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Fischern, die da ihre Fangplätze haben, von Geschlecht zu Geschlecht vererbt, in der Hoffnung auf reicheren Segen.
Mit dem bloßen „Hinsetzen" und „Zugreifen" ist es in solchen Fällen freilich nicht getan. Manch wertvoller Besitz will mühevoll „erworben" sein. Den Marschbauern wurden die Watten wahrhaftig nicht geschenkt. Im Kampfe haben sie sie dem neidischen Meere abgerungen, mit zäher Ausdauer Last um Last erhöht, um sie fort im& fort gegen den Ansturm der Wogen zu verteidigen. Sonst schwemmt eine einzige Sturmflut den ganzen „Platz", den Gewinn 100jährigen Bingens von Hunderten von Händen wieder fort. Wem aber das Werk gelang, der sagt wohl im sicheren Gefühl: „Jk fett up mien Gegen, well wil mi wat dauhn?!" und schaut stolz wie ein König über meilenweit« Weidewiesen.
Mit stolzer Gebärde ergriffen Ungar ns Könige von ihrem Lande Besitz. Hoch zu Bost sprengten sie auf eine 'Anhöhe und schwangen dort ihr blankes Schwert nach allen Welt- gegenden. Wohin es blitzte, war alles ihnen untertan. Manch anderer verdankte seinen Besitz seinem „Witz", womit man früher anderes als jetzt meinte.
Die Aeberlieferung der Angelsachsen erzählt von der Ankunft des Heng ist und Hvrsa, Heirgist habe sich soviel Raums zur Niederlassung erbeten, als er mit einer Kuhhaut umspanneir könne. Als ihm das gewährt wurde, verschaffte er sich die Haut eines alten Ochsen, liest, sie wohl gerben und! dreimal ausspannen, hernach in die schmälsten Biemen schneiden und damit umzog er ein weites Gebiet, worauf der Grundwall einer stolzen Burg entstand, die Lundunaburg, das heutige London. Heinrich der Welf liest sich von Ludwig dem Frommen soviel Land verleihen, als er, solange der König zu Mittag schliefe, mit einem goldenen Pfluge umackern oder mit einem goldenen Wagen um- stchren könnte. Noch viel mehr gewann der heilige Andreas von Sagelse, dem König Waldemar von Dänemark um das Jahr 1205 alles zusprach, was er auf einem neun Nächte alten Füllen umritte, während der König im Bade fast. Andreas ritt so scharf, dast die Hvfleute zu Waldemar eilten und ihn ermahnten, schnell das Baden sein zu lassen, sonst umritte der Heilige sein ganzes Beich. Gefions Söhne aber pflügten Schweden hon Dänemark ab. So entstand! zwischen beiden der blaue Oerefunb'.
Das alles zugleich köstliche Proben Mittelalterlichei: Humors, der unfern Borfahren über alles ging. Ein noch Lustigeres erzählt das'Chronicon Nvvaliciense vom König Karl. Er habe einem Spielmanne das Recht verliehen, aus einen hohen Berg zu steigen unö' sein Horn zu blasen. Soweit er gehört würde, sollten ihm Land und Leute zu eigen sein. Der Sänger blies, stieg wieder vom Berge herab', ging durch Dörfer und' Felder, und wen er fand!, Leit fragte er: „Hast du ein Horn blasen hören?" Jeden, der es bejahte, gab er eine Maulschelle mit den Berten: „Du 6ift mein Eigen!"
Die Kohle als Rohstoff.
Bon Dr.' Heinrich G r o ste - Kre u l.
Seit langen Zeiten ist die Kohle dem Techniker unentbehrlich; hat man sie doch neben dem Eisen gar das Rückgrat der heutigen Technik genannt. Sehen wir näher zu, in welcher Weise die Kohle in ihrem Hauptverwenöungsgebiet, der Wärmetechnik, ausgenutzt wird, so erkennen wir, Latz ihre Zusammensetzung d'abei von nebensächlicher Bedeutung ist; denn das, was der Kohle ihre überragende Wichtigkeit verschafft hat, ist doch der Umstand, dast sie — auch heutzutage noch — die bei weitem bedeutendste Quelle der Energieerzeugung ist. Den Techniker interessiert zunächst nur die Tatsache, Last bei der Verbrennung eines Kilogramms Kohle etwa 8000 Kalorien Wärme entstehen. Diese,: Energiebetrag sucht er mit einem möglichst hohen Wirkungsgrad in Arbeit umzuwandeln. Dazu dienen ihm seine Maschinen. Dast sich die Kohle — im wesentlichen also Kohlenstoff — mit Sauerstoff verbindet und dast dabei aus der festen Kohle ein farbloses Gas entsteht, das Kohlendioxyd oder unter gewissen ilmstänöen auch ein anderes, das Kohlenoxyd, das kümmert ihn weniger. Die Gase entweichen durch den Schornstein in die Luft. Damit ist die Kohle in ihrem Bestände für den Menschen verloren.
