ra^mtßaffen Sie die Suppe nicht falt werden, Herr Josias," mahnte die Frau, Gehorsam löffelte der Psamherr fernen Topf aus, da er wohl wußte, daß die Kuffin nicht Ruhe geben wurde, bis er sein Abenddeputat verzehrt hatte , ,,
Nachdem die Eßbarkeit pflichtgemäß zu Ende gebracht war, sagte er: „Ich vermeinte schon, Laß jemand im Haus Einlaß begehre, denn die Tiere zeigten plötzlich Anruhe. „ - ,
Bei dem Sturm treib-t's kernen durch dre Stadt, sagte dre Kufsin .Wer sollte uns auch von außen zulaufen?
' Aber als sie nach diesen Worten gerade dieirdene Schussel an sich nahm, sprang die Katze hastig vom Schoß ihres Herrn mrf den Tisch und schaute rings um, während Jammer die Aase gegen
©<£u'Sie die Tiere selbst an, Kuffin," rief der Pfarrheiw Jedoch die alte Frau richtete sich bolzengerade auf, schuttel,e Len Kopf und erwiderte: „Din nicht umsonst lang genug LandstorzeriN gewesen, Herr Josias! Weiß Bescheid um das Treiben im Freren. Wer in einen solchen Sturm gerät, birgt sich in einer Erdm ulde oder klemmt den Rücken an den Stamm eines breiten Daumes, denn Wind ist schärfer als Kälte und schneidet Lunge und Herz
Die Lichter hüpften auf urt6- nieder, die Schatten schwangen sich, das Haus ächzte, Dalken knarrten und- die Fenster jammerten. Es war ein Wetter, das der Kufsin recht geben mochte. Allem' durch diese gespenstische, dunkle Lust klang wie aus weiter Ferne em greller, schneidender Laut. Der Hund begann leise zu winv>
em gaIt> Hilfe zu leisten, war die, Güte mächtig in
Herrn Josias Rottner und- lieh ihm Kräfte, so daß, er schnelh ttoy seines gebrechlichen Körpers, dre Stufen hnrunte^ustergen vermochte und- noch zur rechten Zeit dazu kam, um den Kops des ohnmächtigen Weibes, das dre Kuffrn rüstig um die»Mitte b« Leibes gepackt hatte, vor einem derben Anprall gegen die ruck» schwingenden Flügel der Pforte zu schützen. Jammer eilte lebhaft die Treppe hinauf ins Zimmer, als wollte er Quartier ansagen
Als die Kufsin und Herr Josias mrt der Ohnmächtigen die Mitte des Ganges erreicht hatten/ trottete groß und schwer das Pserd durch die Pforte in den Hausflur und reckte den mächtigen Kopf unheimlich über die Gruppe der drei Menschen. Schwer schlug die Pforte zurück und fiel ins Schloß. Heller ward es, da der knisternd-e Kienspan nun Leuchtkraft gewann. Das Gesicht der Verunglückten war deutlich zu erkennen. Herr Josias wollte seinen Augen nicht trauen. „Kuffin!" rief er „Ist es moglich, oder will Satan uns äffen? Das ist das Fraulein von Herrenbruch! Was hat sie zu dieser Stunde ins Anwetter hinausgetrieben i
Richt umsonst hatte sich die Kuffin in zwanzig ,Wandeigahren auf den Landstraßen Deutschlands, Angarns der Niederlande und Italiens die Fußsohlen hart gelaufen. Vielerlei hatte sw gesehen und erlebt an Angemach und Wettersnvt. Wahrend Herr Josias noch starr war von Mitleid- und Darmherzigkeit, wußte sw schnell ^^^Jn^^kahlen^schmucklosen Kammer wurde das Fräulein auf das Lager gebettet, das für den Psarrherrn schon Saustet stand. Aus der Küche holte die Kuffin ein paar heiße Herdsterne, wickelte sie in Tücher und schob- sie dem Fräulein rn die Achselhöhlen, einen^ schmalen, flachen legte sie ihr auf den Leib Sie wickelte den Körper des Mädchens in wollene Tücher, die Fuße aber, diesie von Strümpsen und- Schuhen befreit hatte, rieb sie Mit den Sym» den, bis das Fräulein wieder erwachte. Dann trug sie einen Topf heißer Milch herbei, die sie der Verunglückten einfloßte.
