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*) Den Aufsatz des bekannten Berliner Hygienikers, des Schöpfers der modernen Kleidungshhgiene und Verfassers vieler bedeutsamer Werke, entnehmen wir — mit Genehmigung des Verlages — dem bekannten Fachblatt „Der Manufakturist".
Unsere Kleidung.
Don Geh. Ober-Medizinalrat Prof. Dr. Max Rubner, D e r l i n*).
Der Mensch hat, wie alle Warmblüter, einen Kampf mit dem Klima und Hitze, Kälte, Regen und Wind auszufechten; vor allem ist seine haarlose Haut kein rechter Schutz gegen Kalte. So, wie er auf die Welt kommt, nackt, patzt er einzig und allem nur für das tropische Klima. Dort sehen wir auch heute noch die Vatuiv Volker unbekleidet, aber auch da suchen sie Schutz gegen Regen und Wind, und Sicherheit für die Vachtruhe durch den Dau der $UttSic Mittel unseres Körpers zum Kampf mit dem Klima sind folgende: Steigt die Temperatur der Umgebung soweit, MD unser Blut anfängt wärmer zu werden, so verdunsten wir Wasser, und wenn die Gefahr besteht, datz die Dlutwärme sinkt so wird in uns mehr Wärme erzeugt. Beide Vorgänge sind unserem Wüten entzogen, erfolgen automatisch und heitzen die Wärmeregulation. Alle Warmblüter besitzen sie. Aber diese Hilfsmittel allem wurden den Menschen wie den Tieren den Aufenthalt in kalten Ktomaten oder gar in den Polargegenden, wo Temperaturen hinter —600 vorkommen, nicht ermöglichen, wohl aber reicht die Wärmeregulation aus, Len Menschen in trockenen Gegenden, selbst bet Temperaturen von -{—50 °, leistungsfähig zu halten. Der Pe^ der Tiere ändert sich bei ihrer Wanderung auf der Erde, Spezies mit viel Haaren, wie Schafe, bekommen in den Tropen cäne Mtut wie ein Windhund, Kamele im Klima von Tibet sind stark behaart. Für den Pelzhandel sind Tiere der arktischen Zone gesucht. Autzer dem Pelz schützt manches Lier auch ein mächtiges Fettpolster gegen
Ursache jene leuchtenden Streifen an» Vachthtmmel habai, tntejle vor einigen Jahren an der Heidelberger Sternwarte und anoen» Orten gesehen wurden. Jedenfalls sand der Verfasser zur Zeit Beobachtung jener Streifen auch eine Strahlungsvermm» “ " " - ' -tum. Ob kosmische Wolken die
Aachtwolken vulkanischen Air*
Der Mensch hat seine allmähliche Ausbreitung über die kalten Zonen Lurch die Erfindung der Kleidung ermöglicht. Zuerst haben ihm die Felle der Tiere als Schutz gedient, wie heute noch dem Es* kimo Erst später entstand die Kunst, aus pflanzlichem Material Gewebe herzustellen. Die Fadenbildung mit der Spindel war bte Grundlage für das Flechten und Weben. Wollstoffe finden sich erst in der Bronzezeit. Üngezählte Jahrtausende hat 6er Mensch feine Kleidung den Gefühlen Kälte und Wärme angepatzt. Erst m den letzten fünfzig Jahren hat man sich mit der Kleidung vam wisseiischaftlichen Standpunkt aus besaht und ihre physikalischen und physiologischen Eigenschaften erkannt Die wesentlichen Grundzüge einer rationellen Kleidung will ich in nachfolgendem kurz skiszie^em b.e ÄIeiJnmg hem Menschen sein? Bor allem — tenfi’ man — ein Schutz gegen Kälte, aber d-och dies nicht allem. Di« weihe Haut des Europäers verträgt die Tropensonne nicht em Teil der Sonnenstrahlen dringt tief in den Körper ein und schadiM ihn Die Vatur gab den Aegern den Schutz gegen die Sonne durch die'schwarze Haut. Die weitze Haut bedarf also eines besonderen Schuhes wenn auch nur Lurch leichte Bekleidung. . . .
