- 50

Etern mich toett eS «Hebend ist, denn SaS Leben gehört za

Wunderbarsten, was die Erde birgt.

Betrachten wir doch einmal kurz, um was es sich handelt. Hnfer Körper ist ein Zellstaat, der aus einer Unsumme von Einzel» Individuen, eben von Zellen, besteht, die zu gröberen Verbänden, den Organen, zusammengefaßt sind und nichts anderes kennen, als im Dienste des Ganzen tätig zu sein. Zu dem Zwecke kann zedes einzelne Organ mit jedem andern in Verbindung treten, und daS geschieht in stvfslicher Deziehung auf dem Blutwege und in regu­lierender Beziehung auf dem Nervenwege. Von einer höher«, Warte, dem Gehirn und Rückenmark aus, wird für das geordnet« Zusammenwirken Sorge getragen. __

Dieser komplizierte Zellstaat ist nun zu seinen Leistungen nur befähigt, wenn ihm beständig Energie zugefuhrt wird, und dies geschieht durch die Nahrungsaufnahme. Die Nahrungsstoffe müssen verdaut werten, wobei sehr merkwürdige Stoffe, die in den che­misch«, Fabriken des Körpers, den Drüsen, gebildeten «ermente, auffallende Wirkungen hervorbringen, deren sich auch schon die che­mische Industrie für ihre Zwecke bedient. Die Nahrungsstoffe muf­fen endlich durch die Darmwand hindurch aufgesaugt und im Kör­per verteilt werden. Wie wichtig das ganze Srnährungsproblem ist, hat der grohe Krieg gezeigt.

Die in den Nahrungsstoffen aufgespeicherte Energie es ist im lebten Grunde. Sonnenenergie muß für die Zwecke des Ge­bens freigemacht werden, was mit Hilfe des bei der Atmung aufgenvmmenen Sauerstoffs geschieht; der ^ebensprozeß ist ein Verbrennungsprozeß. Diese Verbrennung ist deShaw so aufsab- lend, weil sie nicht mit leuchtender Flamme sich abspielt, trotzdem ^Auter "ter ^Nahru^ng^und dem Sauerstoff müssen im Körpn lebenswichtige Stoffe zur Verteilung gelangen, die dort selbst, und zwar in den Blutgefäßdrüsen, gebildet werden und äußerst wich­tige chemische Wechselbeziehungen zu vermitteln haben. Mangel solcher Stoffe kann B. den Organismus zum Zwerg, lieberftuß zum wahren Riese- machen, ja es kann mit ihrer Hilfe eine ganze Ilmstimmung des Geschlechtes, in gewisser Beziehung auch eine Verjüngung des alternden Organismus herbeigefuhri toerten. Es ist noch gar nicht abzusehen, was alles aus der Kenntnis dieser Stosse "für das Menschenleben entspringt.

Die im Magendarmkanal passend hergemchtete Nahrung der durch die Lungen aufgenommene Sauerstoff und die in den -ölut- gefäßdrüsen gebildeten Stoffe werden nun dem Blute Sugeschickt, das sie mit Hilfe des Herzens, eines einzigartigen Pumpwerks, im ganzen Körper verteilt und den einzelnen vZsllen zufühn-t, die so mit dem nötigen Bau- und Betriebsmaterial für die LebensÄtig- keit versehen werden. Die Verteilung dieser Stosse auf dem Wege der 'Blutgefäße ist das Muster einer zentralisierten Versorgung unzähliger Ginzel-Individuen un'er Kontrolle ^s Staates

Bei der Verwertung der ausgenommenen Stoffe findet teil» weise eine Umprägung des ursprünglich toten, körperfremden Ma­terials in lebendes, körpereigenes statt, was einen äußerst kom­plizierten Chemismus voraussetzt. den kennen zu lernen von großer Bedeutung ist; es handelt sich hier um nichts weniger als um den Aufbau lebender Substanz, ein Problem, das die physiologische Ehemie zu lösen versuchen muß. ,, ..-