(Fortsetzung folgt.)
Erinnerung an Bayreuth 1924.
Don E. Roloff.
Als in diesem Sommer nach Ivjähriger Pause das Festspielhaus auf dem grünen Hügel sich wieder auftat, sollte eine langgehegte Jugendsehnsucht endlich erfüllt werden: Der „sestspiel- zug" führte mich nach Dahreuth. Wahrend das Auge auf den lieblich romantischen Gegenden der Rurnberger Schweiz haftete und das Ohr halb bewußt die umherschwimenden Dayreuth- Gespräche aufsing, wuchs die Spannung der Seele. Sone Zetten, als man, erfüllt von Degeisterung, gefeit gegen jede Ermüdung, nicht achtend des vielstündigen Stehens dort ^a un vierten Rang der Oper die glänzenden Wunderwerke ^s sroßen Zauberers atemlos miterlebte — wie wert lagen sie doch zuruck! Mit ihrem köstlichen Erlebnisrausch waren sie vom Heute durch die ttefe Kluft des Krieges mit seiner bitteren Erlebnisreautat flS» trennt. Was wird uns Wagner jetzt sein, ist er uns nicht fremd
am eichenen Tisch und- sah Arkunden und Rechnungen seiner Pfarr- aemeinde durch. Die rötlichen Flämmchen der ^beiden Kerzen zitterten wie arme Seelen, die am Verlöschen sind. Anter der sort- wirkenden Gewalt des Luftzuges hoben und senkten sich die kmsterni' den alten Pergamente, als Ware tn ihnen eigene-- Lewa erwacht. Die bleigefaßten, kleinen Scheiben der beiden Fenster gegenüber dem Tisch ratterten trotz der Läden, mit denen sie vor dem Winde
' verwahrt waren. In dem großen, düsteren, niedrigen Raume duckten und reckten sich breite Schatten. Wahrens das ganze Haus unter der Gewalt des Sturmes ächzte, knackten die ausgetretenen
Herrn ^Josias^Rottner gelang das Rechnen schlecht. Tod und Rot hatten an den Posten zuviel gefälscht. Run sollten die üehlm gefunden werden, alles sollte die strenge und rechte Ordnung er- lanaen wie sie einmal vordem gewesen war. Darüber waren -Un- iraaen'von der landesherrlichen Fiskalkammer an das Pfarramt aelanat die beantwortet werden mußten, peinlich und genau. Seufzend blätterte Herr Josias seine Pergamente durch. Gewiß, hatte er lwber aus den Laten, die hinter ihm die Wand bedeckten emen der großen Quartanten oder Folianten genommen, um fia> ■■ , jene lateinische und griechische Welt zu fluch-en, die ihm. in den dreißig Jahren zuvor Tröstung m den Sorgen der Zeit ge ^"Äbi^L er mit Kreide auf einer Schiefertafel sich einige Zeichen ^lchte, wenn er in seinen Papieren etwas Wichtiges für die Herren Räte gefunden zu haben glaubte hob sich zwischen der Tischkante und- dem schreibenden, schwarzbetuchten Arm em rot-
8» SÄüÄÄ Ste»*» wurde es im untersten Fache des Düchergestelles lebendig, fischen den ??ol'anten kroch ein hagerer zottiger Wolfskdter hervor. Em El umwandelte er unruhig den Tisch, setzte sich dann zur Linken neben den Stuhl und berührte mit der spitzen Schnauze die Hano
«ÄS u.» »-"ch-m b-» SÄ ®i«
herein trat die Kuffin, ein altes Solkmtenweib von fast 'funssig Jahren, die beim Durchzuge eines Heerhaufens des Dernhard von Weimar krank in der Stadt liegengeblieben war. Am der Darm Herzigkeit willen hatte der Psarrherr die verlauste, alte ^eticn ausgenommen, wie zuvor die Katze Leide, die krank m der Gosie lag und Len Hund Jammer, den er zerrissen von Wolfsbi-ser, neben einem erfrorenen Marodeur im Schnee gefunden , hatte. Er war nicht Abel dabei gefahren, denn mit derselben Treue wie die beiden Tiere hing die alte Person an ihm. Sie erkämpfte, wenn es not tat, mit Faust und- Krallen für ihn das, was er zu des -eibes Rotdurft und Rahrung bedurfte.
