foigte er sich und schnappte zu.
Gerade als er die Maus wieder fallen lief), um sie mit eini- oem Widerwillen zu beriechen, kam der Gutsherr in das Zimmer. Ufi machte hübsch und wies ihm die Maus: „So recht, Fisichen, sv schön, mein Hündchen!" sagte der Freiherr und liebelte ihn
ab, nahm die Maus und warf sie zum Fenster hinaus, Fifi atmete erleichtert auf. Also er durfte diese grauen Dinger totbeißen! Das hätte er früher wifsen sollen! Immer hatte er geglaubt, wenn er sie im Grase umherhuschen sah, das wären junge Vögel, und die, hatte ihm Frauchen gesagt, sollte er in Ruhe lassen. Er dachte über den Fall nachi und dann lief er in den Garten. Es hatte geregnet un& die Wege waren feucht, „aber wenn man sich um Herrschaft verdient machen kann, kommt es auf ein paar nasse Füße nicht an", dachte er und ging zwischen die Vietsbohnen, denn dort, das wusste er, waren immer ganz gefährliche große! schwarze Dinger. Da, wo der Boden überall zerwühlt war, lauerte er. Er brauchte nicht lange zu warten, denn gleich darauf bewegte sich Licht vor ihm die Erde. Er fließ. seinen Fang hinein und förderte eine dicke Wühlratte zutage. Sie wollte beißen, aber, wie er auf den Gedanken kam, das wußte er selber nicht, kurziyn, eh schlug sie sich um die Behänge, bis sie schlapp wie ein «Handschuh wurde. Dann trug er sie in das Haus und piepte fo wuge vor dem Arbeitszimmer des Freiherrn, bis der ihm aufmachte. Gr machte große Augen, streichelte Fifi und sagte: „Du bist ja ein ganz vorzüglicher Hund !" dann bekam er ein Praline.
Für Pralines ließ Fifichen aber sein Leben, und so verging kein Lag, daß er nicht mit einer Haus- oder Feldmaus, einer Wühlratte oder einer Wanderratte ankam. Er langweilte sich nun nicht mehr; sein Leb en hatte einen bestimmten Inhalt bekommen Sein Körbchen stand nun den ganzen Tag leer, denn er trieb sich überall herum, wo es nach irgendwelchen von Den großen und kleinen, grauen und schwarzen, kurz- oder langschwanzigen Dingern roch,an den Ställen, im Garten, im Parke, auf der Wiese, und schließlich auch an den Fischteichen und im Walde. Er wurde ein großer Jäger vor dem Herrn; unglaubliche war die Menge von Mäusen und Ratten, die er totbiß, und oft verbellte er stunden» lang einen Zaunigel unb kam ganz außer Atem und mit zecpvche- uer Aase und totmüde spät abends heim. Einmab als der Freiherr mit seinen Kindern, denn es war in den Ferren, auf der Veranda Leim Abendessen saß, fing es dort ganz abscheulich an zu duften. Schließlich entdeckte man Fifi, der rn der Ecke faß, i einen halbwüchsigen Iltis vor sich liegen hatte, hübsch machte und aus sein Praline wartete. „Der Hund ist gut, sagte 2ung-Otd- toig, der Kriegsschüler, und nahm Fifi am anderen ^.age nach den Ententeichen mit, denn da toimmette es von Ratten. Jung-tAd- wig, Jung-Mvllie unb der Gärtner bewaffneten sich mit Gewehren und Fifi mußte stöbern. Wie ein ilugetort^er sauste er in das Gestrüpp, jagte die Ratten in das Wasser, und ledesmal, wenn es knallte und eine Ratte Weiß Zeigte, sprang er kopfüber in das dreckige Wasser und brachte sie her. Als Bte ©trecfe gemacht wurde, lagen dreiundzwanzig Ratten La: „Sieben starke, fünf angehende und elf Frischlinge," sagte Jun^Oldwig rmb Gung?
I Mollie schrie aus vollem Halse: „Ratz tot, Ratz tot, Ratz toi. Mfi aber sah wie ein Schwein aus und mußte von oben bis unten abgeseift werden.
