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I wvllm, das Strohsett. Gvads an dieser ©tette tritt vielleicht I j**! 9eIec"t 5at, am deutlichsten der Unterschied

I zrorlchen Dcuiernkullur und unsrer heutigen großstädtischen Kultur zutage. Dem Städter erscheint als Aberglaube, was seinem Der- I lrcmd wider-spricht. Der Dauer empfindet als Aberglaube den Der- I rS gegen (Stott aufzulehnen. Es gibt auch bei Dauern einen I Abwglauben, Zauber- und Hexenkünste ganz furchtbarer I VOTl Häusern, in denen das geschieht, spricht man im Dorf I r1!S? Heimlichem Grauen, und wundert sich gar nicht, wenn dort schweres Unglück, Geisteskrankheit und Familienzerfall ein- | treten. Aber man empfindet dieses -Unglück nicht als Strafe der | vergewaltigten Matur (das wäre städtisch), sondern als Strafe I erzürnten Gottes. Vieles aber, was wir beim Dauer für Aberglauben halten, ist nur eine andere Auffassung von Welt und 1 ?iatur und ihren Gesetzen. Das eigentliche Bezeichnende ist, Latz | ~'au®L ßtim Beurteilen solcher Dinge seinem Verstand' nicht

die Herrscherstesiung einräumt, die wir ihm gewähren. Und das I nr? 31336 ^hren zu grundsätzlicher Erkenntnis. Wir sprachen zu Anfang davon, Latz Las Bauerntum auch sein« Kultur hat. Eine I Jahrhunderte alte und oft überraschend gediegene Kultur, lieber diese Kultur liehe sich noch viel mehr erzählen, als uns Daum

I )ur Verfügung steht. Aber was sie grundsätzlich! von unserer Kul- I tur scheidet, das ist, dah die Bauernkultur eine Kultur der Seele I ist, und unsre eine Kultur des Verstandes. Bei unsrer Kultur, I marschiert an der Spitze der Gelehrte. Die Kdealgestalten, die die Bauern in Liedern und Sagen für ihre Kultur zeichnen, tra- I gen alle Siegfriedszüge. Fromm, treu, stark, und---von un»

I verständiger Kindlichkeit. Dsir bilden uns auf unsre Ver- I standeskultur viel ein, welche Kultur die gediegeneren, gesünderen und lebensfähigeren Menschen gebildet hat ich glaube, trenn I darüber ein Urteil gefällt würde, würde es für unsre Kultur | siecht sehr günstig ausfallen. Wir Wunen nicht mehr zurück, wer I eip^al Stadtluft geatmet hat, patzt nur noch in den seltensten j Sa den zum Bauer. Aber um eines möchten Liese Zeilen werben, I Verstaiwnis für eine Gruppe von Volksgenossen, die in schlichter j Einfachheit wertvolle Quellen völkischen Lebens für uns hüten I und bewahren.

Conrad von Marburg und die Inquisition in Hessen.

Don Lehrer A. Dach- Flensungen.

I Seit Len Zeiten des Papstes Gregor VII. wurde von den I BaPsten denjenigen Christen eine volle Sündenvergebung ver­sprochen, welche der Kirche wichtige Dienste erzeigten. So bewil-

I ligte z. B. das Kvllsgiatstift Wetzlar 1404 allen denjenigen, welche zum Dau des Stiftsturms etwas beitragen würden, einen Haupt- äblatz von 2000 Tagen. Als endlich di« Schlüsielgewalt der Päpste nicht nur über Lebende, sondern auch über Verstorbene und im

I Segfeuer Schmachtende ausgedehnt wurde, und man den im Kampf gegm die Ketzer stehenden Christen vollkommene Vergebung der Sunden versprach, wie Lies der Erzbischof Conrad von Mainz im Bahre 1427 getan hatte, da wurde der Unfug mit dem Ablatz ärger

I und die Sittenlosigkeit unter Geistlichen und Laien größer denn 'je. ©leg geht so recht deutlich aus der Vereinigungsurkunde des Klosters Schiffenberg mit dem Dtschn. Orden in Marburg 1323 und aus einem Ermahnungsschreiben Karls IV. an den Erzbischof Ger- lach in Mainz vom Zähre 1359 hervor. 3n letzterem Schreiben fragt der Kaiser, welches Gesetz den Dienern der Kirche erlaube, Spiele und Turniere abzuhalten, kriegerische Kleidung mit goldenen und silbernen Borden und Soldatenstiefel zu tragen, Haar und Bart wachsen zu lassen.

