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Allerdings —■ eS waren etwas viel auf einmal. And mancher Italiener fragte sich, ob noch irgendwer in Deutschland zurückgeblieben sei und ob es dort überhaupt noch Not und Elend geben könne, da nicht gar Wenige dieser Romwanderer Lag und Nacht die vornehmsten und teuersten Bergnügungslokale der Ewigen Stadt frequentierten und Ansummen für Sekt und Wein verausgabten. Man mag alles wohlwollend berücksichtigen, das Gefühl der Ausgehungertheit nach, dieser schrecklichen Inflationszeit, den vernichtenden Sparsinn und die lockere Hand des Geldausgebens, alles, alles, so darf dennoch der moralische Schaden, den unüberlegte Prasser an dem Ansehen ihres Volkes verübt haben, keineswegs unterschätzt werden. Sicherlich judeln die Hoteliers und Gastwirte und wünschen sich die Deutscheninvasion bis in alle Ewigkeit fortgesetzt, sicherlich wird durch die mannigfachen Be- rüh.nngspunlcke dos Verhältnis zwischen Deutschen und Italienern, besser, fester und inniger werden, ganz harmonisch waren indessen die letzten Lage doch nicht, irgendein Stachel, eine nagende Frage blieb übrig, die zweifellos von den Aebelwollenden für ihre Zwecke ausgebeutet werden dürfte. Es waren Zehn taufende unter den Deutschen, Studenten, Mittelständler. Handwerker und Angestellte, die ihre kleinen Ersparnisse, bescheiden und trotzdem innig ge- nießend, aufbrauchten — traf ich doch Reisegruppen. die mit 10 und 15 Lire (2 und 3 Goldmark) im Lag ihr Auskommen suchten und auch fanden: einige Hunderte aber, denen auch die 500 nutz eine Lappalie bedeuteten, wollten um jeden Preis die deutsche Rot ad absurdum führen. And sie haben es mit Erfolg besorgt. Nun ist e3 wieder stiller geworden, da nach den Fchertagen die Rompilger -mit und ohne päpstlichen Gegen sich heimwärts und die begüterten Sonncnanbeter weiter südwärts gegen Neapel und Sizilien gewandt hatten, zumal auch die Targa Florio, das berühmte Autorennen, eine erkleckliche Anzahl nach Palermo lockte.
And so beginnt Nom wieder den Römern zu gehören, die während der Feiertage in der Menge der Fremden fast verschwunden waren.
Ja. «8 ist ein Dock, und es ist der, Len ich. suche. Jetzt zieht! er langsam weiter, natürlich spitz von hinten. Der Wind ist gut; ich will es wagen. Drüben die krumme Dirke soll mir den Weg weisen. Nun bin ich unten; es hat sicher zehn Minuten gedauert, das Herunterklettern, denn der Dock warf alle Augenblicke auf. And jetzt bin ich'auf der Mitte der Blöße, aber der Dock, ja, wo ist der? Er mühte dort sein, aber er ist nicht da. Doch ist er es; er tritt hinter der krausen Dirke hervor, aber natürlich steht ex jetzt spitz von vorn und ist von den Bronkbeeren bis zw.n Hals« gedeckt. And sichern tut er zum Aeberflusse auch noch. Hetzt wird er sich wieder äsen, denn ich sehe nichts von ihm. Soll ich, oderi soll ich nicht? Es liegt abscheulich viel Geknick überall und Drom- beeren sind mehr da, als nötig sind. Ich wüll lieber noch etwas toÖlt3ft das hier ein Leben heute! Goldammern, Hänflinge, Zaun- tönige, Draunellen, Lauben, Häher, Finken, Grasmücken, Drosseln, alles ist im Gange. And da hoppelt ein Hasse und hier zieht ein Schmalreh hin, und frische Sdelwildfährten stehen im anmoorigen Boden und hoch in der Luft rudert der Kohlrübe hin. Aber wo ist mein Dock? Himmel, da steht er auf 80 Gänge vor mir, ganz frei, aber spitz von hinten, die Stangen sind doch noch so brav wie im Vorjahre und seist ist der Bursch- dah es eine Freuds ist. And so rot wie er, ist wohl kein Dock hier. Wenn er sich nur anders stellen wollte! Er gehorcht; aber jetzt deckt ihn der Weidenbusch. Nun steht er breit, aber hinter einem gießen Fichtenstumpfe. And jetzt tritt er vor, steht aber halbspitz nach vorne. And nun; deckt die Dirke sein Blatt. Meer jetzt, jetzt steht er gerade recht! Anstreichen? Ach, Ansinn! Knick! sagt der Stecher und der Dock wirft aus und dann wirft er im Knall die Hinterläufe in die Lust und fort ist er. _
Ich merke mir den Anschuß und gehe leise heran. Lieser Eingriff, und hier, quer über den Stamm der Dirke gemalt, hellroter Schweiß; das gibt leichte Arbeit. Nun aber schnell den Hund holen! Als ich den Wald hinter mir habe und um den runden Weidenbusch sehe, sitzt der Hand hoch aufgerichtet da mit empor- aezogenen Behängen. „Komm, Kleiner!" Er pfeift jubelnd auf und dann schnüffelt er an mir herum. Aber dann zieht er; er weiß, es gibt Arbeit.
