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Schriftleituna: Dr. Sriedr Wilh. ßanae. — Druck und Derlaa bet Brübl'schen Univ.-Buch- uud Steindruckerei. *K. Lange. Dieben.
gefiegt^ ^^pf war ehrlich." rief einer der Zuschauer. „Sie hat ihm nur vergolten, was er ihr getan!“ ein anderer.
„Ich fordere einen jeden vor meine Klinge, der den Freiherrn für gebunden hält an das Wort, das ihm ein tolles Mädchen Mtrißl“ schmetterte Sir Stuart in den Saal.
„So kreuzt die Klinge mit mir!“ ries Gottlieb« erregt dawider.
Der Kavalier schüttelte den Kopf. Er sagte spöttisch: „Fräulein Gottliebe, Ihr wißt, was für Gefühle ich für Euch im Herzen trage. Ich suche im Kampfe dem Mars, nicht der Venus zu begegnen.“
Sm Saal wuchs die Erregung. Sir Stuarts Hochmut hatte alle Gemüter aufgepeitscht, aber keiner wagte es, sich mit dem gefürchteten Degen zu messen. Triumphierend durchschweiften die Blicke beg Kavaliers den vor ihm zurückweichenden Kreis der Schwan- kenLen, als neben Gottliebe der Fechtmeister Achatius trat und zu Sir Stuart ruhig und ernst sprach: „Sv Jhr's verschmäht, Eure überlegene Kraft mit einem Mädchen zu messen, werdet Jhr's vielleicht nicht ablehnen, einem alten Waffengefährten Genugtuung zu geben, Len Ihr todkrank von der Schwelle des Hauses fvrt- toiefet, in dem Ihr selbst als Gast warm sähet. Tretet Ihr nicht mit mir aus Toledaner Klingen an, so erkläre ich, Freiherr Achatius von Söllern, Euch Sir Stuart Hamilton, als einen stinkenden Hundsfott!“
Sir Stuart war bläh geworden. Er warf Rock und Weste ab. Alsbald standen sich die beiden gegenüber.
Von dem wütenden, blitzschnellen Kampf, der jetzt folgte und fast eine Stunde dauerte, lebte die Erzählung über ein Jahrhundert Lei den Anhängern der edlen Fechtkunst weiter . . .
samen Kampfes au. Die Stimmen schwirrten vurcyeinanoer. «ai trat der Freiherr von Herrenbruch, der seine Besinnung wieder- gesunden hatte, vor und rief: „Ich fordere Euch H^en, als Zeu- gen auf. Mich verlieh di- Ruhe, als ich sah, daß ich minder scharfen Waffe im Kampf gegen die eigene Schwester stand.
Aber die Llngewaffnete mit der Waffe in der Hand zu bedrohen, sie ins Haus zu zwingen, um stean ei-ien hergelaufenen. Fremden zu verkuppeln, dazu mangelte dir die Ruhe nicht, Bruder!“ rief Gvttliebe. , , , o„ . .
Was hat der Freiherr von Herrenbruch getan? fragte der eine.” „Hat er es wirklich gewagt, die Schwester mit dem Schwerte zu bedrohen? rief ein anderer. „Gr gibt ja alles dem Engetsch- mann, warum sollte er ihm nicht die Schwester geben wollen <
„Wagst du es, allen Herren hier ins Gesicht zu leugnen, was ich dir vvrwerfe?“ rief Gottliebe. .
Gustav Friedrich war bläh geworden. Ihm fehlten di« Worte um der Anklage zu begegnen. Da trat Sir Stuart vor und rief mutig: „Für Augen, die das Spiel gesehen haben, liegt erne hinterlistige Herausforderung vor. Der Freiherr ward bestehst, weil er die Schwester erkannte. Hätte er's vorher gewuht, er hatte nicht gekämpft. Hätte sie sich nicht zu erkennen gegeben, so hätte er
Mit geballter Faust und butunterlaufenen Augen. bte an ein« stöhigen Stier gemahnten, versolgte der Freiherr von Herrenbruch den Kampf seines Freundes auf Leben und Tod. *
Ihm gegenüber rang Gottliebe, die die Linke auf das schlau Ä Herz gepreht hatte, nach Atem. Jede Bewegung des Hem« ins schwang in ihrem Körper nach. Die Knie federten leicht, das Handgelenk fühlte die Stöhe und Drehungen mit.
