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Mssenschast brachte er «Shold dahin, Latz er Magister wer Doktor der Theologie wurde. In der Folge kam er nach ParÄ, woher chn die hl. Elisabeth auf Empfehlung des damaligen Papstes als Beichtvater erhielt. Zugleich bestellte ihn der Papst r A^ftitor in Deutschland. Mehr als 19 Jahre stand er die- fE Geschäft vor und übte gegen die sogenannten Ketzer, namentlich die in Hessen und der Arngegend ausgebreiteten Waldenser die größten Grausamkeiten aus. In Marburg allein wurden 80 »Ketzer" verbrannt, und der dortige Ketzerbach, in welchen man die Asche der Verbrannten streute, trägt noch von diesen Anglücklichen seinen Barnen.
2m Jahre 1231 wagte Conrad von Marburg eine Ketzerverfol- güng durch ganz Deutschland, in welcher drei Jahre hindurch eine Wenge von Ketzern verbrannt wurden. Seine Gehilfen bei diesem scheußlichen Geschäft waren Conrad von Tors und' Johannes mit einem Auge und einer Hand, die früher selbst Ketzer gewesen waren. Das Gebiet seines grausamen Wirkens waren hauptsächlich die Gegenden an der Lahn, dem Rhein und der Sieg, vorzüglich Oberhessen. Reiche und Arme, Adelige und Bürgerliche, sofern sie nicht ihre Ketzerei bekannten, wurden verbrannt. Erklärten ste sich für schuldig und wünschten eine Versöhnung mit der Kirche, so wurden ihnen bloß die Haare abgeschnitten.
Conrad von Marburg ging sogar so weit, sich an Grafen und Fürsten zu vergreifen und sie der Ketzerei zu beschuldigen. So zog derselbe den Grafen von Arberg, den Grafen Heinrich den Aelteren von Solms, den Grafen von Henneberg, eine Gräfin von Looz und den Grafen Heinrich von Sahn vor seinen inquisitorischen Richter- stuhl. Graf Heinrich von Solms gestand, daß er ein Ketzer sei, und so wurden ihm bloß die Haare abgefchnitten. Graf Heinrich von Sahn verteidigt stch dagegen standhaft auf der im Jahre 1233 abgehaltenen Reichs Versammlung in Mainz. Erst im nächsten Jahre wurde er auf dem Reichstag zu Frankfurt, nachdem 8 Bischöfe, 12 Aebte, 12 Franziskaner und 3 Dominikaner für ihn geschworen hatten, daß er kein Ketzer fei, freigesprochen. Aber schon vorher hatte er sich an Conrad von Marburg gerächt.. Auf sein Betreiben wurde dieser gefährliche Mensch auf der Rückreise von Mainz am 30. Juli 1233 von den Heinen von Dernbach und noch sechs angeklagten Ketzern bei Kappel, in der Rühe von Marburg, tot- geschlagen und feine Leiche in der Hospitalkirche zu Marburg neben der hl. Elisabeth beigesetzt. Nachdem im nächsten Jahr auf dem oben erwähnten Reichstag zu Frankfurt 50 Mann, die Conrad von Marburg hatte scheren lassen, ihre Anschuld' beteuerten, und Graf Heinrich v. Sahn freigesprochen worden war, wurde an diesem Tag der Stab über die Inquisition in Deutschland gebrochen, und j niemals hat dieses Angeheuer wieder fein Haupt emporheben können.
