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als das fremde Messer im eigenen Mut!" — den letzten Führer der Werwölfe zusammenbrechen. Müde legt er sich zum - Sterben als ein Judas Makkabäus, wie ihn der Prediger in der Grabrede nennt. Lind wenn wir sehen, wie der Krieg die anderen Dauern mitgenommen hat, von denen keiner die Sechzig erreicht hat und die doch allen Greisen von achtzig und darüber gleichen, und wie Liese harten Männer bei der Botschaft von dem so lange und so heiß ersehnten Frieden gleich Kindern weinen, toenn wir ehen, wie durch eine Welt von Schande und Unbarmherzigkeit die Mutterliebe emporbricht und wie aus den von Schrecken bedrohten Herzen die Sehnsucht nach dem Himmel ans Licht drängt, o können wir vor dem Abgründe der deutschen Entmündigung nur die Hände falten, daß der treugebliebene Kern unseres Volkes dem Vaterland das Schlimmste ersparen möge, den Jubel über 'eine eigene Schande!
Hermann Löns war ein tiefer, vielleicht der tiefste Kenner der Bauernnot. Kein einziger hat den Gegensatz in der Auffassung des Liebeslebens und der Treue zur eigenen Art, wie er zwischen Städtern und Bauern besteht, so tief erkannt als Löns. Kein einziger hat so scharf als dieser schauen lassen, wie der Dauer noch heute in den Grundanschauungen von Recht wurzelt, die für ihn stehen als die leblosen geduldigen Stoffe wie Stein, Pergament und Papier. t ,
„Ehe ihr da wart, ihr Leute aus der Stadt, ob reich, ob arm, ob gering, war ich da. Ich brach den Boden, ich säte das Korn, ich schuf das Feld, auf dem ihr leben konntet mit eurem Gewerbe, eurem Handel, eurer Industrie, eurem Verkehr. Ich sand das Recht, ich gab Gesetz, ich wehrte den Feind ab, ich trug drei Lasten jahrtausende lang. Ich bin der Daum und ihr seid die Blätter, ich bin die Quells und ihr seid die Flut, ich Pin das Feuer und ihr der Schein!" .
Im deutschen Walde hat sich dem deutschen Volke ein stiller Freund aufgetan. Es fängt wieder an, zu fühlen, daß die Hingebung an das Raturleben und insbesondere die Vertiefung in das Tierleben den Menschen sein eigenes Schicksal mit anderen Augen anschauen läßt. iln&' es ist nicht so, da st hier ihn Irin besserer Freun-destrost empfängt, als in dem Stumpfsinne der Massenversammlungen? .
Als einzelner vor die Ratur gestellt, erkennt der Deutsche wieder die gegebenen Zusammenhänge und lernt wieder, sein eigenes Ich aus bewußter Kraft zu entwickeln. And wie bald geht ihm da die Erkenntnis auf, daß in der Geschichte der Staaten und Volker dieselben Kräfte in Hast und Liebe wirksam sind wie in der Ratur und insbesondere in der Tierwelt: Wehre dich, Hundsfott, oder stirb und verdirb!
Wohl uns, die wir meist die afrikanische Steppe noch unsere neue Heimat nannten und sie so erkannten im lohenden Brande, dem das zarte, dem Boden entsprießende Grün folgte, über das die Rudel der Antilopen, Giraffen, Zebras, Gnus und Bussel dahinzogen und nachts der erschütternde Ruf des feiner Gattm Wild zutreibenden Löwen dahinrvllte!
Aber sckließlich wendet sich unser Blick doch gern von der Mc^ jestät der Großen in der Tierwelt zurück zu den Kleinen und Kleinsten mit deren Sorgen, deren Röten und ihrer zärtlichen ßiciß'C
Lerne dich, du heihpvchendes deutsches Herz, bescheiden und versteh in allen Röten diese, deine eigenste Welt!
Es liegt ein eigenartiger Flimmer über ihr. Doch aus dem zarten, die Wiesen überschwebenden Rebel hebt sich ein schmerzlich ergriffenes Leid heraus' Hermann Löns schwebt bleich über die Heide und schlägt die blauen toten Augen auf!
