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hat also auch in der Hitze einen trockenen Pelz, der Mensch aber ! «die nasse Kleidung durch den Schweiß.

Außerdem muß man bedenken, datz ein Pelz als Bekleidungs­material und die Haarbekleidung der Tiere, d. h. der lebendige Pelz, ganz verschiedene Dinge sind; die Tire können die Haare des Pelzes verschieden stellen, und die Dicke und Wärmehaltung verändern.

Also wir sehen, die richtige Bekleidung des Menschen ist ein« schwierige Ausgabe, die auch die Aatur dadurch, daß sie uns Hütte Haare wachsen lassen, nicht hätte lösen können.

Wenn wir uns behaglich fühlen wollen, mutz unsere Haut unter der Kleidung 32330 haben. Diese Temperatur ist uns auch im nackten Zustand angenehm. Wer zuviel Kleider anzieht, erhöht diese Temperaturgrenze und wird verweichlicht. Personen, die sich an etwas tiefere Temperaturen als 3233 0 gewöhnt haben, habe ich nie beobachtet.

Wie uns die Kleidung Sonnenschutz gibt, so soll sie außerdem uns schützen gegen Verletzungen, Druck und Stotz, und was für die Tropen wichtig ist schützen gegen die Stiche von Insekten, welche schwere Krankheiten wie Malaria, Gelbfieber, Schlafkrank­heit, Hervorrufen und gelegentlich auch andere Krankheiten über­tragen können.

Die elastischen Eigenschaften treten als förderlich namentlich bei dem Strumpfwerk entgegen, das bestimmt ist, die Stötze des Körpers auf die Sohle beim Menschen zu mildern. Llnsere mo­derne Kleidung verwendet als Grundstoffe meist Wolle, Leinen, Baumwolle. Seide scheidet wegen des hohen Preises als all­gemein benutzter Stoff ans.

Die Gewebe, die unmittelbar am Körper getragen werden, sind am häufigsten aus Leinen und Bamnwolle, Hose, Rock, Weste der männlichen Bekleidung meist aus Wolle.

Die Webweise kann entweder so sein, datz die Fäden gekreuzt werden, oder das Schlingen gebildet werden (Trikvtgewebe). Bei stärkerer Vergröberung mit dem Mikroskop sieht man bei den Stoffen nur ein Gewirr von Fasern, das besonders bei Wolle wirrer zu sein scheint, wie bei den pflanzlichen Geweben. Dabei übersehen wir aber das Wesentlichste, die Luft in den Poren der Kleidung, und diese Luft ist nicht ein zufälliger, sondern ein we­sentlicher und wichtiger Bestandteil des Gewebes. Diese Luft­menge lätzt sich messen. Es enthält der gewöhnliche Hemdenstoff, z. B. Schirting, 37 Prozent Luft, die Trikotgewebe meist an 80 Prozent, Wollflanell gar 90 Prozent, und der Pelz der Tiere 97 bis 98 Prozent.

Die Kleidung besteht also einmal aus festen Stoffen, und dann aus Luft, und zwar aus Luft, die in kleinen Hohlräumen ein» geschlossen ist und deshalb sich nicht so leicht bewegt.

Wenn wir die Wärmehaltung als wichtigste Eigenschaften der Kleidung ansehen, müssen wir uns mit dem Vermögen der Wärme­haltung dieser beiden Komponenten beschäftigen. Die Körper lei­ten ine Wärme verschieden gut; das weitz jeder aus dem prak- schen Leben; eine Teekanne aus Metall wird uns beim Berühren schmerzen, während eine solche aus Porzellan bequem angefatzt werden kann. Dieses Wärmeleitungsvermögen kann man genau messen. Die Luft (ruhend) leitet 22 OOOmal schlechter als Kupfer, Wolle 6mal so gut wie Luft, und Baumwolle 30mal so gut, Also ist der Luftgehalt der Kleidung derjenige Teil derselben, der für die Wärmehaltung am wesentlichsten ist. Run verstehen wir auch, warum die Aatur in den Pelzen der Tiere das beste und wärmehaltendste Material, die Luft, so reichlich verwendet hat!

