Gietzener jamilienblatter

Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Jahrgang Samstag, den l5. März ^"^Hmmery

Wünsche.

Don A. KL 2t e tt k e

@8 rascheln und flattern die Flügel der Macht über dem einsamen Feld flattern leise und sacht...

fentferne ein Höhensaum bläh blittkend herüberträumt man sicht ihn kaum Dort ist das Ende der Welt,

Da stehen all unsere tausend Träume in leuchtender Pracht, da stehen all unsere Wünsche und warten, daß wir empor aus dem Brachland steigen - da stehen all unsere Wünsche und geigen ein wundersames Lied---

GchiieUunst eifriger zuwatchte, Hat Karl Ebel nachgew-iesen. Er hat einen Vertrag von 1481 gefunden, worinSiegfried der Armbruster" erklärt, daß ihn Bürgermeister und Aalzu einem knechte empfangen hant, meinem gnedigsten Herrn dem Land­grafen und bet stadt zu den Sieben zu dienen". Auch Philipp der Großmütige wandte, wie feine Vorfahren, dem Schützen- Wesen seine Sorgfalt zu und zeigte fein Wohlwollen durch Stif­tung von Kleinodien an Schühengesellschaften. 1524 beteiligte er sich mit einer stattlichen Zahl anderer Fürsten an dem vom Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz in Heidelberg veranstal­teten Ärmbrustschiesten. Auch die Landgrafen Ludwig IV. von Hessen-Marburg und Ludwig V. von Hessen-Darmstadt bewiesen ihr Wohlwollen an der Schützensache. 3n Gießen wurde die eitle Kunst in den folgenden Jahrhunderten eifrig geübt.

3n Laubach entwickelte sich das Schühenwesen in gedeihlicher Weise in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Diese Entwick­lung hängt eng zusammen mit der Errichtung der Reichsgrafschaft DolmS-Laubach Als im Jahre 1418 das Haus Falkenstein erlosch, kam Laubach an das Haus Solms, und zwar an die Johannes- Linie. Graf Otto, der Gemahl von Anna geb. Herzogin von Mecklenburg (Witwe des Landgrafen Wilhelm Mittleren drn Hessen, Mutter Philipps des Großmütigen) ist der Stifter der Svlms-Laubacher Grafenlinie. Er starb 1522. Sein Sohn Friedrich Magnus (15211561) war ein tüchtiger Regent, Er begründete die Lateinschule zu Laubach, führte die Reformatioji ein und baute die Stadtbefestigung von Laubach aus. So wandte er, tote fein Halbbruder Landgraf Philipp der Großmütige, auch dem Schützenwesen seine besondere Aufmerksamkeit zu. Aus feiner Zeit stammt noch der älteste Deik des Laubacher Schützenklcinods, das der Schützenkönig alljährlich beimAusschuß" im F-stzug trägt. Er trägt an schwarzrotgrüner Schnur neben dem beson­deren Dchühenemblem eine Reihe von Denkmünzen vom 16. bis 18. Jahrhundert. An der Schnur hängt zunächst eine silberne Kugel, mit Eichenlaub geziert, die durch eine silberne Kette mit dem ältesten Teil des Kleinods, einem silbernen Medaillon von 61/» Zentimeter Durchmesser, verbunden ist. Avers: älmschrift in lateinischen Majuskeln: DER * BOXEN * SCHYTZEN % GESEL U SCHA-FFT * 1540. Eichenlaub. In der Mitte das Reliefbild des Grafen Friedrich Kopf von links. Revers: In lateinischen Majuskeln: Friedrich Graf zu Solms-Lavbach der Laubacher Ausschussgesellschaft zum Andenken 1893. (Gras Friedrich stiftete dies«8i fein Reliefbild aus besonderes Ersuchen bei Gelegenheit seines 60. Geburtstags.) An diesem aus 1540 stammenden Medaillon hängt eine silberne Büchse älterer Form, darunter drei Denkmünzen des Grafen Christian August (1738 bis 84). in Talerform, die, ebenfalls mit silbernen Ketten ver­bunden, nebeneinander in einer Reihe hängen. Der erste Taler bezieht sich auf die Vermählung des Erbgrafen (2. Aov. 1767); der zweite ist besonders bemerkenswert, da er eine malerische An­sicht der Stadt Laubach mit ihren vielen Schloß- und Festungs­türmen von der Südseite aus bietet; der dritte bezieht ficb auf die Vermählung des Grafen Christian August mit Elisabeth Gräfin zu Bfenburg am 27. Dezember 1738. Darunter hängen an silberner Kette nebeneinander zwei Taler des Grafen Christian August, von denen der eine (vom Jahre 1767) sich auf die 1.2jährige Führung des gräfliche wetterauischen Direktoriums be­zieht. Der andere (vom Jahre 1770) ist bemerkenswert durch eine Darstellung des gräflichen JagdschlossesSorgenlos". Darunter hängt als Abschluß des Schühenkleinods an silberner Kette ein Taler des Grafen Christian August vom Jahre 1770. dm dieser auf den Grafen Otto, den Stammvater des Hauses Solms-Laubach (14691522), nach einer im Laubacher Archiv vorhandenen Porträt-Medaille von 1520 prägen ließ