über doch zugleich der stolzen Bauernroman« vom »Letzten Hans» bur" und dem „Werwolfe'.
Ihn litt es nicht hinter der Front, die ihm zUm seelischen! Stickstoff wurde. Er wustte, wo die Kugel sitzen muhte, die dem Feinde galt, aber auch die dem eigenen Herzen den schnellen Tod bringen sollte. , ,
Wem würde es anstehen, diese Stimmung als sicher und wahrhaftig zu unterstellen: wer aber vermochte damals, vor zehn Jahren und nun gar heute, zu sagen, ob nicht der Trotz eines von manchem Gesichtspunkte aus verfehlten Lebens und' eine daraus entsprungene gewisse Wut gegen sich selbst, ihn beim Vorgehen veranlaßt hat, in zornigem Aufrechtstehn dem Feinde die Brust zu bieten?
Run — eine Kugel kam geflogen. iln& der Franzose dort drüben hatte aut gezielt. Vornüber stürzte der Sänger der Lüneburger Heide, ohne noch ein Glied zu rühren . . . Bleib du im ewigen! Le'ben, mein guter Kamerad!
Es war nicht die erste Kugel, der Hermann Lons entgegen» gesehen hat. Anser gemeinschaftlicher Freund Traugott Pilf, der als Arzt des Leibes und der Seele von Hermann Lons dessen Doppelwesen erforscht hat, hebt die Anerschrockenheit des Jagerdichters stark hervor. Er erzählt u. a., wie aufrecht Löns m einem Zweikampfe auf Pistolen stand, in dem ihm der Gegner den Hut vom Kopfe schoß und die Kugel um Haaresbreite über den Schädel hinpsiff Seine Anbekümmertheit war unberührt. Lachend hob er den Hut au? „So ’ne Gemeinheit: der hat mich . . . Mark gekostet!" . «...
Hier aber, in Feindeslands, erinnerte der aoo an Korners letztes Wort vom 26, August 1813 bei Gadebusch: „Das schadet nicht!" Gebe Gott, der Lenker der Herzen und der deutschen Geschicke, Last aus dem Geiste dieser Leiden der Dichterheld ersteht, der hie deutsche Jugend wieder für Vaterland und Freiheit ent- slammt. ,a6e unter diesem Gesichtspunkte, in hohem Grade beklagenswert, Lab jetzt eine Gruppe verspäteter und übelberatener Freunde das tiefe Mitleid, das wir der Seelenqual von Hermann Löns entgegenbringen, in Bewunderung seiner fehler umzufälschen trachtet. Die Rachwelt toir& sicherlich, wenn dies Zeitalter sklavischer Gesinnungslosigkeit aus Ekel und Grauen überwunden sein wird, in den Dichtungen von Hermann Lons die edelsten von den Schlacken seines Menschlich-Allzumenschlichen sondern And wenn sie die mancherlei Entgleisungen, insbesondere im Zweiten Gesicht" ablehüt, so wird sie doch schwerlich erkennen wie glühende Male die ungeheure Tiefe der Leidenschaft rn die Seele von Hermann Löns gebrannt hat. Dah die Literaturgeschichte gerade diesem Werke einen besonderen Platz einräumen wird, darf man erwarten, da es die wühlende Leidenschaft mit all ihren' Widersprüchen in der zwiespältigen Ratur des Dichters am deutlichsten herausstellt. ' . .
Von den bereits 1911 bei Diederichs rn Jena unter dem Titel des „Kleinen Rosengarten" erschienenen Liedern hat der Verfasser die schönsten in den „Zeitfragen" veröffentlicht. Die stellen die zarte Seite des Wesens von Hermann Löns, sein feines Gefühl für die Musik unserer Sprache, ihrem zumeist beweglichen Taktmahe in bezaubernder Frische und Feinheit vor Augen, obwohl sie zum Teil aus der tiefen Rot seiner Irrungen und Wirrungen entsprungen sind. ,
Hat den Schreiber dieser Zeilen der Drang, nach Anteilnahme an den Kämpfen seiner Zeit und zugleich die Freude am Waid- werke um mehr als die halbe Erde getrieben, so hat Hermann Löns seine Meisterschaft darin bewährt, dab er vom eng begrenzten Gebiete seiner Heide aus das ganze Weltgeschehen in der Ratur und zugleich der Völkergeschichte zu erfassen trachtete. Es war also nur der Ausgangspunkt, nicht das Ziel bei beiden ver- fdjicb-ßTt
Die Verschiedenheit der seelischen Stimmung, die Zerrissenheit von Hermann Löns war dem älteren Freunde nicht entgangen. Am so mehr erfreute ihn, dab in den damaligen Briefen die be-, rechtigte Hoffnung sproßte, nach dem Erfolge seines „Letzten Hans- bur" ihm noch ein gröberer Wurf gelingen werde.