Seit längerer Zeit hat man jedoch angefangen, den Stoff der Kohle selbst nutzbar zu machen, d. h. daraus andere Stoffe herzustellen, die eine weitgehende chemische oder technische Anwendung finden. Dazu ist das Schwelen, die trockene Destillation der Kohle, zu rechnen, wie es in den Gasanstalten und Kokereien seit langem ausgeübt wird. Allerdings wird auch dabei nur ein kleiner Teil des Gesamtgewichtes der Kohle in Form wertvoller Verbindungen gewonnen, der Hauptanteil bleibt als Koks zurück und dient in der Hauptsache wieder als Heizstvff, also als Energieerzeuger. Der erwähnte Anteil an Verbindungen aus Kohle ist als Teer allgemein bekannt. Wie aus diesem anfangs wertlosen, ja sogar lästigen Nebenerzeugnis allmählich ein überaus wertvoller- und' heutzutage unentbehrlicher Stoff geworden ist, aus den: die Kunst des Chemikers in allerdings recht langwierigen und verwickelten Verfahren die wunderbarsten Farbstoffe, herrliche Riechstoffe, wundertätige Arzneimittel ßervorzaubrrt, das zu schildern wäre cm sich schon eine reizvolle Aufgabe. Nun hat der nach dem bisher üblichen DesMationsverfahren gewonnene Teer eine Zusammensetzung, die in der Hauptsache sogenannte aromatische
Verbindungen aufweist. 'Benzol und Naphthalin sind unter diesen allgemein bekannt. Die riesige Entwicklung der Maschinentechnik und des Verkehrswesens, der ungeahnte Aufschwung in Bau und Anwendung der Verbrennungsmotoren haben aber den Bedarf an anderen Arten von Verbindungen ins älngemessene anschwellen lassen, die der Chemiker aliphatische nennt. Leichtsiedende Flüssigkeiten wie die Benzine, Petroleum und Schmieröle sind-bekannte Beispiele solcher Verbindungen. Sie entstammten fast ausschließlich dem amerikanischen Rohpetrvleum. Aber die Erzeugung von Petroleum un& der daraus gewonnenen Verbindungen hat ihren Höhepunkt bereits überschritten; die Erschöpfung der amerikanischen Petroleumquellen droht in absehbarer Zeit. Man muh also bei Zeiten nach Ersatz suchen.
Die erste Lösung der hier angedeuteten Aufgabe war ein neues Verfahren der Destillation der Kohle, die durch eine wesentliche Herabsetzung der Entgasungstemperatur der Kohle gekennzeichnet ist. Man arbeitet nach diesem neuen Verfahren bei 400—600 Grad gegen 1000 Grad und mehr beim alten. Der Erfolg ist, daß sich ein Teer von ganz anderer Zusammensetzung bildet, als bisher, nämlich ein Teer mit vorwiegend' aliphatischen Verbindungen. Dieser Tieftemperaturteer ist nach neueren Untersuchungen der zuerst entstehende Teer; aus ihn: entsteht der gewöhnliche, bislang erzeugte Teer durch Zerfall infolge Aeberhitzung. Man hat den Tieftemperaturteer deshalb auch Ärteer genannt. Die Ausbeute an Urteer ist aus geeigneten Kohlen etwa doppelt so groß, wie die an Zersehungsteer beim alten Verfahren. Der Urteer liefert bei feiner Weiterverarbeitung unter anderem Benzine, Schmieröle und B--"-»sfin, er ist auch schon selbst ohne weitere Verarbeitung als Schmi mitt'! verw ndet worden.