Weiter ist Conrad von Marburg noch bekannt als Zuchtmeister und Beichtvater der hl. Elisabeth, jener edlen Königstochter aus Angarn, deren Gebeine in dem prächtigen Sarkophag in der bekannten Elisabethkirchs zu Marburg ruhen. Die mittelalterliche Strenge, mit der Conrad von Marburg gegen die Ketzer vorging,. I erzeigte er auch fernem hohen Beichtkind. Sie mußte ihren Leib I durch Hunger und' Durst bändigen, barfuß auf kalten Steinen gehen, sich den Rücken mit Ruten blutig geißeln und' sich noch andere herbe Qualen bereiten. Mit gefühlloser Strenge riß er ihr anderthalbjähriges Töchterchen Gertrud von ihrem liebenden Mutterherzen und brachte es in LasPrämonftratenser-Jungfrauen- klvster Altenberg bei Wetzlar. Aeber das Leben und Wirken dieser I edlen Prinzessin im Kloster Altenberg gibt eine alte Handschrift: »Antiquitatis Monasterii Aldenburgensis“, welche sich in den Archiven des Klosters Altenberg zu Braunfels befindet, näheren Aufschluß. Rach dieser Handschrift soll Gertrudis, kaum vier Jahre alt, beim Verscheiden der hl. Elisabeth am 19. November 1231 geäußert haben: „Ich höre das Totenglöcklein zu Marburg I tönen, und in diesem Augenblick wird meine liebe Frau Mutter I verschieden fein.“ Daß auch die Umgebung der hl. Elisabeth diesen I grausamen Schritt Conrads nicht billigt, geht aus derfelben Hand- ! fchrift hervor: „Sie gebar eine Tochter Gertrudis, welche Tochter, I da sie anderthalb Jahre alt war, hak sie solche nach Altenbergs I in das neue Kloster geschickt, in solchem heiligen Convent weytzen ! heiligen Prämonstratenser geistlichen Habit, dem Allerhöchsten all- j weg zu dienen, wurde aber von ihren Beambten und Edelleuten I mehrmals gescholten, daß sie dieses junge landgräfliche und konig- I ließe Töchterlein in dies armes und weit von ihr gelegenes Orth gethan hätte.“
Dann möchte ich noch einige Stellen aus den Codices diplo- maticus von Gudenus anführen. Hiernach bewährte sich Gertrudis, di« in ihrem 21. Lebensjahr Meisterin des Klosters wurde, als eine in heiligem Glanz strahlende Lehrerin der Tugend, deren Leitung sich bald mehrere Jungfrauen aus dem Nassauischen und Solm- sischen unterwarfen, andere wieder ihr Vermögen dem Kloster zu- brachten, womit sie unter dem Beistand des Himmels die herr- kche Kirche, wie sie iwch heute daselbst vorhanden ist, baute und Tte der hl. Jungfrau und dem Erzengel Michael weihte. Außerdem | errichtete sie nach dem Beispiel ihrer Mutter ein Hospital, dessen Leitung sie selbst übernahm. Eine besondere Freude Bereitete ihr das Versöhnen entzweiter Ordensschwestern. Hierüber enthält obige Handschrift eine prächtige Legende: „Sv ereignet es sich einstmals, daß 2 Nonnen ihre gegenseitige Liebe Beifeitefeßten und in Aneinigkeit lebten. Als dies Gerttud gewahrte, ermahnt« fia dieselben kräftig zum Frieden. Da ste aber ihre hartnäckigen
I Gernütrn wahrnahm, und den Löwen, welchen sie an Ketten vor thrmnSchlafzumner hatte, durch irgend einen Zufall vyn feinen Fanden losgeristen, frei Herumlaufen sah, rief ste denselben im harnen Jesu zu stch und der Löwe kam in schnellem Lauf zu der Die Folge war eine Versöhnung der Ordens- Begebenheit soll nach der genannten Legende auxl) dre Arsache gewesen fein, weshalb der Löwe auf ihrem Grab- Jtetn zu Altenberg und auf den die Gertrudis darstellenden Bildern Mbandlgt zu ihren Füßen sich schmiegend dargestellt wird Aeber das End« der hl. Gertrudis lesen wir in genanntem Werk noch folgendes: „Endlich, damit ihr der Lohn für so schwere Arbeit zuteil wurde, wurde sie von einer tödlichen Krankheit befallen und ging nach empfangenen hl. Sterbesakramenten fröhlich hinüber zu ihrem Bräutigam am 13. August 1297, im 70. Jahr ihres Alters und un 49. ihres Regiments. Der Papst Clemens VI. verordnete, daß, cm sich Gertrudis nach ihrem Tod durch Wunder verherrlichte, ihr Jahresfest im Kloster zu Altenberg gefeiert werden solle. Auch wurden ihre Gebeine am 16. Februar 1348 in Gegenwart von 2 Difchöfen, 3 Aebten und 30 Priestern unter einem großen Zukauf des Volkes und unter Feierlichkeiten ausgegraben und in ein über der Erde erhabenes Grabmal niedergelegt, welches, künstlich in Marmor gehauen, eine Höhe von 3Hz Fuß, eine Breite Dort 4 Fuß und eine Länge von 7 Fuß hatte und die Inschrift trug: ANNO DNI MCCXCVII IN DIE BTIYPOLITI OBIIT BTA GERDRVDIS FELIX MATER HVIVS CONVENTIS FILIA SCE ELYZABET LANQDRAVIE THVRINGIE.