Bei einer solchen Sittenlosigkeit des Klerus war es durchaus nicht zu verwundern, wenn hier und da von besserem Geist beseelte Leute sich gegen die herrschende Kirche auflehnten und sich gänzlich von ihr lossagten. So kam es, datz die feit dem 11. Jahrhundert öen Vt allen aus m dem Abendland sich immer weiter ausbreiten­den Manichäer eine große Abneigung gegen die Kirche an den ^ag legten und solche weiter zu verbreiten suchten. Beinahe gleich­gesinnt mit den Manichäern waren um jene Zeit die Waldenser südlichen Frankreich, deren Absicht dahin ging, das so sehr entstellte Christentum in feiner Einfachheit und Reinheit wieder Heizustellen. Sie hatten ihren Damen von ihrem Stifter Petrus- in Lyon erhalten. Zn Hessen waren die Waldeiiser um &ie 0171116 6cS 12-Jahrhunderts sehr zahlreich vorhanden und ums vW 1233 war Marburg der Hauptvrt ihrer Diederlassung. UeBer» all suchte man den lächerlichsten Unsinn von ihnen auszustreuen, und nachdein man aus dem im Jahre 1179 gehaltenen LateranischeN Conztl erklärt hatte, datz die Furcht vor Todesstrafen ein heil- fgme3 Mittel zur Rettung der Seele fei, und der Erzbischof von LMM den Scheiterhaufen zur Unterdrückung der Ketzerei empfoh- lM hatte, da ging man auch in Deutschland auf diese Weise gegen die Wakdenser oder Ketzer vor. Ihr heftigster Verfolger in nn- ferer Gegend war Conrad von Marburg, der Beichtvater und ^silchtmeisier der hl. Elisabeth, desien grausames Wirken auch unser nördliches Hessen so sehr betroffen hat.

Crmrcld von Marburg stammte wahrscheinlich ans edier ade- liigen Familie und wurde in oder bei Marburg geboren, und zwM im letzten Mertel des 12. Jahrhunderts. Frühzeittg wurde er Mr dm Mtstüchen Stand bestaunt Bei feinem Meitz und der

traulich, sahen ein, dah sie nicht viel Zett hätten, geleiteten siq auf den Hausflur, und reichten ihnen Hut und Umschlagtuch. Schon hatten sie die Haustüre geöffnet, da frug meine Frau ganz trotten: »Sag anal, Lieschen, gelt ihr wolll uns zur Hochzeit einladen?" am ^Tag nach der Hochzett beim Kochen des

Viittagessens der Blitz in den Kochtopf gefahren wäre, hätte sie Irehl nicht mehr erschrecken können: und heute noch, trenn wir mal bei den sieben jungen Leutchen zu Besuch sind und meine Frau Tragt. »Ls^chen, weiht du noch, wie ihr uns zur Hochzeit einludet," dann huscht sie kichernd zur Sure hinaus, under rückt ver­schämt schmunzelnd' in die Ofenecke

Diese strenge Etikette des bäuerlichen Besuchs führt uns im Vergleich mit dem Dreiminutenbesuch der Stadt zu enter anderen W wertvollen bäuerlichen Eigenschaft: das ist die bäuerliche Ruhe. Der Dauer macht das Hasten der Stadt nicht mit. Der trauer ist, ganz gewiß kein Faulenzer. Im Gegenteil, er kann schaffen wie em Gaul. Wir haben ihn in Erntezeiten von 2 Uhr morge1^ bis 11 Uhr nachts an der Arbeit gesehen. Und' einen e^mreö kannte ich, der diese kargen drei Dachtstunden, die die S11 mit Sensendengeln für seine Kunö-

schcht aussullte. Wan sagt, dafür katm er im Winter ausruhen Aber ich kenne manchen Städter, von dem ich allen Grund habe an- ^L'uen, dah er sich bitter Über Arbeit beschweren würde, wenn er etnntat solches winterliche Ausruhen auf einem großen Bauern» W Alfo der Dauer ist kein Faulenzer, aberer

'n nur einmal städtische ösinder neben

Daueinknidern beim Hüten von Gänsen oder anderem Vieh gesehen ft)UU Tn- 66 sradezu körperhaft, welche Ruhe in f^^^:339®^tm S^zen Wesen dieser Dauernkinder