Was Len Kälteschutz anlangt, so scheinen uns die primitiven Völker Lurch die Wahl der Tierhaut als Kleidung das allein Richtige getroffen zu haben. Wenn man die Sache aber genau betrachtet so eignet sich ein Fell durchaus nicht für alle Zwecke unserer'Bekleidung. Auch wemi uns Haare gewachsen wären, so wäre doch die Sachlage bei uns eine ganz andere, als bei den meisten Tieren Denn die menschliche Haut hat das Charakteristische, Latz sie in ihrem ganzen Umfang zu schwitzen vermag, was nur bei ganz wenigen Tieren vorkommt. Die letzteren atmen lebhafter, wenn es warm wird und verdampfen Wafser aus der Lunge. Jeder kennt die keuchende Atmung des Hundes im Sommer. Das Tier
auSsetzt und seine Wärmezunahme mitzt. Kennt man den sogenannten „Wasserwert" jenes Körpers und seine Oberfläche in . «uu Quadratzenkimeter, so kann man nach Reduktion auf die Einheit Orten gesehen wurden. Jedenfalls falber 6er Fläche und der Zeit die Strahlung in gr-cal/min/qcm aus- einer Beobachtung jener Atresien auch «w« S tvahüi^vwm^* frtüden Der Wea erscheint einfach doch ist die Ausführung des 1 derung auf dem Feldbergvbservatorium. Ob kosmische Wolken di« Experimentes sehr sch^ Es wurde bemerkt, man müsse einen Ursache waren oder leuchtende Vachtwolten vuLmisä^i Alt* Rrp^r Nehmen Mr arte'auf ihn fallende Strahlung absorbiere; sprungs wie sie seinerzeit nach dem Krakatau-Ausbruch 1893 auf*
tut her absolut töttxme Körper" den wir aus der theoreti* I traten, ist noch ungewitz.
schen Physik kennen Ein erdolchen aber in der Praxis vollkommen Diese Untersuchungen und Ergebnisse dienen nicht allem der herzustellen istfast unmöglich Hat man aber keinen absolut schwär* meteorologischen Wissenschaft, sondern auch der Medizin, dteja »en Körper' so erleidet Mr Apparat Verluste an Erwärmung durch I die heilkräftige Wirkung der Sonnenstrahlung in immerweit^*
ei-Z-ue Allssjrabluna die schwer in Rechnung zu ziehen sind. I gehendem Matze verwendet. Der Arzt mutz wissen, wcmn die Amehesten ^füllt Rutz ^die Forderung völliger Absorption aller Strahlung am stärksten ist, welche Strahlenarten a'umMM ge= Wellenlängen So beruhte Pouillet die Auffangfläche seines ersten schwächt werden, und in welcher Weise. Em gro^rrtiges 3n* SS Pyrheliometers» (d. h. „Feuersonnenmesser", da flitut für Sonnenforschung hat übrigens m Davos ProtzDr.
solibsu Avvaraten auch die Oberflächentemperatur der I C. Dvrno eingerichtet. Ihm verdanken wir grundlegende Kennt Sonne messen kann) Pouillets Apparat bestand^ aus einem be- nisse. Auch die Badische Landeswetterwarte istmit Tliiterstutzung
ÄrSuüöÄ S&meter, W die Erwärmung der „Badischen Gesellschaft für Wetter- und Klimasorschung jetzt
Wisers matz Sväter bat Crova einen ähnlichen Apparat, dabei, an diesem Institut und an dem ihm angegliederten Feld- mit Quecksilb-r statt Wasser g-füllt verwendet. Violle schlietzlich I berg-Observatorium Strahlungsforschungen nach Möglichkeit Mit Mru^e^die^hermometerkugel selbst Alle Apparate litten aber den vorhandenen Mitteln zu treibmi und das Instrumentarium aÄ MTB äußere«nflüHe. namentlich Wind, ihre mit der Zeit zu Vervollständigen Es ist zu ^nschen datz diese Angaben stark beeinflußten. Gute Werte lieferte erst das I Bestrebungen von Erfolg gekrönt sind und Ergebnisse Mtigen. Angströmsche Kvmpensationsphrheliometer, das in sehr sinnreicher I auf denen die Wissenschaft weiterbauen kann.