Auf der oberen Steinplatte ist ihr Bildnis ausgehauen, welches ihre Länge, Dicke, ihr Gesicht und ihre Haltung darstellt. Zwei Engel setzen ihrem Haupt eine Krone auf. Zu ihren Füßen liegt jener ihr ehemals so wunderbarer Weise folgsame Löwe. Bei der | vorhin erwähnten Hebung der Gebeine, welche in dem Grabmal I verschlossen sind', wurde der Schädel der seligen Gertrudis mit I einigen kleinen Reliquien davon getrennt, in kostbares Seidenzeug I gefaßt und bei großen Festlichkeiten den Gläubigen zur Verehrung I ausgestellt."
Dies ist die einfache und schlichte Erzählung von Der hl. Gertrudis, wie sie die oben bezeichneten Handschriften enthalten. Soviel bleibt aus denselben gewiß, daß Gertrud aus Detteiben Conrads von Marburg als lleines Kind nach Altenberg kgm, hier als Meisterin des Klosters lange Jahre liebte und wirtte, die Kirche und das Hospital erbaute und nach ihrem Tod selig gesprochen wurde.
3n vorstehenden Ausführungen versuchte ich, dem geneigten Leser ein Kapitel aus der finstersten Zeit des Mittelalters besonders auf dem Gebiete der Religion vor Augen zu führen, di« | gerade in Conrad von Marburg einen der grausamsten Verfechter ! ihrer AirsHauungen in unserer Gegend fand. Ich sage gewiß nicht ! zu viel, wenn ich jenen Menschen einen Sadisten nenne. Mit sadistischer Freude lieferte er eine Menge Opfer auch aus den hohen und höchsten Ständen ans Messer und ließ sie ihr oft so reiches und einwandfreies Leben unter Rauch und Flammen aüshauchen. Am dieses Nachtgemälde rwch düsterer erscheinen zu lassen, habe ich diesem Mann jene Lichtgestalt von Altenberg gegenü&ergeftellt, aus deren edlem Herzen sich ein langes und reiches Leben hindurch eine Fülle von göttlichen Lichtes auf die Umgebung ergoß; fand sie doch ihre höchste Freude und Befriedigung im Helfen, Dienen und Versöhnen Entzweiter. Ihr lichtvolles Leben mag daher schon jenen nach Wahrheit Dürstenden und unter der Knechtschaft des sinsteren Aberglaubens Schmachtenden die beseligende Hoffnung gegeben haben, daß das helle Licht des reinen Evangeliums einmal unter dem Scheffel herausgeholt und auf den Leuchter gestellt werden muffe, um allen denen zu leuchten, die im Haus« nach Wahrheit suchen.
Die Ujavanda.
Humoreske von Rudolf Presber.
Vor vier Jahren war ich in einem kleinen Seebad. 'Brave Leute, denen es jahrelang nicht zum besten gegangen war, erholten sich davon in ramponierten Strandkörben. 'Ausländer,'die zu Hause keine Rolle spielten, versuchten die Valutabarone zu markieren. Verbitterte Großstädter, deren Titel verblaßt, deren Stellung erschüttert, deren Geld nichts mehr wert war, besprachen ihre Misere. Neugekleidete Schieber zeigten ihre laute Art, die Konversation und die Gabel zu führen.
Eines Tages tauchte eine schöne, fremdartige Frau auf. Sie ging stets in indischen Seidenschals mit langen Fransen. Am Tag in einem kanariengelben, abends auf der Strandpromenade in einem karminroten.
Zu dem gelben 'Tuch legte sie einen seltsamen Aquamarin- schmuck an, zu dem roten eine dreireihige Perlenschnur. Die Schals lagen eng an einem geschmeidigen Körper, der nichts vermissen ließ, was die Natur für eine Frau Ende der Zwanzig vorschreibt. Ihre Haut war gelblich ihr Haar bläulichschwarz und ihre mandelförmigen Augen dunkel un& von jener rätselhaften Melancholie, die oft die Feuerreste einer großen Leidenschaft verbirgt.
Sie wohnte in einem kleinen, aber teuren Hotel, dessen strebsamer Wirt, ein Herr Grundschöttel, gerade in diesen Tagen schweren Aerger gehabt hatte.
Ein Gast hatte seine Hummermahonnaise gewünscht. Der Küchenchef streikte, weil er zwei freie Nachmittage in öer Woche ver-