'Beleber Lebenstätigkeit entstehen nun Abfallstvsfe, Schlacken, die beseitigt werden müssen, sonst kommt es zu Störungen im Gange der Lebensmaschine. Die festen und unlöslichen Mfall- stoffe werden dem unteren Darm zugeführt, die wslichen de« Nieren, die gasförmigen der Lunge und Ändt,:Me alle als Aus- scheidungsorgane funktionieren. Hebe Verhinderung dieser Aus­scheidungen führt zu schweren Störungen im Lebensprozeß; dtzr Nieve hat hier besonders große Leistungen zu vollbringen, indem sie die Stosse entgegen einem Druckgefälle von etwa 11 Atmosphä ven aus dem Körper hinausbefördern muß .

Durch die Untersuchung der Einnahmen und Ausgaben m guantttativer Bezichung ergeben sich nun äußerst wichtige^Ge­sichtspunkte für eine rationelle Ernährung, mit einem Mindest- maß von passend ausgesuchten Nahrungsmitteln müssen möglichst große Leistungen erzielt werden. Der Staat hatte und hat - letzt ganz besonders das größte Interesse an physiologischen Unter» Mutigen, die zur Ausstellung eines für den Körper und den Staatssäckel möglichst günftigen Kostmaßes führen.

Mit diesem Stoffwechsel ist nun eng der Tnergtewechsel ver­knüpft, denn beim Wechsel der Stoffe wird zugleich die SnergW frei, die in den Stoffen als ursprüngliche Sonnenwarme stak und Die nunmehr in der Hauptsache als Körperwärme in Erscheinung tritt. Daß mit dieser Energie haushälterisch umgegangen toirD, tst heutzutage eine Forderung im Interesse der Allgemeinheit.

Der mm durch alle diese Vorgänge in seinem normalen ^ stände erhaltene Körper kann nicht allein auf sich bef^Snkt bl« feen unfe ein Sonderdasein führen, er muß mit feer Außenwelt un­feinen Nebenmenschen in Verbindung treten er muß Emdrück von außen her empfangen, aber zugleich aucherfahren, was MS im eigenen Rrper abspielt. Dazu dienen äußerst fein gebaute M parate, feie Sinnesorgane, welche Eindrücke wie das Licht und : feen Schall aufnehmen und entsprechende Reaktionen daraufhin em : zuleiten haben. Die schöne Welt der färben, das Reich de ; jegliches Gefühl wird uns durch diese Apparate die zum- i von einer ungeheuren Empfindlichkeit ft"d uich auch , für den Organismus dienen, vermittelt. Die Gesetze, nach we cym

w eigentlich entsetzlich, daß man von einem Menschen, den zum 1 «stenmal ein schweres Schicksal getroffen hat, zu sagen Pflegt: i

Nun kenne er den Ernst des Lebens!" als ob niemand die Schönheit, das Gluck, dis Heiterkeit, die Form fees Lebens über­haupt in ihrer Ernsthaftigkeit begriffe.

*

Vielleicht das fürchterlichste Symptom des Lebens sind Me Dinge Derhaltungsweisen, Freuden, Glauben mit eenen Me Menschen sich das Leben erträglich machen. Richt« zeigt so s?yr feie Tiefe des menschlichen Niveaus, als wozu der Mensch greift, Um das Leben aus halten zu können.

e

Das Entscheidende und Bezeichnende des Menschen ist, wo feine Verzweiflungen liegen. ,

Die Sinnlosigkeit und Eingeschränktheit des Lebens Packt einen oft ati etwas so Radikales und Auswegloses, daß man völlig verzweifeln muß; das einzige was einen darüber erhebt, ist. daß man dies erkennt und daß man darüber verzweifelt.

