. Juli 1623 seinem Bistum entsagt hatte um es vor d.-r Rache der Feinde zu bewahren. Tilly eilte ihm'nach und zwang ihn ani 6. August bei Stadtlohn zum Kampf. Aber- mals ward Christian von dem bayerischen General geschlagen. A.l seine unerschrockene Tapferkeit, mit der er seinen Truppen voranging, half nicht. Er rettete sich mit wenigen Begleitern parunter öem später berühmten Bernhard von Weimar auf holländisches Gebiet.

Auf Zureden seiner Familie, die ihm das Geld zur Entloh- ""9 ?'tuM>cn vorstreckte, entlieh er sein Heer. Seine ehr- Iicke Awicht, sich mit dem Kaiser auszuföhnen, wurde durch ein cue? .?"ff9nis in der europäischen Politik das Offensiv-- B.,nd.-iis Englands mit Frankreich und den Niederlanden gegen Oesircich-Spamen - verhindert. Man trug ihm die Führung und er sagte zu, weil er hoffen durfte, mit Rückhalt etwas Großes für die evangelische Sache

in Deutschland leisten zu können.

f Werbungen und Truppenbewegungen verstrich die

tf.. . O'^Hte des Jahres 1625. Inzwischen hatte sich der dänische : D'-'nd angeschlossen, und es verstanden, auch den

niedersachfischen Kreis zur Beteiligung an dem Feldzug zu bringen. So finden wir Christian im September im Haupt- quackier , ines Onkels, des Oberfeldherrn der Kreisannee. Seine fffflung als Untergebener Mansfelds sagte ihm nicht 8u; er fetn und übernahm es deshalb, als General des Königs selbst ein Korps zu werben.

Das Unternehmen des Bundes schien aus den ersten Blick E sicherer Grundlage aufgebaut zu sein. Aber dem tiefer Blickenden zeigten sich so viele Mängel, daß der Erfolg zweifel- hast sein mußte. In erster Linie fehlte es an Einheit im Heere und vor allem der Fürsten des Kreises. Auf der Gegenseite "v .War durch die Gemeinsamkeit der Ziele die Einheit qe- wayrlerstet. y

®en Wirren der Zeit zeigte sich Christians Bruder nicht gewachsen^ er war ein willenloser SchwSchKng, der sich nun im ganaac lo2j 6er it erklärte, Christian, seinen vermutlichen Nach- solger als Statchalter einzusetzen. Der Widerspruche der Stände war zweck.os Aber fein eigener Detter, Georg von Draunschweig- Luneburg, arbeitete gegen die Regentschaft Christians, um selber die Herr,i^aft in Woc-enbüttel an sich zu reißen! er trat sogar Kaiser und Wallenstein. Damit erreichte ff, h $ L'5ti!tian, &er nach dem Feldzugsplan die Kurpfalz oc^etzen, sollte, naachem er den Landgrafen von Hessen-Kassel zum Eintritt in den Bund gezwungen hatte, von seinem Vor­haben abstehen mußte. Christian wollte sich wohl nicht allzuweit von fernem Lande entfernen, da Georg bereits ein Heer geworben

baber kam die Weisung seines Onkels, einen Zusammen­stoß Mit Tilly zu vermeiden, nicht ganz unerwünscht. Gr gelangte CHen 2Har!l<6, 9^ zur rechten Zeit nach Göttingen zuruck, --enii schon am 2k. Mai lag Tilly vor Münden, das nach f* Christian war am 20. Mai beim Däne,?

komg in Wolfenbuttel eingetroffen. And bereits am 6. Juni 1626 öer Tod ben jungen General hinweg. Noch kurz zuvor hatte lur^rtomm ^lan fff aßt sich Gustav Adolph von Schweden ff. Eff^^mig zu stellen da er enttäuscht erkannt hatte, daß ie Sache des Bundes nicht den Sieg öavontragen werde.

n,i>- mnndta 3a6Fn selner kriegerischen Laufbahn hören rmd absprechende Urteil über dentollen

