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»u viel Gefahr und Mut, darum mögen wir es -den Franzosen jassen Diesen sollst du nicht glauben; denn wenn du nicht wieder- aewinnst, was des deutschen Landes jenseits des Rheines hegt, so hast du diesen groben Krieg umsonst begonnen und geführt. (@. M. Arndt, Geist der Zeit, 1813.)
Friedrich Engels und das Vaterland.
Aachdem Burgund und Lothringen uns entrissen, nachdem wir Flandern französisch, Holland und Belgien unabhängig werden liehen nachdem Frankreich mit Elsah schon bis an den Rhein vor- gedrungen und nur ein verhältnismäßig kleiner Tut der ehemals deutschen linken Rheinseite noch unser ist, setzt schämen wir uns nicht, grohzutun und zu schreien: das letzte Stuck sollt ihr wenigstens nicht haben. O über die Deutschen! And wenn dw Franzosen den Rhein hätten, so würden wrr doch mit dem lächerlichsten Stoche «rufen: Sie sollen sie nicht haben, die freie deutsche Weser und so fort bis zur Elbe und Oder, bis Deutschland zwischen Franzosen hntb Russen geteilt wäre und uns nur zu fingen bliebe: Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Strom der Theorie, fotange noch ein unpraktischer Gedankenfisch auf seinem Grund die ülosse hebt! Statt daß wir Buhe tun sollten im Sack und in der Asche für die Sünden, durch die wir alle jene schönen Länder verloren haben, für die Aneinigkeit und den Verrat an der Idee, für den Drvvinziälpatrivtismus, der vom Ganzen um deS lokalen Bor.eits willen abfällt und für die nationale Dcwr.ß losig en! Allerdings ist es eine fixe Idee bei den Franzosen, dah der Rhein ihr Eigenium sei, aber die einzige des deutschen Volkes würdige Antwort aus dies-' anmaßende Forderung ist daS Arndtsche: „heraus mit. dem Elsah und Lothringen!"
Denn ich bin vielleicht im Gegensatz zu vielen, deren Standpunkt'ich sonst teile, allerdings der Ansicht, dah die Wiedereroberung der Deutsch sprechenden linken Rheinseite eine nationale Ehrensache, die Germanisierung des abtrünnig gewordenen Hollands und Belgiens eine politische Rvtwendigkeit für uns ist. Sollen wir in ienen Ländern die deutsche Rationalität vollends unterdrücken lassen, während im Osten sich das Slaventum immer mächtiger erhebt? Sollen wir die Freundschaft Frankreichs mit der Deutsckheit unsrer schönsten Provinzen erkaufen, sollen wir einen kaum hundertjährigen Besitz, der sich nicht einmal das Eroberte assimilieren konnte, sollen wir die Verträge von 1815 für em Arteck des Meltgeistes in letzter Instanz halten? ■
Mer auf der anderen Seite sind wir der Elsässer nicht wert, solange wir ihnen das nicht geben können, was sie jetzt besitzen, ein freies öffentliches Leben in einem großen Staate. Es kommt ohne Zweifel noch einmal zum Kampf zwischen uns und Frankreich, Md Da wird sich's zeigen, wer des linken Rheinufers würdig ist. Bis dahin können wir die Frage ruhig der Entwicklung unsrer Volkstümlichkeit und des Weltgeistes anheimstellen, bis dahin sollen wir auf ein klares gegenseitiges Verständnis der europäischen Rationen hinarbeiten und nach der inneren Einheit streben, die Unser erstes Bedürfnis und die Basis unsrer zukünftigen Freiheit ist. Solange die Zersplitterung unseres Vaterlandes besteht, solange sind wir politisch Rull. (Friedrich Engels, E. M. Arndt, 1841.)
Gelöbnis für Rhein und Ruhr.