' Bon da ab brauchte er nur Pulver zu riechen und er war aus Rand und Band. Er ging dem jungen Herrn nicht mehr von der Seite. „Auf Enten ist Fifi einfach tadellos, Vater, sagte Jung-Oldwig; „ich. glaube, der steht Hühner und Hasen und macht eine ebenbürtige Schweißarbeit!" Gr sollte recht behalten, denn als er einen Bock schoß, seinen ersten guten Bock, als Belohnung sür gute Führung, der aber mit der Kugel abgmg, kam öft «n Len ©(fitoeißrlernen, arbeitete den Bock nach der Kunst, peßte ihn, ass er gestellt wurde, zustande, zog ihn nieder und verbellte tot, ohne Laß ihm ein Mensch das beigebracht hatte Als der junge Herr Len Dock an das Gehörn faßte, sah er, daß ihm die ganze Drossel durchgerissen war. „Donnerwetter! sagte er und liebelte den Hund ab, „Donnerwetter, Fifi! Hast du Schneid! Er brach den Bock auf und machte den Hund genossen, und Flfl, Fisichen, der sonst nur gekochtes, gesalzenes, geschmälztes mit Sauce be- avssenes Fleisch von weißen Tellern nahm, schlang dl« rohen, schweißbenetzten, mit Sand bedeckten Lungenfetzen mit einet Gier hinunter, wie er noch nie geschlungen hatte, und kaut rn einer so gewöhnlichen Weise, wie ein Schlächterhund, so daß er sich stets bett ganzen Fang und die halbe Brust beschmierte und das , «.endige Entsetzen von Jung-Mvllie erregte als er äusser Veranda erschien denn Jung-Mvllie war in der Pension bei Fräulein Elsbach notgedrungen eine junge Dame, zu Hause machte sie von dieser Eigenschaft aber so wenig Gebrauch wie nur möglich.
Als Frau Mollie zurückkam, kannte sie Fifichen nicht wieder. Jeden Tag war das Kissen in seinem Körbchen dreckig, jebet« Tag liefen Schrnutzspuren kreuz und quer Lurch das Boudoir, durch das Eßzimmer, durch den Empfangsraum, je&en Bag lag auf der Veranda eine tote Maus oder Ratte oder sogar e,-ie Katze, denn die Katzen hatten es nun auch schlecht; wo Fisichen sie erwischte, ' machte et kurzen Prozeß mit ihnen, und dann schuppte « sie triumphierend in das 'Haus. Mehr als einmal verletzte er das ästhetische Empfinden der Freifrau auf das ärgste Sre faß ohne 5 allen Arg in ihrem Strandfluhl und las einen ihrer Lieblings- Lichter; auf einmal piepte es zu ihren Fußen und dann saß Mi La^ naß dreckig, und machte hübsch, und sah bald seine Herrin an' bald eine arg zerknautschte Maus ober Ratte die er dicht vor Sie Lackspitzen ihrer Schuhe gelegt hatte. „Ich kenne den Hund nicht mehr wieder," klagte sie und ging ihm Ms dem WegedE sie hatte am eigenen Leibe die peinliche Beobachtung machen
Dingen, die den Haushalt und das Auftreten anbe trafen, ließ er < ihr Vorhand, und sie ließ ihm bei der Kindererziehung und in der । Gutsverwaltung freie Hand, und wo der eine dem anderen, einen ' Wunsch erfüllen konnte, da tat er es. Sogar die Gedichte seiner Frau, die in allerhand Zeitschriften erschienen, las der Freiherr, und wenn er sie auch nicht verstand, denn er dachte in geraden und sie in gebrochenen Linien, so sagte er doch: „Ich könnte das nicht, Melusine," denn so hörte sie sich lieber nennen.
Als sie nun einmal die große Attraktion der Kreisstadt, die Hundeausstellung besuchten, und Frau Mollie einen lahngen Terrierrüden edler Abkunft und mit einem betäubend langen Stammbaum, „entzückend, aber auch ganz entzückend fand, ließ Herr Oldwig es sich zwei blaue Lappen kosten und setzte seiner Frau den Hund auf den Geburtstagstisch. Dafür bekam er von ihr einen Kuß, wie er ihn lange nicht bekommen hatte, so daß es ihm ganz heiß unter der Weste wurde. Er war kein Freund von Ferriern und schätzte Vorstehhunde und Teckel mehr, aber mit Fisichen, wie der Hund hieß, freundete er sich- doch an, denn das Tier war bei allem Temperament ausnehmend« artig und wohlerzogen und benahm sich in jeder Hinsicht angemessen. Auch war er wirklich hübsch mit seiner schlanken, aber stämmigen Gestalt und den gleichmäßig verteilten Abzeichen, schwarzem Kopfe mit weißer, schmaler Blässe, in jeder Weiche ein schwarzer Placken und bis aus die Spitze schwarzer Rute.