Christtan wie der Volksmund ihn nannte. Sein stürmischer Sn W seine Kräfte drängten

eine Persönlichkeit hätte aus ^r?en6^t ®el^ ioewen können, wenn ihn in seinen der rechte Mann geleitet hätte! Sein cmge- Feldherrntalent fonnte sich nicht in rechter Weise ent» toel Es ihm an Gelegenheit fehlte, unter einem großen Erfahrungen ziu sammeln. Um so be- ß^^nÄgtriAter ^Es, daß der Herzog gegen Ende seines kurzen 3 ru feinem Vorteil geändert hat. Gr hat sich nach In all ^ZEMig aus sich selbst heraus erziehen müffen? sch?ff , ^^I»^Egt es wohl begründet, daß das Leben dieses iS ^Esffn starken entschiedenen Charakter kein Mangel

rn dH ffiuen harmonischen Abschluß gefunden hat.

, W" schen heute dreihundert Jähre nach seinem Tod - tLTLiT ZffE-ter für Freiheit und Glauben, einen kühnen, ffff'E ff^^r scheuenden Soldaten, der voll ritterlicher Todes­verachtung stets m vorderster Linie kämpft und jederzeit fein ffEben aufs Spiel setzte. Seinen Zeitgenossen, die unter den Un- f*rpfr;AnCrr^Orben r Ä-u I^!n hatten, mag er furchtbar und vpn sein Wir aber dürfen ihn nicht loslösen

ffu der Verkettung mit ferner Zett, in der alle Bande von Gesetz und Sitte zerrissen waren. Wenn wir so sein Bild vor dem ffff" 2! brandroten Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges ^trachten, dann tritt uns doch mancher ansprechende menschliche Zug entgegen und wir müssen ihn bei allen Fehlern und den geringen Erfolgen seiner Masten doch als eine große Persönlich­keit der deutschen Geschichte anerkennen.

Technik und Form.

Von Fritz Dietkrich.

Motto: Die Technik ist kon­sequent, also seien wir auch konsequent gegen die Technik! ~ ,®er deutsche Baumeister Heinrich Tessenow sagt in seinem ffuchc Hausbau und dergleichen":Die Technik sucht immer die kleinste Form und die größte Kraft. Bejaht die Form nur als unvermeidlich. Im übrigen verneint die Technik alle Form; ihr 'vare ducchaus am liebsten etiva: irgendwo eine Kugel oder ebenfalls sff.Wurfel, nicht zu groß, von da ab überallhin Drähte, einfachste, billige, dünne Drähte, am Ende immer ein kleiner Knopf und daneben auf einem kleinen weißen SchildBitte zu drücken" und es müßte gut fern."

Zunächst: was verstehen wir unter Form? Wenn ein mächtiger innerer Spannungszustand die Entladung schöpferischer Kräfte erzwingt, braucht ein Gestaltungswille und -vermögen noch nicht vorhanden zu sein. Dieser Zustand ist chaotisch, ist geheimnisvoll, weil er sich noch auf der Ebene gebundenen Tiertums auslöst. Erst '"'Augenblick, wenn ein Gestaltungswille e r nach einer Erlofmig durch die Form hindrängt, im * . wenn am

Äonjont ein schöpferisches Bewußtsein aufda . geschieht der i^pferischen Kräfte werkhaste Lancierung; der Magnet einer gött- lichen Ordnung streicht darüber hin, und die Aeußerungen des menschlichen Ich werden fruchtbar unter seiner Macht. Die Form 'leboren, die das wegweisende Licht über dem Dunkel aller schöpferischen Aeußerimgcn ist, die Form, die zur Klarheit drängt und geraoe deshalb das Gemeinschaftbildende ist, weil sie alles Unausdeutbare, alles dunkel Drohende harmonisch in sich auflöst. D'est Auflösung aller Dunkelheiten, diese von intuitiv-schöpferischem Erkennen geleitete Umbildung nahezu aller metaphysisch-dämo- mscher Abgrunde in das Geheimnis der Form, gibt dem gestalteten Weick einen Glanz, den wir Schönheit nennen. Es sind die ver- schwiegendsten Kammern der schöpferischen Tat, in denen die Trans- formation des subjektiv-gebundenen Dämon in eine überpersönlich- ffiektive Form geschieht. Dabei ist es fast unerklärlich, daß diese ffffff M"mer »och die Landlinien ihres Schöpfers als Stil bei- behalt. So wissen wir nach ein paar Tatten, ob Bach oder Beet- Affen, nach einem Blick, ob Erwin von Steinach, Perrault oder Schinkel, nach einigen Rhythmen, ob Goethe, Hölderlin, Dehmel ffff 'lkc sprechen. Leonardo da Vinci, dessen Wille es war, das rieberpersönlichste zu geben, wird ebenfalls erkannt an dem ihm eigenen Stil. Vielleicht läßt sich ein geringer Teil der- niomi ch°sch öpserischen Kräfte überhaupt nicht transformieren, sucht feinen Qöeg unmittelbar ins Werk und dringt diesem hernach aus allen Poren.