Blicket auf die, welche zwischen dem Rhein und der Mosel Md der Saar wohnen, welche die Afer der Ruhr und Maas be- weiden, und errötet, wenn ihr nicht hoffet, daß sie weder Deutschlands Kinder werden sollen; ja wenn ihr nicht vor Gott und der Welt gelobet, daß ihr sie wiedergewinnen wollet. Werfet Eure Mrgen auf diese Ströme und Länder, o wendet auch eure Herzen Dahin! und was sehet ihr? was fühlet ihr? ihr sehet das Land, Das euch an die herrlichsten Arbeiten und Kämpfe eurer Väter mahnet, ihr sehet die Arsprünge und Anfänge eures Volkes, die heiligsten Erinnerungen des Reichs der Deutschen, die Wiege eurer Bildung, die Städte, wo eure Kaiser gewählt, eure Erzkanzler, eure Erzbischöfe schlafen, die Denkmäler eures Ruhms und eurer Größe.
Wohin ihr blicket, wohin ihr tretet — und ihr könntet den Gedanken ertragen, daß dieses Aelteste, dieses Ehrwürdigste, dieses Deutscheste französisch werden sollte? wahrlich mit dem Gedanken ertragt ihr auch die französische Sklaverei. (EM. Arndt, Der Rhein Deutschlands Strom aber nicht Deutschlands Grenze, 1814.)
Amfchwuug.
Daß ein Strahl von Hellas auf uns fiel: daß unsere Jugend jetzt das Leben nicht mehr' niedrig sondern glühend anzusehen beginnt: daß sie im Leiblichen und Geistigen nach schönen Maßen sucht: daß sie von der Schwärmerei für seichte allgemeine Bildung und Beglückung sich ebenso gelöst hat als von verjährter lanzknech- tischer Barbarei: daß sie die steife Gradheit sowie das geduckte Lastentragende der Amlebenden als häßlich vermeidet und freien Hauptes schön durch das Leben schreiten will: daß sie schließlich auch ihr Volkstum groß und nicht im beschränkten Sinne eines Stammes auffaßt: darin finde man den Umschwung des deutschen Wesens bei der Jahrhundertwende. (Blätter für Die Kunst, 4, Folge, 1892-99.)
(Ein Separatist vor hundert Jahren.
Aus Briefen Georg Forsters.
Die Erinnerung an eins der denkwürdigsten Gestalten der deutschen Literaturgeschichte ruft der bekannte Verleger und Schriftsteller Wilhelm L a n g e w i e s ch e*) wach, mit einer außerordentlich farbenfreudigen, eindrucksvollen Schilderung des bewegten Lebens Georg Forsters unter Wiedergabe vieler Briefe und Tagebucheintragungen. Es ist ein Menschenschicksal von erschütternder Tragik, was aus diesen Blättern zu uns spricht. Ein hochgebildeter, weitstrebender Mann, der sich als Raturforfcher und Weltumwälztzr bereits in jungen Jahren einen bedeutenden Ramen gemacht hat, wird ergriffen von dem Freiheitsrausch der französischen Revolution und, abgestvßen von den widerwärtigen Verhältnissen in der deutschen Heimat, schließt er sich begeistert den Franzosen an, als diese 1792 Mainz besetzen, wo er Bibliothekar der kurfürstlichen Aniversität war. Aus reinstem Idealismus, aus einer Aeber- zeugung heraus, der er bis in den bitteren Tod in der Pariser Verbannung treu blieb, wird er Jakobiner und tritt mit der ganzen Wucht seiner Persönlichkeit für Republikanisierung und Französierung ein. Diese lauteren Beweggründe unterscheiden einen Mann wie Forster so himmelweit von dem landfremden, käuflichen Gesindel, das heute als Schergen des französischen Imperialismus am deutschen Rhein sein trauriges Handwerk treibt.