Er ist ihm gelungen. War schon der Heidebauer Gode Hahl- mann im Dürerschen Holzschnitte gezeichnet, so war der Dichter wahrhaft berechtigt, beim Ausbruche des Krieges zu erklären:
„Mein Kriegslied Habe ich schon 1910 geschrieben im „Werwolf". Ich wollte hinterher einen Roman schreiben, der den Drel- frontenkrieg behandelt, kam aber nicht dazu und bin froh: denn das Buch wäre doch hinter den Taten zurückgeblieben.
Wie würde et der Rot unserer Zeit den Spiegel der Geschichte vorgehalten haben, wenn er mit uns das große Leid dieser Tage zu durchleibcn hätte. Immerhin ist schon sein „Werwolf" ein Erwecken von Riesenkraft und poetischer Gestaltung ohnegleichen. Er stellt sich unmittelbar neben Charles de Costers „Alenspeigel" und Grimmelshausens „Simplizissimus". Aber während diese die lohnende Kriegszeit nur zum Hintergründe genommen haben, hat Löns den Krieg selbst in seiner furchtbaren, schicksalbestiinmenden Gewalt mit einer Wucht hingestellt, die sich leicht in die Seele des Lesers eingräbt. Mit Flammenschrift zeichnet — wohlbemerkt 1909 — der Roman in das krause Gewölk der deutschen Geschichte das Schicksal unseres von Feinden umlauerten Vaterlandes. And in erschütternder Gröhe sehen wir am Schlüsse des Dreihigjähri- gen Krieges, der die Kräfte der Bedrängten bis zum letzten Augenblick in Spannung gehalten hat — „besser fremdes Blut am Messer,
Fifichen.
Von Hermann Lön8*).
Die Freifrau von der Dlecken-Blecken war sehr ästhetisch ver
Viel zu ästhetisch sogar für die Frau eines einfachen Land- edelmannes, der. nachdem er die blaue Reitjacke wegen eines Sturzes vom Pferde hatte ausziehen müssen, seine dicken Kartoffeln, wie er selber sagte, auf seiner Klitsche baute und gar kein Interesse für die moderne Literatur hatte.
Er fiel seiner Frau oft auf die Rerven, wenn er m Joppe, Reithosen und Kniestiefeln in ihr Boudoir trat und mit seiner klirrenden Reitplahstimme sagte: „Denke dir, Mollie, die Blasse hat mir wieder einen Doppelender gebracht! Eine Prachtkuh! Ober wenn er, ritt er mit ihr aus, dem Mistwagen Begegnete, wohlgefällig den nützlichen Dust einschnupperte und, mit dem Reit- stvcke auf die braune Masse deutend, voller Behagen ausrief: Sieh mal, Mollie, wat'n lecker Mistecken!" Die Gnädige wandte dann den Kopf zur Seite, machte ein leidendes Gesicht und rief mit kläglicher Stimme: „Aber Oldwig!" And Oldwig lachte, und sie schmollte. . ,, . .
Sonst aber vertrugen sie sich gut, gerade weil er so war und. sie so; sie langweilte sich:, sprach er ihr von Selbstbindern und Kalidüngung, und er mopste sich, redete sie von literarischen Reu» erscheinungen, und infolgedessen zankten sie sich nie, denn trt allen
*) Die reizende, kleine Tierplauderei ist eins dem schönst«! Stücke aus „W i d u", dem neuen, bei Adolf Spvnhvlh G. m. b. H. tot Hannover erschienenen Tierbuch.


