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streicht, und sich wehrt, tote kräftig sie auch um sich schlägt, um ihn in ihrem Willen zu unterjochen, sie muh sich ihm dennoch beugen und artig folgen. Ihr Gehirn ist dem Zerspringen nahe, st« rann diese Ohirmacht nicht begreifen: der Fisch sitzt ihr im Maule, ist auf dem Wege in den Schlund und dennoch zieht er sie mit sich. Rein . . . nein — und jetzt kurbelt sie gehörig an und schlägt das Wasser mit dem Schwänze zu Gischt; aber der kleine Perlenfunkelnde ist unerbittlich; er ist noch immer um vieles stärker als sie.
Eine unerklärliche Zaubermacht steckt in ihm.
Er ist wahrhaftig nicht sie, die mit ihm dahinschwimmt, er ist es, der mit ihr loszieht —< und von dannen geht es, immer näher zum Licht ttn& zur Oberfläche, die sie instinktiv scheut. Mit einem Male springt der Perlfisch mit ihr in die Luft empor, sie will ihn loslassen, ihn ausspeien, aber zu spät, sie weih im Augenblick nichts mehr von sich selber.
Ihre Augen scherzen, sie hat ein Gefühl, als wollten sie ihr aus dem Kopfe springen; ihr Augenlicht ist getrübt: ein starker, rotglihernder Lichtnebel umgibt sie.
Sie will schwimmen, kann aber das Gleichgewicht nicht erlangen. sie will mit dem Schwänze fechten, um zu entwischen, aber das Wasier um sie her leistet keinen Widerstand.
Eine erstickende Asbelkeit schnürt sofort ihre roten Kiemen zusammen; sie kann die Kiemendeckel nicht weit genug öffnen; sie reiht das Maul auf, um Wasser zu schlucken, aber nur ein dörp render Wind streift sie.
Sie liegt und zappelt in -einem Boote — bald darauf hat ein Mensch sie zwischen seinen Fingern.
„Ein Junghecht ... ein Hechtkind!" murmelte der Hvlz- drechsler. And vorsichtig befreit er Schnock von dem Flimmer und wiegt sie in der Hand ... oh, nicht einmal ein 'elendes Kilo!
Da holt er sein Schnihmesier hervor und kerbt die Rückenflosse ein. And in der Hoffnung, die Gunst der Götter durch seine Hochherzigkeit zu gewinnen und nach Jahren den Burschen wieder ins Garn zu locken, gibt er mit einem Wurf über ichie Reling die hoffnungsvolle junge Schnock dem Leb«: zurück. Schnock hat das gleiche Gefühl wie damals, als der Schlund des Reihers sie wieder ausspie; ihre Eingeweide scheinen zerspringen zu wollen, die Luft geht ihr aus. So erreicht sie das Wasser, sie treibt auf der Seite dahin und erwacht langsam wie aus einer langen Betäubung.
Im Ru ist sie in der Tiefe verschwunden . . .
Ihr Mihtrauen war erwacht. Die Welt war voller Schurkenstreiche — mehr, als sie selber sie verübte!
Die Dämmerung begann sich herabzufenken . . .
Der Sonne rote Feuersäule, die schräg über dem See stand, fiel plötzlich auseinander und zerfloß — wie brennendes Oel lagen die glühenden Reste auf dem Wasserspiegel und leuchteten. Dann verloschen sie nach und nach . . . die Abenddämmerung goh ihre tiefblauen Töne darüber arrs.
Lang und schwarz schoben sich die Schlagschatten von den Äsern ins Wasier hinein; die kleinen Fische von den Riffen suchten Zuflucht in dem schirmenden Röhricht, die jagenden Hechte be- gckben sich zur Ruhe. And während die Oberfläche noch in einem seltsamen Perlmutterglanze funkelte, brütete bereits das nächtliche Dunkel dicht unter dem Wasser.
Geruhsam wie eine Schnecke kroch ein kleiner Krebs über den Boden; er aber war wacher als ein Iltis, horchte und fühlte sich vorsichtig vorwärts. Er kam draußen vom Steinriff und war auf Wanderung über di« Sandebene nach dem nächsten Afer begriffen.
