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6iIbSbton‘ßangenwiä gab dis Schlüssel heraus. „Aber hübsch vorsichtig uni) leise fern, Kinder. Unter der Bodenkammer ist Tante Ulrikes Schlafzimmer.
„Aber Tante Ulrike ist doch stocktaub und weiß überhaupt nickt mehr. was in der Welt vorgeht." —
$ Lachend stürmte die Jugend die Treppe Maust Wie konnte man sich um Tante Ulrike kümmern Die war 93 Iahre alt lahm und taub und ein wenig kindisch. Sie hauste mit ihrer treuen Pflegerin oben in ein paar stillen, sonnigen Stuben und die wenigsten wußten, daß sie einmal die schone und reiche Erbtochter von Rotenhusen gewesen war und ihr irnrnor »nA hfc> «MIfte des Gutes gehörte. 3n die andere z-Ete hatte sich die zahlreiche Nachkommenschaft ihres einzigen Bruders teilen müssen, dessen Enkel jetzt Rotenhusen als Gutsherr bewirtschaftete. . . lr.nrpn
Die alten Schränke der gelben Bodenkammer waren immer das Entzücken der jungen Gäste. Es gab da einen Kckrank in dem die Tanzstunden- und Jungmädchenkleider der Tante Ulrike hingen. Lachend putzten sich bte Madel mit den altmodischen Sachen auf. Wie schlank die Großtante Ämal g-w°°-n w°-. un6 ml« g« dl-,- 0chn-pp°n«Mm und gebauschten Röcke standen! ^Yr„„r„;
I Sn einer großen Truhe lagen gut eingemottet allerlei Herrenkleider, darunter der berühmte grüne Frack, der bei allen Aufführungen im Hause eine Hauptrolle lpiette. Es mochte eine verschollene Hofuniform des kleinen Staates gewesen sein. Das hellgrüne, verschossene Tuch zeigte matte Silberstickereien auf Aufschlägen und Aermeln. Enge gelbe
| Beinkleider, Stulpstiefeln und ein mit Silberstickereien ver-
I Gesellschaft, verfiel darauf, dies Kostüm anzuziehen, und sie gefiel sich selbst und den anderen sehr gut darin, als
e lang und schlank, mit strahlenden dunklen Augen und beißen Backen, die Treppen heruntersprang.
I $®ie alten Schleppen rauschten, die jungen Stimmen lachten L schwatzt?»/- so recht wie ein Wintermarchen aus
I der alten 3eit zoqs durch das alte Haus.
I Z)ie älteren Herrschaften saßen noch im Eßzimmer am I Kaffeetisch, als die Jugend hereinstürmte. Ulla arrangierte ! sofort hinter der Portiere zum Nebenzimmer eine Auffüh-
mng Me sMte natürlich den ersten Liebhaber
I der kleinen Mathilde, die eben aus der Pension heimgekom- I En war eine so feurige Liebeserklärung, daß die Klestw I in dem alten weißen Mullkleidchen ganz rot und verlegen 1 wurde.
Bon dieser AeujahrSaufführung hat man noch Jahr- -ehnte lang in Altenburg und in den umliegenden deutschen Staaten gesprochen. Karl Wolfgang Anzelmann durfte von jener, ihm ewig unvergeßlichen Silvesternacht den Ruhm seines großen Vaters für sich in Anspruch nehmen . . .«
Der grüne Frackr.
Eine Neujahrsgeschichte von C. P r i e h.
Am die Neujahrszeit gings immer lustig zu bei den Langemaacks auf Rvtenhuse». Sie hatten zwei eben erwachsene Töchter im Zause und einige Kusinen und Freundinnen zu Besuch, so daß das Schwatzen und Kichern kein Ende nahm. Es war altes Herkommen auf Rotenhusen, den Silvesterabend gründlich zu feiern. Aber der Hausherr hielt streng daraus, daß um halb zwölf alles Tanzen und sollen aufhörte, damit man in Ruhs die zwölf Schlage der Dorskirchenuhr abwarten und dann zum guten Anfang des neuen Jahres einen Choral singen konnte.
JQHan hatte am Silvestertag um 2 Uhr in bem alten, «roßen Eßzimmer zu Mittag gegessen, und der schwerste Puter der im alten Jahr aus dem Gutshof gezüchtet worden war, hatte dafür sein Leben lassen müssen. Run wollten älteren Leute ein Stündchen schlafen, um am Abend frisch zu sein die jüngeren mochten derweil tun, was ihnen gefiel.
I Sie holten sich ihre Mäntel und Mützen und schlitteten und schneeballten ein Weilchen draußen herum, aber der Nordost und ihre kalten Füße trieben ste bald wie^r ins ^ms.