Die Einrichtung dieser Düchsenschützengesellfchaft hat eine be­sondere Aehnlichkeit mit derjenigen derSchießgesellen" von Steinau im Kinzigtal, worüber wir nach, demSteinauer Ge-. richtsbuch" genauer unterrichtet find; die Einrichtung gehört der gleichen Zeit an. (Auch hier erhielt der Schüheickönig einen Hammel, den das Kloster Schlüchtern zu stiften hatte, wofür die Schühengesellschast dem Kloster Hilfe und Beistandes fei in Fehde, Kriegszügen und anderen gefährlichen Zeiten" zu leisten hatte. 3m Jahve 1537 wurde dieses »Schießchr und Rüstung" auf Befehl der Herrschaft wieder aufgerichtet.) DieSchützen» gesellschaft" empfing für ihre Leistung alljährlich Tuch. Geld und Wein alsVerehrung" und trat in das Gewehr, wenn »in geschwinden Zeitläuften ober Empörung und Aufruhr halber bisGlocken geschlagen und in das Horn geblasen" wurde.

Der Laubacher Ausschuß.

Don Dr. August Roe scheu.

In dem lieblichen, waldumrauichten Städtchen Laubach findet jSlljährlilchi um die Mitte Juni feit Jahrhunderten ein Volksfest Batt, wie es in dieser Eigenart in feinem anderen Orte Deutsch­lands mehr gefeiert wird. Cs verbindet geschichtliche Erinnerungen an das alte Deutsche Reich mit der Gegenwart und bedeutet für den eingeborenen Laubacher dasselbe, was dem Grünberger der Eatlmarkt, dem Schottener der Sommermarkt, dem Hungener sowie dem oberhessischen Landwirt di« Kirchweihe ist. Es ist der »Laubacher Ausschuß".

Alljährlich am dritten Ostertag tritt imSchützenhof" zu Laubach die LaubacherAuSschuß-Gesellfchaft" zusammen, be­stehend aus den männlichen Bewohnern der Stadt vom 18. Le­bensjahr an. Diese Gesellschaft wählt einenHauptmann" und 13Hauptführer", welchen die Vorbereitung und die Leitung der Festlichkeiten obliegt. Dies« erstrecken sich auf drei Tage. Am ersten Festtag, Sonntag nachmittag nach dem Gottesdienst, wird die Feier mit Volksbelustigungen eröffnet. Den Mittelpunkt des Festes aber bildet der Montag, wo ein Festzug von 300 bis 400 Leuten durch die Straßen zieht, und wo von 10 ülhr morgens bis zum Abend ein eifriges Preisschießen stattfindet. Am Diens­tag morgen erholt man sich von den AnstrerUungen des Festes Und ruht aus zu neuen Taten. Am Dienstag mittag ist wieder allgemeine Volksbelustigung. Am Abend klingt das Fest aus.

Das Fest erinnert an die germanischen Heereseinrichtungen, an den Heerbann, an das allgemeine Aufgebot, dessen Einrich­tungen sch vornehmlich im fränkischen Reiche ausgebildet und auch unsere Heimat beeinflußt hatten. Die Ausbildung des Lehnswesens begünstigte die älmwandlung der Bolksheeve in schwer gerüstete Reiterheere. Me durch besondere kriegerische Hebung geschulten Ritter verdrängten fast in allen abendländischen Reichen das Fußvoll. An die Stelle des Heerbanns traten Lehns- cder Vasallen Heere. Das Wachsen der Städte und das Empor- fcmmen des Bürgertums bewirkte einen Umschwung. Die streit­bare und gut bewaffnete Dürgerschast bildete mehr und mehr einen wichtigen Teil der Streitmacht des Landes. Eine weiters, Wohl noch, bedeutendere Veränderung brachte die Erfindung des Schießpulvers und die allgemeine Einführung der Feuerwaffen seit der Mitte des 14. Jahrhunderts. Schon um die Wende des 14. Jahrhunderts kamen Handfeuerwaffen mehr und mehr in Gebrauch, und schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurden Ge­schähe häufiger im Feldkriege verwendet. Die Bedeutung des Rittertums wurde immer geringer, und die zunftmäßig orgam- Iierten Landsknechte traten immer mehr hervor. Allmählich bildete ich, auch das Werbeshstem aus. Außerdem aber entwickelte sich, vornehmlich in den Städten und Städtchen, das Schützenwesen. So finden wir auch in unserer Heimat schon frühzeitig einq organisierte Ausbildung des Schützenwesens. Seine Anfänge in der Freien Reichsstadt Friedberg hat gerb. Dreher bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgt; in diesem Zeitabschnitt läßt sich hier bereits eine Schützengilde feststellen, die sonntägliche Hebungen abhielt. Hier bediente man sich der Armbrust. Ilm die Mitte des 15. Jahrhunderts traten hier »Düchsenschützen" hinzu. Daß man in Gießen in diesem Jahrhundert sich bereits der edlen

*) Aus einem entzückend auSgestatteten Band voll feinster, Mchlifsenster Lyrik (»Anna Maria" mr Wollenwandererverlag,