Die wärmende Wirkung eines Kleidungsstückes hängt also ab vom Grundstoff, von der Luftmenge und der Dicke.

Im Sommer hat unsere Kleidung nur 12 Millimeter Dicke, im Winter an kalten Tagen 2526 Millimeter, mehr noch bei der arktischen Bekleidung mit Pelzen. Aus der Erfahrung ergibt sich, Latz wir, je dicker die Kleidung werden muh, um so luftreichere Stoffe verwenden.

Im Sommer tragen wir mit unserer Kleidung etwa 34 Kilo­gramm, im Winter 78 Kilogramm mit uns herum. Würden uns Haare gewachsen fein, wie einem Schaf oder einem Eisbären, so würde diese prächtigeWinterbekleidung" noch nicht einmal 2 Kilo­gramm wiegen, also nur ein Viertel von dem Gewicht unserer künstlichen Kleidung. Wir haben also in der Konstruktion einer rationellen Kleidung noch vieles zu verbessern.

Aber die Schwierigkeiten für die Konstruktion einer güten menschlichen Kleidung müssen wir erst noch besprechen, sie liegen darin, datz unsere Haut unter Arnständen schwitzt, und der Schweiß sollte eigentlich, ohne datz wir es merken, verdunsten können. Schweiß als Mässe hat seinen Beruf verfehlt. Wir müssen an der Hand der wissenschaftlichen Erforschung uns klar machen, wie der Wasser­dampf durch die Kleidung hindurchkommt.

Zu diesem Zweck untersuchen wir die Luft in den Poren der Kleidung, die Kleiderluft. Wir finden, datz sie kohlensäurehal­tiger ist als die Stubenluft. llnfere Haut atmet Kohlensäure aus, Und aus dem Verdünnungsgrad der Kohlensäure in irgendeinem Kleidungsstück können wir berechnen, datz und wieviel frische Luft von autzen durch die Kleidung strömt und bei einer idealen Klei­dung soll diese Ventilation ausreichen, den Wasserdampf abgu- führsn. Gelingt das, so ist uns die Kleidung behaglich, gelingt es

nicht, so haben wir «in Gefühl der Bangigkeit, Arbeitsunlust, das Gefühl der Mässe oder selbst Frösteln, Wasser in der Kleidung verdrängt die Luft und leitet die Wärme 30mal so stark, wie di« letztere.

Anter normalen Verhältnissen ist die Luft in der Kleidung trockener als im Zimmer. Das lätzt sich leicht mit einem kleine» Feuchtigkeitsmesser nachweifen. Vermehren wir aber z. D. durch Arbeit unsere Wärmeerzeugung und dadurch auch die Abgabe von Schweitz, so zeigt das Hygrometer, datz nunmehr die Kleiderluft! feuchter wird.

Merkwürdigerweise hängen alle unsere Bekleidungsstoffe ii> ihrem Gewicht ganz von der relativen Feuchtigkeit der Luft ab. Wolle kann, wenn sie vorher trocken war und in ganz feucht« Luft (Rebel) kommt, um 30 Prozent an Gewicht zunehmen, Leinen und Baumwolle etwa um halb so viel. Diese Feuchtigkeit in den Stoffen kann man nicht fühlen, aber sie vermindert das Wärme- Haltungsvermögen.

Durch diese Eigenschaft lassen Wollgewebe, wenn es zu warm wird, durch Zunahme der hygroskopischen Feuchtigkeit die Wärm» besser abströmne. Es ist also so, als wenn wir geradeweg einen Teil der Kleidung ausgezogen hätten. Leinen und Baumwolle haben diese günstige Eigenschaft der Wolle nicht.

Wenn wir noch mehr Schweitz bilden, und die Kleiderventi­lation ihn nicht mehr beseitigen kann, so kommt es zur Durch­nässung der Kleidung. Bei gewöhnlichem Seinen und Baumwolle genügen ein paar Tropfen, um eine große Fläche zu durchtränken. Alle Poren füllen sich mit Wasser, und wenn wir z. D. das Hemd auch auswringen wollten, wir brächten die Feuchtigkeit nicht auS den Poren! Die Haut steckt in einer dunstigen Hülle, das Gefühl der Schwüle belästigt uns, der Stoff legt sich an die Haut.