Was aber die Hauptsache war, er jagte nicht. Ob er die Frei- I frau bei ihren sentimentalen Spaziergängen in den Park oder tn 1 den Wald begleitete, ober mitlief, fuhr ober ritt bte Herrschaft V aus nie wich er vom Wege ab. Er war ein äußerst gebildeter, ja sogar ein ästhetisch veranlagter Hund; nie wälzte er sich aus E irgendwelchen üblen Gegenständen, einem toten BkMkwmsse ging er weit aus dem Wege, steckte seine Aase nicht in die Rattenlöcher und fuhr nicht mit hellem Halse hinter dem Hasen drem, der aus dem Straßengraben rutschte, wie er dann auch bte Hühner in Ruhe ließ, und keine Katzen hetzte. Er fraß nie etwas, was er draußen vorfand, selbst Wurstpellen nicht, er trank nur aus einem reinen Glase und nahm sein Fressen nur an, bekam er es auf einem toeißen i Teller, er rümpfte die Aase, kam Käse auf den Risch unv eine Heringsgräte, die aus dem Wege lag, war ihm ersichtlich widerlich Er war ein Muster von einem Hunde, ein Hund, wie er Jur I die Gnädige paßte, und darum hatte er auch in ihrem Zimmer sern | Körbchen mit einem stets frisch überzogenen Kissen, denn bei schmutzigem Wetter ging er nicht aus dem Hause, denn Regen haßte er gründlich, und feuchte Wege waren ihm ein Greuel.
So wurde er drei Jahre alt, wurde Frau Mollie immer lieber und führte zwischen Boudoir und Veranda Park und Wald das Leben eines Hundes, der einer Dame von urbaner Kultur zugehort. Sogar in seinen Liebesangelegenheiten bewies er eme große Delikatesse und hielt auch darin auf Standesgemaßheit, indem er allem I Fiiköterzeug aus dem Wege ging und sich an dw besseren Hund^ Samen, an die Mimi des Pastors und an die Lotte des Fwstei-s hielt. Raufereien ging er grundsätzlich aas dem tKege ließ M aber ein Ehrenhandel nicht vermeiden, sv focht Flfichen ihn mit solcher Schärfe aus, baß ihm selbst biel größere ®unbe bte seinen rangen Fang gekostet hatten, gern vom Balge biteben. Auch Men | schen gegenüber kannte er weder Frechheit noch Furcht. Er be* I läfügte weder den Briefträger noch den Schornsteinfeger und wich nur dem Schlachter aus, Seifen Witterung ihm zuwider war Feige war eraber durchaus nicht. Als er einmal seine Herrin, wie stets in den Wald begleitet hatte, wurde sie von zwei ganz verdachagen Kerlen in unverschämter Weise angebettelt. Im nachstm Augenblicke hatte der eine keinen Hosenboden mehr und der midere einen Biß. in der Hand weg, und fluchend und brummend machten sich die St^Mer was ist Kultur, was bedeutet Zivilisation? Dünner Lack ist es unter dem bte Aatur sitzt und daraus wartet, daß irgendwo in dem sauberen Anstrich ein Riß entsteht, und dann bricht sie hervor und dei^ Lack blättert ab, wie die Rinde der Plataiwn wenn es auf den Winter geht. Die Freifrau mußte nach Berlin zu ihrer Schwester, der Majorin, Sie erkrankt war, unS deswegen konnte sie Fisichen nicht mitnehmen. Der Hund ergab sich mit Würde in das plnvermeidliche, aber er langweilte sich doch beträchtlich, denn er hatte nun so recht niemand, der mit ißm aus- aina So lag er verdrossen und mißmutig in seinem Körbchen und mopste sich nach der Schwierigkeit Da raschelte es hinter dem Vorbana Fisichen hob den Kopf und zog bte Bedinge hoch. ^Wer hat in Frauchens Zimmer zu rascheln, häh?" dachte er Dann plumpste es und« etwas Kleines, Graues fiel auf bte Erde und rannte dann nach der Ecke, wo der Flügel stand. „Sonderbar! dachte Fifi, sprang leise aus seinem Körbchen und ging in bte Ecke des Zimmers, den Kopf schief haltend und einen Vorderlauf emporhebend. Hinter der Tapete knabberte etwas „Hm! dachte Fifi und paßte auf, ohne sich« zu rühren. Es Prepte in der Ecke. „Aa?" dachte Fifi und hob die Behäirge noch hoher. Das kleine graue Ding erschien unter der Stoßleiste, sah sich einen Aug«enblick um und« wollte dann an Fifi vorbeihuschen. „Emen Augenblick!