Kneis war ein Räuber, in Panzer und Harnisch gekleidet: er schonte keinen, den zu bewältigen er sich stark genug fühlte. Ein scharfeS, sägeartig^ Stirnschild sprang über seinen Kiefern vor, und die Greifzängen an den Grohklauen waren Halb geöffnet, bereit, die überlistete Beute zu umspannen. Es war ein jüngerer Bursche; so grast wie die Spanne einer Kinderhand und mit einem Schwanz so breit wie ein Finger! Die Augen faßen hoch auf Stielen, und die langen, weitgespreizten Fühlhörner suchten behutsam den Grund in Körperlänge vor ihm herab. Die halb- geschlossenen Klauen schurrten über Steine und Lisienwurzeln unter ihren Anstrengungen, den Panzerkörper vorwärtsschleppen.
Plötzlich ging ein Ruck durch die Fühlhörner . . . Kneif witterte Gefahr und vollführte einen Schlag mit dem Schwanz — und indem er mit einem Sah zurückführ, wühlte er hastig mit dem Borderklauen eine Schlammwolke um sich her auf. Satz folgte auf Bah — in langen, raschen Rucken ragte er. ohne die Richtung zu verändern, durch das Wasser rückwärts davon.
Es war jedoch nur blinder Alarm! Kein Otter, keine Wasserratte — seine schlimmsten Feinde — waren ihm auf den Klauenspitzen. Er konnte sich getrost der Ruhe hingeben und ohne Sorg« sein Suchen nach Rachtraub fortsehen. Sv hielt er mit dem Schlagen des Schwanzes inne und lieh, sich mit. ausladenden Klauen und gespreiztem Fächer langsam durch das Wasser treiben.
Besinnlich und nachdenklich, aber äußerst achtsam tastete er sich voran — um einen Augenblick darauf auf seinen Klauenbeinen weiter über den Seegrund zu schreit«:.
Kneif stammte ton einer alten Rückwärts wandern- den ab, die ein Angeheuer in der Familie der Dekapoden war; sie war zum Schluß so dickbäuchig und schwer geworden, daß
sie kaum mehr zu schwimmen vermochte, am liebsten nur umher» kroch. 3n Aebereinstimmung mit ihren Artgenosiinen hatte sie sich jedes zweite Jahr einen männlichen Krebs als Ehegemahl erkoren, gewöhnlich fand, die Hochzeit im Rovember statt, wenn der Freuden im Freien wenige waren und alles — selbst das Wasser — unfreundlich und grau.
Rach den glücklichen Flitterwochen löste sie immer sehr plötzlich die Beziehungen und zog sich in eine der geräumigsten von den vielen dunklen und tiefen Kellerwohnungen draußen im steinernen Riff zurück. Hier saß sie den ganzen Winter über und wartete, daß die Sonne und die weißen Wasierlilien ihr die kleinen Kinder brächten!
And sie kamen auch!
Aus den Eiern, die sich zu Dutzenden an den Schwanzfächer geheftet hatten, krochen im folgenden Sommer haufenweise die kleinen Geschöpf«:, die von Geburt an winzige Klauen, winzige Stirn- fchilde und winzige Hörner besaßen und alle ein getreues Abbild von ihm, dem Schildrresen, waren. Mit der einen Klaue sich fest an die wenig entwrckelten Schwanzklauen der Krebsmutter an klammernd, hingen sie tote an einem Häng sek, während sie sich mit der anderen so viel wie möglich gegenseitig bekriegten.
Das wehrhafte Fräulein. j
Bon Friedrich Freksa. i
(Fortsetzung.)
„Sir Stuart," antwortete das Fräulein, „Eure Werbung ist eine schlimmere Beleidigung als die Gewalttat zuvor. Ich bete jetzt ein Vaterunser, steht Ihr noch da, wenn ich gesprochen habe: ,un& vergib uns unsere Schuld*, so fällt mein Schuß."