Die tiefste Erschütterung ist das gefühlsmäßige

6er Schätze, die in uns tote in einem verstossenen ®cfaB zu denen wir nicht den Schlüssel oder die Kraft des Grschließens haben, und die wir so mit ins Grab nehmen

Wir sollen das Leben behandeln, als ob l^rr Ausblick ^n Snfestoed wäre und zugleich, als ob keiner ein ^»jweck u>äre, sondern jeder einzige nur ein Mittel zu Höherem, Höchstem.

Wesentliche Lebensaufgabe: bas Leben jeden Tag vonneumn ,u beginnen als wäre dieser Tag der erste und doch aue ^enSenfteit mit all ihren Resultaten und untergebenen @e- ktesenheiten darin zu sammeln und zur Vovcmssetzung zu haben.

Daß tote Menschen Gespenster werden, glaub«! wir freilich nicht mehr Aber Me tote Liebe, das tote Ideal, der tote Glaube, --feie tobten zu Gespenstern, ja» fühlt Qdfen^r ati früher wo ihr Inhalt uns wichtiger war, unser Bewußtsein mehr erfüllte als die Tatsache ihres Lebens.

»

Unzählige Liebes- und Gheverhältnisse gehen fearai, zugrunde »dar führen wenigstens dadurch zu den fHwersten^ittäus^ugen, teß wir zu vergessen Pflegen, daß sich ein»u^^lsda^ selbe wiederholen kann schon die $atfad>e, teß es schon einmal da war, für die Wiederholung andere seelische Bedingungen schafft, als das Original sie hatte. Wir glaube!,, wenn t^i- heute eine, beglückte Stunde hatten, sie könnte sich morgen und übermorgen unfe immer wiederholen, da doch die äußeren DedinEMN - und tn weitem Maße auch die inneren -

Aber bas Glück ist sv wenig einfach zu wiederholen tote twntetro anderer seelischer Zustand. Nur wer morgen ein neue« MM schaffen tonn, kann morgen dasselbe Glück haben wie heute.

Wan muß erschrecken, wenn man bedenkt, tote viel man ter« Heren kann, dessen Verlust einen Schmerz bereitet; man muß ater poch mehr bei feer üetertegung erschrecken, wie tomig^ fet, dessen Verlust ein wahrhaft großer, unauslöschlicher, reinster Schmerz sein toftrfee.

Bloh ein paar große Gedanken muß man sich recht zu et^en machen; sie werfen Licht auf viele Strecken, an feeren Hell werten man nie geglaubt hätte.

Der Neubau des Physiologischen Instituts der LandeJUniverfiläl Metzen.

Dm, Prof. Dr. K. Bürker, Direktor teS Instituts.

I.

Der Physiologie, als ter Lehre vom Leben, fällt die Ausgabe au feie L^enSerscheinungen mit feen. Hilfsmitteln feer Naturwissen­schaften zu erforschen und sie so weit als möglich zu «klären. Die LebenserscheimMgen aber spielen sich ab an einer äußerst kompli­zierten Substanz, ter lebenden SubstE, einem organiftertei Shften, hochmolekularer Stoffe, die beim SetensprsKeß in feOTft- tolifch! und chemische Wechselwirkung miteinander treten. Die Menschheit hat das größte Interesse daran, das Walten dieser physiologischen Kräfte kennen zu lernen; ist doch alles, waS wir tun und trewen, im Grünte ein physiologischer Akt, ter um so besser feurchgeführt werten tonn, je mehr wir mit den Grundlagen dieses AkteS vertraut sind. , ,,

Wie steht es aber mit diesem Dertrautsein? Wir lernen viel Nützliches in den Schulen, aber dem Nächstliegenden, dem eigenen Körper und feinen FunMonen, wird erst in der neueren Zeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Die Physiologie ist in ter Hauptsache stoch eine medizinische Wissenschaft, die dem jungen Mediziner die Kenntnis feer normalen Lebenserscheinungen vermitteln soll, damit ttm die krankhaften um so verständlicher werten; sie verdient eS afe«r, in weitere Kreise $u dringen, nicht nur weil dies nützlich,