Weise die eingestrahlte Wärmemenge durch Thermoelemente mitzt. I
Wie man aus mühseligen Beobachtungen und Untersuchungen I gefunden hat beträgt die Sonnenstrahlung an der Grenze der Atmosphäre 1,95, also rund 2 gr-cal/min/qcm. Wieviel gelangt I nun von dieser Strahlung zur Erdoberfläche und wie ändert sich I dieselbe im Laufe eines Tages, eines Jahres? Zunächst ist klar, I datz nur ein Teil, und zwar um so weniger, je dickere Luftschichten I zu durchdringen sind, zur Erde gelangen wird. So hat z. B. Prof. ! Peppler der Direktor der Badischen Landeswetterwarte in wauä- I ruhe im Freiballon in 7500 Meter Höhe 1,67 gr-cal, gefunden, auf I dem ’ Feldberg (Schwarzwald) mah der Verfasser bis 1,5 cal. und in Karlsruhe werden bestenfalls etwas über 1,3 cal. gefuiwert. I Das find alles Maximalwerte bei höchstem Sonnenstand um Mittag Morgens und abends, wenn die Sonne tief am Horizont I stehend eine dickere Luftschicht durchstrahlen mutz, ergeben sich natürlich bedeutend geringere Werte. Die Zu- und Aonayme der 1 Strahlung geht aber nicht parallel zum Steigen und Sinken der Sonne sondern der Tagesgang wird modifiziert durch das Vor- I handensein von Trübungen in der Atmosphäre, von Staub und I Wasserdampf Diese sind meist am Vachrnittag reichlicher vorhanden weshalb am Vormittag intensivere Strahlung gemesfen wird. Dieser mittlere Lagesgang ändert sich natürlich m mannigfacher Weise namentlich durch Zunahme der Luftfeuchligleii in hohen I Schichten der Atmosphäre beim Herannahen von Twsdru<^ebieten was eine Abnahme der Strahlungsintensität bewirkt. Man hat I hier schon gewisse Gesetzmätzigkeiien gefunden, und,hofft, in Zu- I fünft Beobachtungen der Strahlungsintensität auch für die Wetter- | Prognose zu verwenden. , ,. „ ,. ,
Don besonderer Wichtigkeit, namentlich für die Medizin, war I es auch die Jntensitätsverhältnisse einzelner Spektralgebiete zu untersuchen Legt doch der Arzt hauptsächlich auf den Anteil der violetten und ultravioletten Strahlung im Sonnenlicht grvtzen Wert. Man fanb, datz der Tagesgang der roten Strahlung ge- I ringe Veränderlichkeit zeigt, da ja rotes Licht am wenigsien von | der Atmosphäre absorbiert wird. Violett dagegen ist bei niederen Sonnenständen fast nicht vorhanden wegen starker Absorption tn der Luft (aus diesem Grund erscheint auch die tiefstehende Sonne I rot) Ebenso zeigt sich, datz beim Smporsteigen im Gebirge Die I Intensität des roten Lichtes sich nur unwesentlich steigert, Die des violetten dagegen sehr bedeutend. Die Gebirgssonne ift also viel reicher an violetter Strahlung als die der Tiefebene, worauf , ihre I heilkräftige Wirkung "für Lungenkranke usw. zuruckzufuhren ist.
Auch ein Jahrgang der Totalstrahlung ist vorhanden in dem I Sinn datz, gleiche Sonnenhöhe und Lufttrübung vorausgesetzt, Messungen im Winter höhere Werte liefern als im Sommer., Der Grund hierfür ist erstens der, öafl die Atmosphäre tm Wnnter I wasserdampfärmer ist als im Sommer, die Strahlung allo leichter durchläht, bann aber auch, dah die Erde in elliptischer Bahn um bis Sonne läuft und tm Winter (Januar) die Sonnennähe stattfindet, weswegen sich hier die höchsten Werte ergeben. Ebenso ist die Lufttrübung im Winter durch Staub, namentlich im Gebirge infolge der Schneedecke, meist geringer als im Sommer. Auch der Lahresgang weist, teilweise periodisch, Alnregelmätzigkeiten tn seinem Verlauf auf, hervorgerufen durch Staubtrübungen in hohen und höchsten Schichten der Atmosphäre. Durch, die Meteorwolken, die die Erde auf ihrer Buhn um die Sonne alljährlich durchfliegt, werden Sternschnuppenfälle hervorgerufen (hauptsächlichste 1 Schwärme: Aqu ariden tm Mai, Perseiden im August, Levniden tm November. Der hierbei in die höchsten Atmosphärenschtchten gelangende Staub ruft eine Verminderung der Strahlungsintensität hervor Ebenso wirkt vulkanischer Staub, der gelegentlich bei Vulkanausbrüchen emporgeschleudert wird und sich in ettoa 80 Kilometer Höhe lange schwebend erhält und durch Luftströmungen fast | über die ganze Erde verbreitet wird. So machten sich die Staub- massen vom Ausbruch des Katmai in Alaska im Jahre 1912 selbst bei uns in Europa bemerkbar durch fast zwei Jahre währende Verminderung der Sonnenstrahlung. Unentschieden ist noch, welche