Herr Josias wendete den mageren Kopf, der von sAvAweißen, über die Ohren herabfallenden Haaren, wie von emer Perücke bedeckt erschien, und fragte in das bräunliche Dunkel zuruck. „Wa^ ^^D^WehlsuPpe!" erklang eine harte Altstimme. Ein Aapsi der auf einem nackten, sehnigen Anterarm ln dm Lich k ms g schoben wurde, verdrängte einen Haufen , Papiere. Auf der an deren Seite umwanderte den Stuhl ein zmnerner Löffel m einer ^^^Die^Kahe reckte sich, schnurrte, buckelte und- beroch den irdenen Topf Der Hund- Jammer rieb sich am Rocke der »rau, die mit ein paar sesten Strichen ihm über den knochigen Rucken fuhs- Dam- bar schaute er in das feste, trotz der Verwüstung der Jahre noch wohlgeformte Gesicht empor, d-as von einem roten Kopftuch um-
mern, die Katze sprang furchtsam vom Tisch ins Dunkel. Da erhob sich Herr Josias und befahl: „Kuffin, offne Sie! .So wa^GoU meiner armen Seele helfen möge, drunten heischt em Menschenkind ®inI®a8 alte Haus schien den Atem anzuhalten, als die Kuffin die Tür öffnete und die knackende, dunkleTreppe hinabstreg, wahrend der Aufschlag von Jammers Pfoten in fünf regelmäßigen Spimn- qen zu Herrn Josias herauftrommeste. Leide, die Katze, war zum obersten Regal hinaufgeklettert und- schaute mit glanzenden, gelben Augen von oben auf das Zimmer herab .., , ~.r<.
Mühselig erhob sich der Psarrherr, beugte sich über den -vlsch, streckte die zitternde Hand nach der Kerze au-, ergriff fte und schrittt zur Treppe. Drunten im Gang trat c-u ÄuifW Mit einem großen Kienspan in der Faust aus der Küche. Sie war rn ihre Holzschuhe gefahren und- stampfte nun schwer über den roten Estrich des Ganges zur Pforte, an der Jammer in seiner Angeduld sich hoch aufrichtete. Das Schloß knirschte, die Tür flog auf, wie em Ungetüm wälzte sich Sturm iiis Haus, so daß droben auf der Treppe d-ie Kerze in der Hand des Pfarrherrn Erlosch wahrend der Feuerbrand, den die Kuffin mit der Hand schützte, besser standhielt Herr Josias vermochte im Dunkel nichts za erkennen als die knisternden, sprühenden Funken und die dunkelrot beleuchteten
Mit Lnn Riesensatz war Jammer zur Lürehinausgesprun- aen Laut schlug er an, als habe er etwas gefunden, nun bettelte er bei der Kuffin einen Augenblick und setzte dann rasend wieder über die Schwelle ins Freie zurück. ha
Der Wind, der das ganze Haus durchtvbt hatte, hielt Plötzlich wie erschöpft inne. Der Pfarrherr hörte einen dumpfen Husiritt und ward einen schwarzen Pferdehuf gewahr, 6er an der Schwel scharrte. Ihn schauderte, da er der Macht des Dosen gedachte, doch die Kuffin wich nicht vor der Erscheinung. Ruhig trat sie auf die Schwelle, beugte sich vor und rief dann mit ihrer tiefen, harten Stimme ins Haus zurück: „Gottes, Wunder, Herr Psarrer. Es lieg einer vor unserer Tür, der sich nimmer tm Sattel ha. halten ton- nen. Am Christi Darmherzigkeit willen! Es ist kem Mann! Es ist