, Die uberpersönlich-objektivierte Form erheischt vom Werk em Maß, wodurch ihm zweifellos von der elementaren Unmittel­barkeit etwas genommen, dafür aber ein Vielfaches an Geistigkeit und Allgemeingültigkeit verliehen wird. Die große schöpferische ffffff. ffer Zeiten war erkenntnisvolle Einebnung metaphysischer Abgrunde, war scheinbare Verdiesseitigung. Immer geheimnisvoll, tragt diese Form einig und allein ein Stück Himmel zur Erde, und jede sich spannende schöpferische Aeußerung des menschlichen Ich wird nach ihr hinzielen müssen, Wenn sic Mitschwingen sucht und Gültigkeit.

Nun lehnt die Technik alle Form ab, und, wenn sie sich ihrer bedient, tut sie es nur, um einigermaßen eine äußerliche Angleichung on die Dinge zu ermöglichen. Sie spürt immer wieder nach einer Form aus, denn sie braucht sie einmal, um einen ästhetischen Halt Mstandezubringen; zweitens, um einen praktischen Schutz um ein ©cttnrre empfindungsloser Stücke zu haben.

Man bedenke: die Technik entstand aus wirtschaftlichen Pro­blemen. Sie ist auf intellektuellem T m gewachsen. Metaphysische Beziehungen von ihr zum Menschen -ad nicht zu entdecken. Also, muß sie kulturfeindlich sein. Dies mag allen länger erwägenden und komplizierteren Köpfen zu konsequent erscheinen. Doch die Technik ist konsequent, also seien Wir auch konsequent gegen die Technik, um mit rechtem Maß an ihr Wesen heranzukommen.

Die Technik hat die dingliche Welt überschwemmt und in die praktischen Forderungen ein heilloses Durcheinander gebracht. Nun verlangt sie ihre Form. Ihre Form für Fabriken und Fahr­zeuge, ihre Form für alles, was mit chr zusammenhängt oder nicht. Man bedenke: die Technik, die eine gesellschaftliche Einrichtung ist, der man gern einen Platz als lautlose Dienerin des Menschen ein- räumen würde, die als äußeres Hilfsmittel an bescheidener Stelle zu stehen hat, die unbeseelt ist, will für sich, für uns alle die ihr ge­mäße Form und verlangt damit die Anpassung von Ding und Individuum an ihr Wesen. Wirkliche Formen können jedoch nur aus metaphysischer Verwurzelung geboren werden, können sich nicht in der Retorte des Homunkulus bilden, können nur aus einem großen Unteilbaren entspringen. Dietechnische" Form ist eigentlich gar keine Form. Sie ist lediglich lügnerische Verkleidung. Sie ist nicht wie die wirkliche Form letzten Lebensinhalten entkeimt, sondern ist eine beliebige Aufpfropfung um Annehmlichkeiten für für das Auge zu schaffen. Eine richtige Form für die Technik wäre, ihre Konstruktionen frei hinzustellen oder unter gläsernen Kästen zu vereinen. Nehmen wir ferner an, ein restlofes Zerschlagen wirf- kicher Formen gelänge, so müßte man das dann erreichte Chaos schlechthin als die technische Fotin bezeichnen.

Wie aber kann man von schöpferischen Geistern verlangen, chre inneren Ströme, die aus dem urtiefen Sinn von Jahrtausenden