Da geschah es, dah Plötzlich Sir Stuart zurucksprang. Dbi Linke preßte 1er auf die Rippen, knickte in den Knien ein, ließ den Degen sinken und fiel zurück. , -
„Sch habe ihn nicht getötet,“ sagte der Rittmeister, der hoch» aufgerichtet das Zusammenbrechen seines Gegners verfolgte
Ein Aufseufzen ging durch die Menge. „Gott hat entschieden" löst« sich von einem Lippenpaar. > ~
Der Freiherr von Herrenbruch trat hinzu, nahm den Freuno in die Arme trug ihn hinauf in ein Zimmer des Wirtshauses. Ei» Chirurgus kam, um Sir Stuart zu verbinden. Er ward gefra» wie es um den Verwundeten stünde. Er berichtete, dach ein Bungen* stich Sir Stuart lange auf ein schmerzhaftes Krankenlager fesseln ^^Am vierten Tage nach der Verwundung des Freundes ritt Gustav Friedrich 'nach Herrenbruch zurück. Aber
Tor gelangte, fand er die Zugbrücke aufgezogen Als er Einlaß Begehrte, trat feine Schwester auf die Zinne des Turmes nndtt^ hinab: „Hast es verwettet, zehn Sahre außer Land zu Meißen. Reite denn hinweg. Was du bedarfst an Aufrüstung und Geld, sollst du Mm herzoglichen Rat von Knop findem
Der Freiherr tobte und fluchte. Er schrie nach seinen Diener« und Knechten. Allein keiner wagte es, <m dasTorzu gehen, denn im Hofe faß der Rittmeister, gerüstet mit Muskete, Pistol» — ÄVÄS Ä«-* J-Md-. Um 31* di- re*«l«nMaen B-Ndwdm
als glücklich gepriesen. Solange er noch mächtig in fein«^Burg faß, hatte es .niemand gewagt, mit ihm anzubinden. Setzt sand « nur schlechtes Gehör. Es ward ihm vorgeworfen, er hab« feiner Schwester ihr Gut vorenthalten. Don den Juristen wurde er ge» warnt in einen Prozeß einzutreten. Gii^ er fv hörte er Spottreden der Bürger: „Das ist der Freiherr, öes acaen feine Schwester im Waffenkampfe unterlag.
9 9 ©o fand Freiherr von Herrenbruch wider seine Schlvest«: niraends Unterstützung. Der herzogliche Rat von Donop riet ihm, außer Landes zu gehen, da auch der Fürst ihm ungnädig gesow-
Well er keinen andern Ausweg fand, fügte er sich alsball> W sein Los und zog, sobald es die Wunde Sir Stuarts erlaubt^ mit diesem von dannen. t
®rei Jahre führte Gottliebe die Zügel auf Herrenbruch und meinte daß eine tüchtige Frauen Hand den Zaum besserzu mei- ftecn ’ verstünde, als die behandschuhte Faust eines Kavalier«
©ie^itt auf die Felder, trieb die Taglöhner zur Arbeit an unb scheute sich nicht, gegen rohe Gesellen die Peitsche zu gebrau» chen. Aber sie hatte auch die rechte Güte zur rechten Zeit, wie es 5<ir JedM Morgen versammelte sie in der ^aHc i&r betete mit ihren Leuten, während dieSuPPe als gwer Tags»- beainn den Andächtigen in die Rasen dampfte. Am 4» W ue Bibelstücke, zu denen Herr Josias Rottner ihr erbauliche Betrach- vpi-faßt batte Jeden zweiten Sonntag ließ sie den Witt Ligen, alten Herrn mit der Kusfin holen und erPredigteam Rach^ mittag in der Kapelle, denn das Fräulein hielt nichts ^von. dav Las Gesinde am Sonntagnachmittag in di« Stadt liefe. »AH Stunden voll Sauf und Unflat, f^gte fie LU sagen, ..-können nicht wettgemacht werden durch zwei Stunden Kirchgang.