Es gibt noch eine andere Möglichkeit, den Kohlenstoff' der Steinkohle in verwertbare Verbindungen umzuwandeln, als die nach dem eben geschilderten Entgafmigsverfahren; das ist die sogenannte Vergasung der Kohle: Durch glühende Kohle wird Luft oder Wasserdampf geblasen. Dabei verwandelt sich der gesamte Kohlenstoff in das bekannte Kohlenvxydgas, nur die unverbrennbare Asche bleibt von der Kohle als fester Bestandteil übrig. Das Kohlenoxydgas läßt sich nun nach neueren Forschungen in eine Reihe von wertvollen Stoffen umwandeln, indem zunächst einmal Wasserstoff daran angelagert wird. In dem aus Kohle und Wasserdampf erzeugten Wassergas liegt ein Gemenge beider Gase vor; es handelt sich also weiter um die Aufgabe, dieses Gemisch beider Stoffe in eine chemische Verbindung uberzuführen. Das ist leichter gesagt als getan. Aber auch die Lösung dieser Aufgabe ist durch die Anwendung eines chemischen ZaubermittelL gelungen, nämlich durch die Anwendung der f»genannten Katalysatoren. Darunter versteht man Stoffe mit der merkwürdigen Fähigkeit, chemische Vorgänge, die sich gar nicht oder nur äußerst langsam abspielen, durch ihre bloße Gegenwart herbeizuführen und fo zu beschleunigen, daß eine technisch wirtschaftliche Durchführung des Vorgangs möglich wird. So werden heute aus Kohlenoxyd und Wasserstoff unter Verwendung von Eisen als Katalysator schon eine Anzahl technisch wertvoller Verbindungen erzeugt, von denen ein petroleumähnliches Gemenge verschiedener Stoffe unter dem Namen „Synthin" in den Handel kommt. Dies ist also gewissermaßen künstliches (synthetisches) Petroleum, hergestellt aus Kohle und! Wasser. Das Verfahren erscheint sehr entwicklungsfähig und wird wohl in Bälde zur Herstellung anderer wertvoller Stoffe führen.
Noch auf einem anderen Woge ist die -Umwandlung der festen Kohle in die begehrten flüssigen Verbindungen von der Art des Erdöls gelungen, nämlich durch das Berginverfahren. Auch dabei wird Wasferstoff unter Druck angelagert,, aber nicht an gasförmige Erzeugnisse, die erst aus Kohle gewonnen werden mußten, sondern unmittelbar an die feste Kohle selbst. Das Derginverfahren verzichtet auch auf den Zusatz eines Katalysators, wahrscheinlich weil die eisernen Wände der Vorrichtungen, in denen sich der! Vorgang abspielt, seine Rolle übernehmen. Es liefert Oele und Motorenbetriebsstoffe in befriedigender Ausbeute. Da die anfänglichen Schwierigkeiten, die sich der Durchführung des Verfahrens im Dauerbetriebe entgegenstellten, jetzt überwunden sein sollen, dürfte die Zukunft des Verfahrens gesichert fein.
Schließlich muß hier noch aller der Stoffe gedacht werden, die die heutige Chemie aus A'atylen als Ausgangsstoff herstellt: Alkohol, Essigsäure, Azeton, Aldehyd — um nur einige der bekanntesten zu nennen. Dem: Azetylen wird aus Kalziumkarbid und Wasser gewonnen, und' das Kalziumkarbid, gewöhnlich kurz „Karbid" genannt, erzeugt man im elektrischen Ofen durch Zusammenschmelzen von Kalk und Kohle. So wird- also heute auch schon Spiritus aus Kohle hergestellt, und nur wenige wohl würden es beim Genuß eines guten Likörs oder „echten" DranntweiM für möglich halten, daß das Gehaltvolle daran, der Weingeist, aus einem Rohstoff stammt, den die Hacke des Bergmanns dem tiefen Schoß der dunkeln Erde entrissen und den erst die Kunst des Chemikers in das begehrte Feuerwasser verwandelt hat.
Diese Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, in welchem Matze die Technik bereits gegenwärtig mit Erfolg an die stoffliche Umwandlung der Kohle herangegangen ist. Für die Zukunft wird die Aufgabe einer Veredelung dieses Rohstoffs von noch weit größerer Bedeutung werden. Wissenschaft und Technik haben hier ein unerschöpfliches und auch höchst dankbares Arbeitsgebiet vor sich.