Die folgenden Briefstellen geben ein Bild der Mainzer Verhältnisse nach dem Einzug des französischen Generals Custine und einen Ei> blick in Forsters Wirken, das im übrigen Deutschland mit Fug und Recht als Daterlandsverrat aufgefaßt und gebrand- m-arkt wurde. Am 25. Oktober 1792 schreibt Forster an seinen Freund Huber: „Zehn Ahr morgens. Diesen Augenblick komme ich vom General, wo wir zwei Stunden warten mußten. Ich hielt eine kurze Anrede vom Papier ab an ihn, die er sogleich aus dem Stegreif beantwortete und zwar mit Bedacht, ohne das Geringste zu vergessen, und wohlgesetzt. Er ist etwa fünfzig Jahre alt und hat sehr guten Anstand. Vorgestern ist doch schon eine Art Klub ge» . halten worden. Gestern soll Custine selbst sehr gut gesprochen haben, und, wie zu vermuten ttxtr, hat das schon' Zutrauen erweckt. Er versicherte, Frankreich werde nie von Mainz lassen, falls die Bürger fick) unabhängig erklären; es sei im Werke, die französischen Waffen bis nach Bonn zu führen, und die Despoten müßten sich nicht regen können. Ans antwortete der General so günstig wie wir für die Aniversität wünschen konnten; insbesondere versicherte er, da die Zehnten (worin unsre meisten Einkünfte bestehen) ein Teil des gothischen Feudalitätsgebäudes wären, so könnten sie freilich bei einer künftigen neuen Ordnung der Dinge nicht bestehen, allein nach dem Beispiel Frankreichs könnten wir ab» nehmen, daß man andre Fonds ausmitteln würde, um die Aniversität zu unterhalten".
And am 27. Oktober begründet er in einem Brief an den Berliner Buchhändler Voß seine politische Stellungnahme zugunsten Frankreichs. Es heißt dort: „Die Republik Frankreich scheintMainz nicht wieder fahren lassen zu wollen; eine Freiheitsgesellschaft hat sich unter den Auspizien des Generals Custine gebildet, und die sich selbst überlassene Bürgerschaft scheint ganz geneigt, so wie Savoyen, sich der Republik in die Arme zu werfen. Rur behalten die Leute noch Die Augen offen auf diejenigen unter ihnen, denen sie Beurteilung und Einsicht zutrauen und die sich noch nicht erklärt haben. Ich habe mit mehreren gutgesinnten Männern bisher von Allem mich zurückgehalten; allein diese Reutralität ist mißlich, die Krisis naht heran, und man wird Partei ergreifen müssen. Das Beispiel Frankreichs hat gezeigt, was das Schicksal der Emigrierten überall fein müsse, und der durch die gänzliche Vernichtung der kombinierten Aimee geweckte Revolutionsgeist wirkt, wie man vvrausgesehen hat, bereits so kräftig, daß für die deutsche Verfassung alles zu befürchten steht, wenn man im Frieden nicht die bereits entscheidend demokratisch gewordenen Teile ablöset oder willig hingibt. Der Rhein ist jetzt zum Glück für Deutschland da; er muß die Grenze sein, die das Land der Republik von Deutschland absondert. Raserei wäre es, wenn man jetzt noch an die alten Träume von An- verletzbarkeit und Anzertrennbarkeit des Reichs dächte. Alles geht verloren, sobald man etwas zurückhaben will Das Beispiel der königlichen Macht in Frankreich ist hinreichend, dies zu beweisen ...
In dieser Lage die Bürgerschaft, mehr aber noch das Volk auf dem Lande zurückzuhalten, Hinzuhalten, von einer Entscheidung abzuhalten, ist ohne auswärtiges kräftiges Zureden ganz unmöglich Der Kurfürst ist in Hannover, der Koadjutor kommt nicht her^mo vom Kapitel bekümmert sich niemand darum, zum Besten des Adels, der Geistlichkeit und der alten Verfassung ein Wörtchen zu sprechen. Die Elendigkeit, womit man noch jetzt an den Lügen der Emigrierten hängt und sich nicht getraut, unter Menschen als Mensch unbefangen aufzutreten, übersteigt allen Glauben. Feia uno adelig fangen an synonym zu werden, und für diejenigen Adeligen, die man kennt, ehrt und liebt, muß man beinahe weinen, daß tyr Stand so herabgesunken und an eigenem Innern Wert so verarmr M ...
*) Georg Forster, Abenteuer eines Lebens (Bücher der Rose, Verlag W. Langewiesche-Brcmdt in Ebenhausen und Leipzig).