War für sie immer ein Festtag, wenn der Pfarrherr hinaus- gefahren kam. Sie saß mit ihm in einem kleinen Turmzimmee Als dritter im Bunde war Herr Achatius dabei Bedienen aber lÄen sie sich durch die Kusfin, auf daß kein Gesicht in diesen Gr- innerungsnachmittag hineinwüchst. Las stacht in lenen Wochen der Verbannung im Pfarrhause zu Emmspringe Labeigewesen war.
Der Rittmeister Achatius hatte sich «n enges Gemach Tvrturm eingerichtet und selbiges als Zelt ausstasfiert. Grob« Leinwand strebte zur Decke und ward durch eine dünne Stangege» halten Er ruhte wie ein Soldat im Feldzuge auf einem niederem Lager'neben dem Waffen handbereit lagen Halbe Tage,lang htttt Herr Achatius mit einem Fernrohre Ausschau nach Reitern. Gewahrte er soldatische Haltung undWafsen, so schwang er sichauf sein Roß, um zu erfragen, wo es in der Welt einen neuen Krieg gäbe. Allein es herrschten zwar noch Potentatem die Krieg uhv» ten nur schien es dem Rittmeister Achattus Nicht das Rechte zu sein Denn im Greisen zu Fenstäde, wo er noch einmal die Woche seinen Fechttag abhielt, pflegte er am Eichentisch beim Wein auf die Frage, wann er wieder auszöge, zu antworten, sobald ^iM heiligen römischen Reich wieder ein gesunder Kriegszustand blühte.
(Schluß folgt)
Hamilton, zu entlas en. < . .
Die Menge stöhnte bei diesem plötzlichen Ausgange des sett- Die Stimmen schwirrten durcheinander. Da
Das wehrhafte Fräulein.
Don Friedrich Srekska.
(Fortsetzung)
Als Herr Evrnelius sprach, hatte Sir Stuart aufgehvrcht. Seine Blicke umkreisten die schlank« Fechterfigur. Em spöttisch^ Lächeln trat auf seine Lippen. Hastig flüsterte er Gustav Friedrich zu: „Tu's!“
„Scharfe Waffen vhii« Masken und Schutz!“ rief Herr Cornelius. Der Jungherr nickte, warf den Rock, bie Weste, die Halsbinde ab, während Herr Cornelius das Cisengitter vom Kopfe zog. Dabei fielen ihm die langen Locken vom Rackm über die Schultern und verdeckten das Gesicht, von dem m der gebückten Ausfallstellung für den Gegner nur zwei blitzende Augen ertennbac waren.
’ Die ersten beiden, kurzen Gänge zeigten, daß der Freiherr ein geübter Fechter war. Doch mochte er wohl noch nicht warm geworden sein, beim er hielt sich in der Deckung unb überließ den Angriff dem Gegner.
Da rief beim Beginn des dritten Ganges Herr Cornelius plötzlich mit einer hellen, mädchenhaften Stimme: „Bruderlein, du scheinst vor den Waffen zu zagen!“
Der Freiherr sprang zurück und sah auf. Sein Gegner hatte mit einer schnellen Bewegung die braun-goldenen Haare aus dem Gesicht gestrichen, und Gustav Friedrich erkannte, daß seine Schwester ihm mit der scharfen Waffe gegenüberstand. Wer ehe er sich von seinem Staunen erholen konnte, sah er sich toutenbai Ausfällen ausgesetzt, die er nur mit Mühe parieren fonnte ®r stieß hervor: „Ich will nicht!“ Da ward, die Spitze seines Degens gebunden unb ihm der Griff durch einen Kreisschwung mit größter Gewalt aus der Hand geprellt. Herr Cornelius senkte den Degen und sagte: „Ihr dürft Euch als besiegt betrachten, Freiherw. Als meinen Willen lege ich Euch auf, zehn Jahre das Haus, Herren- bruch und die Landschaft zu meiden und Euren Freund, Sir Stuart