Zu leicht ist sie heute, viel zu leicht; nach vierzig Gangen hat der Spaß ein Ende; kurz Blatt hinein und heraus, damit konnte Der Dock nicht weit kommen. And die Stangen sind doch viel besser, als es zuerst schien, oben ein bißchen müde, aber unten kräftig und brav geperlt. And viel weniger als vierzig Pfund wird er nicht wiegen. — So hat es sich doch gelohnt, das Gewitter.
Römischer Mai.
Don Georg Strelisker.
Dis zu den Osterfeiertagen blieb selbst in der Ewigen Stadt der Frühling versteckt und hat nur hie und da durch einen kleinen, blauen Himmelsfleck Ausguck gehalten, ob es nun auch schon an der Zeit sei, mit lindem Blütenduft und der ihm eigenen, farbenreichen Lichtsymphvnie einzuziehen. Meistens hielten südlich über bei- Campagna und nordwärts über Toscana und der Po-Ebene breitgeballte Wolkenreiter düstere Wacht und ein Regenschauer folgte dem anderen. Richt das Sehnsuchtsmotiv war vernehmbar in den kraß abwechselnden Stimmungen trüben Herbstgeläutes und drückender Sommerschwüle, nur ein schier kaum ertragbares Warten der Menschen und ein Zögern in dem Erwachenwollen und Erblühen der Natur verriet, daß etwas nicht kommen wollte, was schon längst fällig war.
Indes änderte sich dies mit einem Schlage, als der Massen- vsterzug der Deutonen sich knapp vor der 500-Marksperre über die Alpen wälzte und in — fast möchte ich sagen — wenigen Stunden gleich einem ausgehungerten Heuschreckenschwarm alle verfügbaren Quartiere von Venedig bis nach Neapel zur Gänze auffüllte, so baß Hunderte auf den Bahnhöfen oder im Freien übernachten mußten, falls sie es nicht vorzogen, sich abseits von der großen Heeresstraße der Oster-, Rom- und Sonnenpilger, in Livorno, Pisa, Padua und anderswo ein Asyl zu suchen.
Sn Rom selbst hatten schon seit Anfang März die Hotelpor- liers mehr Achselzucken wie Kopfnicken zu vergeben. Die früher gekommen waren, wollten nicht abziehen, ehe sie den römischen Frühling begrüßt, und die Nachfolgenden stauten sich schon ante Portas. Aber erst zu den Osterfeiertagen öffnete sich der römische Himmel und ließ eine Flut von Licht und Glanz hernieder.
And diesen Frühling hatten die Deutschen mitgebracht, besonders die Frauen, die in blendendem Weiß, geradezu strandmäßig ausgerüstet, über den Korso und durch die Eingänge des Kolosseums sich preßten, während die italienischen Damen oft noch im Pelz herumgingen und dem lauen Kosen nicht zu trauen schienen. Einen derartigen Fremdenzustrom hatte Rom schon seit vielen Hahren nicht erlebt. Erst waren kurz vor den Wahlen aus allen Gauen des Landes Tausende faszistischer Bürgermeister hierheu geeilt, um ihrem Heros Mussolini die Reverenz zu erweisen, dann begannen die lauten Tage vor und während der Wahlschlacht, deren Ergebnis nicht zweifelhaft sein konnte, da nur die saszisti- schen Wahlplakate den Abend nach ihrer Anschlagung erlebten, während die anderen unweigerlich verschwanden, kaum daß man sie affichiert hatte. And nun die Deutschen!