Sie reckte sich höher, als sie zu beten begann: „Anser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Rame, dein Reich komme, tote im Himmel, also auch auf Erden, unser täglich Brot gib uns heute." Mit diesen Worten hob sie langsam die Pistole und fuhr fort, während der Finger den Drücker umschloß: „und vergib uns . . ." Doch den Beschluß dieser Ditte wartete Sir Stuart nicht ab. Fluchend, eilte er durch den Gang auf die Straße hinaus, während' das Fräulein weiter betet«: „unsere Schuld, tote auch wir vergeben . . ." Sie vollendete die Bitte nicht, sondern rief mit schneidender Stimme: „Rein!" ••
Die Kuffin kam aus dem Dunkel des Etnges hervor, noch immer das Hackbeil in den beiden, nervigen Händen. Das Fräulein gebot: „Geh und' schließe die Pforte des Hauses und sieh, ob alles sicher ist."
Die Kuffin tat, wie ihr geheißen ward, doch als sie hinausschaute auf die Gasse, erspähte sie keinen der Reiter mehr. Sie vernahm nur noch den sich entfernenden Hufschlag der Rosse.
„Ausgewettert hat es!" vermeldete sie mit lauter Stimme dem Fräulein, das noch immer kampfgerüstet im Hofe stand.
Da entspannte sich der gestreckte Körper des Mädchens. Sie wandte sich zum Stalle zurück, um nach ihrem Pflegling zu sehen. Tief erstaunte sie, als sie ihn im Hemd am Pfosten des Stalltores stehen sah, während in der Rechten der Stoßdegen zitterte.
„Ihr seid, auf, Herr Rittmeister!"
„Hörte Mordiogeschrei, vernahm, daß es um Euch ginge, und suchte zu tun, was ritterliche Pflicht ist. Knochen und Sehnen sind noch mürbe, aber vielleicht wäre ein unerwarteter Stoß doch gelungen."
Gottliebe geleitete den Kranken zu seinem Lager zurück und brachte ihm kräftigende Speise, denn sie war voller Furcht, dies Aufraffen des Körpers könne ihm schaden.
Allein der kriegerische Lärm schien den Soldaten neu belebt zu Haben, tote ein heilender Trunk. Herr Achatius blickte scharf und klar, er stieß keine abgebrochenen Worte beim Reden hervor, sondern band die Sähe zierlich zusammen. „Womit, Fräulein Gottliebe, könnte ich alle die Mühe und Rot wettmachen, die Ihr für mich getragen habt?"
„Verzeiht mir," antwortete das Fräulein, „daß ich nichts von Euch begehre. Ich habe nur gutgemacht, was droben, in Herrenbruch an Euch gesündigt ward."
„Wisset Ihr nichts, wonach Euch lüstet, auf daß ich's Euch erfülle, wenn ich's vermag?"
Das Fräulein senkte die Augen, die von ungefähr auf den Stoßdegen 'des Rittmeisters fielen. Es war eine edle Waffe, dreikantig, biegsam wie eine Rute und verriet die Hand eines Toledaner Meisters. Kunstvoll war das Stichblatt mit Aehungen und eingelegtem Silber verziert. Gottliebe bückte sich. Sie ergriff den Knauf und' wog die Waffe in der Hand. „Seid Ihr ein Meister der Fechtkunst?" fragte sie sinnend.
„Habe schon vielen widerstanden mit Säbel und Stoßdegen. Din nur einem begegnet, der mir's gleich tat. War Sir Stuart, mein Leutnant, da ich als Kornett bei den Wallonischen Kürassieren stand. Habe ihm, der auf jede Weise zu fechten verstand, alles äbgelernt, was er konnte, und heute, da sieben Jahre verstrichen sind«, in denen ich oft den Degen führen mußte im Spiel und sm Ernst, glaub' ich, wär' er mir nicht gewachsen."
„Habt Ihr meinen Feind, Sir Stuart, erkannt?"
„Hatte nur soviel Kraft, um mich anzuspannen zu dem einen Stoß, den ich zu führen vermocht hätte."
Fräulein Gottlieb« schwieg. Sie rollte das Handgelenk und sieh die Spitze der Toledaner Kling« in kleinen Kreisen schwingen.