Was nun tun? Es blieben noch em paar Stunden bis zum Abendessen. Irgend jemand — es war wohl die tempermnent- volle Ulla Laßwitz. eine Nichte des Hausherrn — sprach vom I Berkleiden. „Da sind doch die wundervollen Sachen oben in der gelben Bodenkammer. Wir wachm einen Umzug I und eine Aufführung, das ist just das Richttge für den
„Herr Direktor, Herr Gras! Eben ist die Post aus I Borna angekommen. Sie haben den Posttllon wohl blasen hören. A^r — den Anzelmann hat er nicht mitgebmcht! Der alte Theaterdiener stand zitternd vor feinem E^rrn, I der nun loswetterte: „Kontraktbrüchig! Dacht ich mir s doch! I Ick bin ihm gegenüber zu hart gewesen! Mea culpa! Schau- | spielet sind wie rohe Eier anzufassen! Die Erstellung für I teufe abend im Hoftheater muß abgesagt werden! Mas totoi) Serenissimus dazu sagen? Ich werde m Angnade fallen! Anzelmann, Anzelmännchen — wo bist du/
Bist dieser bangen Frage eilte der Graf von Hahn die Treppe hinunter, über die Sttaße und — ja, was war denn das? War das noch die Nachwirkung des gestrigen Silvester- | Dunsckes? — da kam doch ein Landreiter hoch zu Roß durch । ben Schnee — und angebunden an den Steigbügel hing em scklotterndes Etwas, das eine merkwürdige Aehnlichkett mit einem gewissen, leider kvnttaktbrüchig gewordenen Schauspieler hatte, der heute abend — „Anzelmann, Unzel-
ist der Räuber und Mordbrenner Karl Moor, allhier von mir in das herzogliche Gewahrsam abzuliefern, im Auftrage des Herrn Bürgermeisters von 'Sonia! lautete die ernste, in unverfälschtem Sächsisch gesprochene Antwort de« grimmen Kriegsknechtes, der die Rechte eistrn um die gespannte Borderlader-Pistole mittelalterlicher Herkiinft ge-
^An^lmännchen! Durchbrenner! Mordbrenimr! Messer her! In meine Arme! In die Garderobe! Ich selbst schminke Mr alle Schuftigkeit um die Bisage . . . ."
„Aber — edel — sehr edel — Graf, wenn ich. . . Und fo du einen Punsch für mich übrig gelassen hast — meine Rrme, meine Beine - Jetzt sind wir frei, Kameraden! Ich fühle eine Armee in meiner Faust — Tod oder srel- fieft! Graf — ich lege dir einen Karl Moor aus die Bretter „ einen Menschen, keinen Histrione», geschweige denn einen Komödianten!" —
man ton reckt lauft in die Scheune zum Schlafen und hotte I rcRt feierlich die Begrüßung des neuen Jahres, | das längst in seine Rechte getreten war, nach alter guter Sachsensitte ausführlich und nut schonen Reden nach. | Da — was war das? Das Feuerhorn! Ist Dorna brannte es! Wo? Wo? „Beim Herrn Bürgermeister persönlich !“ kam die zitternde Fistelfttmme ^s voruberMschen- I den Nachtwächters aus der in Rot ausschwalenden Dunkel- | Ml. Sein Zweifel - das war der Räuber und Mordbrenner Moor gewesen und nicht, wie eine dumme Dienst- maaö wissen wollte, die Urenkel des Herrn Bürgermeisters persönlich, die zur Feier des scheidenden Jahres den Chus.- 6mn,SÖ*eteT»ln. Sertn ®urg«rm«ifter 6t«ntW' 00 schri- das durch-inand-r, leerte noch tchnesl das sis.'s i unö sttzte Glas Punsch und eilte dann mit 6iel)ermeieuia)er Besonnenheit an die nahe Stätte des nacytlichen Unglücks. Daß der Wirt vom Goldenen Adler die eben frischgefullte dampfende Punschbowle,' natürlich nur um zu /sthew mit- nahm wurde ihm später als ganz auherordentliche Beson »enhe'it ausgelegt und mit einem dicken landesherrlichen Orden
Seiler erwies sich gottlob als ziemlich ungefähr- ttck und leicht zu löschen. Die freiwillige Feuerwehr von Dorna hatte wieder einmal ihren Mann gestanden und mußte soaleick mit ausführlichem Punsch belohnt werden. Dann aber tief man: „Wo ist der Räuber und Mordbrenner Moor?
Man fand ihn, wohin man ihn gelegt, gehottet hatte, in der Scheune, scheinbar schlafend, ja schlauchend, wie das io Räuber nach der Wollust getanen Berbre^ns zu tun Riegen. Beherzt rüttelte der Ort^chütz ohne den esnun nicht mehr ging, den Unhold wach und fragte. „Bist d her Räuber und Mordbrenner Moor/
„Jawohl!" röchelte Anzelmann und er Mtedazunoch die Anverfchämthett, höhnisch zu grinsen, jawohl, ich/n der Räuber und Mordbrenner Karlchen Moor. Daß er darauf sogleich gebunden und auf die Antwort, daß er aus Altenburg gebürtig fei, an den Steigbügel eines lvsttabenden Landretters gefesselt wurde, wacker durch Nacht und Schnee- tteiben hinter einem sehr eiligen Gaul herzutraben, wollte ihm nicht so recht in den Sinn, erwies sich aber, ttotzallen Sträubens und der wiederholten Verstörung post feslum. daß er doch Anzelmann. der berühmte Karl Wolfgang fei, als grimme Notwendigkeit.