Doch nicht die Maitage sind es, die mir Rom unvergeßlich machen. Erst die immer wärmer werdenden, immer dumpfer und schwerer verklingenden Abende mit ihrem warmen Duft, brin-' gen die eigenartigen Reize dieser Stadt zum Aufleuchten und Verklärung. Wie seltsam mutet doch das gesellschaftliche Leben in der Basilica Alpin an, wo nun in einem altrömischen Katakombenbau eines der vornehmsten, römischen Vergo.ügangslokale hineingezwängt wurde, mit Ampeln und weichen Teppichen und süßer, schluchzender Musik. Das neue Rom triumphiert in den Ruinen des alten Rom und diese Ma.-ern, die vor Jahrtausenden noch manches Leid und so unsäglich viel Schmerz und Verzweiflung gesehen haben, müssen nun gelockerte Ssktstlmmung umhüllen, müssen all die modernen TaazwAea ertragen, nach denen auch die heutigen edlen Römerinnen dürsten. Nirgends wirkt der Kontrast zwischen längst Versunkenem und überhitzter Lebensfreude seltsamer als hier.
Wenn man abends nach dem Vesperläuten von der Villa Borghese gegen die Piazza Espagna zugeht. trifft man auf der berühmten spanischen Treppe, die zu dem Dlumenmarkt auf dem spanischen Platze hinabführt, drei Musikanten. Immer zur gewohnten Stunde finden sie sich hier ein, ziehen aus den schwarzen Futteralen ihre Instrumente heraus, eine Flöte, eine Violine und eine Baßgeige. Wenn dann die Leute aus der Kirche heraustreten, bann beginnen sie mit dem Spiel. Dann mischen sich dis zitternden Laute der Violine mit dem quirlenden Ton der Flöte und den dumpf nachhall enden Akkorden der Baßgeige und der taue Äbendwind trägt die Klänge weit über den Platz, hinein in die Straßen, wv sie in dem lauten Rufen der Zeitungsverkäuser, im Getute der Automobile und im Geklingel der elektrischen Straßenbahnen sanft vergehen.
In anderen Orten würden die Leute sich zusammendrängen, einen Kreis bilden und neugierig diesen drei alten Männern, von denen einer sogar blind ist, aufhorchend zusehen. Hier gehen fiel vorüber mit leisen Schritten, andächtig, um nicht das Spiel zu stören, im Vorbeischreiten einige Centimes in den aufgestellten Hut hineinwerseckd, steigen die breiten Stufen hinauf und hinunter, um irgendwo fern von den anderen, allein, von keinem Gesicht bedroht, innezuhalten und zu lauschen, Da und dort stehen welche mit abgekehrtem Antlitz und widmen eine Minute der Andacht.
Anten vom Blumenmarkt, wo sich alle Köstlichkeiten des südlichen Frühlings zusammenfinden, Rosen, Lilien, Orchideen, blühende Mandelstöcke und Palmen, strömt ein wundersamer Dust empor und zittert wie eine auskeimende, unendlich starke Sehnsucht durch die Luft.
Diese drei Greise in ihren abgerissenen Anzügen, mögen sie nun neapolitanische Liebeslieder oder die schmelzenden Motive aus alten italienischen Opern ihren Instrumenten entlocken, sie preisen in ihrer stillen, unaufdringlichen Art das Leben und die Freude. Sn ihren Liedern nehmen sie Anteil daran und werden, wie sts ba einsam zusammenstehen, in sich versunken, groß, schön und liebenswert. _ „,
Denn hier blüht der römische Mai in seiner unendlich prächtigen Vielfältigkeit, hier findet sich alles zusammen, was dieser Stadt den zauberhaften Reiz verleiht, der alte, fulturgebungte Boden, Gesang und Blüten, die stolze Anmut der Spaziergänger