Dm rechte Dauer mag sein Vieh nicht gern von Stadt- hüten lassen Er weiß aus Erfahrung, Latz selbst Las Di«H unter der Hand dieser Stadtkinder aufgeregt wird Diese I ^USjetec ^lunden Nerven, die der Städter j

Ä M Diese Ruhe, über die man

^st^uch voll schreiben fonnte, tritt besonders stark an einer ©teile hervor. An der Stellung des Bauern gegenüber den Natur- i

Auch hier spielt tausendjährige Erfahrung. Uralte Ge- ^'Öten kann er daruber erzählen, datz man ihnen gegenüber macht- ^schichten scheu nicht nur in seinem Verstand

Widern sie haben sich ausgewirtt tm tiefsten Innern seiner Seele ist eigenartig, solange der Dauer sich im Kampfe mit Menschen I 'XXX einer Zähigkeit, die ihm den NamenProzetzhansi

Mg^agm hat. - Sowie er aber vor Naturgewalten steht, wird Saft tm schroffen Gegensatz zum Städter, der so leicht I fcmjnenf<ßn$en Gegner Aug in Äug' gegen« a^TI° Überkluge Aussetzungen zu machen Weitz an^der I

LvttlichM Weltorönung. Em einziges Beispiel: Ich war als I prnger Mann feit etwa vier Wochen in einem Dogelsbergdors I ®a kam em alter- Machbar und' bot mftr an, er wolle mtr^metn I 05 mit wolle. Natürlich wollte ich mit Der Weg ftihrte über eine steile kahle Anhöhe in den am 33011 &er Höhe aus sahen wir in

Un& bt>rt mu kräftiges Gewitter-

herMifkvrmnen. ^donnerte und blitzte schon ganz tüchtig Mein ^bekümmert Wetter: da wurde mir die Sache doch Ä^Ä^33^ ,3^ iagte schließlich:Es> kommt ein Gewitter! Er ^er rarttoortete ganjun&efangen:Daß macht naut, die Kaih hun mtt mcht grade sehr klugem Gesicht stellte ich inner- I der- Mann überhaupt nicht verstanden hatte welch« I ""r lebendig waren. Daß man sich vor dem Gewitter I

Eonne, kam für ihn überhaupt nicht in Betracht. Und er I stillmi mein Verständnis, daß ich als I ptaotmenf^ baran dachte, daß der 2teqen den Küden rdSnhfirh I Tnt rfx Vyrx-v« rr f p - rvY>Ö'ßTl 'moralischen Mutz

>^®m alten Mann als einen solchen Ungläubigen hin- Mstellen, ^r Len Aufenthalt in einem menschengebauten Haus I für einen Blitzschutz hielte. Er hätte mir dann auch gewiß sofort! I Es wm jenen Hunderten der Beispiele der Banerneifahruna erzählt, die alle auf Len gleichen Ton gestimmt sind' Wen 's frei- I A sE, den triffts! Gegen Naturgewalten gwL '^kttn Lib ^usweiche'n wollen, hat keinen Sinn, sie fürchtm ist I ein Zeichen von Unglauben und' schlechtem Gewissm ans lind nunNaturgewalten? Die Frage führt uns

auf em GebiÄ, über das man ebenfalls Bücher schreiben fönnte- .9Wir wollen versuchen, uns über Las I mm,T'5 ar lC^er euYlma klar zu werden. Und da heißt der erste Satz- I Baueraaf ergtaitbe und Städteraberglaube sind zwei grundverschie^ | *ti?TR Städter, der sich von irgendeiner geschüsts- I

ahrsagerm aus dem Kaffeesatz oder der Handfläche Ae I A?unft sagen laßt oder der sich mit andren Gleichgesinnten zu- I Tammenfeßt und Tischrücken spielt, weiß dabei mehr oder minder öatz « etwas tut, was seiner eigenen Lebensauffassung I (SvMn» X , ' ,__ tvas ich tue, ist Aber^ I

ben.ft ®kwa, meine andren Lebenskünste versagen hier I kmiüttew fahr &S1! Aberglauben versuchen. Dies De- I

Ir X1 b«im Bauer. Die Bauernfrau, die am Silvesterabend I Sa/* O^333^33 windet, daß er bester tragen soll I ^Es«m Strohseil und dem künstlichen Dünger, 'derr I

IrT3 grundsätzlichen Unterschied, ja, fast er- I ^Ä^^138 eher als ein Stück Werglaub«, I ; d. h. aW em Versuch, Gott mitunerlaubten Dingen zwingen M I .