Ganz anders bei den Trikotgeweben aus Wolle und Baum­wolle. Wolle besonders benetzt sich sehr schwer, die Stoffe kleben auch nicht an der Haut, ein Teil der Poren bleibt offen, die Aus- trvcknung der Kleidung geht von der Haut nach nutzen, also werden diese Stoffe bald das Gefühl der Trockenheit aufkommen lassen.

Die praktisch getragene Kleidung besteht aus mehreren Schich­ten, am Rumpf aus Hemd; Weste, Rock und Aeberzieher, und ihr wechseln teils gut, teils schlecht luftdurchgängige Schichten, schon das Leinen- und Baumwollhemö gehört zu den schwerstdurchlässi- gen und luftarmen Geweben. Andurchgängig ist meist das Futter von Weste und Rock, auch manchmal noch int Aeberzieher. Jede nicht poröse Schicht stört die darunter gelegene Schicht an der Abgabe des Wafserdampfes. Die rationelle Kleidung hat also zu­nächst mit der Reform der Hautbekleidung einzusetzen und Die Technik hätte endlich einmal für Futterstoffe zu sorgen, die aus­reichend luftdurchgängig sind.

Gut lüftbare Kleidung erhöht die Reinlichkeit der ganzen Per­sönlichkeit; die von außen eindringende frische Luft vermindert überhaupt das Schwitzen und desodorisiert den Schweitz, der sich abgelagert hat. Poröse Stoffe hindern auch die Konzentration des Schweißes auf eine geringe Masse von Stoff, sie verteilen ihn mehr, und die Wollgewebe lasten ihn auch leicht weiter durch sich hindurchwandern.

Bei aller Wertschätzung gut lüftbarer Kleidung halte ich eS für übertrieben, wenn man einen gestärkten Kragen und gestärkt« Manschetten oder Gummiwäsche dieser Art als gesundheitsschäd­lich verdammt. Anders freilich steht es mit der gestärkten Brust, die man als Gala und Repräsentativnslleidungsstück freilich so lange tragen wird, bis die Mode etwas anderes erfunden hat!

Auf die verschiedenen Anforderungen des Berufs in der Be­kleidung kann ich hier nicht eingehen.

Was die Bekleidung in der Jugend, im Mannesalter oder höheren Alter anlangt, so machen sich dabei wesentliche Unter» schiede geltend. Kinder int Spiel- und Schulalter haben weniger Schweihbildung, ihre Haut wird bestens durchblut^, die Gefäß« sind sehr dehnbar und so geht asto die überschüssige Wärme leicht nach außen. Auch Pflegt man Kinder eher zu wenig als zu dicht zu bekleiden.

Im Mannesalter setzt gewöhnlich die Ablagerung von Fett am Körper ein; dadurch kommt es leichter zur Schweitzbildung« Im hohen Alter haben wir es meist wieder mit mageren Menschen zu tun. Die Blutgefäße, zur Verkalkung neigend, gestatten kräftig« Muskelbewegungen überhaupt nicht mehr. Der Grund zurSchweitz- bildung fällt weg.

Sehr viel läßt die Kleiderreinlichkeit zu wünschen übrig. Di« Leibwäsche wird allerdings des Waschens wert gehalten, aber an die übrigen Bekleidungsgegenstände und deren periodische Reini­gung denkt man überhaupt nicht. Das Bett sollte man auch zu« Bekleidung rechnen, denn man bringt meist, ja ein Drittel seines Lebens, in dieserBekleidung" zu. Selbst in guten Familien denkt man heutzutage nicht mehr daran, die Federkissen usw. zu reinigen, die nach jahrzehntelangem Gebrauch unglaubliche Mengen von Schmutzbestandteilen aller Art aufzunehmen pflegen.

Gute Kleidung trägt zur Erhaltung der Gesundheit ungemein viel bei, auch zur körperlichen Leistungsfähigkeit. Von der Klei­dung hängt die gute oder schlechte Beschaffenheit der Haut. Wer also in einer gesunden Haut stecken will, mutz auch ein« ra­tionelle Kleidung wählen!

Schriftleitung: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Druck und Verlag der Drühl'schen Aniv.-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dietzen.

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